Flieger über fiondon,
ßHrte Londoner Erzählung aus den Spätherbsttagen 1915. Von Justus Schoenthal.
(Fortsetzung.)'-
, Ich weiß, Marianne, daß Sie dies Land, die Menschen hier nicht lieben. Ich bin unabhängig genug, Ihren Punschen Rechnung tragen zu können. Ein Wort von ^>h neu, und wir werden den einsam-gemeinsamen Weg in Ihrer Heimat
drüben wandern . .
Er brach ab. _ r
Marianne, ich will keine Antwort von Ihnen haben, noch'keine Antwort. Noch blühen die Blumen nicht aus Ttndxc'i Gräbern. :>er einmal wird ein strahlender Morgen erstehen. Dann sich die Wunden in unfern Herzen
geschlossen habe oann, Marianne, dann will ich vv
Sie hintreten du^..^und eine Frage an Sre richten. Bis
dahir^ab^- ba§ Pichen des alten Dieners untere
brochen. . ^ ^
Der Viscount zog die Stirn in Falten.
Was gibt es?" t E
Der Graulopf aber schritt nicht auf ihn, sondern aus Marianne zu und reichte ihr aus silberner hla.te die Kurte
Der'Herr bittet um Entschuldigung wegen der Störiing rn so ungewöhnlicher Stunde. Aber die Angelegenheit, in der er das gnädige Fräulein zu sprechen wünsche, dursre sein Eiildringen rechtfertigen." ch, , . . .
Marianne sah unschlüssig abwechselnd auf die Ka^te
Uild ihren Schwager.
Der Viscount erhob sich. .
„Ich will nicht im Wege stehen, Marianne, ^ch haKe ohnedies die Absicht, heute noch ein Stündchen den „Army and Navy" aufzusuchen. .Ich will mich nur nvu) um.widen. Auf Wiedersehn! Bestelle Herrn Atterley erneu Gruß von mir!"
'Marianire ging in die Halle hinaus. .
„Jst's etwas Gutes oder Schlimmes, das Sre brmgen.
Herr^Atterl^ch vermag i ch. am wenigsten zu beurteilen. Der mich sandte, glaubte wohl, es sei euvas Gutes.
„Sie kommen in fremdem Auftrag..
, Von Captain Longford, gnädiges Kraulern. Er brütet Sie durch mich, diesen Brief eutgegenneynren zu woliem FUr Herz klopfte zum Zersprungen. Was war das h-mte für ein wunderlicher Tag? Nahm denn dreier Sturm rer
Ereignisse kein Ende? o
• , Und warum schickt der Hailptmann L>ie, Herr örterte.)?
Ist i^m der Eintritt in dies Haus verwehrt?
, Das alles lehrt Sie dieser Brief, dessen Inhalt mir übrigens nicht-genau bekannt ist. Ich darf aber die Baroneß bitten, ihn mit niöglichster Ruhe zu lesen 5
Mit zitternden Händen erbrach Marianne den Um Fast fiebernd las sie die Zeilen. Dann bedeckte ftc bas Gkjtatf mit den Händen, und Atterley wollte es fast bedünken, als werde ihr Körper von heftigem Schluchzen erschutter».
„Verzeihen Sie, Herr Atterley . . . ich muß. - • Aw Gedulden Sie sich ein paar Minuten! Ich werde sv,ort wieder bei Ihnen sein."
Und sie stürzte davon, arrf ihr Zimmer, um noch einmal Niid noch einmal diesen Brief zu lesen.
Währenddessen ging der Hilfszensor ungeduldig vor dem Kamin auf und ab.
Er zog die Uhr. Zu dumm! Hätte er nur einen kleinen Imbiß erst zu sich genommen! Sein Magen schmerzte vor
^Endlich ließen sich Schritte aus der Treppe hören. Aber es war nicht Marianne, es war der Viscount, der sich gerade zum Ausgeheu anschickte.
Er lüstete höflich den Aeidenhut.
„Ah, Mister Atterley?" „ >tj
„Mylord verzeihen, daß ich so spat- 7 —
/Aster bitte, bitte. — Wollen Sre mrtkomnren? Ich fahre in den „Army and Navy." .
, Vielen Darck für Ihre gütige Einladung, Mylord. Aber'das griädige Fräulein hat mir ausgetragen, hier zu attCTt ^
„Nun, vielleicht kommen Sie nach. Einstweilen guter
Abend."
„Guten Abend, Viscount. .
Und wieder wanderte Atterley vom Kamm zum ^.epvich, vom Teppich zum Kamin. Mit knurrendem Magen und
Unmut im Herzen.
Endlich kam Märianne Zurück.
, Es ist gut!" können Sie Herrn Longford sagen . .. Uebrigens, gestatten Sie die Frage: Sind Sie in alles ern-- geweiht? Wollen wir nicht hier eintreten?'
Sie öffnete die Tür zum Herrenzimmer „Also bitte, hier können Sw ganz frei reden.
Ob ich in alles eingeweiht bin, weiß ich nicht, gnädigste Baroneß. Doch kenne ich Herrn Longfords wahren Namen; ich kenne seine Fluchtpläne, und ich.weiß, daß das gn^rge Fräulein, wenn das Stichwort „es ist gut hallt, eben! all- den Boden Großbritanniens verlassen und sich Herrn Long- iords Führung anvertrauen will. Mehr weiß ich nicht. Die ganze Angelegenheit würde ich keinem anderen alv gerade Longford glauben. Von seinem Wesen geht em )o sregha ter Zug aus, daß ich mich ruhig ihm anvertrauen wurde, und sollte die Reise nach dem Mond gehen." .
Ein alückliches Leuchten stahl sich in Ncarianne^ Augen. Ha, sieghaft das ist das rechte Wort!" flüsterte sie vor
W ^Was mich persönlich betrifft." sichr Atterley fort, „jo wird'es mir ein Vergnügen sein, dem gnädigen gramem dienen zu können. Ich habe Herrn Longford versprochen, L>ie nach Margate zu geleiten, und zwar an dem Tage oder besser.


