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^Winfundzwaüzig!" . . < TWver fiel er auf den. Bodens den rrren Blick «ruf den.Kronleuchter gerichtet. Gott sei gelobt, der Leichter schwebte arN MstrafftM Seil wieder ML Höhe der Sacllkuppei empor.
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MB Bernardt ans der Ohnmacht erwachlte, lag er — Wsurnq Wäge auf Stirn rmd Brust — aus dem Sofa im KürrMrzümner. Me Artisten umdrängten ihn. Auch der Direktor war da. Und auch der Agent, der große Ageirt Peltrini.
Bernardi aber suchte mit den Augen den gebeugt dastehenden tpo, und sein Gesicht schien durchleuchtet, während er flüsterte: st du's gesehen, mein Intermezzo?" . ..
Die türkische Vase.
Eine loahre Geschichte vvn Engen Szatmari.
Es lebte einmal im grauen Osten einer Stadt und lebt jetzt im orünen Wehsten derselben Stadt ein Mann^ der es verstand, m Kriegszeit gehörig auzunützen. Er verstarrd es so gut, daß er die sonst so langwierige Ost-Westreise m zwer knappen, Jahren Mrücklegen konnte. Rim saß er im vornehmen Westen, m «iw prachtvollen KwiMimMerWohnunY mit MarMlvasser, Bakmun, Wandtresor und Aektrifthmn Stiefelputzer, aber fern Herz fand keine Ruhe. Er sehnte sich nach etwas ganz Besonderem. ,
So richtete er sich in seinem funkelnagelneuen Herrn ern orientalisches Zimmer ein. Wochenlang stöberte er m den Läden, wo echt morgcvrländische Einnchtungsgegenstande zur Schau gestellt waren; er suchte und kaufte. Seine Mühe war mcht vergebens gewesen, das Zimmer tvar wirklich echt morgenlaudrsch geworden. Auf der Wand breiteten sich persische Kattundecken aus, die in vierfarbigem T-rnck eine Löwenfagd in den Straßen Jspahans darflellten. IN einer Ecke wölbte sich ein knallroter Baldachin, und
allen Ecken starrten krnnrme Yatagans und breitscUündige Araber Pistolen, bronzene Götzen bohrten ihren schläfrigen Blick in das Note Licht, das die Mi-lfraM-Lantpen einer bvorrzerren Hängeampel sanft allsströmten. Nargilehs und lange TsckMtks lagen auf den Tischchen, hellschimmernde Mokkatäßchen und schlanke Goldmnnd- stzümiga retten aus v!erbürgt reinem, türkiMn Tabak. Kurz, das 'ganze Zimmer atm'ete ntvrgenländifche Stimmung, brannte doch in einer kleinen Ampel ständig richtige Myrrhe laus dem Kamin.
Ganz zufrieden war der neue Sindbad jedoch immer noch nicht. Es fehlte in seinem Orient Mich an irgendetwas ganz Monumentalem, ganz Eigenartigem. Ein sogenannter Haupt- trumpf fehlte ihm. Ulud der neu« S'stldbad segelte in den orientali», scheu Abteilungen der Kaufhäuser unermüdlich Wetter herum.
Ta fand er eines schönen Tags bei einem Altertumshäridler eine prachtvolle türkische Bronzevase. Sie war fast einerr Meter hoch 'und herrlich. In einem! bretteir Fries liefen 'halbnackte Bogenschützen ans der Vase umher, nnd die kraftstrotzende Gestalt des Kunstwerks war vom Kopf bis' pm Fuß 'mit den verschlungerr-j sten Arabesken bekleidet. v ^ ^ ,
Tagelang stand der neue Sindbad Vor denk herrschen Stück, beschirupperte es sachverstäirdig von allen Setten und fragte dabei M T>n des nicht irvezuführenden Keirners:
„Wie alt mag sie sein?"
Ter Händler antwortete ganz ernst: „Sie stanrmt aus dem 15. Jahrhundert. Terfelbe Meister Orban hat sie gearbeitet, der für den Siultan Mv'hammed die Rieseukanonen gegossen Lat, Mit dcrm Hilfe er dann BWan-z erobert hat."
Tabei blieb der Mann wirklich ganz ernst. Er hatte schon Erfahrungen. '
TMi glücklichen Finder leuchteten die Augen auf. Fünfzehntes Jahrhundert, Meister Orban, die Riesenkanonen Sultans Mohammed und die Eroberung vvn Byzanz! Tas war dann doch ein Wahnsinniges Glück! Er dachte an btie unübertreffliche Sensation, die dieses Prachtstück in seinem OrientziMMer nmchen würde: er hiachte an die ehrfurchtsvollen Gesichter seiner Bekannten, an den glücklichen Zufall, der seine ZwölfziMmerwohnung zu einem Oriertt- MUseum stempeln dürfte, und zahlte wortlos die fünftausend Reichsmark, die er für Meister Orbans herrliche Schöpfung entrichten müßte. . . -
■ Ta.stand nun die herrliche Base aüf einem niedrigen Tisch im' persisch-arabischen Empfangssalvn, und 'der glückliche Besitzer nahrn ltvlz die entzückten Aeußerungen seiner Gäste entgegen, di« arrdächtig den wunderbaren Schatz betrachteten, ivährend er gairz bescheidm bemerkte:
„Ich glaube, ich habe zehntausend Mark dafür bezahlt. ."
