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IStfea und ben einen AeveMgen Finger M uns herausveLkt? Das ist daS Parlament . . . Der Aimei.senhau.fen unter uns ,.. wie sinnws das Leben der City aussieht! . . . Ja fo„ Wer LKW hinter uns das Britische Museum. Acht stehen Mv gerade über der Börse. Die HalbkugÄ dahinten ist die &t£p«i der Pautskathedrale. Meröwüroia, wre bas alles Von »Len sich ausnimmt, nicht? Ach sehen Sie doch da PS, wo der seine weihe Streifen sichtbar wird! Wissen Sie, was das ist? Win EisenbahnMg ! Noch niedlicher als Nürnberger BlechspielKeug! Jetzt unter uns, was so gerÄll artig aussieht, gerade in dem Bogen der Themse, das sind die Wefp-Jndia-Docks. Sie sehen mich ungläubig an? Aber bestimmt! So sehen Docks von oben aus, wenn Schiff bei Kchiff liegt! Da vor uns sehen Sie dieselben Schutthausen rvoch einmal, Viktoria- und Alber t-Docks. Hier im Albert- dock herrscht Bewegung. Da Winnen Sie jetzt auch das Achwarzgraue sehen, das ist das Wasser der Docks. Kommt es Ahnen übrigens nicht auch vor, als sei die HäNserwüste Wer reinlicher? Oder ist das nur Einbildung von mir? Die Häuser hier sind ja alle mindestens dreißig Jahve jünger als die der inneren Stadt. Da drüben liegen die Arsenale von Woolwiich. Und jetzt der braune, grüngemusterte Teppich <■— das ist der Flugplatz. Wie schnell wir über die Themse gevonunerr sind! Jetzt noch eine kleine Schleife, dann sind wtr am Ziele. Es ist schade, daß heute wieder so ekelhafter Dunst da vorne lagert, sonst hätten Si^ noch einen Blick auP Meer werfen können."
Er stellte den Motor ab, und in sanftem Weitflug tzeuerve das Fahrzeug zur Erde. Fortsetzung folgt.)
Das Intermezzo.
* Avar Mftrtrn Heldt.
Ms der Mvvbat Bernardi Seine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung das Künstlerzirrtmer Mischen denr Gardevobengaug und der Bühne betrat, 'hörte er, wie die ,,Glanznummer'' des rrmS — der junge JvtrAeur Juppo — mit einem sorglosen zu dem Clown M-olf, sagär: „Der alte Bernardi ist {$, seit eineinhalb Jahren konnte er nicht mckhr sein ,,Inter- wacm" machen. Der Agerrt sagte mir heute, daß er rhu- nrft
dieser Spielzeit fallen läßt."
Die Tür klappte.gerätrschvoll zu. Alle wandten sich nach Bernardi um, der sich bleich an die Türfüllung lehnte. Das' Gespräch verstummte mit einem Schlage. Durch die Kulissen und de» Vorhang hörte man quiekende zord schrille Töne aus dem Orchesterraum, wo die Adusiker ihre Instrumente stimmten.
^Lst," flüsterte der Clown Wolfi, ,^r hat uns' gehört!"
x*e Artisten saßen schweigsam da, die warme Lust roch nach Wlder und Schminke. In meiner Ecke nagte der „Wunderpudckl WlexB" an einem Knocheir.
,Äa, alter Junge," rief der Clown mit erzwungener Natürlichkeit, rndein er ihm ans die Schulter schlug, „immer munter — 6 b?" Bernardi verzog den faltigen Mund zu ernem trüben Lächeln Md fefcfce sich Tann sagte er:
„Sie haben recht, Juppo, ich habe mein Intermezzo seil yq-el-M, vielen Monaten nicht mehr gemacht. Wer „fertigt" Mein Lieber, bin ich darum noch lange nicht. Wenn man das Variatä ßo gut kennt, wie ich, verzichtet man ans überflüssige Anftven-! KMgen. FÄlt Mir nicht «in, mich für das liebe Publikum außer Atem zu bringen, — das' ist das Ganze. Ich habe nicht mehr den Ehrgeiz eines Anfängers, wie Sie es sind."
