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öeizuüringeu. „Mer sin ke Titsche mti> mex sin ke Franzose," erklärte sie ihm, „drum müen mer uns beidi worin holte."
! Tesirä mußte in einen Cercle eintreten, der alljährlich Wallfahrten nach der französischen Grenze unternahm und mft kleinen Trikoloren znrückkan:. Wer die kürge JvsSphnve sorgte dafür- daß ihr Mann tags darauf mit dein Amtmann an einem Tische saß und ihm der: besten Rappschwyrer vorsetzte. „Es mocht sich guet," meinte sie.
Natürlich machte es sich auch gut, daß rreben dem.ehrwürdigen; schmiedeeisernen Schild mit den: schwatz-weiß-roten Vogel eines französische Inschrift ä fa Cigogne von der iveißen Mauer leuchtete, und daß ein Grammophon ohne Gewissenskonflikte sowohl die Sanrbre et Meuse, als auch das Heil dir im Siegerlranz spielte. So mußte der dicke Wirt von der goldenen Sonne zähneknirschend sehen, wie der Storch ihm seine besten Kunden abspenstig inachte, mrd wie dort, imter .Josöphiucs geschickten Händen, Hochzeiten, Taufen und Schützenfeste gefeiert wurden.
Nach Jahr und Tag brachte sie es auch fertig, daß ihr Mann, znn: Bürgermeister gewählt wurde und in das schöne Fachwerkhaus, gerade dem Soleil d'Or gegenüber, mitten unter Obstbäumen und Rebhügeln, einzog. Jetzt saß Desirs wunschlos und zufrieden in: sicheren Hasen einer ruhigen Amtstätigkeit. Er trug seine fünfzig Jahre auf rüstigen Schultern mrd das gut gepolsterte Bäuchlein mrd die roten Hängebacken bewiesen, daß ihm das Leben weder Sorgen noch Schmerzen gebracht hatte.
Erst der Krieg, der mit Bomben und Granaten in die reiche Kirschenernte seines Gartens platzte, vermochte das stille Haus in seinen Grundfesten zu erschüttere:. Es waren aufregende Tage und Nächte. Das ganze Dorf lies zum Herrn. Maire. Aber der wußte keinen Rat. Wie ein jäh aus der Bahn gestürzter Komet irrte er an: Himmel seines Einstigen Glückes ::nd blickte mit Entsetzen auf die flammende Erde. Er als erster verkroch sich mit Georgette, seiner Jüngsten, in den Keller, toährend die Modi immcjj energische Josephirie mit der: Bauern verhandelte und ihnen Ätttt einflößte, bis auch sie Schutz in dem fest gemauerter: Weinkeller? suchen mußte.
Wie ein Orkar: entlud es sich über das somnnleuchteude Torf. Tie heiße Erde zitterte, und, als würder: sie von den Riesenft sch wert er:: wegrasiert, stürzten Dächer und Häuser ein. Danrv wurde es still, und vorsichtig krochen die Bewohner aus ihren! Berstecker: hervor.
Ta sahen sie, daß vor: den: ^chulhanse die Trikolore wehte, und daß das große rrnrde Auge der Kirchturmuhr jetzt nach Weste:: blickte urrd die „heure de Paris" zeigte. Große Plakate verkündeten! mr den Manerecken, daß die Stunde der Erlösung geschlagen habe Und daß Elsaß nun der „grande patrie" wtedergegeber: sei. Tie Frauen und Knrder standen mit weit anfgerissenen Augen, vor der: leuchtenden Inschriften rmd bespracher: im wunderschönste:! Alcrnannisch die Ereignisse des Tages. Ans dem Platze vor der Kirche spielte die „musigne militatre", und der Capitaine hielt eine Ansprache. Und einer fragte neugierig den andern: „Wos h-ett er g'sartl?" Aber keiner wußte eine Antwort, nicht einmal der Bürgermeister, der von allen Schrecke:: genesen, wieder seines Amtes waltete.
t Er war jetzt eine Wer aus wichtige Persönlichkeit. Täglich konnte der Wirt zur Sonne hören, wie ihn die hoher: Herren! Offiziere mit „Monsieur le Maire" anredeten. Einmal kam sogar ein Vertreter der Pariser Presse und bat ihn um eine Unterredung. Er, der gute Elsässer und Patriot, Tesirö Huber, sollte erzählen, was efc unter der deutschen Fremdherrschaft alles zu seiden gehabt hatte. Aber so sehr er sich auch austreugte, so dick die Schweugtropfen von seiner Stirr: perlten, er wußte von keinem interessanten „Fall" zu berichten. Sein Leben war so sanft dahiü- geflossen, und in dem stillen Wasser hatte nie die Rute eines Barbaren eine Welle aufgepeitscht. Im Gegenteil, es war dep altdeutsche Amtmann gewesen, der seine Ernennung zum Bürgermeister befürwortet hatte.
