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„W ist gut. Führen Sie ihn inS WamenOnttner. Ich bin sVgieich unten ."
Der Diener gehorchte schweigend und verfchitvanV.
Mistreß Daniels hottsdie Hände über dem etwas über- hängenden Leib gefaltet Mä> blickte in ehrlicher Bewunderung m Edith auf. ' _
„Um Gott! Unr Gott! Me schön Klein-Edrth rst! O, Wbein-Gdtth wird tausend Küsse verkaufen."
Edith stand noch immer vor dem großen Ankleidespiegel und ließ das Bild, das vorn Kristallglas Kurückgeworfen Warb, ans sich wirken. Jetzt drehte sie sich lächelnd!, nahm den alterSgraiMr Kopf der treuen Daniels Zwischen ihre Hände, und drückte einen herzhaften Knß auf die verwitterte Stirn der Alten.
„Sehen Sie, beste Mistreß, und Sie bekommen so einen Muß ganz umsonst. Ganz umsonst!" . ^ t ^
Damit huschte ste aus dem Zrmmer, trippelte hasttg die Treppe hinunter und eilte leich-Mßig wie ein Backfisch ins Damenznnmer.
Wrrch auf Atterley wirkte ihre Verkleidung zrrnächst wie eine überirdische Erscheinung. Sie war berückeiw schon ftr dem EngelsgSoand.
€fte bemerkte mit heimlicher Freude den Eindruck, den
I” OCXvivXXDCT.
„Sehen sie "üch bitte nicht so fremd an! Ich bin esi Wirklich und leibhaftig. Und der sonderbare Aufzug kommt daher', daß ich in Ahn Minuten zu der letzten Probe für die Christmasvorstellung fahren muß, die morgen im Savoy stattfindet. Sie wissen ja. . ." Und dabei täuschte sie ein Unterdrücktes Gähnen vor. „Wieder ein Opfer... alles für die armen Soldaten . . . oder ist es diesmal für die Hinterbliebenen... ich weiß nicht ... ist auch gleichgül- ttg. Ich kann mich unmöglich ausschließen. Vorgestern habe ich erst für 424 Pfund Küste verkauft. Großartig, nicht?"
Wtteney hatte sich allmählich von dem seltsam feenhaften Eindruck erholt. Mit leichtem Spott sagte er:
„Es ist alles großartig, was Mylady sagen oder tun. Mars ich mir aber die cMruntertänigste Frage gestatten, WÄyalb mich Mylady gerade für diese zehn Minuten, die Noch bis zur Abfahrt bleiben, fo dringlich hierher bestellten? Es scheint doch wohl eilig zu sein? Uni übrigens jeden Zweifel zn beheben — ich bin diesmal noch Ihrem Befehl. . .. oder soll ich sagen: Wunsche? — gefolgt. Es wird aber wohl das letztemal sein, daß ich dies Haus betrete. Ich habe mit Wrem Vater endgültig-"
„Ich weiß alles," unterbrach Edith abwehrend, „mein Vater hat mir beim Lunch heute alles erzählt."
„Sie wissen zwar nicht alles, Mylady. Aber nehmen Büfi einmal getrvsst an, Sie seien allwissend. Jedenfalls Werden Sie el begreiflich finden, daß ich den Verkehr mit diesem Hanse abbreche, und zwar unwiderruflich^
„Und Sie fühlen sich meinem Vater nicht zu Dank verpflichtet?"
„Ich . . . ihm zu . . . Dank verpflichtet?" — Atterley warf fernen Stuhl beinahe um. „Dem Mann, der mich jahrelang ausgenützt hat und — Sie sind feine Tochter! Ersparen Sie mir. weitere Erklärungen! — Sagen Sie mir bitte: Weshalb haben Sie mich rufen lassen?"
Sie griff wie spielend nach der Reitgerte, die über dem Tisch lag. Achtlos hatte sie am Vormittag sie da liegen lassen, als sie .)n ihrem Mvrgenritt im Park zurückgekehrt War. Sie fuhr flach streichend über die Handfläche der Linken und wiederholte mechanisch:
„Weshalb ist Sie rufen ließ? Ich wunderte mich, daß Sie sich hier zur seltenen Person machten, und wollte den Grund erfahren. Inzwischen hat mir freilich mein Vater die gewünschte Auskunft gegeben . . . Aber, hören Sie, Atterley, können Sie mir nicht sagen, warum auch der Hauptmann, den Sie hier einführten . . ." Sie zog die Brauen zusammen und unterbrach sich selber . . . „Mein Pater vermißt Mister Longford sehr. Haben Sie ihn nirgends gesehen?"
,-Gewiß, isch sehe den Hauptmann hin und wieder im Hause Brauch!"
,-Jm Hause Brauch? Sie verkehren tm Hause Brauch!"
„Ja, durch eine Empfehlung Longfords wurde ich mtt dem Obersten bekannt."
„So? Und der Visoount hat Ihnen wohl die Anstellung im Miegsamt verschafft?"
Sie führte mit der Gerte einen pfeifenden Hieb durch die Luft.
Atterley schrak zusammen.
Sie fragte weiter: „Fühlen Sie sich eigentlich in dieser Stellung?"
