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,Zch begreife Nicht, daß Sie sich nicht schon früher ein sachgemäßes Urteil über das Terrain verschafft haben."
. „Das ist geschehen," sagte Reisner apathisch, „es lagen Gutachten vor."
„Welche?"
,Äusläiü>ische. Die Gesellschaft war von Ausländern gegründet."
Der Ingenieur pfiff durch die Zähne. „Aber, aber," sagte er. Und er sah Reisner scharf an: „Sie haben doch alles sehr, sehr billig erworben?"
Reisner lächelte bitter. „Oh ja, aber trotzdem . . ."
„Gott," meinte der Ingenieur, „wenn alles sehr, sehr billig war, dann . . . Ich meine: ganz verloren ist Ihr Geld dann noch nicht. . . Als Baugrund kommen die Terrains natürlich nicht in Frage, das ist ausgeschlossen, völlig . Das heißt: es müßten in diesem Falle Unsummen in sie hineingesteckt werden, Millionen, und dazu liegt, solange andere, billigere Gründe vorhanden sind, natürlich feine Veranlassung vor, — ja, es wäre das geradezu ein Wahnsinn, eine Verrücktheit. . . Aber-"
„-aber einen bescheidenen Nutzen wirft das Terrain
immerhin ab, wenn man es versucht, es, das jahrelang brach gelegen ist, zu bepflanzen . . . Nach Jahren würde es schon etwas bringen."
„Nach Jahren, . . . etwas. . murmelte Reisner.
„Aber als Baugrund —: ein glatter Betrug!"
„Ich werde sehen," sagte Reisner, indem er mit halb abgewendetem Gesicht dem Ingenieur die Hand reichte, „jedenfalls danke ich Ihnen. . ."
Die Unterredung hatte in dem Bureau des Ingenieurs stattgefunden. Reisner trat auf die Straße, und die Häuser, die Wagen, die Menschen tanzten vor seinen Augen. Er mußte sich während.der ersten Schritte die Häuser entlang tasten, um nicht umzufallen. Immerhin, dachte er, erschöpft, ich kann einmal zu ihm' hinfahren. Und er stieg in eine Droschke und fuhr bei Mannheimer vor.
Mannheimer war gar nicht erstaunt. Er gab sich so liebenswürdig wie immer, den kaum merklichen Spott um seine Lippen gestattete er sich eigentlich nur als einen höchst überflüssigen Luxus.
Reisner sprach tonlos und matt, nichts von Wut war in ihm, nicht einmal etwas von Erbitterung und Enttäul- schung. Er berichtete mit wenigen Worten, was sich heraus- gestellt hatte.
Mannheimer hörte chm stumnr zu und zuckte nur uir- geduldig mit den Schultern. „Das war dumm. Dumm von Ihnen." Sonst sagte er nichts.
„Sie haben mich, betrogen, Mannheimer," sagte Reisner ohne jede Schärfe.
Mannheimer lächelte mitleidig. „Verzeihen Sie, mein Lieber, so etwas höre ich nicht gern . . . Betrogen! Unsinn! Man betrügt nur, wenn man faßbar ist. . . Haben S i e früher vielleicht betrogen, wenn Sie eine Sache abstießen, die oberfaul war?"
„Sie find faßbar, NLannheimer," entgegn-ete Reisner fast flehend.
Mannheimer schüttelte energisch den Kopf. „Dann hätte ich die Sache nicht gemacht. Und außerdem — —" Er erweiterte den Luxus, den er sich gestattete, und wurde höhnisch. „-und außerdem, dächte ich, müßten Sie selbst
«ufpassen, daß man Sie nicht faßt . . . Nicht?!"
„Was meinen Sie —?"
Mannheimer sah ihn durchdringend an und hatte doch unter einem seine perfid-liebenswürdige Miene. „Ich Meine, — die Unterschrift. . . Das heißt: ich will nichts gesagt haben!"
Reisner wurde übel. Er schluckte Und schikuckte und suchte pach einem'Wort, das ihn retten könnte, nur für einige Minuten retten. . . Er fand keins, nicht ein einziges. Er sah erbärmlich aus. Und schwieg.
Es gab eine Pause, die Reisuer endlos schien.
Mcmnheimer glitt fachlich über sie hinweg, mit einer Diskretion, die käüeste Grausamkeit war. Er hob dozierend den Zeigefinger. „Lllso, man darf nicht faßbar sein, —, darm betrügt man auch! nicht, — selbst dann nicht, wenn man. . . fälschtet . . . Hm. Haben wir uns noch etwas m stvgen?"
Da umschwärmte Reisner ein Gedanke: warum war dieser Schurke so ruhig, wenn er doch wußte, daß jene Unterschrift gefälscht w ar?
_ Wtelte! und würgte und stotterte dann: „Me Bürg-- schaftserklärnug — ist doch — noch —> bei. . . Ihnen?"
„Nein," sagte Mannheimer kurz.
„Nicht ■— 1 ?"
