Ausgabe 
9.2.1918
 
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andern weiter leben und erkennen müssen, daß sie aus Gläu­bigern Schuldner geworden sind!

Reisner kam heim, glühend von einer Erregung, die ihrn jb rein schien wie die flackernde Flamme eines Kerzenlichts, vas man in ein Totenzimmer stellt. Er rief sofort Prokop und sah ihn eine Weile stumm an.

^Lie befehlen?" fragte Prokop eisig.

Prokop, ich habe dir, ich habe Ihnen nichts mehr sat befehlen. Sie müssen mich verlassen. Ich bin ruiniert. Ich bin arm, viel ärmer als Sie."

Prokop warf den Kopf hochIch bin nicht arm," sagte tx hochmütig.

Aber Sie sind auch nicht reich, und ich gedachte, Sie für immer bei mir zu behalten und Sie einmal gut zu ent­lohnen und unabhängig zu machen."

Das wäre überflüssig gewesen," sagte Prokop, ,chenn ich habe für mich selbst gesorgt."

Wie?"

Prokop machte eine wegwerfende Handbewegung.Glau­ben Sie, daß ich es nicht gesehen habe, wie Sie sich ruinier­ten? Mir konnte es recht sein. Wenn ich auch immer schwieg, jb habe ich doch viel gehört. Ich gehe zufrieden von hier fort. Mein Leben ist gesichert."

Reisner winkte müde mit der Hand.Gut, ich gönne es Ihnen. IXub denken Sie nicht allzu schlecht von mir."

Ich werde gar nicht über Sie Nachdenken, ich wüßte nicht, weshalb ich das tun sollte. .Ich werde leben und für den Rest nreiner Tage Herr sein. . . Leben Sie so gut, als Sie efs können, mir ist es gleich! Adieu!"

Reisner öffnete ein Fenster. Ein warmer Augustabend wehte ihrn entgegen. Die Straße hinauf und hinab eilten ver­einzelte Fußgänger, zwischendurch auch Kinder, vornehm an­gezogen, sauber und gesund, mit Bonnen, die sie behüteten. Eine heitere Sicherheit lag auf allen ihren Gesichtern, und es gab nichts, was diese trüben konnte, denn man war in dieser Gegend sehr reich-.

Reisner schloß das Ferrfter wieder und zog alle Vor­hänge zu. In diesem Halbdunkel saß er dann und brütete dor sich hin.

Nein, es war anLgenmjcht: seirr Kind sollte es gilt haben «nd auch seine Frau sollte es aut haben!

Ein Gefühl der Freude ourchströmte ihn. Er hätte nicht geglaubt, daß «s so leicht war, sich selbst zu vergessen ww mir an andere zu denken. Und er fettete lang auf.

Dann machte er Licht und setzte sich an den Schreibtisch Noch viel war irr Ordnung zu bringen. Vor allem wollte er «M Behrens schreiben, der ferne Mreffe auf dem Schreibtisch Smrückgelassen hatte. Und dann wollte er mit Lueie reden. Es war ja alles so einfach. . .

(Fortsetzung folgt.)

riSnig Sonne.

\ Märchen von A. Clara.

. Um des Weltherrschers Thron waren alle Geister versammelt, die ihm dienten. Sie drängten sich zu beiden Seiten dicht anein­ander und ließen die Mitte frei. Hier stand einer allein hoch und schlank der schönste und lichteste von allen. Mer sein Antlitz war bleich und gesenkt. Mit schroffer Bewegung wandte sich der Weltherrscher ihm zu:Du hast schwer gesündigt, knie Lieder! Kn meiner Gegenwart steht keme Missetat aufrecht da!" Der Jüngling hob langsam den Kopf; so stolz und edel war diese Gebärde, daß sich seine Gestalt aufrichtete durch sie, als mußten Me andereu ihm zu Füßen fallen:Sühnen will ich. Herr," antwortete er,aber nicht knien!" Und er suchte den Blick des Herr­sch rs und zwang ihn tief in den seinen. Es tag eine Macht darin, eine Hoheit und ein Match, daß ihm keiner widerstanden hätte- wrd der Weltherrscher liebte diese Angen, denn er hatte nichts Leuchtenderes in seinem großen Reich.Gut," sprach er,komm her du sollst sühnen!" Und in das Weltall hmcrusdeuMtd, wo im fernsten Ducktet die Weltmkörper ihre Bahn liefen, fuhr er fort:Siehst du die Finsternis? Me sollst du erleuchten durch die Kraft deiner Seele! Nun sieh zu wie du es fertig bringst und erst wenn Licht ist dort hinten dann will ich dir ver- ijfeiJjcn Y* 1

