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„An einend sicheren Orte woOv^vstant, bei jemand, der davon Gebranch! M machen' Missen wird . . ." Sollte er die jährlichen Papwve bei dein sozialisttschen Anwalt Burn- l hinterlegt habm:? Mer welchen Gebrauch konnte er v^on machen, wenn die Stunde gekommen war? Er würde der ,Mbonr Post" üb-ermitteln, und die würde ein un- ftes Sätzchen sagen; ein paar Leute würden darüber -m, und die ernsthaften würden zur Tagesordnung über- n; die gewerbsmäßige Skandalsucht dieser Art Presse ja kaum ernst genommen. Und das wußte ein so Wäger Mensch wie dieser deutsche Offizier wohl auch.
Nein, es' gab nur einen Ort, wo die Papiere ^ liegen Tonnten, bei Lord Sonthriffe. —i J!a, werm der Zeitunas- rbnig in den zahlreichen von ihm abhängigen oder chm ftmstwie gehöriger: Blättern davor: Gebrauch machte, dann war der große Skandal fertig. Dann konnte er sein Porte- Anille abgeberr, dann War er eir: Verfemter, ein Geächteter. Am besten, ar schösse sich eine Kugel vor den Kopf. . . , MÄ» Longford war rvvhl lauge gerrug Gast im Hause des Lords aÄvesen, um zu wissen, welche Fvende den: Zertungs-- Bvnig eine solche Veröffentlichung gemacht hätte.
Der Magen hielt vor dem Kriegsamt.
Ohne die Grüße der Diener dankend zu erwidern, Mnrtte die Grzellenz die Treppe hinauf. Den Sekretär tm BorvMm seines Arbeitszimmers beschied er zu sich.
„Mngeln Sie sofort Ar: Lord Sonthriffe hinüber! Sehen Dl« mich nicht so töricht an, jawohl, zu Lord Southriffe, Und gmx ins Geschäftshaus. Ob ich ihn in einer dringenden Angelegenheit sofort sprechen könnte . . . Versteht sich, in seiner:: Verlagshans. Die Wohnung betrete ich nicht," murmelte er 'hinterdrein.
Er schritt hastig auf urtd ab .
Die Antwort ließ nicht lange auf sich rvarten: Lord Bünthrifse lvürde sich freuen, Exzellenz bei sich zu sehen.
Eine Viertelstunde später hielt der Wagen des Mnisters ttor dem Haupteingang des Sonthriffeschen Verlags. Es War eigermich nicht ein Haus, es war ein ganzes Viertel, daS da von den Blättern des Zeitungskönigs' mit Beschlag belegt worden war. Anfalls rnochte es wohl nur ein Haus gewesen sein. Aber die stets wachseirde Musdehnung des ^twebes hatte bald den Llnkauf der Nachbarhäuser, Neu- grüiwungen und Erweiterungen, schließlich der: Erwerb des
S StraßenzNges gnd Hänservierecks erforderlich ge- Das Ganze bot einer: unfertigen Eindruck. Die Ern- Peit der Fassade fehlte, und die grellen Reklame- KhMrer, die Bogenlarrchen und Lichtreklame:: wirkten störend |St> verwirrerw. Trotz des scheinbaren Wirrwarrs war aber M-es Wohl geordnet.
In der Toreinfahrt, die der Minister jetzt betrat, stand ein Wegweiser. „Zur Arrzeigerwerwaltung II. Eingang. Zur Deschäftsleitung III. Eingang. Zur Zeittmgsansgabe II. Hos. Mrschinenfaal I. Hof (kein.Eingang.!). Btnchhaltnrchl 1 Treppe. Gchriflleitung 2 Treppen.^ Zeitungs bestelln.ng I v. Eingang.
8 Treppen. Berlagsoberlei tung (nur nach vorheriger Ärnnel- dmrg) 1 Treppe. .
Das Letzte war's, was die Exzellerrz suchte.
Ein paar Stufen schritt er hinan ruck) öffnete eine Glas-
Tür.
Ein grüngekleideter Diener erhob sich von feinem Hocker.
„Wohin, bittet" fragte er ohne allzu große Freund- Achkeit.
Der Minister war starr. Es gab also JÖöute in London, Leute in untergeordneter Stellung, die nicht vor ihm in Ehrfurcht erschauerten.
„Ich bin zu einer Besprechung von Lord Sonthriffe gebeten."
Gr betortte das „gebeten" sehr, Um sich wenigstens einiges Ansehen zu verleihen. — Ms den Diener übte das keine sichtliche Wirrung aus.
,Mne Treppe höher. Im Anmeldezirnrner erhalten der Herr Bescheid. Der Herr kann den Fahrstuhl benützen."
Der halbwüchsige JUnge, der den Fahrstuhl bediente, Gar höflicher: er aeleitete ihn zUm Anmeldezimmer und öffnete sogar oie Tür vor ihm.
An einen: Tischchen im Anmeld ezirntner saß ein Diener, mit einer Registrierarbeit beschäftigt. Er erhob sich! ge-
>. ÜWN wünscht der Herr gemeldet zu werden?"