„Nein," wiederholte Mannheimer.
„Wo —• ist sie?" fragte Reisner angstvoll, denn es schren ihm plötzlich, als wäre die Staatsanwaltschaft schon hinter ihm her und als müsse er, wenn er jetzt auf die Straße hinausträte, sofort verhaftet werden.
Mannheimer strich vorsichtig die Asche von seiner Zi- ßarre. „Ein Mann interessierte sich für die Bürgschafts- emämttig," sagte er, „noch ehe sie geschrieben war, ja. . . Er hat sie mir abgekaust, für den vollen Betrag. . . Ein fHr nobler Mann, — alle Achtung!" Und Mannheimer blies behaglich den Rarrch seiner Zigarre von sich
„Ein Mann? Wer?"
„Ein Mann namens — Behrens."
. Reisner wollte einen Freudenschrei ausstoßen. Er zog rndessen nur sein Taschentuch und betupfte damit seine Stirn. Sein Mund war schief verzogen. „Es ist gut," sagte er letfe, „ich danke Ihnen. . ."
„Es war mir ein Vergnügen," sagte Mannheimer jovial, „beehren Sie mich wieder!"
. fößfy die Straße entlang und enrpsand es als
eine Wohltat, daß er nicht imstande war, zu denken.
Er ging schnell vorwärts und betrachtete die Menschen. L>ie waren ganz anders, ihm ganz neu. Soviel Helligkeit war an ihnen, die auf ihn zurückfiel, — oder war es und- gekehrt, war die Helligkeit in ihm? Gleichviel, sie war da: Sie fiel sogar aus einen Menschen wie Mannheimer. Wie dumm dieser Mann doch war, da er so grenzenlos hamsterte und sich eines Tages doch hinlegen nmßte, um zu sterben. Auch Frau von Marisch bestrahlte die Helligkeit, eine Frau, der er viel Unrecht arigetan hatte. Und den armen Gut- zert und dessen Frau, — ach, warum hatte er sie doch damals verschmäht! Und auch an Lautenvach in Hamburg dachte er, — ach, wie übel hatte er dem Unermüdlichen nntgellnelt!
Aber aus dem Herzen aller dieser Leute nahm er den bitteren Stachel, wenn er sich jetzt freiwillig dessen begab, wessen sie ihn neideten: alles Reichtums, aller äußeren Zeichen der Macht, seiner Frau, seines Kindes, — wenn- er lautlos und ohne zu klagen in einer Versenkung verschwand, die ihn nicht mehr yergeben würde, tvenn er vergessen ward, von niemanden vermißt oder betrauert.
sollte ihn vermissen, betrauern? Die Merch scheu? Er hatte sie mit bewußter Grausamkeit als Mittel für seine Zwecke benützt. Seine Frau? Er hatte sie betrogen. Sem Kind? Es kannte ihn kann:.
^ ,? a , ^ war seine Pflicht, zu verschwinden. Er war das sich schuldig und vor allem den anderen. Und er war es auch Behrens schuldig, der nun mit den Gesten des Rächers einber- gmg, wie auch er es vinst getan hatte.
Reisner lachte lautlos in sich hinein. Er kannte das, er hatte es erfahren. Hatte dieser Mann erst seine Rache, dann hatte die Rache bald ihn. Sie umstrickte ihn, und er verwickelte sich in ihren Maschen immer mehr, bis er schließlich gefesselt war und stöhnte. Oh, er sollte alles haben, worauf er ein Recht zu haben glaubte! Ihm, Reisner, nahm er nur eine Last ab. Er sollte sie tragen . . .
Reisner wurde lebhafter, sein Lebensgeist entfachte sich langsam zu einer dünnen Flamme. Er ging mit schnellen, hastigen Schritten.
Und dann: es war auch nicht seine Sache, sich in ein verborgenes Dorf zu verkriechen, denn das war eine Flucht. Er durfte nicht fliehen, durste sich nicht entziehen. Hier mußte er bleiben, nur hier war sein Platz. Es würde ihm gelingen, so viel tzu verdienen, daß er leben konnte. Je elender er bebte, eine um so größere Genugtuung würde er empfinden. Als Versicherungsagent, ja. Treppauf, treppab, in einem Anzug von schäbiger Eleganz immer sich duckend, immer lächelnd, nie widersprechend, die ewigen Abweisungen und Demütigungen wie ein Schicksal hinnehmend, das ihm gebührte. Den Nacken beugen, die Hände küssen, die ihn schlugen. Geduldig sein, maßlos geduldig. Und dann Lenken: Du leidest, ein anderer hat dich leiden gemacht, aber du muckst nicht auf, denn es ist deine Strafe. Du zahlst ab. Alle die Falle: Lauteiö- bach, Gutzeit, Marisch, Lucie Blümrrer, Behrens. Und eines Tages bist du fertig. Bist niemandem mehr etwas schuldig. Und legst dich hin und machst die.Augen zu, während diL


