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den, so ist es wohl nicht gentlemanlike, Herr Hauptmann, der Dame sich nicht zu offenbaren, die Sie zu Ihrer künftigen Gattin auserkoren haben. Nein, Sie machen muH nccht rrre. Ich versichere Ihnen nochmals, daß ich Sie nicht verraten werde, wenn Sie sch mir anvertrauen. Aber ich wreoeryote Ihnen nochmals, daß ich es nicht gentlemanlike siche, wenn Sie auch an die Dame Ihres Herzens mit einer Luge heran­treten.

Einschalten muß ich hier, daß für mich auch Ihre ^Ab­stammung als Deutscher an sch kein ausschlaggebender ,.pm- derungsgrund gewesen wäre, mch Ihnen zu vermachen. Eines Tages wird ja doch das Spiel der Feind,ettgfctt ern Ende nehmen, und schließlich haben sich die Deutschen m diesem Kriege, soweit ich das verstehe, uns wohl als ebenour- tig erwiesen. Sie hätten also arch nach dieser Richtung Nichts zu fürchten. , , .

Das alles soll uns nicht hindern, gute Freunde zu

öleiben. ^ r , ri , ,

IR diesem Sinne Ihre aufrichtig ergeoene

Edith Southrisfe,

die noch um Entschuldigung bittet, weil Sie Ihren Boten so lange warten ließ, was sich aber durch die Ausführlichkeit dieses Brieses erklärt." ^ , ... .

Er ließ den Brief sinken und stützte rnüde den Kopf

in die Hand. «

Also mißglückt!

In jedem Fälle aber: Zeit gewonnen! Zeit gewonnen! Er würde sie zu nützen wissen!

Sie würde ihn vorläufig nicht verraten. . . Sich ihr anzuvertrauen bezeigte er nicht die mindeste Lust. Mochte sie ihn später verraten! Hatte sie Beweise? Er brauchte bloß auf ein Mittel bedacht zu sein, das ihm den Rückzug deckte. Und dies glaubte er gefunden zu haben.

Er steckte die Schreibtischlampe an und begann zu schreiben. ,. r , .. _, ...

Erst lanoe nach Mitternacht hatte er dre betben 'Schrift­stücke beendet. Mit aller Sorgfalt machte er davon in fern zusammenrollbäres Kvpierbnch einen Abzug, steckte jeden der Briefe in einen gesonderten Umschlag und drückte fünf

Siegel darauf. . ^ .

Lagen diese Briefe erst an Ort und Stelle verwahrt, dann war er wohl vor jeder Ueberraschung sicher.

Befriedigt und beruhigt legte er sich schlafen.

11. Kapitel. -

Gewitterwolken.

Der Zeitungskönig und seine schöne Tochter nahmen heii Mokka wie gewöhnlich nach dem Lunch im Rauchzimmer. Sie waren allein und saßen einander gegenüber. Eine Wecke blickte der alte Herr den bläulichen Rauchringen nach, die vom Ende seiner Havaiia aufstiegen; dann fragte er:

, Findest du es nicht sonderbar, daß dieser Kapt'n nun seit girt zwei Wochen iiichts mehr hat von sich hören laffeit?

g t unserm Dinner neulich schrieb er ab und heute ent- nldigt er sich abermals. Ich kann mir gar nicht denken. Zollten wir ihn verletzt haben? Oder sollte er ecnen Wink von seiner Vorgesetzten Behörde bekommen haben, unser Haus zu meiden? Ich bin ja allerdingspersona ingra- Assima" bei den Herren der Regierung geworden. Wann hast du ihn zum Fetzten Male gesehen, mein Kind?"

An dem Tage, an dem er seinen Abschiedsbesuch machte, als er nach Hämpstead zog."

In der Tat? Da habe ich ihn ja noch später ge­sprochen."

Lady Ehith war sehr erstaunt.

Du hast ihn inzwischen gesehen, .Papa? Bei welcher Gelegenheit?"

Er suchte mich in meinem Geschäftszimmer auf."

'Er suchte dich auf? Wann?"

Nun, das mag so zwei, drei Tage nach seinem Ab­schiedsbesuch gewesen sein."

Und du kannst mir nicht sagen, was er bei dir be- Kveckte?"

Eigentlich gar nichts. Er gab mir einen versiegelten Brief und bat mich, Umschlag und Inhalt unversehrt be­wahren und nur im Falle seines Dodes zju öffnen, falls er mir nicht früher die Erlaubnis erteile. Ich versprach ihm dös und habe vor seinen Augen den Brief in ein Geheim­fach mstnes Kasfaschrankes eingeschlosscn."

Und du weißt nicht, was der Brief enthalt'?"