Xhtb wieder verzog er den faltigen Mund, diesmal zu einem hochmütigen Grinsen. Aber man kannte merken, daß «A ihn ein wenig Anstrengung kostete.
Der Jongleur Juppo war bei denr Wvrt „Anfänger"' aufgesprungen. Cr wollte zornig werderr, als aber sein Blick über bis.Lwas kruntme Gestalt Bernardis glitt, .schnitt er nur eine halb verächtliche, halb mitleidige Grimasse;
„Daß ich nicht lache! Sie schwätzen ja, mein Lieber. 3hm ja, das fimnnt mit dem, Alter. Sie find nistängst 50 geworden^ nicht wahr? Anfänger — lächerlich! Ms ob Sie nrcht jeden Wcgenblick für Gott weiß ivas Mit mir tauschen möchten! Sie haben Ihre Zeit hinter sich darum sieht nranj Ihr berühmtes Intern mezzo nicht mehr. Und Neidisch sind Sie aus uns Jungerr, das Wahrheit!"
Die Lippen des alten Akrobaten zitterten. Seine Stimme klang « 3 t wenig heiser, als er erwiderte: ,Ju 30 oder 30 Jahren werden Eie auch rächt mehr Kraft -und Sicherheft germg haben, um Ihren Trick mit den 12 Kugeln auszuführen."
Ter Jongleur zückte die Achseln. „Mag sein — aber dann werde ich eben abgehen, wenn es ft» weft ist. Gott bewahre mich vor gefallener Größe und verblichenem Ruhm. Wenn ich nichts wehr tauge — nun, dann werde ich Privatmann oder m schieße »che «in« Kugel durch den Kopf."
,Mtgend, Jugend. . . !" .Bernardi .wiegt« die .Arme und gftafee halblaut, wie Kt M selbst. J&terat man Jahrzehnte auf
den BardetSLühnieN vdN A Erdteilen verbracht hat, kann M den Kulissengeruch das Rampenlicht und Llatschnst)« Hände Nicht st leicht entbehren." Er neigte, .in Gedanken versunken, den! Kopf und schwieg einen Augenblick. Tamr:
mvls nachgemacht: 25 Purzelbäume hintereinander — ohne Pause, Ein Luftkreisel, jawohl! Und wodurch ^macht Ihr Euch berühmt? Durch lächerliche Tricks, hie jedes Kind lernen könnte."
Ter schöne junge Juppo zog trotzig die Lippen hoch!. Er fühlte sich ttt seinem Künstlerstolz angetastet, von dieser Ruine, fcrie man nur noch gnadenhalber auftreten ließ. Lachhaft," sagte er, „Sie reden daher wie «in neidischer Grers. Einfach west Sc« nickst mehr könnnr." ,
„Ich kann rächt mehr? War sagt das! Wer wagt, mir das ins Gesicht zu sagen! Noch heute abend mache ich das Intermezzo, wenn Sie wollen!" ' „ ,
„Und ich wette eine WVchengage, daß Sie's nrcht Urständ«
^errrardi war in Feuer geraten. „Das wollen wir doch sehen," rief er 'buchend. Und dann murmelnd, während er dis Hände zitternd spreizte: „ba$ wollen wir doch * sehen" . . ...»
. „Tn hättest rhn rächt reizen sollen; er wird sich das Genick brechen," murmelte der Clown. ^ ^ ™
„Ach was !" Juppv macht« eine ärgerliche Bewegung. „Er soll nicht groß tun, ber alte Narr." .. r .,
Es klingelte zweimal schrill. Draußen setzte dis MUsik schmebß ternd «in. Tie Vorstellung hatte begonnen.
»*
Während der GlanzrruMmer, als' Juppo mit der gewohnten! fabelhaften Geschicklichkeft arbeitete, von Beifallssalven des Public kums unterbrochen, stand Bernardr mit brennenden Augen in der ersten Kulisse. In fünf Minuten würde er an der Reihe sem.
