Ausgabe 
23.2.1918
 
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goldene Lichter rntzjündeten. Die schmalsn, Aasten Lippen waren» von einen! unendlich lieblichen Lächeln gebogen.

Der Steuermann blieb mit geweiteten Augen in der Tür stjehein, sein Herz klopfte, die Finger seiner Hände tasteten sich in­einander, und wäihcknd er die Tote betrachtete, stieg ein schmerz­liches Gefühl namenloser Verlassenheit in ihm ans. Er wußte nicht, wer die Tote war: er hatte das Mädchen nie zuvor gesehen. Llber er hatte das seltsame, bebend über seine Seele, hinschauernd« Gefühl, daß die bedrückende Angst und die hilflose Traurigkeit seines Herzens diesem Geschöpf gegolten hatte. Aus unergründlicher! Tiefe heraus spürte er, daß diese junge Süßigkeit, die nun unter Blumenduft und Kerzendunst dem Tod überlassen war, von der Vorsehung für ihn bestimmt gewesen war. Sein Herz zerging in seiner unfaßbaren Zärtlichkeit und einer schluchzenden Sehnsucht.' Er lehnte den Kopf an den Pfosten der Tür und weinte und fühlte, wie seine Angst und seine Traurigkeit in Wehnlnt und unendlicher Weichheit der Seele ihre Erlösung fairden. . I'

Der alte Reeder schwieg. Seine Zigarre war ausgebrannt. Mär blickten alle in die Finsternis, Nus deren Tiefen die Lichter von Schiffen und fernen Häusern blitzten. Wir hörten das .dunkle Rauschen der Elbe.

Einer von uns brach bas Schweigen und sagte: ,

Das ist alles sehr seltsam, aber dennoch sehr einfach zu be­greifen. Es gibt zweifellos solche nndeutbaren Stimmungen dev Traurigkeit, aber daß Ihr Steuermann mit dieser Stimmung zufällig in ein Sterbehaus geriet, das ist keineswegs ein Beweis für die tieferen Zusammenhänge dieses ganzen Erlebnisses."

Da fiagte der alte Schiffsroeder weich und mit verschleierten Augen: . .

Gewiß nicht. Aber wer fragt nach einein kiihlen Beweis, wenn die Seele überflutet ist vom Glauben?"

Es llag eine ergreifende Bewegung in der Stimme des alten Mannes, deren Klang ganz erfüllt schien von der schwermütigetz Erinnerung eigenen Erlebens und über ims hinweg schwebte in die dunkle Tiefe des Wesenlosen.

Büchertisch.

Max Halbe, Gesammelte Werk«. Erster Band (Verse und ErziAhlungen). Umschlag- mtfe Einbandzeichnnng von? Friedrich Felger. Preis geheftet 4 Mark, gebunden 5 Mark. Verlag: von Albert Langeil in München. Nicht lange ist es her, seit Max- Halbe seinen Fünfzigsten feierte, nun geht der erste Band seiner Gesammelten Werke hinaus in die Welt, tzü darren, die sein Schaffest seit einem W-erteljahrhundert mit ausmerksamier Liebe Verfolgerr.i Deutsch ist der Sturm und Drang, der die In geirddra irren dnrchs- braust, denEisgang", dieFreie Liebe", dieJugend" oder auch bent Spätling HFreiheit", der im Gewand -der Historie dem deutschenj Mackerlande eine .Feier bereitete: deutsch ist die Innigkeit des! Hleinratgefiihls, dasMütter Erde" trägt und denStrom" und dasTausendjährige Mich"; deutsch das tiefe Verhältnis zur Erde, die diesen romantischen Mrturstimmimrgen, die inFrau Mtzseck", imFrühlingsgarten", in der: Romanen geheinllrisvoll «veben undi flüstern; deutsch sind die kämpfenden, um ihr Selbst aus harter Scholle ringender Menschen, sinnlich glühende Frauen und trotzige Männer, wissende (Greise und über dein Strom ihres jungen Blutes grMelude Jünglinge, die dieses starke Lebenswerk in säst unheimlich bedrängter Fülle beleben. Nnd> deutsch ist es sckHeßlich, daß aus allen diesen Dichttmgjea die starke, betörende Melodie des Lebens janchtzt oder klagt, nicht verlindert und nicht verwitzett, nicht verzierliche und nicht verkritzelt. Der deutsche Künstler Max Halbe iviro durch diese Sammlung seines bunten, farbenfrohen Lebenswerkes erst recht Mm köstliche!!, bÄvnßten Besitz seines Volkes, aus dessen bester Müttererde -er entsprang lmd M dem er auf imm!er gehört.

