Ausgabe 
1.5.1918
 
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Aur froher M-WMM-Sett.

Skizze visu Mathilde Merl.

T-is Stille eines heißen Sommerttaichmittags umgab das nied­rige, lmtggeslrcckte, gewaetütuMe HausZum MorMchein" Auf der Meden, das der «MgeftLenM Familie Schwind gehörte. ^

Im freundlichen Äartensaale stand der Soyir des Hauses, der junge Maler Moritz v. Schwind, vor seiner 'Ätaf,elet und E^zrerte mck Köhle den Entwurf entes großen Bildes. Er war Mp En Hentdärmellr, der Imieste Malerkittel lag dort rm Wirket.

Und doch perlten schwere Schweißtropfen von der Dtirne des jungen Meisters. Mißmutig warf er die Mohle hm.

So a Mchhitz'!" brummte er,da soll einer Gedanken haben, wenn das Hsw im Getziritkastl Mer ettttoocnteH"

Na, so Bwnm halt mit, MoritzL, aus a frisches L-eiderl unj grünen Prater!" bat ein untersetzter, nwhlbelerbter iNnger Wuxmi Von schulmeisterlichem Aussehen und drehte sich so behende er konnte, mit dem Klcrvier'esse'l herum, ans dem er vor dem Instrumente saß, Seine schönen brarmen Wagen blinzelten lustig durch die starken Brillengläser.Geh, Moritzl, Jet. gut, komm mit! Die FrLmderlst Men uns nn: a drei Uhr äb."

Ms oh ich mit.Mersaufen .den Karton, da fertig kriegB/ gvollie der Andere.Du tveißt, der ist vom Landgrafer: von Thü­ringen bestM und mit hohen Hxrven ist Nit gut Kirschen essen,- Schtbertl!"

No, nv, Moritzl," begütigte Fvrrrz Schrbert,sei mt gleich st» ganz ans dern Häus'l. Wenn du dich a werrgerl ersrischt hast> nachher gch's Arbeiten noch a mal so gut!"

Ms ob ich -euere sicheren Schubertiadetr nicht kennen tat," Maulte der Maler weiter.Ta wird gewöhnlich auf's,-'Haus gehn ^.»ergessen; und 'nur zwei Uhr in der Nacht kann ich nicht maleiti Katzenaugen Hab' ich nit!"

Aber an sauberen Kater kannst mit heimbringen, grandrger! Müler geselle!'' lachte eine frische Stimme vom Eingang her, mrdi Kierein stürmten Maler Kupelwieser, J>er Sänger Vogel, Maler Dannbanser, Schober und der junge Sonnleithner.

?luf, ans, Gesellen, den Anker gelichtet!" sang der Wermütige Chor. KNpÄwstser holte mit der steifen Mtitde eines Kammer­dieners Schuberts blauen Gehrvck herbei, während Leopold von Sonnleithner überall SchlrbertS Hut suchte, bis er unter dem ju». bet irden Gelächter loer Fveunde entdeckt, daß der zerstreiche Sckinbert auf seiner Kopfbedeckung saß.

S-chwind weigerte sich noch immer, nützugcheu, do^h der schatte Sänger Vogel hatte Frau von Schwind herbeigeholt. Zärtlich strich die. thürd-ige Matrone über des junge:: Malers erhitzte Stirne: Geh nur, mein Kind, erhol' dich ein wenig! Dir ivirst gewiß noch zur rechten Zeit mit dem Bilde fertig!"

Ich Dge !inich der mütterlichen Gewcckt!" läcyelte endltch ,Schwind und begab sich Mn eiligst auf lebt Zimmer.

Ms er zirm Ansgang gerüstet wieder beit. Gartensaal betrat, suchte er eifrig st nach einem Skizzenbnch.

Geh', heilt' tu nix mehr stricheln!" bat Vogel. ^

Das Buch nehm' ich nur so aus Gewohnheit mit!" entschul­digte sich SchwiiÄ».

Fröhlich m der kleine Trupp strnger Leute dem Prater ent- fgegen: in den. Whlgrüneu Wen suchten sie eine bescheideneBter- Wirtschaft auf. , t _

Unter einem mächtigen Mstanienbaum Wurde Platz genommen. Frökstiche Scherzreden und bellllntgende Schuberll jeder svürzten das bescheidene Avatzl, das wohl nur aus Bier und Butterbrot bestand; aber keinent König komrte es herrlicher numden. , .

Franz Schubert aber ivurde inmitten des lustigen Treibens immer einsilbiger und Wer; plötzlich schob er seine Brille aus die breite Stirne, wie dies so seine Art beim Komponieren war, und suchte eifrig nrit beiden &;Mxm in seinen Rocktaschen nach einem Blättchen Papier, doch «r zog sie bedauernd leer hervor. ,Ter nie verlegene Sänger Vogel ergriff eine auf dem nächsten Tisch lie­gende Speisekarte und legte sie vor den Tondichter.hin, der srch sogleich der leeren Rückseite bemächtigte.

Still, Schubert komponiert,^ flüsterten sich die Mtgen Leute verständnisinnig zu. . ^

Und so war es auch. Schubert komponteste. Er schuf das herr­liche Lied:

JD, du Entriss'ne mir,

Sei mir gegrüßt, sei mir geküßt!"

Vogel, der dem Tondichter über die Schüller geguckt, nickte vor sich hin;dacht' ich's doch-, daß beu Bertl wieder noble Er- iimmtitg-nt gepackt haben er denkt schon wieder an die .womteß EÄerhazy auf SölMß Zeles," brummte er halblaut zu den an- berett gewandt. . t , ,

Weg mit den Aristokraten!" schrien d:e Uebermuttgen,unser Schwammerl lasset wir uns nicht abwendig machen! KelluenM frisch Bier! Wir trinken auf unsere denwkvattsche Fretctert!

