Ausgabe 
8.6.1918
 
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vollen Zogen sein Leben genießen durfte, er war stolz und glücklich und es war ihm, als öffne sich ihm ein Do-r zu einer ungeahnten, blendenden Seligkeit.

Da ertönte Geschrei und Geklirr zerschlagener Scheiben vom Eingang. Männer mit wilden Augen und drohenden Händel, dran­gen in den Saal. Die Gäste und Kellner flohen. Der Aufstand in Petersburg hatte gesiegt und eine Gruppe von Gewalttätern benützte die Gelegenheit zu Raub und Plünderung.

< Foma sah und Hörte nichts. Er saß und trank seinen Wein. Um seinen Tisch staute sich die Rotte, verblüfft durch die Ruhe des Tafelnden.

Aber schon sprang der Ruf ans der Menge:

Er lacht uns aus, der Fresser!"

Eine geballte Faust fuhr Foma unter die Nase. Der sah er­staunt auf, unwillig über die Störung seiner Träume.

W-as wollt ihr? Lasst.mich essen!" sagte er kurz.

Wildes Geschrei erhob sich. Die Menge suhlte sich verhöhnt, glaubte einen von den Reichen und Mächtigere vor sich zu haben, denen ihr Haß galt.

Hängt den Schurken, der glaubt, uns befehlen zu Menen?"

Die Rotte, führerlos, bloß von dunklen Instinkten geleitet, nchchle die Aufforderung zur Tat. Foma wehrte sich nickst, sah nur verständnislos ans die Männer, die ihn umdrüngten und ernpor- rissen.

Sie knüpften ihn an den goldschimmernden Kronleuchter.

Dort hing der kleine Schreiber aus dein Finanzministeriums der für die Sache der Reichen, zu denen er einen halben Tag lang hehört hatte, sein Leben gelassen hatte, bis zum Abend mit einem schiefen, erstaunten Lächeln um die Lippen, und es war, als träumte er noch immer von einem ungeahnten Glück. Dann schnitt ihn ein mitleidiger Droschkenkutscher ab und bettete die Leiche aus den toeichen, riesen Teppich, der den Boden des verwüsteten Restaurants bedeckte.

Ungeziefer am Gemöse.

Bei der anhaltenden Trockenheit richtet zur Zeit derErdslvtz in den Beeten mit Gemiuse-Setzpslanzerr, wie auch in den Feldern au jden bereits verpflanzten Gnnüsekohiarteu großen Schaden an. Die­ser Schädling, ein kleiner Küfer von bläulichgrüner Farbe, ist durch seine stark Entwickelten HinterbÄne mit den kräftigen Schenkeln zu weiten Sprüngen befähigt. Tie Küfer und ihre Larven zer­fressen und dur-Hlöchrrn besonders gern die Sämlinge der Kohl- pflanzen. Ter SW,jaden, de:: der Kohlerdfloh oder Gartenhüpser anrichtet, ist au: größten bei sonnigem Wetter und aus trockenen, sreiliegerrden Beetm: wrd Weckern. Tie.Erfahrung hat gelahrt, dap> es am bestjen ist, Kohlsämereien auf fe-ulstlregendes, etwas be­schattetes Land zu säen.. NWe.können die Erdflöhe nicht leiden, deshalb gieße Maar häufig. Tie Gärtner, die das fleißig sichon aus dem Grunde tun, damit die Pflanzen rasch wachsen rard bald verkauft ioevden köamen, haben nicht über den Erdsloh zu klagen. Tie meisten der emlpfvhlenen Schutznrittel versagen in eurem trok- kenm Jahr. Immerhin kann Man dem Gießivasser einen Tabak- oder Wermutausguß zusetzen, auch ein Bestreuen mit Kalkstarw und Holzasche toird enrpsohlen. Zunri Wegfangen der Käfer bestreicht mau hie Unterseiten eines Brettes mit Dorr oder einem anderer Kleb- stjosf, und zwei Kinder tragen dann ^das Brett dicht über den Pflan­zen hin, so daß die beweglichm Käfer eMpiorschuelleu und im Teer festkleberr. Dieselbe Wirkung erzielt man auch Item Man einen Pack Hobelspäne oder Holzwolle an einen Stab bindet, ihn in er­wärmten Teer tätlichst und dann damit bei warmem Sonnenschein über die Pflanzer: hin :mid her fährt. Bei Regentvetter ver>- schuinden die Erdflöhe sofort. j