Wochen vergingen. Das Neue hatte schon an Reiz verloren'. Man hatte sich an die flotten Chasseurs Alpins und die Käppis gewöhnt und begann, nach guter elsasser Art, wieder zu nörgeln., Tie Soldaten zahlten nicht, was sie kauften, und liefen den Mädchen nach, und die Kinder hatten in der Schule viel Mühe mit dem Unterricht, de:: sie nicht mehr verstanden. Nur der Wirt vom Soleil d'Or, der fließend französisch sprach, war zufrieden und! machte gute Geschäfte.
: Da ging es eines Morgens wie ein Lauffeuer durch den Ort: Poinears sollte in ein paar Tagen kommen, um die Elsässer als Brüder zu begrüßen. So stand es groß und slammeird am Schulhaus angeschlagen.
Nun war wieder Leben im Torf. Ein paar Herren aus Paris waren als Regisseure erschiene::. In der Schme wurden Lieder eingeübt und aus den alten Banerntruben' Kostüme, hervorgeholt. Tie Mädchen sollten in elsässer Tracht, die Buben als kleine pious-pious erscheinen. Blumengnirlarrden warben geflochten, die sich auf besonderen Wunsch des CapitaineS um das traute Gebälk per Fachwerkhäuser zu schlingen hatten!. Mles war im bester- Werden. 9fitr der Maire lief, wie ein aus der Gemeinschaft der Mtter Verstoßener. händeringend umher, während drüben am Haus seines Gegners die blinkende MessingsoMle tausend boshafte Blitze sprühte.
Tesibs bemerkte es und schlug krachend das Fenster zu. „Ich
| blomier mich, JossphiNe, ich blom.ier mich," jammerte er einmal I ums andere, und es schien, als schmölzen das dicke Bäuchlein und die Hängebacken zu einem kläglichen Nichts zusammen.
; Da war guter Rat teuer. Ausgerechnet ihm, mit. seinen paar Brocken Französisch, hatte man Pen „ehrenvollen Auftrag" ^gegeben, den Präsidenten mit einer patriotischen Rede zu begrüße::. „Ich kon.ns net," stöhnte er einmal ums andre und sah schon, im Geist das spöttische Gesicht seiner Gegner und Neider, die ihn: die Niederlage gönnten.
Das durfte nicht sein. Es war auch die Ansicht der klugew Jossphiue. die für ihren Mann in der Ferne schon den Titel eines Sous-prstet winken sah. In ihrem Hirn arbeitete es sieb erhärt,, bis es plötzlich, gerade als drüben der Wirt zur Sonne- den Ca- Vitaine laut und sicher in: besten Französisch begrüßte, ivie einZ Erleuchtung über sie kam.
> „Ich hob's g'funde," schrie sie Desirs jubelnd zu. „Wos denn g'funde?" versetzte er mürrisch. „E jo denn, hin Tiscours."
Sie sprach so schnell, daß er ihr fass nicht folgen konnte. Aber dann verstand er, und wie ein Steir: fiel die schwere Sorge von seinen: Herzen. „Des g'fällt denne hohe Herre," triumphierte er und schloß die Jossphine in seine Arme, wie er es vor 25 Jahren als junger Bräutigam getan hatte.
Ei:: leuchtender Septemberiag lag über dem Tors, als Präsident Poincars mit zwei Generälen seinem Auto entstieg. Alles verlies Programmäßig. Von allen Häusern flatterten französische und weiß-rote Fahnen, und die Kinder bildeten Spalier und sangen ein patriotisches Lied. Auf der Treppe vor seinem Haus stand Desirs Huber, ganz Ernst, ganz Würde. Sein Töchterchen im roten Röllchen und golddurchwirkten Schal trug zwischen beiden Hände:: einen blühenden Strauß. Josöphines breites energisches Gesicht rahnrte die malerische Elsässer Schleife ein. Und die Sonne strahlte und gab den: Bild den rechten Glanz.