Nein, aber ich vermute ... es wird eine letztwillige ng sein." .. ,

Merkwürdig . . . sehr merkwürdig . . . Möchtest du mir nichts von den Begleitumständen erzählen, unter deicen er dir den Brief übergab'?'

Mir ist nichts Besonderes ausgefallen. Er sagte wohl etwas vorr einem Tode, der manchmal schneller komme, als man hoffe und fürchte, auch von heimlichen Widersachern, die ihn wohl gar um die Ecke zu bringen gedächten."

Ach!" machte Edith. Halb' verächtlich, halb, schnippisch lächelnd, streifte streifte sie die Asche v!on ihrer Zigarette.

Ja, ich habe auch ein wenig drüber lachen müssen. 'Aber M tat sehr ernst, als ob es sich um die heiligste Sache von der Welt handele."

'Eine Weile stockte der Fluß der Unterhaltung.

Dann sagte der alte Herr trockenen Tones:

Weißt du übrigens, daß Atterley mir heute morgen in ziemlich schro ffer Weise auf gekündigt hat?"

Atterley?" Sie schüttelte den Kopf.Ist der Mensch des Teufels?"

Der Lord tat ein paar nachdenkliche Züge ans der Zigarre.

Ist nicht viel zu erzählen... Er hat sich eben sehr über meine Aussage in seinem Prozeß geärgert und macht nun ans seinem Innern keinen Siegelbrief."

Ja, Haft du denn gegen ihn ausgesagt?"

Aber selbstverständlich. Bedenke doch, wir alle, ich selbst, die gesamte englische Presse wären in Grund mtb' Boden erledigt, wenn der Mann recht bekäme. Die Geschichte könnte sich gerade jetzt im Kriege zu einem Skandal cui§=* wachsen, gegen den die Panamaaffäre unserer Bundesgenos­sen jenseits des Kanals' ein Kinderspiel gewesen wäre. Laß doch irgendeinen meiner intimen Feinde im Ministerium die Sache aufgreifen und im Unterhaus breittreten, so sind wir einfach tot. iEir braucht die Sache gar nicht besonders ansznschmücken, nur die Wahrheit zu sagen, daß nämlich ein junger Mensch ohne fachmännische noch wissenschaftliche Bildung urrd ein entlassener Sträfling nach außen hin ge­meinsam die Fahne der britischen Verleger hochhielten, und wir sind tot, einfach tot ... Es hat mir freilich leid getan, gegen ihn anssagen zu müssen, und ich wollte ihm auch eine kleine Entschädigung von fünfzig oder hundert Pfund zu­kommen lassen, vielleicht auch eine kleine Gehaltszulage . . Aber so macht er mir dies alles unrnÄglich . .

Und was für eine Stellung hat er denn nur: gefun­den?"

Er ist im Kriegsamt beschäftigt, als Hilsszeusor. Die Stelle sei besser bezahlt als bei Lord Southrisfe, schreibt er."

Merkwürdig! Sehr merkwürdig!" gab das junge Weib abermals als Echo zurück.

Nicht wahr?" fügte der Zeitungskönig verständnis­innig hinzu.Du mutmaßest da auch gewisse Zusammen­

hänge? Mer Wahrscheinlichkeit nach hat ihn doch Lvngsord im Kriegsamt untergebracht. Ich entnehme auch ans anderen Dingen eine gewisse Minierarbeit gegen mich. Die Regierung scheint mir doch mehr gram zu sein, als sie merken läßt. Aber wenn uns der liebe Gott wohl will, bekommen wir ja als Neujahrsgeschenk eine andere!"

Und wieder herrschte Schweigen.

Endlich fragte Lord Southrisfe von neuem:

Uicd du weißt nicht, wodurch wir Longford verletzt haben können ? Es besteht also nicht der leiseste Zweifel, daß ihm von Vorgesetzter Stelle der Verkehr mit diesem Hause I widerraten tporden ist?"

Da du schon so neugierig bist, Papa," platzte die junge Dame heraus> also er hat mir einen Heirats- antrag gemacht und den üblichen Korb mit kandierten Frilch»- ten erhalten."

Der alte Herr lachte.

Das sieht ihm ähnlich! Entflieht aus dem deutschen Feldlazarett, macht etwas, Tantam in der Presse, verhaftet einen Journalisten, läßt sich als Held des Tages feiern, von Lord Southrisfe einladen und nimmt so im Handumdrehen die in Tausendpfundnoten eingewickelte Edith mit."

Ja, weißt du, Papa, was ich glaube, der Kapt'n ist nie­mals britischer Offizier gewesen, sondern ganz einfach ein deutscher S p ion!"

Der Lord sann nach.

(Fortsetzung folgt.)