Ausgabe 
20.3.1918
 
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Aber alle Phasen des Gefechts unterrichtet zu halten. Sie verstehen?"

Der HanpLnrann härte ahne sichtliche Teilnahme M. Er wußte ja, wie dergleichen Sturinangriffe begonnen und wie sie beendet wurden. Erst höllisches Trommelfeuer mit t unausdenkbarer Munitionsverschwendung. Wähnt man dann die feindliche Stellung sturmreif, so drängt man in dichten Schwarmlinien vor und wird vom Maschinengewehrfeuer niedergemäht. Wozu also die Erzählung? Es war ja immer dasselbe. Die Truppen traf nicht die mindeste Schuld, auch wohl nicht die Führung. Die Stellung des Gegners war eben fest.

iFortsetzung folgt.)

Göessa.

Wo heute rauschendes Leben durchs die breiten, stolzen Straßen von Odessa sich ergießt, da stand vor jetzt 125 Jahren ein elendes türkisch-tartarisches Dörfchen, das sich um die Befestigung Hadschi- Bey gruppierte. Der Befehl Katharinas II. rief die neue Stadt ins Leben, und man gab ihr einen Namen, der an den großen; griechisckon Seefahrer, an Odysseus, erinnert und der von den! in der Nähe vermuteten antiken Hafen Odysseus her genommen ist. Es ging aber zunächst mit dieser zarischen Gründung nur langsam voran; und noch im Anfänge des 19.' Jahrhunderts war Odessa

immer nur noch ein trauriges Tartarendorf. Seinen großen Auf­schwung verdankt es der Verleihung der Zollfreiheit für alle Ein­fuhrgüter, die Alexander I. im Fahre 1811 Odessa gewährte. Da begann es sich im amerikanischen Stile zu entwickeln; es riß den ganzen Handel Südrußlands an sich es wuchs und breitete sich aus, und heut ist es eine Halbmillionenstadt, die im Gebiete des früheren Rußlands nur hinter Petersburg, Moskau und Warschau an Volks- zahl zurücksteht. Aiit keiner dieser Städte aber läßt sich Odessa oer­gleichen. Glicht nur die geschichllicheu Erinnerungen fehlen ihm es fehlt ihm im Grunde auch überhaupt das nationale Gepräge. Odessa ist keine russische Stadt; es ist eine Stadt des Südens, die in vielem an Marseille erinnert, und es ist eine Stadt des Orientes. Die Verwandtschaft mit Marseille ist schon durch das Klima ge­geben. Zwar kennt Odessa harte Winterkälte, aber den größten Teil des Jahres herrscht doch ein südliches Klima und im Sommer brennt die Sonne mit unbarmherziger Glut. Unter diesen Verhältnissen rückt das Leben aus deu Häusern auf die Straße, und die Stadt erfüllt sich mit jenem eigentünntich lauten, bunten und erregten' Verkehr, den nur der Süden kennt. Den besonderen Einschlag gibt dann die orientalische Note. Hier trifft sich der ganze Osten: Tartaren und Rnnlänen, Türken und Bulgaren, Armenier, Kau­kasier, Levantiner und Griechen; dazu die Inden, die ein volles Drittel der Bevölkerung bilden. Und all das kennt in Odessa nur ein Ziel: den Gervinn und den Lebensgenuß. .Hier gelten Ideale wenig, und die Universität spielt im Leben der Stadt eine untergeordnete Rolle. Hier jagt alles nach Gold, und der ungeheure Reichtum der Ukraine, der dem Hafen von Odessa zustromt, bietet ja unendliche Möglichleiten des Gewinnes. Sie haben auch große Fremdenkolo­nien angelockt; Deutsche, Franzosen, Italiener, Engländer; alle Sprachen schwirren durcheinander. Oestliches und Westliches begeg­nen sich; in den Wirts- und Kaffeehäusern, in den Seebädern, auf -denDatschen" der reichen Kausleute geht es hoch her; glänzend^ Wagen durchvollen die breiten Straßen und in dem Pracht voll enj Theater funkelt es von Brillanten. Wer drunten, in der Tiefe, da murrt es in dieser tollen Stadt ohne Unterlaß, Sie ist ein ewiger

Vulkan, ist die Burg aller Unruhigen, der Ausgangspunkt der Re­volution von 1905.

Seiner Lage nach hätte Odessa eine der' schönsten Städte der Welt werden können, und noch ist heute das Bild, das die Stadt bei der Auffahrt vom, Schwarz«; Meere her bietet, höchst imposant. Odessa liegt nämlich am Rande des großen pontischen Steppen-, Plateaus, das an dieser Stelle etwa 47 Meter über dem Spiegel des Schwarzen Meeres sich erhebt und fchivoff zu ihm absällt. So sieht man hoch über dem Wasser den Rand der Platte von einem prachtvollen Boulevard, dem Nikolai-Boulevard, gesäumt; glän­

zende Gebäude, große Denkmäler, schöne, mehrfache Baumveihen, ein reichbewegtes, elegantes Leben. Von dieser Prachtstraße führ* die berühmte Granittreppe, wohl die größte der Welt, in zehn Absätzen zum Meere hinab, und hier dehnen sich weithin die vor-; trefflich gehaltenen und ganz modern eingerichteten Hasenanlagen, hinter deren Abölen sich'in Friedenszeiten die Schiffe zu vielen Hunderten drängten und wo die Arbeit unausgesetzt ihr Hochlied sang. Was Odessa bei diesen! ersten Anblicke von der Seeseite her verspricht, das hält es nun freilich nicht. Es kann den amerikani­schen, den Parvenüzug nicht verleugnen. Genuß, die öffentlichen Gebäude sinh stattlich, glanzend sogar, so besonders das Stadthaus und die Börse und das Theater, die sich alle an: Düdende des er­wähnten Nikolai-Boulevards zur monumentalsten Anlage der Stadt vereinigen. Und glänzendere Läden als in der Teribassows- kaja findet man in keiner Stadt der Weckt. Wer bei alledem, ist Odessa keine Stadt, in der man sich wohl fühlen kann. Tie An­lage ist ihrem Ursprünge gemäß vollkommen regelmäßig, schema­tisch, geradlinig, rechllvinkelig; nur daß die Gesamtrichitung der Straßen mit Rücksicht ans eine Krümmung, die die Küste an dieser Stelle macht, im Nordteile iiutb im Südteile der Stadt von­einander abweicht. Tie Mittellinie bildet die Preobraschenskaja, Odessas längste Straße, die die Stadt 2Vy Kilometer lang durch­streicht und deu etwa ihren Mittelpunkt bezeichnenden Sivbvrnaja- Platz mit der gleich bei der Stamgründung errichtete Kathedrale kreuzt. Alle Straßen, sind breit, und ihren Stolz bilden ihre Baumreihen. Tenn Odessa liegt mitten in der kahlen, baumlosen Steppe; jÄner Baum mußte hier dem Boden abgerungen, und jedes Stück Bauholz muß^n Odessa eingeführt werden. Heber».