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sG FG- und Feier iM des Hduses Southriffe. Darf ich
Sitten^
Itznd er geleitet den Besucher über den 'Gang in sein Zimmer. . , .
Der Minister glitt in einen Sessel und stellte mit einiger Betrübnis fest, daß dies ArbeitsKi'mmer unstreitig gemütlicher eingerichtet war, als sein eigenes im Krieg samt.
Der Zeitungskönig setzte sich ent seinen Schreib trsch und betrachtete den Minister mit unverhohlener Neugierde.
„Exzellenz rauchen gewiß eine leichte Havanna? Es plaudert sich angenehmer."
Der Minister nahm dankend an.
„Das ist gewiß, — fuhr Southriffe fort, — eine sehr dringende und ernste Sache, die Exzellenz zu mir führt?"
„Das ist es allerdings," bemerkte der Minister hart, und zerzauste seiner Gewohnheit gemäß die Wildnis seines -Schnurrdarts. Er machte e-ine Weine Pause, sah sein Gegenüber finster an, als wollte er den Lord einschüchtern, und begann dann wieder:
„Ich bin nämlich einem ganz fürchterlichen Verbrechen auf die Spur gekommen, einem Hochverrat, wie die Geschichte seinesgleichen nicht kennt. Und Spuren davon führen
sogar —l —ich bitte, nicht zu erschrecken-sogar zu
Ihnen."
„Zu mir?? Wollen Exzellenz nicht deutlicher werden?"
„Gewiß. Gerne .— Zu diesem Zweck"-er atmete
tief 'aus und sagte auf gut Glück-„zu diesem Zweck wer
den Sie mir die Papiere aushändigen, die Ihnen Hauptmann Longsord zur Aufbewahrung übergeben hat."
Lord Southriffe ließ sich tatsächlich überrumpeln. i „Wie? Hat er Sie vielleicht dazu ermächtigt, diese von mir einzufordern?"
Der Minister lächelte zufrieden.
„Das nicht. Aber ich weiß, daß Sie Papiere besitzen, die für diese Verbrechergeschichte von hohem Werte sind."
,^Jch bedauere, Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können. Diese Papiere werde ich Euer Exzellenz nicht ausliefern."
„Und warum nicht?"
„Weil ich dem, der sie mir zur Aufbewahrung übergab, das Versprechen ab leistete, sie nur ihm selbst zurückzugeben oder nur mit seiner Genehmigung zu öffnen und nach Gutdünken zu verwerten. Und ein Lord Southriffe hält sein Wort!"
„Auch einem Lügner und Betrüger gegenüber? — Es ist erwiesene Tatsache, daß ein Betrüger Ihre Gastfreundschaft mißbraucht hat."
„Das vermag ich nicht zu entscheiden. Aber selbst wenn andere Leute sich gegen mich nicht vornehm betragen, so gibt das mir noch lange kein Recht, ei!n gleiches zu tun, —1 es müßte denn sein, daß —"
Er hielt inne und sah seinen Besucher durchdringend an.
„Es müßte denn sein, daß —" ermutigte dieser.
„Daß in der Tat höhere Interessen im Spiele ständen," vollendete zögernd der Lord.
Und mit einer Stimme, die keine:: Widerspruch duldete, erwiderte grollend der Minister:
„Steht Ihnen das Interesse des Staates, die Gefahr, in der das Reich schwebt, nicht hoch genug?"
„Es ist nicht bewiesen, daß das britische Reiche bedroht ist. Vorläufig höre ich die Fugen noch nicht krachen."
„Ich habe Beweise . . ."
(Fortsetzung folgt.)
Coucy.
Von.Reinhard Meer. '
(Nachdruck verboten.)