Ta geschah eines schönen Tages, daß ein junger Mann, der di« Vase in seinent unverbesserlichen Wissensdurst von allen Seiten genau untersuchst«, jn der Mitte eines' verschlungenen Ornaments eine Schirrst in wmzigen türkischen Letterrr ent-i deckte. Selbstredend beeilte er.sich, .den Hausherrn darauf auf- rnerksam zu nrachur. Der Hausherr geriet in unsagbare Aufregung. Zwar war die Schrift zienllich kurz, er meinte aber .daß sie wahrschettllich der Nanumszug des Meisters oder gar sein
Wahlspruch sein könnt«. .Auf all« Fälle müßte si» entzffferk werden. Und da in diesem Fall unter allen Umständen GewißhZ geschafft werden mußte — man konnte ja gar nicht wissen, was für einen Schatz man besaß — holte er einen Professor ans da« orientalischen Seminar . . J
Ter Professor betrat den persifchittürkischj-arabischen SawS mtt emem steinernsten Gesicht, denn er war ein ernster Mann, d« das Lachen schon beinahe vergessen batte. Ernst und genrefleSi junterftlchte er die geheimnisvollen Zechen mtt seiner Lupe rmd - waM« sich dann zum Hausherrn, der, mtt seiner zu diesem Augenblick vollzählig versammelten Familie dahinterstehend, in sichtbarer Erregung der Entscheidung harrte.
T-as ist tatsMich eine türkische Schrift. Mtt olltürkrsche« Lettern. Aber in englischer Sprach«. Und sie bedeutet; Made t» Germany. . .
Büchertisch.
r" Tie Erinnerungen Hammanns, die Unter d«N g.rtel „Der neue Kurs" bei Reimar Hobbing, Berlin (zwei Aus» gaben zu 8 Mk. ünd zu 4 Mk.), erschienen sind, erstrecken sich ans die Zeit unter den Kanzlern Caprivi ünd Hohenlohe bis zum Tod« des Fürsten Bismarck und enthalten eine Reihe neuer tatsächlicher Mitteilungen,, die das Urteil über anÄvartige Fragen und über die schweren inneren Käncpfe jener Epoche berichtigen und ergänzen, Aer Verfasser stellt die Persönlichkeit des zweiten Kanzlers in an- derein Lrchte dar, als sie bisher den meisten Historikern erschiene« ist. Ein besonderer Mschnitt ist dem einst mächtigen und viel genannten, aber nur toenig bekannt-eu,Geheimrat von Holstein gv- widmet. Ausführlich und abweichend von der vorherrschenden Meinung werden der Streit üm den Rückversicherrrngsvertvag mtt Ruß- land, ferner die Folgen der Krüger-Tepeschen und die Erwerbung von Kiautschau behandelt. Mairche Parallele mit der Zeit des Weltkrieges wird von dem Verfasser gezogen oder drängt sich dem Leser vmr selbst auf. Mit eirrer SchiDerung der durch die Gefahr des Umsturzes von unten und eines Versasfungsbonftikts vo» obe» hervorgerufenen inneren Krisis in der nachbtsmarckischcn Zelt schließt das Werk.
— Walter von Molo, Die törichte Welt. Idiman. Umschlag- und Einbandzeichnung vvn Karl Arnold. Sechste, vor» Trichter durchgesehene Aussage. Geheftet 3 Mark 50 Pfg. Verlag von Albert Langen in Münchm.
Gietzsner Hausfrauen-Berein."
Kochanweisnngen.
Gehacktes in Tunke mit Haferflocken. GemaylenL gekochte oder gebratene Fleifchreste werden mit Zioiebelu in etwas Feit angeröstet, mit Wasser oder Brühe von Suppenwürfeln auf- gefüllt, Haferssocken dazugetan und diese mtt gar gekocht. Ber» bessern kann man das Gericht mtt Magermilch oder SojaextraÜ.
Falsche Schlagsahne. 1 Tasse Apfelbvei, 1 Tasse Zuck«
1 Eüoeiß und 1 Mckcyerr Vanillin werden zusarumen schaumig am Wagen, bis die Masse steif ist.
Salzstangen. 250 Gramm Mahl, 65 Gramm Butte». Salz, 20 Gramm Hefe, etwas laue Milch zu weichem Teig gewirkt. Zagedeckt 1 Stund? ruhen lassen, 2 fingerlange WÄrstichm gewllt i« der Ticke eines BlÄstiiftes. Aff einem Blech gehen lassen, mtt <Ü bestreicheu und mit Mmmel und Salz bestreut schön goldgelb backerc. —
Falscher Lebkuchen. Vs Pfund Kunsthonig, 100 Gramm Zucker, ViPsvnd Mehl, 1 Teelöffel Znmnt, >1 Messerspitze Nelke», V» Tasse Milch, IV» Päckchen Backpulver werden zusammenW» knetet und zienllich rasch in einer Dortenforni gebacken.
Streußelkuchenmtt sehr rvenig Fett zu backen. Vs'Pfund geriebene Kartoffeln, Vs Pfmtd Mehl, 200 Gramm Zucker, 1 Et»
1 Vanlllepulver, IV» Backpulver, 40 Gramm Butter. Alle dietz Zutaten werden zwischen den Händen leicht zu Streußel geriebe» jund nr eine eingefettete Spring fiornr getan, ohne daß mcur die Mast« eindrückt, sondern sie nur lose hinetuschichtet. Beim Backen bssoM M daim unten ein Teig,uno oben bleiben richtige Streußel.
Stammtisch-Scherz.
RestAurÄvt zum Klausner
(Auflösung in nächster Nummer.) .
Mittelmerichter.
Auflösung des Füllrätsels in voriger Sturnrner:
W
R
G
B
K
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E I N I N D E ia B ACH I E W EHE AUS
Schristleitung: W. Meyer. — Zwittingsrunddnrck der BrÄhl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