Eine weitere Plage ist in diesem Jahre die Bl a t t l a u s, die sich besonders in großer Menge an bcn Kirschbäum n, den Johannis­beersträuchern und den dicken Bohnen zeigt. Hie und da sind mich die Blätter der Gartenbohnen damit besetzt, was sonst eine Selten­heit war. Tie Blattläuse befallen Bäum und Strauch, sie nehmen im Obst-uich Gemüsegarten, am Getreide und au den Hülsensrüchteu vft so überhand, daß Gärtner und Landwirt ratlos dastehen. Ihre zuckerhaltigen Ausscheidungen bilden den Honigtau, der schädlich auf die Blätter einwirkt, weil der glänzende Ueberzng die Atem- vfsNmrgen der Blätter verschließt. Wenn man bedenkt, daß eine einzige Blattlaus im Laufe des Sommers über eine Million Kinder und Mndeskinder in die Welt setzt, dann wird man die allgemeine Verseuchung erklärlich finden, die dann Antritt, welm nicht beim ersten Auftreten im Frühjahr dagegen angekämpft wird. An jungen l Zwictrg- und SpälieÄäumerr hat man im Winter Zeit, die Eier von den Zweigen abzuwaschen, abznkratzen und zu vernichten. Auch - die Meisen Picker: sie in großer Menge von den Zweigen. Die Blatt- ? läuft selbst werden von Goldhähnchen, Meisau, Laubvögeln usw. j aufs eifrigste verfolgt. Im kleinen, z. B. aus Rosenstammchen, \ Stachelbeersträuchern Usw. bekämpft man sie am einfachsten durch \ Wstveifen und Erdrücke:: mit den Fingern. .Zur Vertilgung int j großen werden Seiferttvasser, Tabaksextraktbrühe, schweselfaures ! Alurnininm in einprozeutiger Lösung, auch nach Vorschrift ver- i dünntes Karbolineum empfohlen. Gute Düngung der Pflanzen, z die stets ein rasches Wachstum Hervorrust, vermindert auch den ; Schaden des Ungeziefers, das stets rmr an die zarten Triebe geht. *

; BüchrrtM.

1Sebastian Carbonell" (Verlag August Scherl G. m. b. H., Berlin. Preis 1 Mk., Teuerrrngszuschlag 25 .Pf.). Tie Schilderungen des jungen deutschen Seemannes, der übrigens später die ruhmreiche ziveite Fahrt derMöwe" mitmachen durfte, tzebcn ein anziehendes Bild von all den Schi karren und Brutal:- sierrmgen, mit denen England die mutrale Schiffahrt so tiber­reichlich bedenkt, ro:d sind somit ein neues Dokument zur Charak­terisierung unseres gefährlichster: Feindes.

. A. O. Weber, Indiskretionen III, Erlebtes und Erlauschtes. .Verlag: Wiedemannsche Druckerei A.-G, Verlag, Saalfeld, Thüringen. Preis 3 Mark. Der bekannte Satiriker plau­dert in seinem dritteln Band der uttt so vielem Beifall aufge- nommerren Jndiskretionen-Bünde wieder so Mrzersrischend, daß der Leser kaum aus dem Lachen herauskommt.

Licht und Leben im Tierreich. Von Pros. Dr. W. Stempel!. 122 Seiten und 35 Textftguren. (Wissenschaft und Bildung, Bd. 147.) Gebunden 1,50 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.

Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Lite- raturstemrde. (Begrwcket von Dr. Josef Ettlinger. HerausgegebeN von Dr. Ernst Heilborn.) Verlag: Egon Fleischer L Co., Berlin W9. Das zweite Juniheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Michael Charol: Stofs und Forrn; H. W. Keim: Motiv und künstlerische Form; Heruz Stolz st Hermann Harry Schmitz: Paul Megler: Der deutsche Johann Christof; Fedvr v. Zabeltitz: Alts dem großen Kriege; Max Ostrop: Deutsche Dichter in: Roman Echo der Bühnen Echo der Zeit argen Echo der Zeitschriften »Echo des Auslandes Kunze Anzeigen.

