Ausgabe 
29.5.1918
 
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1TS

Var Lpiehmg.

Bon Leutnant E u g e n S z a t m a r i.

(Nachcnnck verboten.)

An der rumänischen Grenze. Mitte März.

Cs ist Schiluß geworden. Tie Rumänen haben den Wassen-- Mlstandsbedingungen gemäß auch den letzten Zipfel buktwinischen Bodens geräumt, und unsere Truppen gehen vor, um die Linie \ bis zur Grenze zu besetzen. Ihr Weg führt zwischen zerstörten I Schützengräben dahin; das .Holzmaterial, Bretter und Balken, die ? sich in den Gräben befanden, haben die Bauern längst weggeschleppt, i Verrostete Gewehre liegen überall herum, vereinsamte Maschinen-- > gewahre starren ans zerstörten Teckungen hervor, überall sind Patronen, Gürtel, Gasmasken und allerlei AusrüstnngSgegenstände zerstreut. Findige Juden gehen in den Dörfern herum und kaufen die russischen Gdwehve von den Bauern ans.

An der Chaussee, die von Hadigsalva nach Rereth ftihrt, p steht links, unweit der Straße, regelrecht eingegraben, ein Ge- , schütz. Eine russische Feldkanone. Taneberr He^t eine große Menge j Munition. Das Geschütz ist nach Süden, gegen Rumänien gerichtet. I Merkwürdig, das einsame Geschirtz da. Was soll es fyn, allein, { zehn Kilometer hinter der Front? Wenn es noch eine^ garrze l Batterie wäre, wäre es selbstverständlich, da'.m könnte man glauben, ? die Zcussen haben sie gegen einen eventuellen rumänischen Angriff i ausgestellt, bevor sie noch die Front geräumt und den Rumänen ! übergeben hatten. Aber eine einzige Kanone? Seltsam. Wir gehen \ näher. Ta taucht plötzlich ein junger Bub neben der Kanone auf, ein j russisches Gewehr mit ausgepflanztenr Bajonett in der Hand. Ein zehn- oder zwölfjähriger Junge, anscheinend ein schwäbischer Bauernjunge mit große!! blauen Augen und langem blonden! Haar. Wir sollen die Kanone nicht 'wegnehmen, denn sie gshört ihm. Ja . . . ihm und seinen Kameraden. Er hat mit zlvölf Kameraden das Geschütz für Rum und Tabak von den russischen Artille-, Listen gekauft und dann ister am Rande der Stadt ausgestellt, um die Stadt gegen die Rumänen zu verteidigen, wenn sie kommen sollten. Tie Russen haben ihnen gezeigt, wie die Kanone zu be­dienen ist, sie haben ihnen auch Munition gegeben, haben geholfen, das Geschütz aus der Stellung zu ziehen und haben auch Pferde geliehen, um cs hierher bringen zu können. Sie haben sogar fach­männische Ratschläge bezüglich der Ausstellung erteilt. Tie zwölf Jungen haben dann nach Art der Bolschewik! ihn zum Komman­danten gewählt, und seitdem exerzieren sie jeden Tag fleißig mit der Kanone. Ich sage ihm, daß er kaum dazu kommen könnte, seine Kenntnisse zu erproben, nachdem der Waffenstillstand mit den Rumänen bereits abgeschlossen ist und in einigen Tagen auch der Frieden währscheinlich unterzeichnet sein wird. Er stört traurig zu. Mit einer rührenden Sorgfalt streichelt er das .Geschütz und bricht plötzlich in ein Schluchzen aus. Er fleht, wir sollen ihm und seinen Kameraden das Geschütz nicht wegnehmen, beim es ist ihm und seinen Kameraden das liebste Spielzeug. Und wir haben ja so viele Geschütze. . . Ich tröste ihn und streichle ihm den blonder! Kopf. Das Geschütz steht aber still daneben und duldet still die Zärtlichkeiten der Weichen Kinderhand, während die Sonnen­strahlen aus. denr abgewetzten Grün seines Rohres herumsprmgen.

