Mittwoch, de« 25. Januar
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Die Rächer.
Roman von Hermann Wagner.
(Fortsetzung.)
, ,Die Autodroschke war fort, und Behrens freute sich dessen, denn er hattzer jetzt keine Eile mehr. Er hatte Zeit. Er hatte so viel Zeit, daß ihm fast bange wurde, wenn er daran dachte, wie es ihm wohl gelingen sollte, sie zu verwerten. Nur Weniges noch blieb ihm zu tun. War es getan, dann hatte er bezahlt, was er schuldig war, urrd durfte ruhen.
Er stieg in eine Elektrische und fuhr in die Stadt, durchquerte sie,, planlos, ohne Ziel, nur dem Staunen hingegeben, das es ihm bereitete, daß er soviel-Menschen sah, die alle Eile hatten, redeten, sich voll Leben gebärdeten, wo sie doch an Wahrheit zum Leben noch nicht erwacht waren.
Ihm schien, als müsse er auf sie in seinem Schweigen wie eine Mahnung wirken. Allein man beachtete ihn gar nicht, er stürzte in jenen gähnenden Rachen,-der die große Stadt war, und blieb verschwunden.
Er stieg in die Hochbahn und fuhr einmal, zweimal rings um die Stadt. Welches Leben, welche Geräusche, — und doch wirkten sie nur schattenhaft auf ihn, so daß er sich Nach der Stille des Dorfes sehnte, nach dem beschaulichen Nicken der Gräser auf den Wiesen, die eindringlicher und verständlicher mit ihm sprachen.
Es wurde Abend, es wurde Nacht. Er kan: in jenes Viertel, das das alte Hamburg war und von dem von Monat zu Monat ein weiteres Stück abbröckelte, um dem jungen Riesen Platz zu machen, der das Neue war, llnd ihm trauernd zu weichen.
Er tastete sich die schmalen Gäßchen entlang, betrat die finsteren Eingänge, die zu Stiegen führten, die so steil und so eng waren, daß man sich an einen: herabhängenden Seil festhatten mußte, um sie zu erklimmen.
Dünne Lichter übergvssen mit einem bleichen Schein modernde Höfe. Man sah hier Armut und Elend und Ver- tiertheit. Hier fängt das Leben an, zu erwachen, dachtet Behrens.
Es schlug Mitternacht, als er so müde war, daß er sich auf einer Bank am Jungfernstieg niederlassen mußte.
Tausende Lichtfunken spiegelten und wiegten sich in dem schwarzen Wasser. Geschminkte Mädchen kamen vorüber imb machten ihm Zeichen. Da stand er auf und wankte fort.
Er ging in ein großes Hotel, um ein Zimmer für die Nacht zu fordern. Doch nachdem man ihn von oben bis unten gemustert hatte, schüttelte man den Kopf und sagte:-„Besetzt!" Da lächelte er wieder.
Er ging in ein zweites Hotel, wo es gar nicht vornehm war und wo inan ihn schweigend aüfnahm, um chn in ein enges Zimmer mit dumpfiger Lust und nicht einwandfreien Metten zu führen.
Hier legte er sich nieder und schlief sofort fest, fest ein.
19. Kapitel.
Das Haus lag draußen hinter Altona an der Landstraße, die die Elbe entlang führte. Es war wie ein kleines Lustschloß und es hatte sich durch einen hohen und prunk- hasten eisernen Zaun von der Außenwelt hochmütig abgeschlossen. Behrens drückte an den Knopf, der an dem eisernen Tor angebracht war, und wartete.
Ein Diener kam, betrachtete den alten Mann in dem unscheinbaren Anzug und vernrntete einen verschämten Armen „Was wünschen Sie?" fragte er barsch.
„Ich möchte bitten, bei Herrn Konsul Eriksen vorgelassen zu werden," antwortete Behrens bescheiden.
„Ihre Karte?"
„Ich habe keine Karte, jrmger Freund. Melden Sie nur meinen Namen: Behrens."
„Ich will sehen," sagte unwirsch der Diener und kehrte um, während Behrens weiter vor dem Tor warten mußte, was ihn indessen nicht anzusechten schien, denn er sah heiter und zufrieden aus.
Nach kaum zwei Minuten kam der Diener zurück, und er ging nicht, sinchern er lief, war sehr rot und machte vor Behrens eine tiefe Verbeugung. „Der Herr Konsul läßt sehr bitten!"
Behrens stieg die teppichbelegte Treppe hinauf, von dem Diener mit ehrfurchtsvoller Höflichkeit geleitet, der ihm stumm die Tür zu einem Zimmer öffnete und sich nun zum zweiten Male verneigte..
Behrens trat ein.
Ein alter Herr trat ihm entgegen, ein Bild vollkommenster Vornehmheit, weißbärtig, mit dünnem, silbernem Haar, mit Bewegungen, deren Gemessenheit eine tausendfältige Erfahrung verriet.
Er kam ihm entgegen und reichte ihin die Hand. „Willkommen," sagte er einfach, und doch hatte diese Einfachheit eine betonte Bedeutung, die mit Worten zu erklären anscheinend nicht mehr nötig war.
Behrens drückte fest diese Harrd, ja er umklammerte sie geradezu, so, als werde es ihm schwer, sie wieder fahren zu lassen. „Ich danke Ihnen, Herr Konsul," sagte er weich. „Ja, ich habe Ihnen viel zu danken."
Der Konsul fuhr mit seiner gepflegten Hand durch die Luft und löschte die gehörten Worte aus. „Was haben Sie mir zu danken, bester Freund? Daß ich Ihr Vermögen verwaltet habe? Es verwaltete sich selbst. Daß ich Ihre Briese ans dem Gefängnis gelesen habe? Sie waren mir eine tiefe Freude . . . Ich bewundere Sie. Sie sind der einzige Mensch, vor dem ich eine unbegrenzte Hochachtung habe."
„Ich bin hier," erklärte Behrens, „un: Sie zu bitten, mir einen kurzen Einblick in den Stund meiner Verhältnisse zu geben. Denn idj reise bald wieder fort."
Der Konsul nickte kurz, als verstehe er im vorhinein alles, was der andere ihn: tzu sagen habe. Er nahm ein Blatt Papier vom Schreibtisch und reichte es Behrens. „Ich habe alles vorbereitet," sagte er freundlich „Auf dem Papier steht