! Die Schön heit. Moderrre illustrierte Monatsschrift mit BeiblattLicht, Lust, Leben". 14. Jahrg. Heft 12 Mk. 1.. (Verlag der Schönheit, Dresden-A. 24.) Wiederum ein Bekenntnis zu allem Schönen auf dem Erdenrund! Wir, lernen in Wort und Bild das Edelste aus dem graphischen Schaffer: um> Wirken vor: Hubert Wilrn, zarte symbolische Schöpfungen von 5peinrich Voge­ler kennen. Mit Hanns Altermann, dem feinsinnig Plaridernden, machen wir eine trarrmhaste Reise durch die Märchenschönheit des deutschen Landes, und dieStunde der Begeisterung", wie sie der Schiller-Urenkel Alexander von Gleichen-Rußtmirm schildert, gießt Uns selbst Feuer ins Blut. Gute Novellen und Gedichte vervoll­ständigen das schmucke Heft.

Gießener Hansfrarrerr-Berein. Kochamveisuugen.

Spargelsalat. Spargel wird in Salzwasser weich gekocht. Unterdessen bringt u:an Vs Liter Wasser mit 2 Teelöffel Kar- tvsselmebl zubn Echsen, wobei man fortwährend rikhren n:, gibt Salz, Pfeffer, 2 Teelöffel guten Essig dazu und läßt die Soße «Mühlen. Ttamr fügt mar: 1 Ei^vder Ei-Ersatz, einen ttkapl>en Tee­löffel Steus rmd ganz loenig geriebene Zwiebel hinzu und gibt den Nrrcz geschuittenn: Spargel hinein. Mär: trägt den Salat erst auf, wenn er vollständig erkaltet ist.

Spargelsvße. Im Wasserbad verquirlt nmu: 1 Wasser­glas voll Apfelwein, 1 Glas SpargelbrRlre, wenig Salz, ein Eigelb, ettvas gelösten Ci-Erscrtz, eine Kleinigkeit gerieberre Zwiebel, 1 Teelöffel Kartoffelmehl, 1 Lösel Domalemnark, bis es dick ist fintb mischt ban Schmve von 1 Eiweiß darinrter. Muß sofort gegessen werden. -

Spargel ge richt. 5 ganze Eier werden mit Z /4 Liter Milch im Wasserbad gequirlt, 60 Gramm Butter, ettvas Salz dazngetaN und wenn es dicklich ist, über die Spargelstücke gegeben und einige Augenblicke im Rohr ausziehen gelassen.

Kriegssterz zu Gemüse. Vs Pfund Kriegsmehl wird in eiserner Pfanne ans jrckchtM starkem Feuer hellgelb geröstet. .Darm fügt nian unter fortwäh-rendent Rührei: kochendes gesalzenes Wasser löffelweise hinzu, daß ein dicker Teig entsteht, von dem mm: Klöße absticht, die man nrit etwas zerlassener Butter übergosseni zu Obst reichen oder mit aus gebratenen Spccüvürseln an geröstet zu Gemüse geben kann.

Käse schnitten als Beilage zu Gemüse. Fester, ansgö- preßter Schmierkäse wirb in Scheiben geschtttten, in gut gesal­zenem Ei, dann rn Brotbrösel gewälzt, 'wenn Möglich zweimal urcd braun gebacken.

Silbenversteckrätsel.

ArmtzniSo, Leitr^a, IVunler, lagegzisitullF, Lebelw, Ackou, Lübs!»

LerZ',. llsvior, I,s 8 Ziug, Ztaatstzleläer.

Es ist ein Sinnsvruch zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern, ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung.

(Auslösung in nächster Nummer.)

Auslösung der Gleichl'.ng in voriger Nummer:

Brigadegeneral

(a Raß, b, n Riga, d Degen, e er, f Alma).

Schristleitu»g: W. Meyer, ZwillinqSrunddruck der Brühl'scheu Nnw.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.