Der Jüngling neigte sich tief. Schweigend trat er aus der Nähe des Weltherrschers, und den Kreis der «Geister verlassend, die rhm trauernd nachschauten, wanderte er in die Einsamkeit, die ihm ge­zeigt worden war. Dort baute er sich einen Thron nnd nannte sich König Sonne. Das, was er leisten sollte, Men ihm nicht altzw- schwer; denn er wußte, daß setrte Seele stark und reich war. Und er öffnete sie, immer weiter, immer tiefer, bis in die geheiru- sterr Mnkel und mußte selber über die Wrmderschätze staunen, die in ihr waren. Er Wo sie^alle herauZ ckll«. Dann trat er cafif

seinen Thron, breitete die Arme ans nnd ließ den ganzen Reichtum­stiner Seele in die Dunkelheit hinabsallen. Das war wie ein golden ner Sprühregen anzusehen, so, als rieselten lauter Sterns durch die Nacht. Mer sie wurde nacht hell davon; hie und da büeri wohl eiu leuchtender Funke in ihr hängen, aber er war so unschm bar, daß ihn König Sonne kaum erschauen konnte. Alles andere versank Lautlos und ohne eine Spur zu 'hinterlassen in der Tieft. Entsetzt starrte der junge König in den schwarzen Schlund, der ihm plötzlich wie ein fürMerlicher Feind vorkam, itnd schaudernd ahnst er die Riesengewalt, .die er brechen sollle, und an der sein erstes svohes Bemühen wie ein Nichts abgeglitten war. Ta sank das stolze. Bewußtsein seines Wertes in sich zusammen nnd ferne Seele litt zum erstenmal den bitteren Schmerz der Demütigung.

Doch sein Mut war reicht gebrochen. Immer und immer wieder versuchte er es, Hegen die Finsternis anzckkärnpfen, -oft urrd oft trug er ein heiliges Feuer in den Händen und mußte immer wieder sehen, daß es auslöschte, kaum daß er es in die Dunkel-- heit versenkte. Es faßte ihn -eiu würgendes Weh um seines Urv- veruiögens willen und ein heißes Mitleid mit allen Wesen, die in der Dunkelheit litten. Sein waches Empfinden fühlte dir brennende Sehnsucht, die nach ihm tastete,, den tiefen Jammer der zu ihm schrie:Hilf ach Mf uns zum Licht!" Und er konnte nicht helfen. Wie ein gefällter Baum Mng er ans den Stufen seines Thrones hin und stöhnte. Er biß sich die Lippen blutig und bohrte sich die Nägel ins Fleisch, so hart ballte er dst Hände in ohnmächtigem Zorn.

Ta kam es plötzlich wie em kühler Hauch m ihm, und ewtäe weich« Hand legte sich auf seine Schulter. Zlusschauend gewahrte er ein Weib neben srch ein Mädchen. Das sah mit klarest Augen in fein Gesicht:ML wie bist du schön!" Er betrachtete sie erstaunt:Tn brst sicher ebenst schön," meinte er, und sein schmerzstarres Antlitz tauchte in ein Lächeln wie in «inen wunder» baren Glanz.Wie heißt du mcd wo kommst du her?"Bon der Erde," antwortete das Mädchen,aber ich habe keinen Namen, denn ich bin eine Seele nnd muß die Liebe suchen, bls^ich sie finde, weil ich auf Erden ohne Liebe war." König Sonnetz Herz kam in ein leises, wohliges Schlagen.Willst int nicht eine Zeitlang bei mir bleiben, Seele?" Und seine Augen leuchteten mit unwidersteUicher Bitte in ihr Gesicht. Da errötete sie bis über di« lichte Stirn und den zarten .Hals, und heircklichs Min schert nnd Hoffen zwarrgen ihr die Antwort ab: ^Gern bleibe ich, toemi du es möckstest!"Seele" sagte König Lw-rrne leisestmw, Seele!" Und er legte den Arm um sie; da fühlte er lütter den feirten Schleiern ihren schlanken .Körper und er konnte nicht anders er küßte sie.

