„Meine Ahnungen sind recht friedlich. .Ich habe das Gefühl jener Beunruhigung, wie sie etwa ein Landmann nach getaner Arbeit hat."
Atterley matib feierlich.
„Mister Longford, Sre haben mir einmal in mreraen- nütziger Weise geholfen. Sie h-aberr mir dabei verraten, daß Sie geheime Widersacher fürchten. Ich kann Ihnen den Menst, dein Sie mir gel-eistet, heute wieder teilweise vergelten. Ich- habe heute unter der holländischen Post einen Brief gefunden, der Ihr Verderben sein kann. Offenbar hat der Minister unfern Konsul in Rotterdam veranlaßt, nach Ihrem früheren Aufenthalt dort Nachsorschmrgen anzustellen und ihm persönlich in seine Wohnung Bescheid zu geben. Das letztere ist ein Glück für Sie. Sonst hatte ich den Brief gar nicht zu sehen bekommen; denn Briefe an Behörden gehen nicht durch die Hände der Zensur."
„Nun, und was hat denn der brave Humphrey heraus-
^ * , Sehr unangenehme Dinge. Er behauptet, Ihr ganzes Auftreten sei — werden Sie nicht ungehalten! Aber er schreibt so wirklich! — Schwindel gewesen. Die Familie Mev oder Droh seien deutsche Kundschafter und Sie siche^ lich auch. Ich kann Ihnen nur raten: Fliehen Sie, so rasch Sie köirnen! Morgen früh erhält der Minister den verhängnisvollen Brief mit der ersten Post zugestellt, und was
dann geschieht . . . ?" „„„„ . , _ , ,
, Und wie denken Sie über den Fall?" fügte Longford, so leichtsinnig und übermütig es ihm nlöglich war.
, Er ist jedenfalls ernst genug. Ich begreife mchL, daß Sie noch scherzen können. Mich persönlich hat es ja nicht zu kümmern, ob Sie ein Spion find oder nicht. Ich war ^hnen zu Dank verpflichtet und habe diese Dankesschuld jetzt ab-
zutra^n verbucht. Mensch!" sagte Longford fast ge
rührt und reichte ihni die Hand. „Ja, es nützt nichts mehr. Meiil Tagewerk ist hier vollbracht. Ich will mit offenen Karten spielen. Mein Name ist nicht Longford. Ich heiße Paul Kersten und bin ein preußischer Hauptmann. Der Minister wird Ihnen das im wesentlichen bestätigen können. Ich sehe keinen Grund, es Ihnen, der mich in dieses Land eingeführt, noch länger vorzuenthalten."
„Das ist . . . das ist ja fürchterlich. 'oie sind ja ein
Kind "des Todes!"
„Das sind wir alle, Mister Atterley! Wir vergessen es
„Und Sie können so ruhig und heiter sein?! Warum fliehen Sie deiin nicht?"
„Das hat mir mein VorgescHter von gestern, der Minister, verboten!"
, Sie machen Witze, Herr Hauptmann? Jii Ihrer Lage?
Und ich bekomme Herzkrämpfe, wenn ich Ihre Lage überdenke t"
Lieber Mister Atterley, das ist doch weit besser, als wenn Sie Witze machten und ich Her'z^ämpse bekäme."
(Fortsetzung folgt.)
Aeindflug.
Gurt Reinhard Dietz.
F-lieaerkasino herrschte eine aus gelassene Lustigkeit, als Rittmeister von Büyren eintrat. Freiherr von Ellerkauw von der Jagdstaffel hatte seinen dreiundzwanzigsten, Leutnant ^-vevers Ken elften Gegner abgeschpssm. Man stierte. Der Ulanenrttt- meister der seit kurzem die Fetdflieg.erabteil.ung! führte, blieb am Lußersieg Ende des Tisches stehen. Prüfend überblickte er die ganze ffl* iw«tt er jem«Bbm lache. Taim llmgelte et mit bem Breiten 'Siegelring an eines der ungefüllten Glaser.
^, Gestatten Sie, daß ich Sie einen Monrent störe Ts ist sofort ein Änfklärungsslng zu fnackM. Ich such« Freiwillige dafür — Lie werden verstehen, was das bedeutet. Z^ve: Apparate ftnd bis jetzt bei der Sache verloren gegangen. Leutnant Elbs ist tmi eSem Fluge schwer verwundet zurückgekehrt — dank der Geches- aeaenwart des Führers überhaupt zuruckgekehrt. Da kbm:eu Sie sich ungefähr denken, worum es sichhandelt.Jchbenüttge n«r iwck> Führer, Graf Poppenhusen hat ftch beretts erboten, als Be-
^^Man^httt^istn'aufmerksam zugehört. Hier und' da sprangen «in paar Herren auf. Vom untersten ^rde der Tafel klang eene fetze, entschlossene Stimme^ herauf. ,,^ch bitte sehr darum, den
' ^Bemd^lLelofs^blickte dem Rittmeister fest in die Augen. Noch einmal wiederholte er seine -Worte.
„Ich bitte sehr darum —"
Cs Tang fast wie eine Drohung. . . oder ein Befehl, niiü wie eine Bitte. Ern paar von denen, bte ftch hatten melden wollen» nahmen wieder an der Tafel Platz; sie wußten ganz genau., daß, wenn Weloff, der kühnste und tolllte von allen, ftch darum bewarb, einen Flwr machen zu dürfen, .er immer ausgewahlt wurde. Be-
ft.®S? ÄSRoMitft mm. ni-kt- taitaK
„Ich danke Ihnen, Adeloff. Sre müssen m zwanzrg Minuten
fihctxibßxcit feilt/* , 9
Der andere verneigte sich leicht. „Ich werde fertig fein, Herr
1 i j ? f*i ny.
