Sönistag, öm 2. gthxmt
Roman von Hermann Wagner,
(Fortsetzung.)
Wie hatte jederzeit heiter sein dürfen. Und sie hatte nie Feinde gehabt. Sie hatte eZ auch nie nötig gehabt, zu befehlen, ern Wunsch, von ihr kaum empfunden, mar ihr auch fclfou erfüllt worden, von Menschen, denen es ern Stuck auv- rnachte, ihr zu dienen.
Ihre kurze Ehe war ein einziger solcher Frauenounst gewesen. Sie liebte ihren Mann zwar nicht, aoer sie war ihm zugetan. Es freute sie, daß er um sie !var, jederzeit, mit einer Zärtlichkeit, die sie ganz einhüll.e, die mcht forderte, die nur gab. Sie nahm, nahm immerzu, und streme das Genommene aus, wie Blumen, die man vor ,ich aus den Weg warf, um ihre Schönheit, die.einem diente, zu zer- treren. Die Blumen konnten nie ein Ende nehmen, ihre Zahl war unbeschränkt, stets aufs neue blühten sw für sie. von ihrem Mann gepsiegt, der sie dann abritz, um sie ihr zu schenken. Sie brauchte nicht zu fordern, alles wurde ihr aeaeben
Daß ihr Mann starb, war ein Mißton, doch er klang imr eine Weile, wurde oovonge tragen in Fernen, denen sw rasch enteilt war nild nach denen sie nicht mehr zurucw
blickte. ^ _
Eines war vorbei, anderes kam, in ewigem leichten Wechsel, der nichts Aufregendes oder nur Ueoerraschendev hatte, denn altes Schöne, was sich ihr zuneigte, gehörte ja ihr. Sie nahm es oc»er sie verschmähte es oder sie schenkte ^ fort, - sie hatte kein Herz, das hart und grausam war, wenn es auch nicht ihr Glück ausmachte, nntjuhwnd jemandem Gutes zu erweisen. Sie tat niemandem etwas Schlechtes. Mehr kam ihr nicht zu. .
Rechner war der erste Mensch, der es verschmähte, ihr zu dienen. Das überraschte sie mehr, als es sie krankte. Und nicht nur das. Es reizte sie, einen Menschen zu sehen, der offenbar von einem ihr Unverständlichen durchwuhck war, der einer Leidenschaft folgte, wo fie doch immer nur einer Neigung gefolgt mar.
Sie kannte keine Leidenschaften, sie lagen ihrem Wesin fern. Und doch hätte sie gern von ihnen genippt, neugierig gemacht, von dem Kitzel eines leichten Gruselus ersaht.
Allein sie schrie bald ans, denn sie war semem brutawu Zugreifen nicht gewachsen. Er nahm -sie und unterjochte sie, die es nie gelernt hatte, sich zu wehren, da sie nie vergewaltigt worden war. Sie wollte bloß spielen. Das wiü auch ick) nur, sagte er zu ihr, aber ich spiele mern Spiel, und du spielst es mit! So spielte sie es nnr, viele ^ahre hindurch, im Grunde froh darüber, daß mn Zweiter es ihr abnahm, sich Gedanken §it machen. Er legte ihr das, was sie glauben sollte, fertig vor, und sie nahm es an, ohne es zu prüfen, denn sie war träge. Langsam und gleichmütig schlich die Zeit.
Und doch ertavvte sie sich in einer Stunde, da hie. Einsamkeit sie zu sich selber ries, dabei, wie sie es atlmahUM wahrnahm, daß ihr Leben nutzlos verrann. Zuerst wockte sie die. Angen schließen und sich blind stellen. Alwin dre> Erkenntnis kam wieder. Und mit ihr der erste Anckng eines Hasses, der sich gegen den richtete, der ihr vielerlei g^ nommerr und noch nie etwas gegeben hatte. Sw hatte ihn vielleicht geliebt, wenn ihn nach ihrer Liebe verlangt.hatte. So aber nahm er bloß ihr Spiel. Deshalb sing >ie an, ihn zu hassen. _ K -
Sie- glaubte auch nicht mehr an ihn, es schien u;t, vag seine Kraft etwas Hohles habe, seine Phantasie etwas, dg& lahm war, und daß auch sein G.ück zu hinken mijing. L-re wusre nicht, wie das gekommen war, denn äußerlich stMw er noch ans jener ansehnlichen Höhe, zu der er sich herans- geschraubt hatte. . , . _
Lag es (fit seinen Worten? Sie halten nicht mehr da^ Blind-Sichere der früheren Tage. Er war müde. Es war wohl so, daß er selber nicht mehr an sich glaubte, — wie sollte es ihm da auch möglich sein, den Glauben anderer an ihn wach zu halten! Er war kein nüchternes_ Aroectstalent wie etwa Herr Friedrich Saalburg, sondern ein Mann, der, um zu wirken, überraschen, überrumpeln mußte. Doch die Tage der Ueberraschungen waren vorbei. Langsam sing auch er schon an, grau zu werben.
Mit der Grausamkeit einer Frau, die enttäuscht ist. wandte Frau von Marisch ihre Gedanken ohne Uevergang einem anderen zu. Noch fand sie es ein wenig lacherirch, Frau Saalburg zu heißen, und doch spielte sie, halb un- eingestanden, schon mit der Idee, diesem Mann nachzugeben, nicht sich oder Saalburg zur Freude, sondern Rers-wc. zum. Schwerz, der wähnte, sie für immer festzuhalten.
Die Aut Saalburgs kam am meisten der ihres ersten Mannes nahe. Noch einmal hoffte sie, zu fliegen, wenn auch nicht über blaue Borge, so doch über eine schöne Landschaft hin, deren saftfarbiger Herbst sie lockte. Sie war es müde geworden, nur zu säen, während ein anderer erntete, sie sehnte sich nach der Zärtlichkeit eines, der, wie ihr erster Mann, sein Glück darin fand, sie anzubeten. Ach,^sie rvar -erst so alt, wie ein Liebender ihr sagte, daß sie es jet!
Ihr Haß gegen Reisner wuchs noch, wenn sie daran dachte, wie schlau und doch mit welcher Offenheit dieser Mann sich ihres Namens bedient hatte, sobald er es \m Interesse seines Geschäftes für nöig gehalten hatte.
Gerade hier glaubte er, sie fest in der Hand zu hao^.n. Du stehst Und fällst mit mir, sagte er zu ihr, weuii ich zugrunde gehe, dann bist auch du verloren! - <.
Es gruselte sie bei diesem Gedanken, und sie schloß die Augen, um nicht sehen zu muffen. Bestand denn wefahr, daß er fiel? Sie wußte nicht einmal, wre sehr sre ber su neu Unternehmungen, die mil den Jahren ständig getvechselt hatten, engagiert war. * . .
Sie mißtraute ihm. Und re großer dieses Mißtrauen wurde — es wuchs, einmal entstanden, mit der Schnellig-


