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x/Zu Oesterreich, Effendi."
^»,und so ist es möglich daß di« Leiden MM Stzwache dtzv«
,/Oesterreichisch, also deutsch!"
-^eutmrnt, ich sage, die Depesche ist deutsch geschrieben."
-Msendr —"
^ Sie sofort Leutnant Jussuf kommen, er hat einiget
Mhm rn München gelebt. Dann wollen wir weiter sehen."
. Nach einigen Minuten stand Leutnant Jussuf vor seinem Chef un Zelte. Dieser reicht« ihm die Depesche und richtete seine Augen
t ^ n -. kür eine wichtige Meldung würde da ans Tageslicht rmmnen ! Plötzlich wurde im Antlitz des Jussuf ein eigentümliches Zucken bemerkbar. Er schien von einem Kinnbackenkrampf befallen Mstrn. Dann lachte er hell auf, ohne sich dabei durch die Gegenwart fernes Vorgesetzten gehindert zu fühlen.
„Nun — ?" sagte der Pascha und sah ihn verwimdert icm.
-.Verzeihung Effendi, aber — der Inhalt der Depesche ist itu komisch — —" wollte sich Jussuf entschuldigen.
,^Dechrffrreren und übersetzen Sie!" donnert ihn der Pascha <ttr.
Ju.M drängte sein Lachen zurück. Tann sagte er: „Die De- peM ist tatsächlich ru deutscher Sprache abgeftlßt. Nur einige Buchstaben sind verstellt,. Richtig mich es lauten: „Würde:: Sie S or.E Gute haben, mir bis znm nächsten Ersten fünfzig Lire zu Undals jener den Inhalt ins türkische übersetzte, da fing M der Pascha an zu lachen,, daß es eine Art hatte. Mit komi- styem Ernst sagte der Pascha dann plötzlich: „Ter arme italienische k. 4ntaTto Zer Allah, ich kann mir seinen Schmerz vvrstellen. Doch er soll wissen, daß er mit einen: ritterlichen nvrnmandanten zu tun N-...^utnant schreiben Sie sofort auf deutsch, was ich Ihnen aus aufsetzen werde. Hier sind Banknoten, «in halbes Pftmd türüch. Ter Sarto mag zu seinem Capitano zurüöllehren."
Man karrn sich denken, welche Augen der Hauptmann machte, ws fern Lurgi Sarto vor ihn hinsprengte, ibm die Banknoten ein- VMchlgte und einen Zottel, auf dem der treffliche Uebersetzer Jussuf geicbrreben hatte: „Bor dem Dalles hat auch der Feind Respekt. Hamwr Pascha macht sich ein Vergnügen daraus, seinem italienischen Kameraden bcrspringen zu können."
Der Korb Nr. 209.
Von Karl Ernst Kn atz.
Das Heereswesen dient nicht nur zur Bewilligung von W» ardenposten. Auch die stete Neuschöpfung kräftiger Unteroffizier^ fluche und der entsprechenden Gegenflüchie vom Geist des gemeinen SoDaten umschreibt, so wichtig diese kernsprachlichen Bestrebungen mich sein mögen, seinen Zweck keineswegs ganz. Die Schlacht von Tannenberg, die Riesengeschütze, der Name Hlndenburg und der Marsch deutscher Soldaten durch halb Europa weisen zureichend auf andere Aufgaben soldatischer Einrichtungen und Beschäftigung^ fpt■ '& Heerwesen ist eine im ganzen sehr verschmitzte Erfindung, die llerne Tinge erhaben, umständlich, gewichtig und manchmal komisch, große aber unauffällig, bewundernsrverr, überwältigend erledigt.
Nach dieser Vorbemerkung erzähle ich ohne Schmuck und Dintergedanksn die Geschichte vom Korb Nr. 209.