Er war jetzt immer ein wenig aufgeregt vor dem Auftrrtt^Tas war, well er rächt loi-s einst di« völlige Herrschaft über ferne 9p» kein und Knochen fühlte. Heut« aber glaubte er sich rnnerttch geschüttelt, als ob er Fieber hätte. „Das Intermezzo", dachte er, „Gott im Himmel, ich werde rächt können!"
lT«r Vorhang ging nach einigen Musrktakten wieder hoch, Und Bernardi schritt in die Mitte der Bühne. Er bündelte ange^ strengt mit den müden Augen, geblendet von dem Lrchtmeer. das von dem gewaltigen Kronleuchter tausend Strahlen in den.Saal warf. Das Haus war gesteckt voll, ausverkauft bis aus den letzten Platz. Bernardi straffte sich zur nöttgerr Willensanstrengung, uwp begann feine Nummer. Er mußte sich nach jeder Leistung heraus» fordernd verbeugen, um halbwegs Applaus zu erzielen. Er arbeiiet* noch weniger sckMingvoll als sonst, denn er dachte an daS Intermezzo, und die Angst kroch ihm über den schwetßftuchten Rücken. Gegen Ende seines Anstrrtts hatte er den Plan halb auft gegebm. Als er aber die letzten Griffe und Sprünge machte, fühlte er M so matt, daß er bereit war, zu verzichten und den ent* sprechenden Hohn auf sich M nehmen. Er wollte sich schon verbengest nüd abgehen, da fiel sein .telltMhmUoser Blick aus den Krvw, leuchter, und er blieb starr auf dem Fleck. ^
War es Täuschung? Schwindelte ahn? Nern — der Krön-, Leuchter senkte sich, er senkte sich ganz langsam an seinem Drahts sell auf das MblikuM herab. Ter Akrobat warf den Kopf über die Müller, daß ihn der Nacken schmerzte wie eine pfseinck Wmide. Er starrte in die Kulisse zur Linken; dort stand di« mächtige Winde, an der das Sell zum Aufziehen und Herab, lassen d«s schweren Kronleuchters aufgevollt war. Richtig: die Sicherung der Winde hatte sich gelöst, die .Walze drehte sich, rst Brägen Mugeirblickerr würde sie bereits blitzschnell kreisen, m einigen Angercklicken würde der Kronleuchter draußen rm Zw-, schricerraum aus die Menge herabsausen. .
Ter Akrobat wankte. Dann wollte er sch brüllend m die Kulisse stürzen und schreien, daß der Leuchter stürze, daß die Winde Ulrückgedreht werden müsse. Aber fast im selben Augenblick besann er sickz Das volle Haus würde die Gefahr bemerken; mast würde aufspcnrgen, zu dm Ausgängen rasen. Panik! . . . Gü schloß Wttvlllkürlich bst Augen. «Er glaubte den wilden Kampf Um-, schert den Sitzreihen, Vor den Türen zu sehen. Frauen würden! Nickberg etrettn, Kurder würden zerquetscht werden . . . . !
Aber noch am.End« der Sekunde, in der dieses ganze, ihm allein bewußte TraMa begonnen hatte, überlief es, ihn, plötzlich wie ein Strom vvn heldenhafter Kaltblütigkeit. Er riß die Augen aus; ja, das war es, man wußte ihre WifmerUamtLit fesseln, während sie gerettet wurden. Es gab nrrr eine Möglichikeit: das jo!
Mit einem einzigen Sprung 'tvar der Mrivbat in der Kulisse. „Ter Kvonletrchjder ..." zischte er, die Winde. . ." Und wäh-, rend MaMnisten und Arbeiter, die Lage erfassend, itch gegen das Rad der bMeits schneller vollenden Winde warfen, war Bernardi wieder mft einem Sprung auf der Bühne und schrie: „Das Jntep, mezza!" . . ^
Er zv-g alle Fiebern und Sehnen zusammen tm« ern zu Tod« gehetzt.es Tier, er stemmte die Bein« gegen die Bretter, er sprang ab, biß die Zähne m die blutend« Lippe und zählte stumm.
„Eins, »wer, drei, vier ..." Er drehte sich in einem Kreis« Von Purzelbäumen, «r hatte kein« Besinnung mehr, er fühlte nichts, war nur noch ein Luwvirbckl.


