Ausgabe 
20.2.1918
 
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raTSn nne^lichL'RuHebedürfnis, er schrtte sich nach einem Schweigen, das endlos war. Die lärm«wen K^dersttmnuen hämmerten ans semc Nerven «n, die War- fendeii Schritte des mtrasierten Mannes draußen brachten |ftu zur Berzw-eislnng. Und es war rhm unmöglich, noch einmal das Gesicht der, Vermieterin M Men. .

ylttes das tat ihm nicht nur w ch, es engte ihn em,rme jdhtoru tev nahe daran ist, m etfeden &> rnfä -«ta finden Abständerr ein paar Schritte durch das Zunmer, blieb stehen, starrte irgendeinen Gegenstand versunken m und schrak dann plötzlich aus.

m war er rmd wohin geyvrte er?

Er hatte fein Daheim. Er gefteL sichin der ^oLchltuntz, in einem Krankerchaus fx liegen, wo Schwestern sich mtt leisen Handgriffen um chn bemühten., ^rese Mlhe, dreses Schweigen brauchte er, die «vathre emes ]jten ^; j2 alles Aeichgültig ist, weil vielleicht schon der Tod Lauernd

nur lern Bett schleicht. * c _^ vr

Alles Denken war ausgeschaltet, es war ihm abgenorm men rvie eine Bürde, der er nicht gewachsen war. Ändere darbten Mr ihn. Das war so wohltuend. Dre Gedanken waren durch ein vages Gefühl ersetzt, das halbwach träumte

^ § war 'wie' ein Nachtwandler. Die Welt war doll von Geheimnissen für ihn, die er überwunden hatte. Er stand außerhalb der Welt.

ltnb plötzlich nahmen feilte Borstellungeir noch etwas Rulnaeres an. Er sah sich im Gefängnis. Dieses war noch friedvoller als das Krankenhaus, denn es war schon wie

%ob. , ,

«e war es imr möglich gewesen, daß er sich vor >>M st» «stecht» hatte? Er kannte -S d»ch »tch dort w« cs nicht nötig, daß man dachte. Einmal überwunden, hatte die Einsamkeit des Gefängnisses keine Schrecknisse mehr. Man lebte ruhig und war aller Konflikte enthoben. r .

Eine tiefe Nacht kam, ernst und doch üarmyerzrg in ihren! ehernen Schäveigen, und man ertrank m ihr zu einem lanaen Schlaf. Alle Wünsche gingen heim, aber es gab au $ keine Absagen. Des Lebens wechs elvoller Karnpfw ar aufgehoben, es gab keine Niederlagen mb kerne SrIe.

teilte üukuntt lockte und keine Vergangenheit schreckte, indem sie das Gewissen anftvühlte. Man träumte tn dem ewigen Gleichmaß einer Gegenwart, die einen der Not­wendigkeit jedes Handelns enthob. Man war eine -r-nmmer. Wen Menschen hatte man abgelegt, begraben. Der Friede

des Grabes war um einen. .... ^ ,, (r <.

Reisner spielte Knnächft mit diesen Vorstellungen, die Wr anheimelnd anzogen. Aber langsam nahmen che ernst­haft von, ihm Besitz, und er entdeckte neue Setten an ihnen.

Er erinnerte sich der grausamen Aufforderung seiner Frau. Wie, wenn er dieser Aufforderung lolgte, Ernst machte? Sich dem Gefängnis überlieferte? , ^

Nahm er darntt nicht alle Schuld von seinen Schultern und lud sie ihr auf? So schwer, daß sie eures Tages unter

* an der sie sich mit ihre«

Kind niederzulasseu gedachte, froh werden, wenn es ihr zu­gleich bewußt wurde, daß er währenddessen litt? Sie war es dann, die ihn iiis Gefänmris gebracht hatte». ne und der andere, gegen den sich! bald ihr Haß flammend richten wurde, denn das Kind blieb iminer als ein stummer Mahner da.

Oder war es nur Schwäche, wenn er es Lat?, Er hob sehnsuchtsvoll die Hände und bedeckte sein Gesicht mtt ihnen ?Lch, einmal ihr zeigen können, daß er die Kraft besaß, Mit sich'selbst fertig zu werden! , _ .

Hatte er sie nicht, hatte sie ihn ganz verlassen? Nein, nein es in u ß t e gehen! Er ballte die Fäuste. E i n m a l mußte er imstande sein, seineDerson voll einzusetzen, stlr eine Tat, die des Opfers wert war!^ t

Mit nie empfundener Sütze hurchrann ihn oav Bewußt­sein, daß er Lneie noch liebte, sie und sem Kmd,,die beide eines Tages vor Scham vergehen mußten, daß sie rhu Preis-

gegeben hatttn^, Ernst überkastr ihn mit einem

Mal, und alle Verzweiflung war ans stinem Herzwi wrh geweht. Kein Haß war mehr da, keine Ueberschwanglichkeit des Gefühles, kein wirres Träumen, nur em leises, er­stauntes Sinnen. , . . ltvlK

Ein grauer Schleier ivar von femen Rügen gezogen, und

sein Ohr nahm alle Geräusche gefaßter, überlegener auf. Es wurde ihm möglich, über die gespreizte Häßlichkeit des Zim­mers, die ihn kurz zuvor noch niedergedrückt hatte, zu lächeln, den tagtvandelnden unrasierten Mann ormA u sah er mdg ohne Humor und der Lärm der Kinder schmerzte ihn

ma " Immer klarer straffte sich sein, Wille. Uick ^gleich trieben ihn die hämmernden Pulse einer endgültigen ^-NE scheidung zu. ^ .

