Ausgabe 
29.5.1918
 
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Wirre

Lonooner Erzählung aus den SMtheröstLagmr IVIä. Von Justus Achsen thal.

(Fortsttzuns.)

Wo, wenn ich fragen darf?"'

Unter den Papieren, die Sie in Händen haben!"

Die stehen nicht zur Sprache!"

Aber Longford h-at mir ja selber ein Geständnis abge­legt ..."

Schriftlich?" fragte der Lord dazwischen.

Genügt Ihnen mein Wort nicht?"

In diesem Falle genügte mir nicht einmal das Wort des Königs!"

Soll ich Ihnen vielleicht den Coroner mit seinen Kon­stablern zur Haussuchung kommen lassen?"

Sie drohen mit Gewalt, Exzellenz?"

Ich bin dazu gezwungen, wenn Sie nicht nachgeben, Mylord."

Gut, dann sollen Sie Ihren Willen haben. Die Ver­antwortung trifft nicht mich!"

Ec drückte auf den Klingelknopf an seinem Schreibtisch.

Aus dem Nebenzimmer trat ein jüngerer Herr herein, dessen gepflegte Erscheinung wohltuend berührte.

Mein Privatsekretär, Herr Courtman", stellte der Lord vor.Bitte, lieber Courtman, schließen Sie den Kassa- .schrank auf! Hier sind die Schlüssel!"

Die schwere Panzerstahlplattentür bewegte sich geräusch­los nach außen und eröffnete den Blick aus die Stahlfächer im Innern. Das unterste Fach stand offen. Geschäftsbücher lagen darin. Darüber waren zwei Reihen gleichgroßer Fächer angebracht.

Oeffnen Sie das mittlere Fach links ... ja, dieses!... Bitte, drücken Sie auf den Knopf, der sich hinter dem Schloß­rahmen befindet . . . weiter oben . . . da!"

Aus der Seite sprang mit leichtem Federdruck ein Fach auf.

So, greifen Sie hinein und nehmen Sie den zuoberst liegenden Brief heraus!"

Der junge Mann tat, wie ihm geheißen und reichte seinem Herrn einen mit fünf dicken Siegeln versehenen Um­schlag hinüber.

Dein Minister ward etwas unbehaglich zumute. Die Förmlichkeit des Hausherrn gefiel ihm schlecht.

Könnten wir nicht lieber7?"

Einen Augenblick!" unterbrach der Zeitungskönig.- Also Sie bestehen darauf, daß ich Ihnen diesen mir an- vertvanten Brief ausständige, und drohen mir mit Staats­gewalt und Haussuchung?"

Ja, allerdings, das heißt . . ."

Danke, danke, weiter braucht eS keiner Versicherung. >i Sie, lieber Courtman, schreiben wohl dem Hauvtmann Longford ein paar Zeilen des Inhalts, daß ich mich leider

infolge der gewaltsamen Drohung Seiner Exzellenz genötigt gesehen, den mir anvertrauten Brief zwecks Vermeidung einer Haussuchung auszuhändiaen."

Aber bitte, wozu die Förmlichkeiten? Ich darf den Brieft nun wohl"

Er griff danach,' aber der Lord verwahrte das Schreiben noch in der Hand. .

Ich würde Wert darauf legen, erst von dem Inhalt Kenntnis zu nehmen."

Ich glaube nicht, Mylord, daß er viel Neues bieten tvird."

Daß weiß ich nicht. Es wäre dann doch merkwürdig, daß Exzellenz so großen Wert ans seinen Besitz legen."

Und wenn ich mich weigere, Ihnen Kenntms geben?"

zu

Dann joerde ich selbst die Siegel erbrechen, um mich zu überzeugen, mit welchem Rechte Sie in fremder Leute Privatgemächer eindringen und sich dort geheimnisvolle Briefschaften aneignen."

Die Exzellenz ging mit. sich zu Rate.

Ich bin damit einverstanden, daß Sie den Brief ge- meinsam mit mir lesen, stelle aber zur Bedingung, daß Sie mir feierlich Schweigen geloben, enthalte der Brief was er ivolle."

Wünschen Sie ein schriftliches Versprechen?"

Nicht nötig. Ihr Wort in Gegenwart eines Zeugen genügt mir."

Aber er war innerlich unzufrieden und schalt sich selbst einen Narren, da er nun, statt auf das Ehrenwort eines jungen Offiziers, auf das Wart eines Mannes bauen mußte, der selbst erklärt hatte, er breche sein Wort, wenn höhere Interessen im Spiele stünden. Vielleicht sah er morgen schon dieses höhere Interesse für gegeben an, wenn es 'galt, die Regierung zu stürzen.

Darf ich nun um die erforderlichen Aufklärungen für Ihr sonderbares Vorgehen bitten, Exzellenz?" fragte nach einer kleinen Pause Lwuthriffe.

Ja, wir setzen die Unterredung vielleicht unter vier Augen fort."

Durchaus nicht notwendig," schnitt der Zeitungskönig ab.Ich kenne vor meinem Sekretär keine Geschäftsge­heimnisse."

,Ms handelt sich hier um mehr als ein Geschäftsgeheim­nis. Wird Herr Courtman schweigen können?"

Gewiß, der Privatseft:etär eines Zeitungsverlegers hat eine Hochschule des Schweigens absolviert. Ich verbürgs mich für ihn."

Der Minister fuhr etwas beklommen fort:

Dann .... ich werde die Herren also jetzt in ein Ge­heimnis einweihen, das für alle Zeiten ein Geheimnis bleiben muß, im Interesse des Staates, versteht sich. Sie sind zu gut Briten und lieben Hhr Vaterland gewiß zu sehr, um das nicht sogleich selbst ernzusehen. Nämlich" 1 er sah beide finster an, als wollte er bis in den hintersten