Ausgabe 
19.1.1918
 
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hatte, obgleich sie es, wenn sie ihn genauer betrachtet hätten, an dem Ausdruck sseines Gesichtes hätten erkennen müssen, daß er nicht trauerte, sondern sich freute.^

Er dachte: Du bist tot, und ich mußte leben. Daß du starbst, war das Leichtere. Mein Los war das Schlverere: ich mußte leben. Ich habe mein Schicksal getragen. Da ich gebüßt habe, ist alles in Ordnung . . .

Erst auf dem Rückweg nahm er wahr, daß es Frühling war. Die Bäume träumten jung in den Himmel hinein, der sie liebkoste und beschirmte, als wären sie seine Kinder, die er liebte. Eine warme Feuchtigkeit strebte allenthalben em­por und erfüllte die Lust, die der eitles Treibhauses glich. Ulles wuchs, damit es sterben konnte. Jeder und jedes mußte sich seinen Tod erst verdienen.

(Fortsetzung folgt.)

Wie wir unter GenerMeutmyt Krafft mt Ddmenffitgets der? AmgchuW§marsch von tzermüEadL mochten.

Ein« Mirteradeickerzählung von FÄduNterarzt Rudolf Gört ach, Gießen, Z. im Felde.

Krieg mit Rumänien!" Die Kunde erreichte uns im Argonner-, wald.Hei, das gibt Geoirgskrieg, da gehöre wir hin; na wartet, | ihr Mausfallskrämer, wir tverden euch schon die vechLeu Begrche beibringen!" Mit Freuden ncchmen's unsere tapferen Bayern auf, die stolz das Edelweiß ans Tirol an der Mütze trugen. Und schon begann der Abtransport. Ans lueiter Fahrt ans Frankreich hm-, ans, durch Schwabenland und Bayerri, ganz Oesterreich und Un­garn. giug's hinüber nach Siebenbürgen. Ein paar Tage Ruhe m der Umgegend des Städtchens Mühlbach, das uns gastlich aufmUM Und von seinen Schätzen an schönem Obst, vor allem an sonndurch- glühten Trauben bot und der Anmarsch begann.

Tie siebenbürgische Ebene war hinter Heru:annstadt und Kronstadt von den Oesterreichern geräumt worden, und die Ru­mänen waren über die Pässe ins Land gedrungen, .Kronstadt war von ihnen besetzt, urrd Reiterpatvouillen wäre,: bis Hernrann- ^ stadt vvrgestoß-en. Nur: hieß es den Feind wieder hinansjagen;, j wie.damals die Russen <nrs den Karpathen und Galizien, und wo- l möglich noch weiter. ^ , ,

Ter UmgchungsNmrsch wurde augetreten. Am 22. September 1916, eiuern wunderbar Aaren, sonnigen Herbstnachmittag brach die Truppe auf. We Wägen nick» Gespanne wurden zurückgelassen, nur unsere altbewährten Tragetiere begleiteten uns, hochbepackt und malerisch behängt mit Decken und 5üo>ckMselN, Heubündeln Und was der Führer eines treuen Eseleins im letzten Llügenblrch iiöck) für mitnehmenswert vder unentbehrlich gehalten hatte.

Durch herbstliche Weinberge mit reicher Pracht ging8 bei prächtigem HerbsthimmÄ rmd Sonnenschein bergauf, bergab-, über drei Bergkämme. Nacht wurde es, und endlich zeigten Lrchter e:u Torf Urwegen hieß es, mit gutem deutschen Namen - ruck» wirklich wurde Rast gemacht und Quartier bezogen. Tie Maul­tiere untergestellt und hinein in die Küche des stattlrcheu Hoses. Deutsche Bäuerinnen begrüßten uns nnt deutschen Worten. Wer kennt die Freude eines Kriegers, wein: ihm ü: weltfernen Lander: heimatliche Klänge an's Ohr schlagen? Und wer beschreibt unsere Wonne über die Gastfreundlichkeit, welchje unserer harrte?