Es ist kein Ungeheuer mehr, kein Mörder, kein JarNMer von Mütt- tern und FraiM, nicht mehr das letzte Wort erzürnter Könige keine Waffe mehr, nur ein Spielzeug. Und daneben steht ein Kind, das weinend bittet, ihm das Spielzeug nicht aus der Hand zu ^nehmen ...

Büchertisch.

Im Reiche d e r Pharaonen. Bon Michael Huber 0. 8. B. Mit 54 Mldern und einer Karte. (Gehört zur Sammkung Aus aller Welt".) Zwei Bände. 8° (XX tr. 562 S.). Fveibnrä 1918, Herdersch.' Berlagshandlnng. 7.50 MV., in Pappband 10 Mt Im Frühjahr vor dem Kriege hatte der Verfasser sich aus den Weg nach Aegypten gemacht, um jenes Wunderland als Sprung­brett ^für gelehrte orientalische Studien besonders in Palästina und Kleinasien zu benutzen. Äks er sich aber im schönsten Forschen u'ch Schauen befand, da ward er in Jerusalem, der Stadt des Friedens, vm: der Weltkatastrophe überrascht und blieb bis auf lveiteres an Ort und Stelle gebannt. Erst im Frühjahr 1915 öffnete sich ihm wieder der Weg in die Heimat. Leider haben es die Kriegsumstände dem Verfasser nicht erlaubt, schon heute das ganze Werk zu geben; mor der, Reiseabschnitt überAegypten", die zwei BändchenIm Reiche der Pharaonen", die noch tiefsten Frieden atmen, kömren jetzt in die Kriegsösfentlichkeit treten,. Ter andere Teil,Im Schatten des Kreuzes", muß leider auf bessere Zeiten warten. Der bereits erschienene Teil führt uns in das alte Wunderland der Pharaonen am Nil, dessen ver- gangeuc Pracht mit den Wünderwerfen seiner Pyramiden, Sphinxe, Ternpel und Phirraonengräbor nicht bloß in Kairo und Umgegend, sondern auch droben im Tal Theben bei Luksor uns her Verfasser in der alten Herrlichkeit und im glühenden Farben- spiel der- Sprache des Orients vor Wegen ftihrt. Doch findet daneben auch das mribcrree Aegypten die gleiche warme Berück- sichtigrmg, nicht minder «ah die christliche Bergangen^-it des

hr dH NSLN durch die Lektüre pies-ss Buches über MVA und Mnes gleichmäßigen. Ausschluß erhält. Besonders rntevesftererk me anderswv selten zu findenden Schilidermraen der religiösen Zuitäich-L und EinrichtunA'n, und zu m: aus dem Munde eines Pnesters und Lrbsnsmannt's, so besonders der fesseürü beschrie­bene^ Besuch in heu. Klöstern der Nitrischen Wüste. Ter ge- walrige wiffenschatzliche Stoff, der in dem Buch Kfiarnmen-- g^rängt ist, wird in einer durchaus persönlichen uni» äußerst smnnnmgsvo-ilen TarstelLmg geboten, bk nicht selten infolge der originelLeu Bilder und packenden Vergleiche ungemein romantisch- poetisch rpirkt, etwas überraschend bei dem. Verfasser, der als der bekannte SiebenschDser-Forschier sich sonst nur mit mehr nüch­ternen und streng wissenschaftlichen Forschungen beschäftigt und hierin sich einen Mtküngenoen Namen in wchdM Forscherkreisem ertEsrben hat. Mit einem Wort, die Lesung dieses neuen Buches Wer Aegypten ist ein ungetmibter Genuß.