Er blickte demütig drein.
„Ob ich mich wohl fühle, Lady Edith? —? Leute meines Schlages fühlen sich niemals Wohl."
(Fortsetzung folgt.)
vie chiffrierte Depesche.
Pion Walter Heise.
(Nachdruck verboten.)
Hcmtkin Pascha klatschte in die Hände. Ein junger Leutnank tvat in den Zelteingäng und verneigte sich. „Efsendi befehlen?" fragte er höflich.
„Was Neues?"
„Ter Prophet möge Euren Pfad segnen. Unsere Baschi-BoziuW haben Glück gehabt —"
„Ist die Schlappe von gestern wieder gut gemacht. Sind di< Jdcmiani auf die Schiffe wieder zurückgetrreben, he?"
Tie Stirrre des Kommandanten lag in Furchen und sein schwarzes Auge leuchtete unheimlich, als er die Worte heftig &ew auspolterte.
Der Leutnant wurde verlegen. „Nnr ein kleiner Erfolg, Ef- fendi," erwiderte er stammelnd. Tie Miene des Paschas wurde drohend; da fügte der Leutnant schnell hinzu: „Doch wenn eS Allahs Wille ist, so kann ein großer daraus werden. Wir habe« einen Meldereiter ergriffen."
Der Kommandant sprang auf. „Ha, das nenne, ich Kismet) Und seine Depeschen? Er hatte doch welche?"
„Eine, Efsendi, an den Capitano Giuseppe Filati, der die Abteilung Bersaglieri zwei Meilen von Benghasi befehligt."
„Und ihr Inhalt?"
„— ist chiffriert. Auf dem Umschlag steht außer der Mwessei „Urgente importante!"
„Ter Scheitan hole den Absender! Hat man sie schon erch- Itffttt
Ter Leutnant wich einen Schritt zurück, als er sagte: „Effendß es ist unmöglich."
„Unmöglich? Wie, unmöglich? Ich habe doch Chiffrierschlüfse? anfertigen und verteilen lassen. Und der Dragoner — was sag? der?"> !
„Er kann die Depesche auch nicht entziffern."
Ter Kommandant schritt in seinem Zäte einige Male auf und ab. Tann rief er: „Her mit dem Clesangeneu und der Depesche!"
Ter Offizier verneigte sich und ging. Nach einigen Minute« kam er wickrer, mit ihm ein italienischer Soldat in Tragvneruniformt. Eine Kopfbedeckung trug er nicht, und seine Uniform war mit Stand bedeckt und zerrissen. Am Kopfe hatte er einige Schrammen. Er bitte sich also nicht ohne Kampf ergeben.
„Wie heißt Ihr?" donnerte ihn der Gestrenge an.
„Luigi Sartv!"
„Von wem ist die Depesche?"
Ter Gefangene zögerte. Dann antwortete eff „Von einer« Capitano Carlo Venosta."
„Wißt Ihr den Inhalt der Depesche?"
„Nein!"
Der Kommandant wandte sich an den Leutnant: „Der Gefangene soll wieder der Wache übergeben werden."
Als sie wieder allein waren, legte der Leutnant die Depesche vor. Der Kvmmcmdant las die mit Bleistift Mchriebenen Wortes „Würdensi wohldi egü tehaü emnir biszu mnä chsten ers tenfün zigll rezu le ihen!"
Teilweise konnte man türkische Worte vermuten.
„Würdensi, egü, emnir" gaben zu denken. Doch ein Sinn ließ sich nicht herausrätseln. Hamkin Pascha versuchte es mit Umstellen der Zeichen. Doch er erzielte das gleiche negative Resultat. Italienisch schien es auch nicht zu sein. Französisch und Italienisch? Der Kommandant beherrschte die Sprachen. Er versuchte aus dieser« Wege die Techifftierung. Umsonst! — Er merkte kaum, daß er schwitzte. „Urgente importante" hatte auf dem Umschläge gestanden. Wer konnte sagen, wieviel von der Depesche für ihn ab hing k Wenn Uran mir wüßte, wie vieler Und welcher Sprachen dieser Capitano Venosta überhaupt mächtig war! Tamr hätte man doch wenigstens einen Fingerzeig gehabt, vorausgesetzt, daß die Depesche nicht in einer selbstgelchaffenen Sprache geschrieben war.
Wer aber konnte da Helsen? Ter Gefangene! Wie ein Witz durchzuckte es den Komwcntdanten. Eins wußte der Dragoner am> Ende: Wo der Capitano geboren war. Er beauftragte den Leutnarrttz den Gefangenen danach zu ftagen.
Dieser ging und kam mit dem Bescheid wieder, daß Venosta ei« Geborener Benetianer sei. Der Bersaglierikapitän sei es auch, wle der Gefangene zufällig gewußt hatte.
Mit großer Resignation richtete der Leutnant seinen Bescheid iajus. Tpch wie verwundert war er, als er sah. daß der Pascha i« Helles Entzücken geriet, „Benetianer, beide Benetianer," .rief er, >,Leutnant, zu welchem Reiche gehörte Venedig bis zum Jahry 1866 ?"


