Ausgabe 
20.4.1918
 
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fett*, Meßt nrittm fet die Bachutttestände und hilft so. a

kos mit an deren gründlicher Zerstörung. Unsere Stoßtrupps

indessen haben ihre Aufgabe glänzend erfüllt und huschen mit 27 heilen Franzosen unter der gegnerischen Granatertsperre hrn-- durch wieder in ihre Ansgangsstellung.

IM Grirnde genommen gleicht jedes Unternehmen dem vorigen ftr s«ner ganzen Art; das eine verläuft vielleicht weniger glücklich als das andere. Mer jedes liefert den neuen Jeweis für die Strammheit und gehobene Stimmung unserer Truppen. Man

E mit stummem Starmen vor ihrer ewig jungen, unverwüstlrHen t und den! urwüchsigen Witz, der ihnen in rätselhafter Frische j die bittersten Kämpfe hilft uud sie den guten Mut nicht ver­lieren läßt. Mit ihnen ist, eine höhere Macht, dem: ihre Minder­leistungen übersteigen längst daS Maß des Menschenmög lichm.

Nach diesen: Vorstoß des M a i n z e r R e g i m e n t s herrichte zunächst Ruhe im Abschnitt, bis dann am Mend des 16. März Hinter einer zehnstündigen Feuervorbereitung her die Franzosen etn-en Massenansturz ansetzien, der sie in den Besitz einiger Ge­fangenen und Beutestücke brachte. Aber dann mußten sie abermals me sicheren Hiebe der gegenstoßendeu Hessen fühlen und aus den Weinen besetzten Stützpunkten heraus in ihre übel hergerichteten» Gräben zurückeilen, link seither haben sie es vorgezogen, dort zu bleiben.

Leutnant Kunzmann, Ossizierskriegsberichterstatter.

Kapitän Tisssw.

Bon Georg Engel.

ES war ein frostiger Wintertag, spitze Schneekörper stürmten trug dem grauen Nebel hervor, und durch die Straßen der großen Hafenstadt wehte alles Lebende aneinander vorüber, Me ge*, räufchbose Schatten hinter bebenden und nassen Schleiern.

Da traf ich ihn. Er stand über das Geländer des weiten Bas­sins gelohnt, das wie ein ungeheurer, welliger Markt mitten iu der volkreichen Stadt ruht, und er sah zu, wie sich die Möwen auf dem Eise ihr Futter suchten.

Verwundert sprach ich ihn an, denn er war der Hafenmeister eines fernen, winzigen .Mündungsdorfes an der Ostsee, und ich wußte, daß er seit Menschengedenken nicht auf Reisen gewesen. Za, man erzählte sogar von den: wunderlichen Menschen, daß er das Meer nicht kenne, oder doch zum mindesten ein innerliches Grauen vvr dem Wasser hege. Eine seltsame Erscheinung unter all den unbekümmerten Schiffern und Fischern dort draußen an dem grünen Bodden.Guten Tag, Kapitän Tissow!"

Tag." Er schreckte sichtlich zusammen, als er einen Bekann­ten gewahrte, fuhr sich einmal hastig über den runden, grauen Bart und wandte sein durchfurchtes Erficht wieder den Möwen zu. Was treiben Sie hier?"

Ich?" Ter Hafenmeister zuckte zusammen und suchte augen­scheinlich nach einer Antwort. Tann gab er, noch immer abgewandt Und nicht ganz sicher zurück:Ich bin angeworben als Steuer­mann auf einem Hilfskreuzer."

Sie?"

Za, und nvorgen stehlen wir uns schon heraus."

.Sa, aber-" Mein Befremden über den Entschluß des

Wasserscheuen mußte sprechend und unverkennbar^sein, denn der Untersetzte Mann kehrte sich mit erneut schweren Seufzer plötzlich zu mir, schob seinen nebelnassen Arnl fast bittend unter den meiiren und rang sich murmelnd und stockend etwas kaum Ver­ständliches ab:Run ja die Tage gleichen sich nicht, und man kann nicht alles nach den: Lineal abmessen. Aber tvie ich höre, kommen Sie ja viel mit Menschen zusammen und wollen ein Kenner sein, vielleicht können Sie mir deshalb auch sagen, ob ich groß unrecht habe." . .