' Echtes BanerRfchwarzbrot in riesigen Laiben, Butter, Speck, Milch, Käse, Wein, Trauben, wahre WrmdeMnge nmrden uns reichlich und freudig geboten.Wir sind so froh, daß Ihr Deutschen gekommen seid, wir haben schrecklich gezittert vor dem Feind, wir waren schon ein Stück landeinwärts geflohen, kehrten aber wieder zurück, wir brachten's nicht über uns, Hans und Hof zu der-, lassen; lieber 'geben wir euch alles, als jenen Verräter!" Bon jenen, Niedersachsen waren unsere Wirte, deren Urgroßeltern deremst nach dem fernen Siebenbürgm ansgewandert waren, und rührend an Sitten und Sprache und ihrem evangelischen Glauben ftstgehalten haben durch alle Not des Lebens und uinbrandet von Völkern, fremder Sprachen und mißgünstiger Stim'rmarg. Währlich auch deutsches ioefbentum, still und groß! ,

Auf einer Strohschütte in der Kirche rnck den schonen ge-i schnitzten Tischen und Bänken, bunten Töpfen und Truhen, wie bei uus in der Heimat haben wir uns gebettet.und gehasst, recht lang!: dableiben zu können. ^ ^

Ausstehen! In einer halben Stunde antreten!" stcoch- war's finstere Nacht, kaurr: ein paar Stunden der Ruhe, und schon hatten schöner Traum und Wirklichkeit ein Ende. Durch dunkle Nacht Und rieselnden Regen setzte sich die Truppe wieder in Marsch.

Schier endlose Kolonnen, was uns die anfblitzerrdeu Laternen in weiter Ferne vor rrnd hinter uns verrieten, wälzten sich d:e Gebirgsstraße aufwärts. Kalt sogte der Höhenwind den dicken Nebel Und ausfallenden Regen inls Gesicht, und sachte weichte die ilnisorm durch. Fröstelnd wurde bei Tagesgrauen Rast genrachit. Ter Regen hörte auf, und die schweren Nebelfchwadeu trieben an den Ge-, birgswänden hoch; da lag sie unter uns, die Eilige Sieben», j Kärger Ebene, im fahlen Morgenlicht. -

Rastlos gmg*s weiter d-rrrch ein paar arruselige Gebirgsdörsyr, die wie Schvalbennester an den Höhen klebten. Die liebe Sonne trocknete uns wieder. Die Straße hörte auf, ^Saumpfade slihrten? über lvaldige Höher: und felsige Talgründe. Schon dämmerte es, als ißfä ein Waldtal in 1400 Meter Höhe aufnahm und Biwa-. kieren befohlen wurde. 40 Kilometer Gebirgsmarsch hinter uns, und das sollte eure Woche lang unsere tägliche Marschleistung wer-, den-; ausgesuchte zähe junge Leute, keiner über 30 Jahre alt in guter GebirgDausrüstung, von denen mußte man das verlangen, und sie schirfsten's auch; ohne daß auch nur einer zuriickblieb.-

Ein emsiges Leben begann; Zelte wurden geschlagen, Holz für Lagerfeuer herbeigeschleppt, Wasser in einer entlegenen Schlucht zur Bereitung der -ersten Mahlzeit an diesem Tage geholt.

Wer kennt einen rechtm Urwald und einen wildtosenden Gebirgsbach darin, über jähe Klippen und tausendjährige ge­stürzte Eichen springend, dichte Moos-Polster auf den ragenden Stemblöcken und armlange Flochten neben unentwirrbaren Schling­gewächsen von den mächtigen Stämmen hevabhängiend? Hier staun» tm wir über solche Pracht urwüchsiger Natur!

Weithin flackerten die Lagerfeuer und beleuchteten die malet!» scheu Gruppen von lagernden Mannschaften auf Sattelzeug und Ge» väck, M!gepflockten Maultieren und kleinen Pferden. Darüber eine sisrnAare Nacht. Und kalt wurde es, bitter kalt.

Steif gefroren krochen wir am frühen Morgen ans den Zelten. Warm geklopft, gepackt, gesattelt, schon angetreten einen Schluck heißen Kaffee genommen und weiter zogen die Kolonnen, stuw denweit sichtbar, gleich eürer Schlange an steilen Felswänden klebend, m Wildern verWvindend, tief in Tälern wieder aust tauchend. .Mann hinter Mann, Tragetier hinter Tragetier.