Nun stand bet- Name Meder in Ludendorffs Heeresberichten: Eoucy-le-Chateau. Man kennt ihn aus Uhlands Balladen, den Ritter von Eouey, „der so zärtlich Lieder girrte" und dessen Herz der Dame von Fayel als Sperse vorgesetzt wurde. Der schöne Fleck Erde, wo er seine sehnsüchtige Liebe zu. Grabe trug, ist wieder kampfnmklirrter Boden...
Ein Stückchen Deutschland mitten in Frankreich, ein roman- tischer Traum in der stählernen Realistik der Westfront, das war uns Coucy-le-Chateau.
Es gibt da einen Flnß, die vielgenannte Ailelte, und die ist eine französische Schwester der Nahe oder des ofterm Neckars. Es finden sich Straßen und Plätze und Häuser und Durchblicke, die beinahe nach Rotheitbnrg pb der Tauber gehören könnten. Und ein« Burg trotzte da in den Himmel, die in ihrer Neckenhastig-, fett an die Feste Königstein feit Taunus und an die Weinsberger
Weibertreu anklang, aber beide an wehrhafter Starrköpfigkeit und Wucht der Formen noch sehr übertraf. Mim: mußte schon recht weit gehet!, um etwas Aehnliches zin finden — Erinnerungen an di« mächtige Olassburg, eine Schivedenfeste, hoch im Norden bei dem Amtischen Seebad Nyslott, wurden in mir bei ihrem Anblick wach. Doch ich wußte: auch in Deutschland hast du einen Orr gesehen, der ohne an die Großartigkeit von Eoucy heranzureichen, diesem doch Mnz auffallend ähnlich sieht. Erst fiel später fiel mir's ein: Wimpfen am ^Neckar! Es ist ein verzierlichtes Eoucy. Tie Aehn- lichkeit geht so- weit, daß beide Ojrte in zwei getrennte Gemein-, wesen zerfallen, eitles auf dem Berg, dörstich, burggeschützt, eines im Tal, etwas städtischer gefärbt, kirchentiberragt. — Doch ich will geordnet erzählen.
Das ist nun mehr -als zwei Jahre her. Wir fuhren nach Couch an dem Tage, als sich an den Büschen die ersten Kätzchen zeigtet!. Tenn damals ivar der Ort die friedlichste aller Weinen Etappenstädte und ein beliebtes Ausflugsziel für Frontoffiziere, die einmal für ein oder zwei Tage der Feuerzone den Rücken kehren durften. Ein warmer, föhniger Wind- blies über die französische Landschaft hin, graue Wolken mit spärlicher: Sonnen- fenstern am Him'mel sagend. Unter diesem Wind und diesen Wolken lag verschüchtert das Stückchen Deutschland, dem unsere kleine Reise galt, durch einen Ring von Wäldern von Frankreich abgetrennt. Wir hatten unterivegs das schläfrige Ehauny, die typischste aller Etappen, besucht, wäret: am Jolembray vorbeigefahren, das wir jetzt toieder genommen haben und in dessen waldverborgenem! Grafen schloß während der ersten Kriegszeit Klucks Armeeoberkommando Quartier gehabt hat, und sähen nun hie Burg- von Eoucy nns den Weg verlegen, herrisch, wie xs einst die Insassen des Schlosses Katisl-euten und Ressenden, aber auch Fürsten und Königen gegenüber gepflogen haben sollen. Die sparen ein hartes, trotziges Geschlecht, unähnlich dem von Uhlattd besungenen Liebesrittsr, der wohl ein wenig aus der Art geMagen war. Kein zärtliches L:e- dergirren — wein, anders klang die Weise, die sich Gguerand der Dritte, der Erbauer der Burg, auserwählt:
„Ni roi, n: duo, ni prince je suis —
Je suis le Sire de Couch!"
Nicht, Kön:g, nicht' Herzog, nicht Fürst bin ich —
Ten Sire von .Eoucy nennt man mich!"