Er nahm den Hut und ging fvrt.^ ^

Seme Unruhe wurde ans der Straße noch großer, ^eder Schritt, den er tat, trieb Um immer Ästiger de« « mm §u, das ihm vorschwebte: sich freiwillig dem Gtaatoanw-att

zii stellen ^.cht und sicher war ihm zumute Und auch an seine Frau dichte er nicht in diesem Augenblick und auch nicht an sein Mud und auch gar Nicht an Behrens. Nun sagen wollte er es diesem, ruhig und schlich sagen, womit die Angelegenheit dann für ihn erledigt wäre.

In wenigen Minuten war er in der Gegeird des Am

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Au sucuiytu .yuumiii jv-iv ^r »** < K, ~' r r .

hatter Bahnhofes. Nach einigem Suchen fand er dre Gage. 'Frau Piesecke öffnete ihm, und er fragte, nach Behrens. Hier," sagte Frau Piesecke und wies chm nne Tür, an die er zweimal klopfte. Behrens war nicht überrastht und zeigte aus das wurmstichige Sofa. _ .. ~

Ich habe Sie erwartet, Haben Sie sich die Sache uber­wat?"

Ja, ich habe mir die Sache reiflich überlegt," anttz wortett Rechner.~ ie erklärte Behrens ohne

jede Anzüglichkeit.Ich stehe natürlich mit Bergungen zu

Ihrer Verfügung." _ r

Reisner wunderte sich, wie lehr er schon außerhalb alles dessen stand, was ihn beleidigen konnte. Er war völlig ruhig. Und er ließ sich Zeit, ehe er sagte,: och habe mir dre ,Sache auf andere Art überlegt, als Sie ve rmu terr. och ns aye nicht, daß Sie mich schonen. Ich schone mich selbst nrchL mehr. . . . Ich gehe jetzt von ihrer Wohnung ans direkt zu Gericht, um mich freiwillig zu stellen." Und er iahBeh­rens spöttisch ail, uni Kii erkunden, welchen Eindruck die

Nachricht auf ihn mache. -

Doch Behrens war ebenso ruhig lme -üemrier. Er hob nur ein wenig den Kopf.Das wollen Sie? Wirklich?'

Ja."

Warum ioollen Sie! es?"

Das tttt rckchts zur Sackp," entgegnete Neisner. tue es, und damtt gEg. Ich tue es sogleich. - - Niollte es Ihnen bloß sagen. Ich brauche Ruhe. Dtt fol

man mir lassen." , .,

ltnb die suchen Sie irn Gi-sangnis i ,Ja," rief Reisner leidenschaftlich ans,ja. . . und er sah Behrens plötzlich prüfend in die Augen, gleichsam er­staunt, daß jener so frage.Wissen Sie das mcht, daß es allein im Ge-sänguis die Rühe gibt, dre ich brauche? Wissen

Sie das nicht? Sie?!" , ^ r . , a ,

Doch Behrens überhörte die Frage. Er legte Rersnei. die Haiid auf die Schulter und rüttelte ihmSie stich kraiikhaft überreizt. Besinnen Sie sich!! Wer zrvingt Wie, solch eine Dummheit zu macheii?,' oenu es ist em« Dummheit! .... Wer? Niemand tut e^. Jur Ge gen teil, man will Ihnen helfen. Ich will es sicher .. . . Ich bm reich. Ich kann nicht eimnal erneu kleinen Dell Zinsen verzehren, die mir mein Vermöigen abwirst. . . . Lne sollen es aut haben. Sie sollen gehen können, wohin es Ihnen be­liebt, und sie sotterr reichllich- haben, was-Sie brauchen, melyx als reichlich. . . Vergessen Sie Ihre Frau! Streickjen Sie Sie aus Ihrem Gedächtnis! Uub führerr Sie m der Fremd« eilt Leben, das Ihnen wirkliche Riihe bringt .... Können Sie das iücht verstehen?" _

Rein," sagte Reisner bla st.

'Was hält Sie ab?" . . - . .

Etwas, das ich jetzt eben sthe, jetzt, in drestmr Moment

da Sie das altes mir sagen . .

Was

Reisner fuhr sich durch die grauen Haare.Dieses^ daß ich sehe-, daß sich jeder Mensch 7 - sem Glück erst .. . < verdienen muß!" Sein Atem ging kurz und hastig, als er nach einer Weile noch hinzusetzte:Und -jae haben m einem doch^ recht, wenn Sie mich damit auch höhnen wollten, F« tu einem haben Sie ganz recht!"

In einem A' ^