Nämlich: Der Gefreite Ladewig, der das Glück hatte, in dem -roßen Staffelort H., schon recht weit hinter der Front, seit einiger Zeit bei, der Kommandostelle allerlei Schreiberei zu verrichten, hatte den dringenden Wunsch, einmal wieder Urlaub zu bekommen. Merkwürdig ist dieser Wunsch nicht. Aber die Vorgesetzten finden ihn meist sonderbar. Jedoch, da der Gefreite Ladewig sich gut mit seinem Oberleutnant stand, einem gutmüttgen d. R. in älteren! Jahren, so konnte er hoffen, bei diesem nicht auf das fassungslose Staunen zu stoßen, das sonst die Uebergeordneten bei Wünschen der Untergebenen zu befallen pflegt.
Ladewig ging und fragte.
Der Oberleutnant war guter Laune und grundsätzlich einverstanden.
„Eigentlich sind Sie mit dem Urlaub noch lange nicht dran. Ladewig. Aber vielleicht können Sie mal demnächst dienstlich fahren. Sie sind doch aus Hl, und dort haben wir immer mal etwas zn besorgen."
Wlan hat niemals die Aufgabe, sich der: Kopf der Vorgesetzten! zu zerbrechen. Also wartete der Gefreite Ladewig wie der Gläubig! icmf Allahs unerforschlichen Ratschluß, gottergeben auf die Auge-, legenheit, die ihn dienstlich in die Heimat führen sollte.
Ter dienstliche Schriftwechsel, der durch seine Hände ging, gab dernl Gefreiten Ladewig keinen Anhalt über die für ihn selbst so wünschenswerte Notwendigkeit. Leider, wie man gestehen muß, vermochte aujch der menschenfreundliche Oberleutnant im weiten Umkreis seiner Tätigkeit nichts Rechtes ^u entdecken, was die Entsendung eines Mannes nach H. als zwingendes Krregsbedürst« Bis hätte erscheinen lassen. ,
Eines Tages aber rief der Oberleutnant den Gefreiten Lade-« Vig und sagte: •
„Sie können morgen mal die Sachen unter S. 490 nach H, Waffen. Znm Ersatzregiment, Major von Poldern."
!,,Zü Befehl!" sagte der Gefreite Ladewig.
Er erkannte: Dieser Aufttag bedeutete den Urlaub. Was ev ««rächst nicht erkannte, war die Bedeutung der „Sachen untest S, 490"^ Wer nur besonders blöde Nichtsoldaten können darin ein«
der .garAen Angelegenheit EckM. Svt nnttr gehörte «um Mrchiv. Demg
bä Gefreite Ladewig zum Unteroffizier Süßmttch, und sagte: ,
soll morgen die Sachen unter S. 490 nach U bringen. Brtte gehorsamft Herrn Unteroffizier, mir die Sachen zu geben."> 490' /W '^ eU9 ^ / ^te der Unteroffizier Süßmilch ,, .
„Wat soll'n det sin?" »
Da der Gefreite Ladewig nichts Erschöpfendes hätte erwidern! wrmen, so tat er das, was man beim Militär in zweifelhaft^ tun soll: er schwieg. Worauf der Untewm^sst Sutzmuch zMfchen die riesigen Fachbretterwände stieg und nach erheblichen Machen und unterschiedlichen Fußtritten gegen umher» negende, sorgsam verschnürte, aoer fernen Forschingen hinderlich- Bündel aus ern besonders großes Fach hinwies und knurrte:
„Das ranze hier kdrksWS. Und det MerisS. 490. Na, mch WÄ soll nu sind mit det Zeug?"
. , Fach enthielt einen guten Zentner verstaubten Papiers das fich bei näherer Besichtigung dB ein genmltiger Pack ältest Zertungen erwies. ,
. L<chewig wiederholte eintönig; -Lu Befcht, Wrr rdtteroM tzrer, d-res soll ich morgen nach Hi.
