Ausgabe 
6.3.1918
 
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von dien Fing-erspitzen seiner schlanken weißen Hände MS AM silbrigen Scheitel seines Haupthaares.

Ir war sichtlich aufgeräumter Stimnlung. Seine Wcmen

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S&er alte Herr schlug mit der Linken zweimal leise, wie Bei­fall ktatsc^nd, in dre Rechte. '

Das haben Sie fein gemacht, lieber Attertey. Zur Belohnung dürfen Sie zum Lunch hier bleiben."

Er zog seine Brieftasche und reichte dem Journalisten mit herablassender Gebärde eine Fünfpfund note.

Damit dürften Ihre Auslagen und bas übrige ivohl ausgeglichen sein."

Atterley stand aus urrd verbeugte sich dankend. Den Schein nahm er hastig an sich und einen fragenden Wich warf er m Lady Edithhinüber, fast, als schämte er sich

Lord Southriffes Tochter saß, nachlässig an den Flügel gelehnt. Beethovens F-MolbSonate lag aufgeschlagen. Sie wandte sich nun zu ihrem Vater.

Ich finde, unser Gast läßt lange aus sich warten."

Nur Geduld, liebes Kind?" mahnte lächelnd der alte Lord.Nur Geduld? Wir müssen ihm doch Zeit geben, den Staub der Reise von sich zu schütteln. Uebrigens war er da drüben wohl ab und zu Gast unseres Konsuls ; aber abze- sehen von den paar Tagen in Rotterdam dürfte es wvhl seit langer Zeit das erste Mal sein, daß iMser Held in einem guten Hause seinen Lunch nimmt."

In diesen! Augenblick riß ein Diener die Flügel der RÄre weit auf, und an ihm vorüber trat der junge Offizier h«haufgerichtet ins Zimmer.

Atterley erhob sich und eilte ich« entgegen.

Ich habe das Vergnügen bekannt zu machen ... Kaht'n Lairgford von den Ottatvafüsilieven ... Lord Sonthriffe, der Herr des Hauses,... Lady Edith, seine Tochter."

Der Lord war aufgestanden und seinem Gast bis unter den großen Kristalleuchter in der Mitte des Zimmers ent- gegengeschritten. Er bot ihm die Hand pt Gruße.

Es freut unch, lieber junger Freund, daß Sie meine Wnladnng angenommen haben. Es ist eine Ehre für dieses £)ümt8, Sie als Gast zjrr beherbergen."

Longford neigte das Haupt.

Mylord nlachen mich schamrot. Meine Wrdienste sind viel zu gering, um der Ehre würdig zu fein, in diese!n Hause «nrpfangen zu iverben. Ich bitte Sie, meinen herzinnigsten Dank dafür entgegmmehrnen zu wollen, daß Sie dem unbe­kannten Fremdling so gastfreundliche Mrfnahrne gewähren."

Darm trat er zu Lady Edith, die noch immer am Flügel ßhand.

Bor allem! Ihnen, Mylady, als der Herrin dieses« Muses, meinen tiefgefühlten Dank!"

Er fllhrte die Hand, die ihm gereicht wurde, leicht cm die Lrppen.

Ja, Kapt'n Lorrgford, es freut uns aufrichtig, daß Sie uns die Ehre geben, nachdem, wir von Ihren Aben­teuern schon so mancherlei gehört und gelesen haben.i Änd Sie mit dKN Zimmer, das ich Ihnen anwies, zu­frieden^

Aber, Mylady- ich Komme mir beinahe tvie ein Mär- chenprinz vor. Denken Sie doch: vor wenigen Wocherr noch im Schützengraben, vor vierzehn Tagen noch im Lazarett in Brügge, dann die Flucht mit all ihren Schrecknissen, die aufopfernde Hilfsbereitschaft des Konsuls Hunlphrey ftn Wwtterdam und hier dieser über alles Erwarten liebens­würdige Empfang. Ich bin so überrascht und zugleich froh. Mich endlich wieder einmal fern von Kanonengebrüll und Maschinengewehrgeknatter unter gesitteten Menschen be­wegen zu können, daß ich auch mit einem weniger fürstlich eingerichteten Gemach, als es Mylady mir zuteil werden ließen, vorlieb genominen hatte."

Lord Sonthriffe nickte zu denn allen freundlich und VLtckte seine Tochter an, als wollte er sagen : Du siehst, wie recht ich halte.

Die beiden jungen Leute »laßen sich mit den Augen, Atterley stellte insgeheim fest: So hätten sich vielleicht zwei römische Gladiatoren in der Arena gemessen, ehe sie den Kampf miteinander begannen.

was junge Weib brach zuerst das Schweigen.

Kapt'n, es wird wohl, lange her sein, daß Sie eine Dame zu Tische führten . . . Zwar, nran nrNnkelt ja so allerhand von Ihren Schützengräben da drübeir; ganz Wfterlich geht es wohl nicht zir zwischen Lehm und Draht­

verhau . . . Jedenfalls sollen Sie das laugenibehrte Ber- gnügerr sogleich haben . . . Wollen Sie mir Ihren Arm

reichen!"