Seufzend steckte Schubert sein Notenblatt in die Brnsttwche seines Rockes, während Schwind unbenteckt die ganzeSchuber­tiade" abkonderseit hatte.

II.

Helle, svmmerliche Eutpirekleidchen flatterten um,dte allen Bäimr? mt Garden des MMä>scheinha!tiios aus der Wieben und des Lächms it'.ch Istbelns narr fern Ende, loenn Franz Schubert,

mit eitler wißeit Butt« vor der Augen, als blinde Kuh" sich ver- tzebens mühte, eines der flatternden Mägdlein zu erhaschur.Die Katherl ist's die Kathr Fröhlich istblinde Kuh!" jubelt«: alle als es den etwas schwerfälligM Schlckert endlich gelungen tvar/ eines der reizenden Mädch«: fester zu fassen. Fast schien.es aber, als habe das schöne, bvcmngelvckte Kind sich mehr ans Mitleid mit dem Abgehetzten fattgetr lassen als ans mangelnder Ge- schicklichkeit, und das Mtmütige:Na endlich Gott sei Tank!" beö jmttzerr McMN.es klang aufrichtig Wie eit: Erlösungsrus.

. Bös oeTiNT bMÜen's dir freut untres vielt, unsere warten Elle

meinte .

sierten vvb der lästiger: Binde befreiend.

Das will ich meirr-en!" lachte Schubert,aber bitte, lieber. Bauert r selb, gib nrir zuerst nt ein Augettglas totester, chttst bin ich ebenso blind, wie ztivv-r alsblinder Qchs"!

Bauernfeld übergab .dem DondWer das langettbehrte Anger:- glas, und beide toiollten sich der GesellschAst anschließen, als Schu­bert von Anna Fröhlich beiseite gezogen wurde.

Geh, Fratrzl, du könntest mir eilten recht großen Gefallen tun!"

Fa, was dötm, Amterl?"

Weißt, Fvanzl, meine Schülerin, die Louis' von Gosmar, hat bald Geburtstag!, urist da nröchr ich sie gern mit ernern recht teilten Ständchen überraschen lassen. Grillparzer hat mir schm praju ein wunderliches Gedbcht aeschri-eben. Hör' zu!"

Und Anna Fröhlich zog ein Blatt Papier aus ihrem wsa Band- aürtel, und aus dem Blatt stand ein Gedicht, das mit bau Zeile: anhnb :

Zögernd, stille

Zn des Durrkels mächtiger Hülle Sind toir hier.

Und, den Finger sanft gekrümmt.

Leise, . leise Pochen wir,

An des Lrebchms Kamntertür . . .

Und dalim ging es in herzbegeisterter Weise imM-er weiter, HA der Gruß an die Geliebte in den Worten ausklang:

Noch ent Grühchen noch ein.Wort,

Es verstummt die frohe Weise,

Leise leise

SchsscickM wir Ms wieder fort!

Anna Fröhlich hatte diese Verse Mit viel EmpfindMg ge-! lesen.Einzig schjön nicht wahr, Franzl? Gelt, du wirst mir's auch recht schön setzen?"

Gib her, Amverl, rasch!" ries Schubert begeistert. Seine Brille in die Höhe schiebend -und d>as Gedicht mrnz nahe v! seine kurzsichtigetr Aügen bringend, las' er die Verie noch ei paarmal durch und sagte dann mit kindlich-frohem Lachen:

Ich hab's schon es ist schon fertig und wird recht gut wer-- ^ den das Ständichen/"")

Und Schubert begab sich eiligst in den Gartensaal, wo er, an das allväterische Mavüngefeljtntx re linke Hand auf den Tasten, Mit der Rechten die Noten hastig ans das Papier warf.

Schon wieder IleiM, Fratrz'l?" rief Leopold, v. Son'tt- leithner, deit Gartensaal betretend. Schubert fuhr wie ein ertappter Sünder auf: gehörte doch das StändckM für Sonnleithtters Braut.

Na was hast du denn, bst: ich derm ein Wjauwau?" lachte Sonnleithtter über Schuberts verstörtes Wesen.

Ah na, nix is'," stotterte Schubert iir seiner Berwirrimg und klimperte zur Bekräftigung greulich auf den Tasten, während er nrit der anderen Hand schleunigst sein NLanuskript verbarg!.

Ta erschwer: Moritz v'. Schjwind und bat Schubert, doch em Quartett zu begleiten, ^das die^ Schwestern JioseftNe und Betty

vessen Seite sich --. , ^

Gartensaal mit den übrigen. Gästen, zu detten d:e vornehmsten'

jentzündoare --

folgte mit dem hecchgielehrten Herrn Ladislaus v-. Pyrker und ml bunter Reihe junge und alte Wiener Berühmtheiten; so postierte sich .Ferdinand Raimund an SckMbmts Seite, um ihnt lautlos me Njoleublätter zu 'wenden. ^ ^

Aiüidächjtige Stille bemächtigte sich der gvoßet: GesellsaMt, und herrlich ertönte Schuberts VokalquartettDas Dörfchen", dem srch andere Schöpfungen Schuberts anreihten.

Im Garten wurde es immer stiller dre Nacht laut her­nieder, der Mond stieg am Hinnnel empor und überflutete den

Bäume, durch die Büsche mtd ließen die großen Glastüren des Gartensaales wie flüssiges Silber Ajimmem. ,

pn der Ferne grüßte der ^ Kahletibevg, ^ es imnkten^ Moud-

Menschn und Zeiten!"

*) Schtubert's eigene Worte.