Ich erschrak über den verstörten Ernst ferner Züge:I«, worum handelt es sich denn, Kapitän?"

Tas werden Sie alles hören, wollen uns erst still zusammen­setzen nicht hier nicht hier."

* Unruhig zog er mich mit sich fort, und erst nachdem wir in eins dieser kleinen Kellerlokale hinabgestiegen waren, und er sich in den dunkelsten Winkel gedrückt, begann er, gesenkten Hauptes, als spräche er alles in die geschwärzte Tischplatte hinein.

Ich aber werd's mein Lebtag nicht vergessen.

Sehen Sie: ich weiß, man munkelt allerlei dummes Zeugs von mir, ich wäre gar kein richtiger Seemann, oder ich möchte das Wasser nicht leiden. Mles Schnack." Er lachte halb ingrim­mig und halb versonnen in sich hinein.Ter Grund steckt ganz wo anders. Ein Weib natürlich, und obendrein mein eigenes! Sie gucken mich so verwundert an, nun ja. Die haben meine Luise nicht gekannt, als .sie in Blüte stand. Sie is wohl noch immer schön und.eben, aber damals zu ihrer Brautzeit, da war sie, wie solch junger Kirschenbaum in seiner Mißen und wsigen Pracht. Es gab nichts, ums ich ihr nicht zuliebe tat, und selbst ihre Angst «nd ihren angeborenen Schauder vor der See nahm ich lachend in beit Kauf, denn sie war eine Küstertochter tief aus, dem Bin­nenland, und manche Menschen können die See nicht ansehen, ohne weiß und bläß zu werden. Aber damr kam's. Kürz nach der Hoch­zeit, ich hatte Mein Steuermannspatertt in der Tasche, da sollte ich einen eigenen Zweimaster nach Archangelsk bringen. Allein das war rtteW so einfach, denn meine luuge Frau benahm sich

ganz verstört. Jede Macht rvurde sie von demselben bösen Traum geplagt: dann sah sie mich als Ertrinkenden mitten in einem unendlichen Wasser, und in ihrer Vorstellung tauchte ich nrit dem Kopf doch nninal empor und schüttelte mich, daß die Tropfen klirrend gegen die Scheiben ihrer Schlaf kämm er fuhren. Am Mor» igen, als ich nun doch absegelte da warf sie sich vor mich hin, und ich mußte erst über sie sortstetgen, bevor ich die Tür .hinter mir sMießeu tonnte. Tas Weitere wissen Sie. Es Muß wohl doch Augen geben, die weiter dringen, als der gewöhnliche Menschen­blick, denn im Nordmeer in einer stockfinsteren Seenacht sank mir wirklich mein Schiff Fortuna hieß es geborsten und zer­kracht unter den Füßen weg, und ich lag als' der einzig Lebende Unter den eisigen Schollen und schüttelte mich, ganz so, tvie mich meine junge Frau so oftmals geschaut. Tann kaut ich nach langer Zeit elend und entkräftet nach Hause. Jedoch meine Frau empfing mich nicht so, wie ich es ,mir ausgemalt, sie tat nicht so an mir, wie es sonst wohl junge Weiber in den Jahren der Sehnsucht pfle­gen, und erst nachdem mein uirgestümes Herz des Fremdsein nicht mehr länger ertragen konnte^ da nahnt sie mir einen Schwur ab hören Sie wohl, Herr euren Schitour, der mich verpflich­tete, kein Schiff mehr zu betreten. Nie wieder. Eher wollte sie sich nicht als zu mir gehörig betrachten. War es Liebe? War es Kurzsicht? Was weiß ein Weib davon, wohin Männerdrang, geht? Aber ich, ich war ihr von Herzen ergeben und wollte Frieden um mich haben, und so tat ich nach ihrem Willen. ,Jch zog mit ihr nach dein Münduugsdorf am Bodden, nahm di« städtische Hafenmersterstelle an und lebte fortan von meinenr Beruf, wie in einem stillen, lautlosen Gefängnis. Ein paar Jahre nachher aber, da kam noch einmal das Glück zu uns. Unser Erwin wurde uns geboren, unser Einziger. Sie kannten ja den prachtvollen Jungen. Wer ihn einmal lachen gehört, der vergißt ihn nichts Wie auf Sonnenstrahlen ritt der Bengel durchs Leben, und was er anfaßte, das gelang ihm auch. Natürlich hatte seine Mutter m ihrer Herzensangst dafür gesorgt, daß er möglichst weit von mir Und meinem ehemaligen Stand entfernt würde. Und da das Glück mit ihm ging, so war er bald erster Zeichner dort drinnen in der Werst. Ich weiß, der Junge fing schon an, nach den Mädchen auszuschauen ustd sie nach ihm da, eines TageS, da hob dieses größe Bölkerringen an, und dann"