„Lord Sonthriffe hat mich zU einer Unterredung gÄ« beten. Hier ist meine Karte." , l
Mer der Diener besah! die Karte nicht.
„Wollen sehen, ob Mylord im Hause ist. Will der Herr nicht einstweilen Platz nehmen?"
Die Exzellenz sah sich im Zimmer urn. Außer chm warteten noch zwei Herren und eine Dame. Sie sahen au dem Tisch in der Mitte des recht geräumiger: Zimmers und lasen teils zerstreut, teils aufgeregt in den aufliegenden Zeitungen und Zeitschriften. . ,,
Der Raum war behagliche und geschmackvoll eingerichtet;, die Wände waren mit dunkelgebeiztem Holze. getäfelt. _ Vervollständigt war die Einrichtung durch! einige Oelbilder; es schienen Originale niederländischer Meister zu sein. Lln den beiden Schmalseiten des Zimmers standen sich! zwe: alte! Schränke gegenüber. An der Fensterwand hing in einfachem Holzrahmen eure riesige Photographie: Aufnahme des ($0* samtpersonals zum 25;ährigen Bestehen des Verlags; wohl an 2000 Köpfe vereinigte das Bild.
Der Drener trat wieder ein. Gr trat ar:f die Dame zu urrd überreichte ihr einen verschlossenen Umschlag.
„Die Schriftleitung bedauert recht sehr," sagte er im Torle höflichen Mitleids. Jedoch die Dame war sehr unge- halten. .
„Wer ich habe Ihne:: doch erklärt, niein Herr, daß ich..."
„Ich kann Ihnen nur wiederholen: Die SchrifUertrurg bedauert!" erwiderte der Dierrer nun kühl i:nd ernst.
Darin trat er zu einem der Herren, die bereits erwartungsvoll des Bescheides harrten.
„Herr King läßt bitten. Zimmer 27 rechts der: Gang hinauf!" ' .
Der Herr rafftfe beglückt Ueberwurf, Hut urw Mappe zusammen urw entferrtte sich eiligst.
Auch die Dame verschwand, den Brief noch immer :n Händen halterw und erregte Worte murmelnd, deren nio- mand achtete.
Dann sah der Minister der: Diener auf sich- zukommen. Sehr würdevoll benahm er sich, als er sagte:
„Lord Sonthriffe läßt Exzellenz bitten, noch einen Augenblick zu verzeihen."
Der Herr des Kriegsamts rückte gnädig, und der noch wartende Herr staunte flüchtig zu ihn: hinüber, bekümmert« sich aber nicht weiter um ihn.
Der Diener nahm seine Registrierarbeit wieder auf.
Am Fenster stand der Minister und blickte gedankenlos in den Hofraum.
Bon mehreren Lastwagen herab würden soeben große, viele Zentner schwere Rollen weißlichgrauen Papiers in den Keller hinabverladen .... Fort und fort fluteten Leut« mit großen Und kleinen Päckchen, bejer gcklci ete und Leute in Arbeitsblusen, Männer und Frauen über den Hof. Es war ein ewiges Kommen und Gehen und sah von oben reichlich zwecklos aus ... Er blickte nach rechts hirmber in ein riesiges Sa!alfe::ster ruid sah> an langen Tischen fertig gefaxte 'Zeitungen liegen und ernsige Frarrerchände danüt beschäftigt, sie abgezählt in kleinerer: und größeren Packen den zumeist jugendlichen Verkäufern auszuhändigen . . Uitb er begann plötzlich, die prickelnde Unruhe und jagende Hast, die von diesem häßlichen HÄrserviereck ausgrng, im eigenen Blute unangenehm zu verspüren. Wie ein Film rollten sichi die Bilder vor ihm ab, und dazu erdröhnte das^ .Haus von einem unerträglichen Lärm, den: taktmäßigen Stampfen der ungeheuren Rotationsmaschinen, die beharrlich die Riesencmflagen der Sonthriffeschen Blätter hinaus- spier:.
5oöchst sonderbar mUtete der: Minister dieses Getrube an; er verglich es insgeheim mit einen: ins Uebermenschliche vergrößerten Bienenstock. Er dankte seinen: Schöpfer, daß er kein Zeitungsmensch zu sein brauchte . . .
Er zog die Uhr . . . Hier im Vorzimmer zu wirrten, war bei Gott auch kein Vergnügen. . . Man schien nicht überrnäßig zuvorkommend zu sein in diesem Hause. Er wäre gern nnglmdig geworden. Mer das hätte wohl an diesem! Orte wenig Zweck versprochen.
Da öffnete sich auch! schon die Tür, und der Zeitung^ könig erschien auf der Schwelle.
„Ich bin erfreut, Exzeller^ bei rnir zu sehen, bitte um BerzeihnrN, werm ich nicht sofort zur Verfügung stand, i ., . Diesen Dag werde ich rot in meinem Kalender anmerken.