„Denn nchm» S' Ä sich. Et sin ZsWunMr, Wo der HauptmEt der rn den Champagne schwer verwundet worden tL Amro dazumch gesammelt hat. Alle aus'm ersten Kriegsjahr« Det warso 'wq Neigung von dem Hauptmann, det Sammeln ... — Na Mensch (tm nehmen Sie doch den Dreck und zich'n Se Leins. DenLn Sia. ich habe rar nischt zu tmr^
Der Gefreite holte einen Korb irgendwoher —- rrmndwo ist beim Militär immer das, was man braucht — paclle S 490 hinein und Unterzeichnete eine Empfangsbefcheinignng.
Er erhielt einen Fahrausweis nach'K., gMg für sechs Dage — der Korb bekam die Nummer 209 — und gw&ßB am! Mgenden Tage mit dem Urlarrblerzug nach Z.
Der Gefreite Ladewig freute sich. i
Der Korb 209 wog alles in allem 130 Pfund und nahm M stattlich aus. Der Gefreite Ladewig wurde Lbervll, besmchers auch an der Grenze als der Verantwortliche Ueberbringer eines so ge» wichtigen und sicher geheimnisvollen TienstgegenMmdeZ mit Ach« tung behandelt.
In H. begab sich der Gefreite Ladewig mit dem t&äßefefc InrngS- und Ilusweisschein zum Ersatzregiment.
„Gefreiter Ladewig mit Urlanö von H,. Bringe bm KvrL Nr. 209.“,
für’n Kmch?"
>,Nr. 209."
„Was ist drin?"
„Zeitungen."
„Was für Zeitungen?" - , ,
Aus dem ersten Kriegsjahr« Herr von PÄderv ist
nnrerrrcytet."
Der Feldwebel begab sich sorgenvoll Wm Major von Poldern^ Der Major ließ sich dre Sache vortragen.
-Mas zum Teufel soll ich mit dem Altpapier? Ich weitz von Lar nichts. Und weshalb, Himmelkrenzdonnerwet^r, komm! der Mann expreß deshalb angefahren?"
Der Feldwebel wußte dies nickst. Der Gefreite Ladewig wußte es auck nicht. Der Hauptmann entschied:
„Tann bringen Sie das Zeug her, zum Satan. Und wenn nischt drin ist, als alte Käseblätter, dann nehmen Sie's Miedest mit!" ,
Ter Gefreite Ladewig freute sich.
Ladewig ging mit zwei Mmrn Begleitung zum Bahnhofs Aber der Korb 209 war nicht zu ftndM. Schien gar nicht aM» geladen zu sein.
Ladewig meldete diese ernste VerwWung d.«r MgelegMheiK dem Hauptmann.
Ter Kenner weiß, daß Nun der Fall erheblich anderZ ktgt. „Woller: Sie schleunigst den Korb heranschaffen! Kriegt der Kerl ausdrücklich Urlaub, um cte Korb hirrherznbrdrgen, stnd verbummelt damr die janze Kiste! Sie bleiben so lange hier, biZ der Korb da ist! Wie Sie das' machen, ist Ihre Sache."
Das Regiment drahtete nach „Urlaub Ladewig vtzr» längert, da Korb 209 v'erschwunden."
Ter Gefreite Ladewig. freute sich.
Er ging jeden Dag einmal ans den Bahnhof, wo> eine fieber-i hafte Tätigkeit tM Aufsuchen des verschwundenen Kvrbes Nr. 209 entfaltet wurde, und genoß im übrigen seinen Urlaub. Der Urlaub lies ab, und erst drei Tage danach loard der Korb W. .209 g«-r Hunden. l§r war 100 Kilometer weiter gefahvMz.
Nun war er wieder da.
Die dienstliche Lösung wurde ^abermals nach H. gedrahtet.! Der Gefreite Ladewig schaffte den Korb 209 wieder mit zwei Begleitern zum Regiment.
Der Hauptmann besvchtigte den Inhalt eingehend Mt& nach-, denllich«. Tann brüllte er:
„Fahren Sie zum Henker mit Ihrer Makulatur! Bringest Sie das Zeug wieder dahm, wo Sie es hergeholt habm!"
Ladewig erhielt eisten neuen 'Schern, fuhr ab und trat zwei Dag« später vor seinm Oberleutnant.