Ernst Lot har. Der Feldherr. Rvman. 407 Leiten. Preis, geheftet 6 Mark, gebunden 7,50 Mark. Verlag von F. Dempsky, Wen, Und G. Frey tag, Leipzig, 1918. Im Mittel­punkt des Äotharschen Büches stcht ein moderne^ Feldherr, eine jener al fteLko-Ftgnreu, lv-ie sie Tostojewsky und Tolstoi zu malen liebten. Es ist ein Mann, dessen Lebensziel darauf gerichtet war, die Armee in einem von ihm aus politischer Ueberzeügnng hvrbei- gÄvünschien Kriege nach eigenen!, ins Kleinste durchdachten und ttorbereiteten Plane zu führen. Ern Mensch-enalter sehnt er sich diesen! Ziel entgegen. Endlich erfüllt es sich ihm, da der Krieg unvermittelt ansbricht und er an die Spitze des Heeres gerufen; Wibd. Erfolg reiht sich- an Erfolg, sein Name gewinnt die grenzen-' lvse Popularität und das heroische Ansehen, rvelches den Weg der siegreichen Feldherren begleitet. Ans dieser Höhe setzen der Dichter läßt den Leser selbst die Gründe erkennen Miß­erfolge ein, rvÄche zu einer entscheidenden Niederlage tverden., Ter FMherr wird seines' Mutes entsetzt, er muß in die kleine Bürgerlichkeit seiner Familie zntückkehren und Zeuge werden, wie seine alles Maß übersteigende Bolkstümlichkeit sich plötzlich ins Gegenteil verkett und seinem eigenen Schwiegersöhne zugewendet wird, welcher an seiner Stelle die Armee zum siegreichen Ende führt.

Henry Barbusse: Das Feuer, (Tagebuch einer Lwrpvralschast). Verlag: Vcax Rascher, Zürich. Pr. 6 Frcs. BarbussesFeuer", dessen deutsche Uebertragnnig von L. von

Meyenburg dem Urtexte nichts von seinem grassen SkatutMsmüs ÜMvmmen hat, ist vielleicht das Buch des Krieges, in dem der Krieg als solcher, in sein-er ganzen nackten. Roheit und Rück- sich.tÄosigkeit geschildert tvird. Hmr rvird man vergebens nach der üblicht'N Kriegserzählung mit ihren Beschönigungen suchen. Sv schwer, Ao-big die Wvrte^ mittvnter anernandergesügt sind, so hart 'und rauh ist auch ihr §imr.

Die Wltliteratur" (Verlag E. F. Hirth, Münchm 2, Färbergvaben 24) weiß auch nllt ihren drei jüngsten Gaben tviedev eine rocht abwechslungsreiche Lektüre zu bieten. Besondere Er­wähnung verdient die ,F>obell-Nnm!ner" (Nr. 4), die einen Ein- blick in das reiche Schaffen -eines alten, bodenständigen Dichters

vom Brandner Kasperl" bedeutet mit den humorvollen Holz­schnitten des Partenkrrchner Zeichners Frz. Barth eine erfreu­liche Entdeckung. TieBüchner-Nummer" (Nr. 5) bringt neben der NovelleLenz" einen ungekürzten Truck desWlozzeck", eines bedeutsamen Werkes, dessen früher gleichfalls schver zugänglicher Text hier zum ersten.Male für 15 Pfg. geboten wird. Nr. 6 bringt weniger brannte Erzählungen von Max Halbe rück« wird ebenfalls inhaltlich durch eine knappe literarhistorische Einfüh­rung bereichert.

! Das literarische Echo. Halbmonatsschrift fürLiteratn r- freunde. (Begründet von Dr. Josef Ettlinger. Her ansgegeben von Tr. Ernst .Heilborn.) Verlag: Egon Fleische! L Co., Berlin 1:9. Das 1. März Heft ist soeben mit folge udern Inhalt erschienen: Fritz Sch-ivarz: Zürich; Anton Schnack: Ernst Wilhelm Lotz; Adert Ludwig: Tie Rolle des Unbelebten in der Dichtung; Hugo Bergmann: Mendel« Mocher Sforim; Kürt Martens: Neue

Mais Echo der Bühnen Echo der Zeitungen Echo der Zeitschriften Echo des Auslandes Kurze Anzeigen.

