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ar? hak sie sehen konnten, als ob dieses simple Aus-
und Wgehen erne Mt Genuß wäre oder doch mnlangeM
Veranüaen, — ein SJlctTtrt, der alle::, die ihn W / sofort aussiel,' mcht durch äußere Merkmale, dre Mem rn dw Anaer: svriuaen mußten, im Gegenteil eoen dadurch, daß ~ fetee Person so diskret in den Rahmen des GanMr Wat« qleichsrmi tn diesen Rahmen sHiichtern hlnernscylupst«, W bch°Wt jemand «ömnte dies f°ß°n oder «ar ünet v«.
Wl & # konnte Metern Mann ein Wer »»« etwa sechM fahren neben, denn fein Rücker: war leicht ß^krummt, fern Haare schimmerten in einM schmutziger:
Lsondeve sein Antlitz, ru dem zwar Kare, heitE Augeu vef nach innen lagen, war von -emer Unzahl von Rnnzeln dnrü ^ ackert schmal und blaß und durchsichtig, wie man es zuweilen bei alten Leuten findet, die soeben von einem langen
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und nun dem Zug, der eben emsichr, entgegerchrangte.
Als der Zug sich fünf Minuten spater, wieder rn Be- weaung setzte, hatte der Alte seinen Platz :n ernem Wagen dritter Klasse eingenommen, einem KleinMdr.er gegenüber, der gleichfalls nach Hamburg fuhr, und zwar um G:.:kau,e
m Gefängnis!" sagte erklärend dieser Mann, als der
Zug an einern großen kasernenartigen Gebäude vorMer- fnhr, und er sagte es,, teils weil er in oem Alten einen Fremden vermutete, teils wert das. immerhin ern war, an dem sich ein Gespräch cmknüpsen ließ.
Der Alte nickte nur und sagte freundlich: „Ja, das Ge-
Daraus ersah der Kleinstädter, daß der andere keineswegs einer von jene:: Finsterlingen war, dre eu: aoups- aespräch grundsätzlich durch ein dumpfes Knurren ao.ehnen, und er zögerte deshalb nicht länger und __ stellte sich vor. „Mein Name ist Granich. Ich fahre geschästehalber nacy
^^Äer nickte der Me. „Ich heiße Bohrens " sagte er in einen: Ton, der zeigte, daß es ihm erne Last war, z rede::, „und ich reise auch nach Hamburg, aber nur zu
meinem Vergnügen." _ .. .. .
Granich seufzte. „Ach ja, Vergnügen! Me Zeiten sirw
schwer..."
Woaremi, wn**».« *, hon feilten
Verhältnissen gn reden, und obgleich diese gicher mcht rnrer- essant, ja recht alltäglich und banal wäre::, horte ihm Behrens mit sichtlicher Aufmerksamkeit zu, nur emer Aufmerksamkeit, an der sich der' andere wärmte, :u solche::: Maße, daß es dahin kam, daß Behrens nach! und nach uoer das Wohl und Wehe der gepennten Famnre Granich, nevst Anhang erschöpfend ansgeklärt war.
Aber Granich war nicht unhöflich und auch kein Egoist, der nur an sich dachte, sondern er fragte: „Sie sind sicher
Ja, ich war lange in der Fremde," bejahte Behrens.
„Die sind recht alt? Wohl an die sechzig?"
„Dreiuudfiinfzig," sagte Behrens.
Granich war zwar höflich«, aber kein Mplomat. Er sagte: „Donnerwetter, da haben Die sich nicht gut gehalten, M ich hätte Die mindestens zehn Jahre älter geschätzt.
Behrens lächelte: „Nein, ich habe mich? nicht gut ge-
war esivas Eigenes mn dieses^ Lächeln, Granich jedenfalls hatte :roch nie jemanden so lächeln sehen : Der tut niemanden: etwas zuleide, dachte er.
„Bitte, wollen Sie nicht noch etwas erzählen r fragte
Behrens
Oh ja, der Mann namens Granich wollte. Er behielt Stunden das Wort und er behielt es gern.
Behrens tat es wohl, eine menschliche Stimme zu hören. Auch daß er so viele Gesichlter sah-, das und jenes und ein drittes und noch viele andere und daß em jedes dieser Gesichter seine bescheidene Eigenart hatte, tat ihm wohl. Er hatte jahrelang keine solche Gesichter mehr gesehen. g>etzt war es ihn: eine stille Freude, sic zu betrachiten.
