Ausgabe 
8.5.1918
 
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Edith! Edith!" raunte er bebend in ihr Ohr.Hast du mich lieb, Edith, hast du mich lieb?"

Sie küßte ihn leise auf die Mange, auf die Stirn und auf den Mund.

Jubelnd umschlang er sie.

Du mußt mein sein! Du mußt mein sein! Darm kmrd alles gut. Ja, laß uns zusammen Wehen. Jrgeud- ND da draußen im Ozean wird eine einsame Insel sein: da Mollen wir den. Traum der ersten Menscher: vorn Para­dies noch einmal träumen."

Edith zuckte zusammen.

Sie fühlte den gierigen. Atem seines Mundes. Sie empfand imangenehm den feuchten .Händedruck seiner Rech­ten, die ihre Linke umspannt hielt. Ihr Mund verzoa pch wre unter einem körperlichen Schmerz. Und sie ent­wand juch ihm mit einer geschmeidigen Bewegung

Scherzend sagte sie:

Sie knicken mir ja meine unschuldigen EngelsMael entzwer." ^

. .Aber er achtete ihrer Worte nicht. Er stand aus und mH.ihr siegestrunken in die Augen.

Rein, kleine Schlange im Engetsaewand, jetzt ent­kömmst bu mir nicht!"

U"d er eilte mit ausgebreiteten Armen aus sie zu.

, Doch blitzschnell hatte sie den Tisch Mt schon sich und ihrr gebracht. ötc griff hastig nach der Gerte und hob sie Mim schlage: '

Rühren Sie mich nicht an!"

( er fidb feige, als sei der Hieb schon niederqe-

jaust. Mein wurde er mit einem Male, ganz klein. Und'er hob bittend die Hand.

haben?"^^ ^bith, können Sie mich denn nicht mehr lieb

Sie serrkte die Gerte.

Ach, schweigen Sie doch!"

Da warf er sich vor ihr auf den Boden.

Sie ^ wich weiter zurück und hob die Gerte wieder.

. "H, ~ krächzte er mit schäumendem Mundeschlag Mich doch! schlag doch zu, du Hexe, dir, du Vampyr!"

Sie wandte sich von ihm ab, wie npan sich, von einem Spielpartner wegwendet, dessen Spielstarke man zuvor über­schätzt hat.

Stehen sie auf, James Atterleh!" sagte sie kühl. Sonst mu<j ich den Diener rufen/' '

©r sah, daß er verloren hatte, und erhob sich schlvankend.

Er warf jich auf eines der Polstersesselchen und west klagte, wre zu sich selber sprechend:

Wieder behext! Wieder behext! Statt der zerbrochenen Skia den lettmi rreue geschmiedet! Kein Rückgrat mehr! Keine Mannhaftigkeit! Zur schlaffen Molluske gemacht von einem Weibe! Du kommst nicht frei von diefenr Dämon, kömmst MM frei. Aoer es gibt einen, der sich nicht unters Joch

Haß gkomni in seinen Augen. Er blickte starr auf das Weib irn Engelsgewand.

gibt einen, der uns alle rächt, die wir uns zu Stlaveri erniedrigen und wie Unrat wegwerfen lassen muß- ten! Es gibt einen!"

Edith wurde aufmerksam.

Und iver ist der eine, der Unbeugsame?!"

Heiser schrie er auf.

üP' mein Täubchen, du weißt schon, von wem ich spreche. Er betritt dein Haus nicht inehr und seinethalben

h» du m,ch ruftn lassen: . . haha-willst was Neues

von ihm erfahren . er ist gewarnt worden, meine Taube lch Hab ihn felber gewarnt! Und während hier Ariadne trauernd seiner harrt, flötet er 'mit dem fremden Frei- fraulein tut Hanse Brauch."

Sie verzog keine Miene.

Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen, Atterleh. Lassen

schl-ch?zu LsiZ» ^ P°lft steht Ihnen

n ,,?iuu ja, keuchte er heraus,vom Hguvtmann Lvagjord rede ich und von Marianne von Roggen Husen."

Wollen Sie mir vielleicht sagen, was ich mit Lonqford und Marianne von Roggenhusen zu tun habe?"

Was Mylady damit zu tun haben? Nichts! Ganz ßar nichts! Und das ist meine einzige Freude, daß Mylady damit nichts zu tun haben."

Ihr Antlitz blieb unbeweglich

Nchnien Sie doch Vernunft an, Atterleh! Wir sind otfeS yP eumi Binder. Wozu erzählen Sie mir denn

Er zeigte eine höhnische Fratze.