Wieder wurde tagsüber durchanarschiert ein Sonntag war's, still, verinnerlicht durch das Schauen all des Erhabenen dieser Gebirgswelt der transsylvanischen Alpen. Ueber ein großes M-v- ränenselh eines ehemaligen Gletschers mit riesigen Granitblöcken an den Kampf der Götter und Riesen aus der alten Sage erinnert sich unser Gemüt an eigenartigen TanneMvä'ldern vorbei kein geschlossener Wald, einzelne, auf moosig-M .Kuppen gleichjrnäßig ent- wickelte hvchaufgeschpssene Bäume bilden große Harne weiter führt der Weg.

Immer höher hinauf. Der Wald hört auf, nur noch durch struppige, kuorrige ZrrbÄkiefern, schlingt sich der Saumpfad an steil-abfallenden Hängen entlang. Welch präMige Fernsicht! Ge­birgsketten, die Häupter in Schnee, sattgrüne Wälder in der Tiefe, mächtige Urnen an geschützten Hängen, jäh zerklüftetes Gestein. Ke irre menschlichis Behausung mehr weit und breit.

Ter Abend dämmert. Links vom.Pfad öffnet sich plötzlich eine mächtige Schlucht, csteil-e FEErate fallen wohl 2c>0 BvÄer in die Tiefe ab, von wo ein klare.: See gespenstig heraufleuchtef und das dumpfe Tönen all der in ihn abstürzenden Bächleinj rmd Wasserrmnm: gehelnrnisvoll Uno ein großer harmonischer W-ord heransilingt.

Eine kurze Rast und stilles Träumen in diesen erhabenen Aberch und "ein rastloses Außvartsklimmen beginnt. Dunkle Nacht ist's gervorden, man sieht kar:m seinen Vordermann, stolpert über Steine, fällt in stacheligt Wachiolderbüsche, Tiere stürzen und werden mühsam wieder aufgerichtet, andere reißen sich los und kehren im Bogen zur Kolonne zurück wcglaufen tut ja keines aber der Führer sucht sein Tier Fluchen, Rufen, kurze Befehle; keuchend geht nächüicherwelle der Aufstieg ein paar Stunden weiter.

Endlich Biwak in einen: Wacholdergestrüpp. 2200 Meter. Höhe sind erreicht. In Zeltbahn.» Decke gewickelt, möglichst dicht Es Feuer zusamme-ugedrücht, werden ein. paar Stunden ver­bracht.

Ein Becher Kaffee und 8 Mann ein Kommißbrot, weiter geht's mit gut 60 Pfund Gebirgsgepäck auf dem Mcken. Um die Mittagszeit gibt's bei einer Sagemühle in einer Waldschl'vchlt wir haben wieder an Höhe ver^ren eine längere Rast. EiM TragetierpmviMrtkolonne, die uns rastlos nachimarschiert ist, bringt uns Brot. Wißt Ihr denn zu Haufe, wie viel ein trocknes Stück Brot wert ist, und wie gut das schmeckt? Tie Kolonne verläßt uns leer, macht denselben Weg zurück rrnd nochmals, zu mrs!; es ist der einzige Weg, der Truppe etwas nachzufchicken.

Unsere Sanitätskompaguie wird aufgeteilt,^ mit 2^Aerzten, 40 Krankentxägern und 15 Tragetieren werde ich als Scmitäts-. Unteroffizier einen: Jägarbataillon zngeteilr. Mit ihm setzen, wir

schon geböte::.

Fröstelnd ziehen wir durch den Morgenreif werter. Bald eröffnet sich von den Höhen ein herrlicher Fernblick aus d:e welle siebenbürgische Ebene, Hernmnnstadt und viele andere Orte werden sichtbar und Schrapnellwölkchen an den ersten Höhenzügen. Em allgemeines Aufmerken geht durch die Truppe trotz Ermiidung und Hunger.Schau, der Angriff von der Ebene her durch die Armee FaKenhayu. beginnt, nnd- wir haben, uns glücklich in den Rücken der Rumänen durch unsere ziihe MarWvrstung. geschLM Nun konrmt nur, ihr Kaputz-eumänner!"

IN stellen Abstiegen verlieren wir sehr au Höhe. Trere gleitM