Und sie ließ sich von ihrem neuen Ritter in das nebenan gelege ne Speisezimmer führen.

Longford gebrcnrchte zerstreut einige höfliche WendUtv gen, ivährend er seine Dame an ihren Platz geleitete. ES war fiir vier Leute gedeckt. Schwere geschnitzte Eichenstühls umstanden einen wuchtigen Tisch. Die Füße versanken fast im weichen Sammet des Teppichs.

So, bitte, Kapt'n, Sie nehmen hier Platz! Mister Atterley darf, wenn er artig ist, an meine rechte Seite rücken . . . und Papa, wie immer, mir gegenüber, nicht wahr?"

Die beiden Zeitungsleute redeten von der innerer: Poli­tik, von Steuern, Parlam-entsvorfällen und allerhand Tagesklatsch. *

Der Hauptmann beobachtete schweigend die Dame an seiner Seite. Also, das war dasschönste und verführerischste Weib der vereinigten drei Königreiche". Er betrachtete sie möglichst kritisch . . . Sein Fall war das schwerlich . . . Allerdings, schön war die junge Lady . . . ganz ohne Zwei­fel. So mußte die Herzogin von Devonshire ausgesehen haben, als Gainsborough ihr Bildnis auf der Leinwand verewigte. Aber ihre Augen waren ihm zu wissend . . . Was waren das überhaupt für seltsame Augen!? Sie schienen blau zu sein wie die des Vaters; dann wieder schillerten sie ins Grün­liche wie Smaragde, sie schossen Blitze und erloschen im' nächsten Augenblick zu dumpfem Grau... Und dieser Mund mit den fein geschwungenen, ettvas übervollen Lippen, die von so viel Lebensgicr zu sprechen schienen . . . Eine Messm- lina-Natur, hatte Atterley gesagt. . . Ach, dummes Zeug! Dieser Journalist mit seinen Nätselwarnungen und seinem sonderbaren Gehaben war entweder verrückt oder ein Schwär­mer . . . Vielleicht beides. . . Ihrn !var diese Geheimnis­tuerei in der Seele zuwider; dieses zwerchfellerschütternde! Klmnftadtbühnenpathos:Setzen sie sich nie mit Lord South- riffe an den Spieltisch und lassen Sie sich nie, nie, nie von Lady Edith die Wohnung zeigen!" . . . Wahnsinn! Er fühlte sich gefeit gegen alle Anfechtungen und Anwandlungeil.

Atterley erzählte gerade die Geschichte, wie ihn Long­ford als Spion hatte festnehmen lassen.

Lady Edith lachte. Und der Lord meinte, schalkhaft mit dem Finger drohend:Sie verstehen diemise en scßne" (die Juszenesetzung), wie unsere Verbündeten zu sagen pflegen. Meine Hochachtung, Herr Hauptmann!"

Er hob das Glas gegen seinen Gast.

Der Offizier sah zweifelnd drein. Sollte der alte Herr ähuen? War der Schleier des Spiels so leicht zu lüften? Er mußte alle Selbstbeherrschung aufbieten, um seine Be­stürzung zu verbergen.

Ich bitte um Vergebung, Mylord; aber ich weiß in der Tat nicht, worauf Ihre Worte zielen."

Der Zeitungskönig ließ sich nicht irre machen.

(Fortsetzung folgt.)

Vas Ta! des Paradieses.

Bon Fritz Reck-Malleczeweu.

(Nachdruck verboten.)

Geladen hatte die Persinwn: zrvanzig- Automobile Und fünft zehr: NußbLum-Pianinos. Eine Eisenbahn für Ecuador und sechs- mwvierzigtaufenb Maschen Patchouli für die elegante Welt vv» Valparaiso.... Munition für eine Revolution in Quito und sechs junge Offiziere amb vierzig Mann und einen alten MeergreiS von Kapitän. Aber der war ohne Belang und ging eigentlich keinen etwas an ... .

Am zweiunddreißigsten Tage jrrach Antwerpen, da sichteten sie St. Pauls Roccs. Und wie die Segel am Lizzard gefkimbtert hatten, so standen sie noch heute an den vier Masten der Persinwn im steten Nordostpassat.

Die fünf Offiziere lagen in ihren toeißen Anzügen auf den» Teakholzdeck. Vorn arn Kartenhaus ruachte der Alte die Orts­bestimmung. Ter Erste, der die Wache hatte, hob den Sextanten, und der Alte rähuetr dann in feinem Buch, und sie Sonnten ganz beut-,

lich hören, wie er zu sich selbst sagte:Stimmt das?-Nein,

das stimmt nicht!" Und dann nach einer Weile wieder:Stimmt

das?-Ja, das stimmt!" Aber es stimmte in Wirklichkeit nie.

IM> wenn der Erste nicht gewesen rväre, dann hätten sie nach vierzig Tagen ans denr Mond anheuern können und nicht in Valparaiso, wohirr sie doch am Ende nwllten....

Ja, da loollten sie wahrhaftig hin. Wenn rnan dreißig Tage fort ist von Rotterdam oder von Antwerpen und von den I weißen Frauen Europas, urw nran ist fünfundMarrziK Jahn M