Tiefer Wappenspruch des Eguerand (zu deutsch: Jngraben) kennzeichnet ihn und sein stolzes Schloß. Aus grünem Hügel ragt ein Rechteck mächtiger Mänern, landbedrückAid, an den vier Eck«: von starken Rundtürmen istankiert; Bastionen und Wälle griffen nach 'dem Bergdorf Eouscy le Chateau hinüber, dieses n:it einer festen Mauer unrklamm!ernd. Inmitten des .so beschjirnrten Bezirks aber stand der riesige Mauerklotz des Bergfrieds, ein Turm von einer Stammt gkeit nnd Wucht der Formen, die geradezu phatitastisch wirkte. Tas ganze Schloß, aus ern-ern Guß geschaffen, rvar Ausdruck nnd Symptom eines ins Maßlose gesteigerten feudalen Selbstbewußtseins, das denn auch den französischen Königen die härtesten Nüsse zu knacken gab. Mäzarin ließ es als Hochisitz des Aufruhrs zerstören bis auf den Bergsried, dessen sieben Meter dicken Mauern man nicht beikom'Men konnte. Biollet-le-dnc hat den Turmklotz, der Kr die Ewigkeit gebaut schien, wieder ausgebessert und mit neuen Treppen versehen. Jeder Ersteiger des Turmes war ihm wohl dafür dankbar; denn mian genoß'da oben, windumweht, eine Aussicht, die in ganz Nord- nnd Ostsrankreich nur wenige ihresgleichen gesunden haben dürfte.
Man genoß . . . Ter Tnrmklotz steht nicht mehr. Was Mazarin nicht konnte, hat das Dynamit deutscher Pioniere vevrnocht. Bor einem Jahr flog der scheinbar unzerstörbare Bau in Trümmer, vor unserem Rückzug auf die Siegfriedsstellung. Hartes, eisernes Gebot militärischer Notwendigkeit. -Eoucy- kan: dicht hinter die neue französische Front zu liegen — da mußte dieses Bollwerk fallen. „
Der Ort Eoucy-, der Burg vorgelagert, trug bte L puren stärkster, straffster Hörigkeit und wägt sie wohl noch heute: so anmaßend das Schloß, so bescheiden das Dorf — aber -in aller Bescheidenheit doch der Anmut nicht entbehrend, die.so viele französische Nester aUszeichnet. Und inmitten aller Kleinheit und Aermlichkeit noch eine köstliche Perle: das Haus -der Gräfin d'Estrees, Geliebten Heinrichs des Vierten von Frankreich, ein Schmuckkästchen feinsten Geschmacks. Tas .große, saalartige ZiMmer, in dem sie ihur einen Sohn geboren, ließ er, ihr zum Tanke, mit wundervoller dunkler Täfelung und reichen Schnitzereien .ansstatt-en. Jetzt gehört das Haus einem ehemaligen Küchenchef, der sich- in einem Pariser Schlemmerlokal ein -Vermögen erkocht hatte. Ter Gräfin d'Estrees Bildnis — schwarzes Samtmieder, goldenes Haarnetz, — schmückt die Wanjd des holzgetäfelten Saales, die Frau des Kochs.— ausgeschnittenes gelbes Wendkleid mit Puffärmeln — hängt in Lebens-, große über der TreppenbiegUng. Hatrs und Garten dienten ^ — damals vor zwei Jahren — deutschen Offizieren als Erholungsheim. Damals .... . .
Ein Stückchen Deutschland mittet: in Frankretch, e:n rornan- tischer Traum in ^der stählernen Realistik der Westfront, das war uns Eoucy-le-sChateau. ^ ^ ,
Nun stand der Name aufs nette in den deutschen Heeresbertch-, ten; wir haben dieses katnpsnmKirrte Stück Erde wieder. Aber Couchs Krone ist gefallen, di« Ballade vom Schloß Eoucy aus- g-esnngen. Ein Trümmerhaufen als Siegesetappe: „Coucystans- Ehatvcu."