Sv lebte er nun mit der 'Seele zusammen, die st hold und licht war, daß all sein Leid verflog, wenn er sie anschante. Ein ganz neues jauchzendes Lebert sprühte nnd begehrte irr feiner Brust, eine starke, unendlich liebevolle Freride fällte ihr: aus, daß er zuletzt alles alles vergaß und nichts wollte und erfaßte, als einzig die Seele, die um ihn! war. Das sich der Weltherrscher und er sandte einen Boten zur Seele und ließ ihr sagen:Tn hast ge­ändert, was dir fehlte nun kehre heim. Denn ihnr, den du liebst gereicht deine Liebe zum Verderber:. Er ist verdammt und kann sich selber nur erlösen, wenn ihn nichts anderes hält."" Da ersch>räk di« Seele.Aber er liebt mich doch!"Willst du, daß er zugrunde geht, daß er sich selbst verachten muß deshalb?" Me Seele drückte beide Hände auf ihr armes Herz, das seinen Reichtum' hergeben mußte, und verbarg hie aufsteigenden Trauert in einem Lächeln:NeiA nein, das will ich nicht!" Mit ihren leichtm, weichen Schritten trat sie m König Sonne und schmiegte sich an ihn:Liebster ich muß mm strtgehen von dir!" Er dachte, es sei ein Scherz, und antwortete lächelnd:Liebste ich lasse dich nicht!" Da senkt« sie traurig das Köpfchen:Du darfft dich nicht verzetteln, du sollst doch die Dunkelheit besiegen." Sem Antlitz erblaßte st jäh, oaß sie leist aufschrie. Ta riß er sie cwt{ sich und wühlte seinen Kopf an ihre Brust und klammerte seine, Arme um sie, daß sie m sterben memte:Seele - Seele, ich kann ja nicht ich bin mr schwach!" Sie sah, wie er litt, und sie trollte ihm st gerne helfen. Mit ihren weißen kühlen. Hart», den hob sie sein Haupt empor.Liebster hast du mich lieb?" Gr erstickte die Frage mit einem einzigen, heftigen Kuß.Siehst du," fuhr sie fort,vielleicht ist dein Herz, das jetzt für mich bvQMt, hell genug, um das Licht dort hmabzutragen." Er sah sie an.Und du, Seele und du?"Ich?" sie lächelte,ich habe übergenug,' von.dtr bekommen und ftnde sicher heim." Er atmete schwer ist hartem Kampf und Welt sein Herz zögernd in den Händen. Soll ich die Welt mit dir erlösen?" fragte er.Ach t«,' pocht« das Herz träumerisch .st als hätte es' kaum hingehört >,ach ja!"Tann nmß ich die Liebe opfern," sprach er hart.Mm!' Das Herz bäumte sich ans im Schrecket und tat etnen wilden Schlag, daß es aus seinm Händen sie! nnd in die DucktAhell Wnäbglitt wie ein breites SträWenbüudel. Er wandt-?, sich um die Seele war fort. Er suchte sie, bis seine keuchende Brust keinen Ment mehr hx sich hatte vis ihm Hände und Knie zitterten, - er fand sie nicht. Mit einer letzten Hoffnung sah, er in die Dunkel­heit, ob das Opfer nicht umsonst war, ob sie vielleicht ein wenig lichter ward sie gähnte schwärzer dmn je. Ta schrie der jungt König aus und seine Stimme war wie -ein einziger, steinharter Schlag, der Furnken sprühen macht. Darm reckte er sich itnd hob dm