In Europa dürste es kaum einen zwei Um Landstrich geben, in dem so viele BSKer rnHenerrschlder und durcheinander hausen wie in Hern von leichten Hügekwellen durchzogenen, znm größten Teil steppeniartigen Tanarrwinkel der Dvb ru d s cha. Außer Bulgar«!, Rumänien, Tataren. Türken und Russen, die das HawLelOnent der reevolkerung stellen, suchen mir da noch Griechen, Ärmenier, Zi- Muner, Iiäwn, ilngarn, Italiener, Albaner, Gagaufsn und in Keiner MßnAe noch ebne ganze Anzahl anderer, nach Herkunft^ Glauben «und Gesittung sich sremd gegenüverstehenden BMsstänmre, im ganzen irtcfis luentger als zweiundzwanzig. Zwilchen diesen! bunten Gemisch Leben seit % Jahrhunderten in eigenen Dörfern oder wenimrens 'besonderen Dvrsteilen auch 8500 fleißige deutsche Wuern. Von her gefa-uteu Bevölkerung machen sie mrr etzva drei Prozent aus, aber ungleich größer ist ihre kulturelle und wirtschaft­liche MHeutmrg für das Land. Näheres über dies« Vorposten des Deutschtums enthält ein illustrierter Artisel von Dr. Parst Trae- g e r , der im vorigen Jahre ixie Tvbrudschcr bereift und sänrtliche bsutschen Möderlasftmgen ausgesucht hat, in brr soeben erschienenen sttunrmer 3907 der LeipzigerJllnstrierr«! Zeitung" (Verlag I. I- Wchiejr in Leidig). Das Heft bringt weiter zahlreiche Balder nnd Beschrei'lmngen von allen Kriegsschauplätzen; daneben wird auch die Berichterstattung über alle bemerkenswerten Borkomm­nisse in der Heimat nicht vernachlässigt.

Das Fest. Drittes Buch der Dürerschule, hg. von G. H. Neuendorfi. Verlag B G. Tenbner, Leipzig lind Berlin 1918.

3 Mk., Vorzugsausgabe 7 Mck. Ziel der Tnrerschule Hoch- ivaldhaußm (Oderhessen) ist die Schafftmg der neuen deutschen Schule als gesinnnngsmäßisi geschlossene Lebensgemein­schaft. Wie sich diese neugedachte Idee als schöpferisches Prinzip stilbewußter, die Gemeinschaft bejahender Feste porMgsweise in den Gebieten der Künste cmswirken kann, zeigt in Wort und Bild dies neue Buch der Türerschule.

Tie Weltbühne, der ^Schaubühne XIV. Jahr, Wocheu-- schrift für Politik, Kunst, Wirtschaft, herausgegeben von Siegfried Iacvbsvhm, enthält in der Nummer 21: Es steht fest..., von Ger- manicns; Hermann Pachuicke, von Jolmnnes Fischart; Zur Neu­gestaltung unseres MEmngsrvesens, vvn Karl Neurath; Frankfurt am Main, von Harry Kähn; Die stille Stunde, von Alfted Pol- igar; Tie Heilige Elisabeth, von El Ha; Das Reich, von Alfons Goldschmidt; Antworten.

Tas literarische Echv. Halbnw-ratsschrift für Litera- turfmirtbe. (Begründet von bstr. Josef Ettlrnger. H-rrmlsaegeSen von Tr. Ernst Hestborm) Verlag: Egon Fleisthel L Co^. Berlrn W 9. Das 1. Juniheft ist weben mit folgeudenr Inhalt erschienen: Jvsef.Winckler: Ter Dichter Jakob Kneip: Hans von Hülsen: Waten-Tämlnerung; Max Meyer selb: Wenn Diplomaten schreiben; Ludwig Geiger: Tie Duplizität literarischer Ereignisse; Hanns Iahst: Tie Nordlandbücher; Fritz Behrend: Saphir als Be­gründer desTunnels". Echo der Bühnen Echo her Zei­tungen Echo der Zeitscha-iften Eck-o des dlnslandes Kurze Anzeigen.

An meinen: Kopfe trag ich Haare,

Bald borstig, kurz, bald lang und weich.

Im Alter werd' ich oft ein Kahlkopf,

Man pensioniert mich dann sogleich Doch habe ich den Kops verloren,

So bin ich wieder neu geboren.

Nie bin ich auf dem Lande zwar.

Im Wasser aber immerdar. ß.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Ausiösung des.Homogramms in voriger Nummer: V F E Paris Frost Bisen s t n

Schriftleitung: W. Meyer. ZwitlingSrunddruck der Brüh l'fchen Nn'v.-Bnch- und ZLeinvcufterei.

R: Lange. Gie:

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