Ueberhaupt war das Leben voll stiller Freuden, dachte er, nur mußte man alt genug werden, um sie zu sindcn.-
Er war alt. Er hakte sich hundert, zweihundert Fahre steben können, ja, ihm rvar, als habe er viele, viele Generationen überlebt und cllW wüßte -er alles, was man je vor ihm «gedacht oder gefühlt, gehofft oder verwünscht hatte. So alt war er. Und das Ergebnis all dieses großen Atters war nur dieses: sein Lächjeln...
„Eigentlich," sagte Granich und spreizte sich ein w«nrg, „sehen Sie nicht danach aus, als ob Sie schon viel rn der Welt herumgekommen:oären... Kennen Sie Hamberg r
Oh ja."
Missen Sie, solche Leute wie Sie sieht man dort wer:ig. Sie haben nicyt die,... die Ellenbogen, die dort Mode sind. Nehmen Sie sich in acht!"
„Ich fürchte mich nicht," sagte Behrens. _
„Oh, das hat schon mancher gesagt, und man har doch schon manchen dort nmgebrach?t!" erklärte Granich imbl nahm dies znm Anlaß, v«on Sankt Pauli zu erzählen, ganz so, als ob« et dort daheim wäre und jeden Winkel dort kenne, wie daher::: die vier Ecken seines Hauses.
„Umgebracht..." wiederholte Behrens für sin) und versank in ein Grübeln. ., _ c ,
Aller:: er fuhr sich gleich darauf über die Strrr: und lächelte schon wieder, denn das wäre:: Dinge, ^ denen er genug nachgegrüb-elt hatte und über die er mit srch :m klaren war.
Und er stellte
‘—« derm was konnten ......-~ .
er nicht schon besser kannte? —, sondern nur um seine eigens Stimme zu hören, von der er nicht wußte, ob s:e noch die der anderen Menschen war.
Wer er schwieg doch' ebenso schnell wieder, denn es dünkte ihn, daß das Reden nicht n:ehr seine Sache ser. Einer, der, wie er, so lange geschwiegen hatte, lernte das Schweigen lieben nNd erkannte, daß es die tiefste Art des Menschen war, sich äuszudrücken, ein Gottesdienst, der von so strenger und nnbeugsaurer Schönheit war, daß es nichts gab, was man mit ihm vergleiche:: konnte.
Schweigen, hören und wieder schweigen und verzeihen, dachte er, das ist es, wohin man gelangt, wenn man bis zun: Letzten und Rätselvollsten in der Seele des Menschen vordringt. Schweigen war nicht Stolz, Schw«eigen war Güte. Und gut sein war alles. ^ „ ,
Die ersten Häuser von Hamburg tauchten ans, und Behrens sah sie mir einer Wehmut, ans deren Grmü> eine herbe Süße war.
„Dieses ist die Alfter," erklärte Granich, „die Außenalster !"
„Ja, die Alster..sagte Behrens.
„Wo steigen Sie aus?"
„Aus dem Hauptbahnhof."
Granich schüttelte ihm die Hand, wie einem Kinde, um das man besorgt ist. „Adjns," verabschiedete er sich, „und vergessen Sie nicht, was ich Ihnen gesagt habe: Auspassen! Scharf anspassen!"
Der Zug fuhr in den Hauptbahnhof ein, und Behrens befand sich mit einemmal in einen: Gewühl von Menschen, das ihn mrruhig machte:
Nur fort, dachte er, ich weiß ja sein Grab...
Jh-rn war, als entweihe die summende Menschenmenge die Ruhe seiner Gedanken; er wankte auf eine Antodvoschke zu und sagte zu dem Chauffeur mit bettelnder Stimme: „Fahren Sie mich nach dem Ohlsdorser Friedhof."
Der betrachtete ihn mißtrauisch und zögerte: „Das kst sehr weit..."
Behrens drückte ihm ein Goldstück in die Hand. „Fahren Sie nur, ... fahren Sie nur ..
Er sah nichts von den Häuser:: und den Menschen, an denei: er vorübersurrte. Er saß in gebeugter Haltung im Wagen und starrte aus den Boden. Als ob es gar nichts Wirkliches wäre, was ich da erlebte, dachte er. Zwölf Jahre schon ist er tot. Und zwölf Jahre habe ich gebraucht, um znm Leben zu komme::, zum wahrhaftigen Leben.
Und dann ging er die wundervollen, breiten Wege des Friedhofs, der ein einziger großer Park war, die rechte Statte für die, die ruhten. Aber er sah an all dieser Sch-önheU vorbei, sie umwehte ihn nur wie ein Traum, schattenhaft, unwirmch und stumm, bis er an den: Grab stauch an das man ihn gewiesen hatte.
Er stand eine lange Zeit dort, Leute, die vorübergmgen, mochten ihn wohl für einen Halten, der unermeßliche Trauer