"Wozu? Vielleicht, damit Sie sich ärgern sollen, schönste Edlth, daß Ihr getreuer Sklave durchs Netz geschlüpft und

Netz gegangen ist. Rund heraus gesagt, Mister songford ist im Hause Branch fast täglicher Gast und unterhält sich ganz vortrefflich mit dein Freifräulem. an Euer Gnaden scheint ihn: die Erimierung entschwunden

gU

Sie lächelte etwas säuerlich.

.. . "Sie irren. Erstens ist mir Lorrgsord nahezu oder ganz gleichgültig. Ziveitens hat er mich erst vor Einigen Tagen es tonnen auch schon zwei Wochen inzwischen vergangen [ mi ~ emgdabeit, mit ihm den ersten Flug über die Dächer von London zu wagen, wenn seine Uebungen etrvas weiter fortgeschritten sind."

ein Bein, übers andere und begann überlegen vor ^ am f^h urplötzlich unendlich

. "Nun sehen Sie, schönste Lady, das ist dein guten Lonq- anscheinend ebenfalls ans der Erinnerung entschwiin- e <5 l r ^ gerade heute seinen ersten Flug über die sacher Londons wagen. Soviel ich weiß, tviird aber feine

wmidcUuwg^ daronesj Roggenhus«, sein. Ist das nicht

~ 3}'Ziffern Augenblick pochte es zughufh und Mistretz

Dämels trat rus Zimmer. '

Sie sitzen hier und plaitdern, und säumen" Auto, sie werderr ja die Probe ver-

Das junge Weib biß sich, ärgerlich aus die Lippen.

dre Lady Soilthrisfe oder eine Dame V 1 . 11 r ie i E'lrngein Sie iNv Savvy hinüber: Ich hätte.

drvbe zu kommen. Im übrigen sei alles in schoujter Ordnung. Das Kleid passe märchenhaft gut unb id> ^nne morgeii zur festgesetzten Stunde. Keine Wider- rede, beste Dämels! Machen Sie schnell! Denn Sie müssen mich dann umkleiden!"

Die Alte schlurfte auf ihren Filzpantoffeln zur Tür Uia i»+( t y tm ^ T ^ art "^ m Eiott! Um Gott!" murmelnd. Atterley hatte sich erhoben. Er verbeugte sich steif Ich darf inich nuii ivohl enipfehlen?"

Bedaure, nein!" erwiderte sie schneidend.Sie werden Hfilirt! 1 Olligplah begleiten. Wollen sehen, ob Longford we >!"'"' o mm ^ Een i lein an ist, fein Versprechen zu bre-

...Mylady, meine Beziehungen zum Hause Southriffe

im k Cn ^? 0 f, den Ihr Vater heute morgen erhielt, vrel zu klar iunnffe.ii, als daß" ' '

Reden Si^ bitte keinen Unsinn, lieber Atterleh. Es r »re nur von Nutzen sein, wenn Sie die Lady

Southriffe im Automobil zum Flugplatz begleiten dürfen. Verfügung"^ Augenblick leider keinen andern Herrn zur

mir dne^Ehre!" ^ ^ ^^Muckte etwas wiees ist

So. Nun warteii Sie hier ein Weilchen Tch merd- nur mit tzUfc der guten Daniels dies Engelsgämud mit einem Straßenkleid vertauschen." ^

Eine Viertelstunde später raste das Auto mit fchvetgenden Menschen dem Flugplatz entgegen. m (Fortsetzung folgt.)

Goethes haar.

Eine Skizze von Sv eit b Leopolb.

In Weimar twhnte eine alter Warn, der Besuichi von allen zu re yen den Goetheverehrern erhielt. Er mohnte in dem alten, Haus neben demWeißen Schwan", m über der Tür eine s.afel angebracht ist, auf der geschriebeii steht:

Mensch, ärgere dich nicht!"

Mi alte Mann war ein Sohn von Goethes Friseur, und er war der emzige, der authentische Haarlocken von hem aiqantischen Lichter urch Geheimen Rat besaß. Sein Vater hob nämlickk wra-

itK,ltl er öei '- SöttlickM .Exzellenz das! nicht^ somvenig Laufe von zwanzig Fähren ivar das gars

, . Die Haare vererbten sich auf deu Sohn, der deu Sckmn als Ul.n teuerstes Erbe bütete. Er erbte auch.Haar von Schiller aber war dann uuo nebenbei rötlich und erinnerte fast ' allzu