Ausgabe 
23.2.1918
 
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Die Radier.

Roman von Hermann Wagner.

' (Fortsetzung.)

28. Kapitel.

Anr nächsten Morgen ging Behrens zu Lucie. :

Er fand sie im Gerten, maß und um Jahre gealtert. Die Zeit, dachte er, hat sie mm auch sie in ihren Krallen?

Sie war noch völlig apathisch, sie fragte nicht, weshalb er komme. Da bat er sie, sie möge ihm ihr Töchterchen zeigen. ^

Lu toar scheu und fürchtete sich vor Behrens. Ms er sie streicheln wollte, widerstrebte sie mit alten Zeichen einer instinktiven Angst, so daß er sie wieder frei geben mußte.

Warum fürchtest du dich vor mir?" fragte er.

Sie antwortete nicht, sondern flüchtete sich nur zu ihrer Mutter.Mama, komm," sagte sie beklommen und drän- acnb,komm fort!"

Lucie drückte sie an sich.Der Herr tut dir nichts, er ist dir gut." .

Doch Lu hörte sie nicht, sondern versuchte, s:e fortzu- zerren.Wo ist Papa?" fragte sie angstvoll.

Da rief Lucie das Mädchen herbei und forderte es aus. Lu in das Haüs zu schaffen. Lu sah sich uorf) nrehrere Mal nach der Mutter tun und weinte. Man horte ihr zornrges Schluchzen noch aus dem Innern des Hauses.

Sie hat noch niemals nach ihm gefragt," sagte Lueie, jetzt zum ersten Mal ... Wo ist er?"

'Das errätst du nicht," sagte Behrens,er hat uns alle überrascht."

Lucie wurde noch mn eine Schattierung blässer.Was heißt das?" fragte sie.

Du hast erweicht, was du wolltest, dein Mann ist im Gefängnis."

Lucie griff nach einen: Baumstamm, um sich festzuhalten. Was,'was. . . sagst du da?" flüsterte sie.

Behrens nickte trübe.Ja, in: Gefängnis," iviederholte er.Er hat sich bei der Staatsauivaltschaft selbst bezich- llgt. Noch gestern tvar er bei nrir, mn es mir zu sagen. Dann ging er fort, und ich bin ihm gefolgt. Ich habe über zwei Stunden vor dem Gerichtsgebäude auf ihn gewartet. Er ist nicht zurückgekommen."

Sie sah ihn entsetzt au, haßerfüllt und entsetzt. Und sie klmmnerte sich noch fester an den Baum.Und* bu hast ihn . . . nicht zurückgehalten'?" ^

Nein," sagte er ruhig,da ich doch wußte, das; es dein geheimer Wunsch war . . ."

Er tvich unwillkürlich einen Schritt zurück, denn sie war mit einem einzigen Satz ans ihn zugesprungen, die b-eiden Fäuste zrr einem Schlag erhoben.

Aber dann stand er plötzlich still und unbeweglich und sah sie kalt mn

Da ließ sie die erhobenen Hände sinke::, sie hingen schlaff an ihr herab.Gut," sagte sie mit abgestorbener Stemme, nun hast du deine Rache. . ."

Ja, die habe ich" sagte er ernst.

Sie schlug die Hände vor das Gesicht, und er sah es ajn den: Zucken des Körpers, daß sie lveinte: leise, schrnerzvolle Tränen um ihrer: Mann. .

Er wendete sich, zur Seite, schwieg und schien versllmmt. So seid ihr Fr amu," sagte er nach einer langer: Panse Was ihr gestern noch hofftet, das verwünscht ihr am nächsten Tag, wenn es sich euch erfüllt hat." Und er zergte ein hochmütiges Gesicht.

Sie hörte ihn gar nicht.

Plötzlich aber hob sie den Kops und sah Behrens m:t einem Ausdruck an, in dem ein dünner Funken von Hoff­nung glolnnr:Herbert."

Ja?"

Herbert, gibt es keine Rettung?"

Er erschauerte vor der Liebe, die aus ihrer Stirnme sprachEine Rettung?" . ^ .

Sie drang auf ihn ein, legte die Arme a!uf ferne Schüll tern, rüttelte ihn verzweifelt.Herbert" rief sie heiser, du mußt ihn retten! Du mußt!"

Ihre Worte überstürzten sich, schvolleu zu. einer Flut an, die alle Dännnje zerrissen hatte und die sich nun hem­mungslos über das Land hinwälzte, jeden Widerstand bre­chend. Ihr Atem flog, ihre Augen hatten einen Zug von! Bösen: und Demütigen: zugleich, sie war ein Weid, das kämpfte und das eben nur kämpfen konnte, loie ein Weid kämpft: mit den Waffen einer blinden Liebe.

Behrens war sehr bleich Es wurde ihn: nicht leicht, eine bittere Empfindung niederzukämpfen. Aber als es ihm gelungen war, schoß die Liebe zu der Frau, deren Herz einem anderen gehörte, un: so heller in ihm auf.

Er nahm sie in seine Arme und sagte rauh:Komm, wir habe:: Eile!"

Wohin?" fragte Lueie schwach, die jäh fühlte, daß s:e sich ihn: ganz überliefern mußte, mit ihren:' ganzen Glauben, ihrem ganzen Vertrauen.

Du wirst es sehen. Komm."

Ein Auto brachte sie beide nach Moabit, vor das .Ge? richtsgebäude. Ein Beanller, dem Behrens den Fall vor- trng, verwies sie in das Zimmer eines staatsänwallsi,chm Beanlten. Dieser bot beiden sehr höflich Stühle an.

Behrens stellte sich und seine Begleiterin vor.Wir haben Aussagen zu machen," erklärte er,Aussagen in der Angelegenheit des Hermann Reisner, der sich gestern seldst einer schweren Urkundenfälschung bezichtigt hat."

Der Untersuchungsrichter griff nach dern Akt. Nachdem er ihn mehrere Minuten laug studiert hatte, fragte er: Welche Aussagen haben Sie zu machen?"

Lucie klammerte sich mit einen: angstvollen Mick «st Behrens.

Doch Bohrens sagte völlig ruhig:Die, daß Rnsider