Gietzener Hausfrauen-Berein. Kochanweisungen.

Einfacher Grießkloß. Man nimmt zu diesem Kloß Grieß, ivie man ihn Hab«! Sann, pn-d rechnet auf Vs Kilo Grieß ungefähr 3 '/* bis 1 Liter Milch oder halb Milch, halb Wasser. Ter Grieß ioird in eins Schüssel getan, die Milch kochendheiß darüber gegossen 'und alläs gut'gemischt, mit etwas Salz, gerieb. Muskatnuß nlid einem Ei durchgerührt. Diese Masse gM man in eine be­strichene Pnddingsorm und dxht den Pudding eine Stunde Lnt Wasserbad. In dieser Mt kann nian den Moß zu Gemüse oder! Fleisch geben. Mit Zucker und Vanillezucker gemischt, vielleicht noch mit geriebenen HaMnüssen, ist 'der Pudding sehr gut zu gekochten! Obst.

Steckrübentorte. 24 Stunden vor dem tzsebrauch kocht man die vorbereiteten Steckrüben. Nächsten Tags treibt nian sie durch die Fleischmaschine. Auf '3 Pfund durchgetriebene Steckrüben kommen 2 Päckchen ungerührtes Puddingpulver, einerlei welcher Art. Dazu gibt man..Zucker nach Geschmack oder Süßstoff, 1 Pfund geschälte feingeschnittene Aepfelscheiben, 2 Eßlöffel Marmelade, § Eßlöffel Grieß oder 1 Eßlöffel Haserflocken, 10 süße Ätandeln, 1 / 8 Pfund Kornllhen, die abgeriebene Schale einer Zitrone, sowie den Saft, ein Paket »Backpulver. Mandela! und Korinthen können! auch weggelaffen tverden. Alles recht gut verrührt, eine Stunde bei mäßiger Hitze in «einer Springform gebacken. Diese Torte kann auch warm als Abendgericht gegessen werden.

Einfacher Steckrübenauflauf. 500 Gramm Kar­toffeln gekocht, geschält, erkaltet durch die Maschine gedreht, cüt Kilogramru Steckrüben weich gekocht, abgetropst und durchgetrieben. Tie Kartosselmasse mit Salz und Muskatnuß geniürzt, unter den Steckrübenbrei rührt nvan ellvas Eiersparpulver 6 Ziviebeln schneidet man feinlwürselig und brät sie in etwas Fett bräunlich. Ties alles lagenweife in eine Wflaufform gefüllt, über jede Lage von den Zwiebeln gestreut. Tie Oberfläche bestreut man mit Brot­krumen und beträufelt sie leicht mit etwas Fett, «vorauf man den Auflauf lichtbrann bäckt. Meerrettichtunke dazu.

Rübenküchlein. Man nimmt zu -gleichen Teilen gekochte Steckrüben und Kartoffeln, läßt beides völlig anskühlen und recht sie durch die Maschine. Unter die Mischung kommt ein Ei oder! Eiersparpnlver und so viel geriebene Senimelkrnme, daß man lleine flache Kuchen formen kamr. Man dreht sie leicht in Mehl, legt sie auf eine eingefellLte Platte !und bäckt sie im heißen Ofen licht-' braun. An Stelle von Bratkartoffeln.

Gehermschrlft.

I : 228 4 4- 3 1 : 223 5 - 8

Schlüssel:

1 : 32 - Schriftzeicherr - 553 gelehrter Beruf.

1 - 34 -st Haustier 3 : 4 - 53 deutscher To««dlchter.

Z-3 -st 5 Gefäß 1 - 5 : Stadt in Aegypten.

(Auflösung in nächster Minmrer.)

Auflösung des Fütträtfels in voriger Nuinmer:

Jod, Arm, Nost Nlur, Alt, Aom.

Januar.

Schriftleitung: W. Dteyer. Zwillinasrmrddmc? der Brühl'schen Unio.-Buch- und Steindruckcrei. R. Lange, Gießen.