Ter alte Kapitän stockte, er scheuerte mit der Faust hastig auf der Tischplatte hin und her, als müsse er irgendetwas fortwischen, und nach einer bangen Pause fiel sch ein:Es ist mir bekannt. Eines TageS, da war Ihr Sohlt verschwunden."

Richtig," der Kapitän ntckte,weg sortgelaufen nach Kiel. Zur Kriegsmarine. Es steckte rhm im Blut, es ließ sich nicht ändern." - . ^ w t

Und nach einem kanten Schweigen raffte tch mtch Meder zu der Frage auf:'Und Ihre Frau, Kapitän! We hat dis aus­genommen?" i

Meine Frau sprach kein Mort. Nur Manchmal bltckte sie mich an, als hätte sie eme heimliche Anklage gegen, mich. Tann langten noch ein paar muntere und strahleitde Briefe an. Und zuletzt, nach der Seeschlacht, da traf nur noch einer ein. Nicht von ihm. Ten fing ich ab und las ihn allein und fleckte ihn heimlich zu mir, d«m tch glaubte es nicht. Aber sehen Sie, dicht Witte; meinen Fenstern, da lag der Hilfskreuzer, den, sie bei unS in der Werft ausrüsteten, und der junge Korvettenkapitän, der ihn kommandierte, der war auch in der Seeschlacht dabei gewesen. Da könnt' ich die Ungewißheit nicht länger aushalten und ging raus und fragte nach Erwin. Ter Kommandant blickte mich« eine Zeit­lang mit seinen jungen Augen an und sprach kein Wort. End-, lick/ nahm er meine Rechte zwischen .seine Hände, drückte sie mit aller Kraft und brachte wie zum Trost hervor: ^,Ten Weg gehen, wir alle. Morgen dampfen auch wir ab. Und es fehlt mtr nur noch ein zuverlässiger erster Steuermann. Tenn die Sorte ist selten. Kapitän Tissow, wie wär's? Wollen Sie nicht an die leere Stelle treten?" Herr, als er des sagte, da war mir's, als ob mein Haus versänke mit allem, was darin jemals geschah ich hörte nur immer das einean die leere Stelle an die leeret Stelle", und es hallte vor mir so ein fernes, goldenes Lachten., Sv", der Seemann erhob sich, warf ein Geldstück auf den Tisch und!

darauf machen, ob ich am Ende nicht doch ein Lump bin, der sein Wort nicht hielt."

Schwerfällig stieg er die Kellertreppe m die Hohe.

Tief atmend blickte ich ihm nach und weiß Gott, ich Hab ihn aller Sünden ledig gesprochen. \

Die Bibliothek.

Vort Eugen Szatmari.

Es lebte einmal iin Osten einer großen Stadt und lebt jetzt im Westen derselben großen Staadt ein reicher Mann, der die Kriegszeit gehörig .cmszunützen verstand N verstand es, so gut< daß er Ud\t sonst ziemlich langwierige Ost-Westrerse m zwei knappen Jahren zurücklegte. Nun saß er im vornehmen Westen, in seiner prachtvollen ZwUf-Ztmmer-Wohnimg mit WarnEasser, Vakuum, .Wandttesor und, elektrischem Stiefelputzer, aber sein Herz fmtd keine Ruhe. .Nein.