Jetzt war der große Augenblick gekommen. Der Präsident war leutselig nähergetreten, und Desirs begann mit feierlicher Stimme: „Monsieur le Präsident, j'ai l'Honneur ..."
Tann aber — genau nach den Vorschriften der schlauen Jossphine — brach er ab und gleichsam von innerer Ergriffenheit Überwältigt, bedeckte er die tränenden Augen mit seiner ^Hand. Georgette trat vor und überreichte ihren Strauß, und Jossphine. Ne selber mit der Rührung zu kämpfen schien, sagte nur „Ower, Desirs, ower Desirä ..." ^ r rt
Ten Bruchteil einer Sekunde herrschte Ruhe. Dann schloß der bewegte Präsident den Herrn Maire in seine Arme. „Cher Ahn, permettez, que je vous embrasse." Tann wandte er sich zu feinen ; Generälen: „Es ist die schönste Rede, die ich je gehört habe."
sind die Herren gaben ihn: recht, und niemand lachte, niemand als-die böse runde Sonne am Gasthaus gegenüber, als Präsident Poincarä seinem lieben Herrn Maire das Kckenz der Ehrenlegion an den Sonntagsrock heftete.
Die Legende de? grustschen Jungfrau.
Von Eugen S'z a t m a ri.
IN den frostigen und doch so heißen Tagen des Januar 1916, der für uns an der Bessarabischpn Front die berühmt geworden« Nersiahrsschlstcht gebracht hatte, ist in dem 'blutgedüngten Boden der PrutlE'iedermlg eine Legende «ttsprungen, die ganz gewiß weit über die Tage dieses Krieges hmaW leben wird. Der Krieg ist ein fruchtbarer Boden für die Legende: .sie steigt aus den Granat- trichtern herauf, sie kräuselt ans den Mvarzen Rauchsäulen em- \ por, sie übertöut das Domren: der Geschütze, das Rattern der \ Maschinengewchke, und ihr saksies Dchnmerlicht schsinstrert in feen VuckeudM, grellen Nächten der Kämpfe mit doppelter Kraft. So Jft in dieser Ecke der Front die Legende von der tscherkessiMst Jungfrau entstanden, die ihres Vaters Tod zu rächen^gekommen war.
An einem Jcrnnartag hörte ich zum -erstennral vor: ihr. Gefangene Russe::, die uns bei einem ,Patrouillengeplänkel in die. Hände gesallÄ: chären, 'lpurden verhört. „Wer war euer 'Anführer?" „Tie Jfnugfran!" lautete die Antwort. Ich staunte und lächelte zugleich. Ich dachte an den religiösen Fanatismus der Russen irrtb witterte irgendein KmrslstüMen bigotter Suggestion. Allein, der Oberleutnant, der als Tdlnretsch diente, klärte mir die Suche aus: Es soll bei den Russen ein Mädchen geben, das als Unter- vssizier sir ihren Reihen kämpft, und die russischen Soldaten nennen sie kurzweg die Jungfrau. -Do erfuhr ich dann aus einzelnen Gcfaugenerraussagen die ganze Geschichte der Tscherkenen- Juugfrau, des Korporals Glustschenkv Czerniawka. Ich will sie kurz erzählen, schmucklos wie es geschah, und dam: zur Legende ward:
In der: Kämpfen des Juli 1015, als die Landstürmer des Oberstleuttrauts Daniel Papp die Bukowina vor dem zwecken Ansturm der Russen verteidigten, fiel bei einen: Sturm' gegen die Höhe Dolzok der Kommandant eines kaukasischen Bataillons, der Maior Iwan Glnstschenko. Seine Leiche wurde in Czernowitz begraben, bann flog die Dodesstaichricht ans ihre:: bleiernen Mügeln in das ferne grusische Land, und ein halbes Jahr später, kurz vor Weihnächte::, rückte zun: Bataillon des gefall euer: Majors ein junger Korporal ein — leine Mnzehnjährige Dochter. Hvch- gewächiene, schlanke, acorMche 'Schönheit, m:t langen:, rabenschwarzem H«rr. m sie M nicht MMotden lief so daß man sofort sah, daß sie ein MLLMr »• Me Murpste Md lebte mit benf