Tie sehnige, schlanke Gestalt straffte sich. Ueber das braun- gebrannte, hagere Gesicht mrt der kühngeschwungenen Adlnmast legte sich plötzlich «in kalter, bitter« Zug. Er blrckte A N die ffhr: fünf Minuten vor fünf. . . Hastig leerte er fern Glas,
^rü^Bren^mde Somntersonne lag mit sengenden Strahler: über dem Landl Dumpfes Donner:: -der Geschütze grollte von der Front herüber. Bernd Adeloff schauerte zusammen: fetzt war es so weit. Seit vier Jahren hatte er sich,diese Stunde ausgemalt, batte er von dieser einen stunde getrännrt und geahnt. . ntu geheimer Wollust hatte er sich in einsamen stunden ausgemalt, wie alles komme:: würde . . . Und fetzt war sie da.
Rasch trat er in den Flugzeugschuppe:: und tteß se:ne Ma- Mine Tarmachen. Mechanisch kleidete er s:ch an. Traußm fragte jemand nach ihm. Er hörte, wie her Monteur den Mgekommmen in den Schuppen rvies. Es war der Beobachter. Hasttg stülpte ex dm Sturzhelm über den D'ps mH setzt- hi- Schutzbrille Er war fertig. Der andere trat auf :hn zu, d:e Hand an der wcutze^ „Graf Poppeuhilsen —", „
Bernd Adeloff verneigte sich lucht. „Adeloff—
, Ich habe schon von Ihnen gehört — man rühntt ^hre
Fliegerkunst und Ihre Sicherheit."
„Vielleicht sprach man zu viel. Ter Krug geht so lang« zn
^^Mrud^deloffs^StimE klang kalt,und abweisend. Ter arider« schaute einen Momertt betroffen zu ihm auf, dam: lächelte er leicht - Sie sind auch lebensmüde, daß S:e ,:ch gcmdbet haben —^ nur hängt der ganze Kram zum Hals l-eraus.
Ter Flieger gab keine dlntwort. Langsam schritt er um den! Apparat und Prüfte das Gestänge. Es war , alles :n Ordnimg. Eure eisige Ruhe hatte ihn überkommen. W:e immer wrntte er den Monteuren und wandte sich zu dem Grafen zuruck. ,.W«
Ter^Beobackter^schlruderte de:: Rest seiner Zigarette weg und sprang in den Sitz. Adeloff saß bereits und'Prüfte dm Mowr^ Ruhig, wie sonst im:ner, faßte er an feven Hebel, jedes Rädchen lastete seine Hand noch einmal ab. Tann Nickte er dem Monteur
Mr'Mann in dem blauen, ölbeschmterten Leinerckittel faßte den Propeller und begann ist: zu drehen. Bernd Adeloff wandt« sich im Ditz zu dem Beobachter um. Seme sttmme klang er:: wenig heiser vor verhaltener Erregung. „Kenn«: Lne m:ch Graf —
E^er^aüdere Mcktt^erstaunt auf. „Kennen — .getviß käme :H Sie Sie sind Leutnmrt Adeloff von den Feldfliegern 10 . . . Ter im Führersitz fiel ihm hart ins Wort. . >
Machen Sei keine Scherze, Graf. Ich meine: haben Sie nie ca neu Bernd Adeloff gekannt - früher emmal?
Ter andere schien zu überlegen. .Er hatte so v:el Menschen kermen gelernt in seinen: Leben, bei den Gardehusaren, auf semenj
®ern*>‘ «bcloff schob die Schutzbrille' mit jähem Ruck auf die Stirn und schaute de:: Beobachter eine Sekunde lang durchdrmgeM an. „Kennen Sie dieses Gesicht nicht mehr
Er konnte nicht weiter reden. Der Motor hatte gefaßt Vor ihn: sprang der Monte::r .'zur Seite. Sern Ruf h:eß Lldeloft aufpassen., »
df schaltete die Zündung und den Anlasser ein. Der Motor arbeitete, ein Zucken u:rd Zittern lief durch den gazellenschlankelt Leib der Maschine. Ter Propeller begann zu rasen. Adeloff blickte auf den Tourenzähler — 400 —
Sfaetmßidjieri! ^
^ne HennMötze wurden weggerissen, der Apparat sprangi an - zitterte, schaukelte - jagte vor - begann sich zu heben kan: noch einmal zur Erde, schwang sich hoch stieg hoher,
Graf Poppenhusen, der schlanke ehenralige Gardehusar, starrte
wie gebannt auf den Mann vor ibm :m Führersitz, der b:e iah rn ... . om . r'_«rwH» TOurfiipi irtl>’rffip‘r+p' winK wollte er
aufsteigeiide Maschine mit eiserner Ruhe Meisterte Was wollte « von ihm? Was sollten seine Fragen, se:n eegentnnckichps Benehmen? Adeloff ... er hatte den Name,: schon einmal -irgendwo gehört . . . Wo war es nur gewesen? .
Tie Taube schloß mit rasender Geschwindigkeit ::: die .Höhe. T-er Höhenmesser sprang nur so hoch — 300 5(K) 000
Adeloff mutete dem AP-parat viel zu viel zu. Unruhig beobachtete Poppenhusen von feinen: Sitz aus den ratternden Motor. Wenn « aussetzte, waren sie mlrettbar verloren. Immer hoher jchraubte sich der Apparat der Sonne entgege:l. Poppenhusen starrte nnabläsiig aus die Maschine. Plötzlich wefteteii sich ferne Amen, uvert beugt« er sich vo:mr':ber zu d-eur Führersitz. Bernd Adeloff hatte die


