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ist, machen meine Leute, vor allem mein tüchtiger Direltor. Das letztere sagte er nicht ohne Hohn, denn ev war chm cntt Genugtuung, daß er amh diesem Mann gezeigt .-atte,
Daö Benehmen des Direktors ihm gegenüber hatte m völlig gewandelt, dieser verhehlte die Bewunderung nnhr, die er seinem Chef zollte. Er war nicht mehr reserviert, fordern amtz seine Höflichkeit hatte beit Zwang erhalten, bte Lucie an den Angestellten Reisners vor Jahr und ^ag au.- gefallen war, nur daß dieser Zwang hier nicht von außen, sondern von innen kam, denn es war Etwas in der Persönlichkeit Reisners, das es liebte, sich gegen Widerstande durchs iitkädt ,
„Ein Raubtier!" sagte, wie es auch'Frau von -/arisch einst getan hatte, ein Freund des Direktors einmal zu
diesem. . . „ f .
„Aber eines, das voll Natur kems war, versetzte der Direktor, „das es erst durch die Umstände geworden ist und dt?s seinen Ehrgeiz darein setzt, es zu sein."
„Durch die Umstände!" lachte der anoere. „Natürlich durch das Gefängnis..." „ .
Die Strafe, die Reisner verbüßt hatte, war langst bekannt geworden, aber gerade das hatte ihui lucht geschadet, im Gegenteil genützt. Man glaubte nun zu wissen, woran man mit ihnr war, und beruhigte sich, damit, Redner sem Etikett aufzupappen, ohne welches nun kein Mensch aus der Welt der Gesellschaft gegenüber denkbar zu sein scheint. Und da Reisner, ebenso wie seine Frau, deren Prozeß gleichfalls bekannt geworden war, sich der Gesellschaft nicht ausdrangte, sie vielmehr mied, waren Reibungen ausgeschlossen und die Akten über seinen Fall geschlossen und vergessen.
„Ich habe nur die Wahl," sagte Reisner einmal zu seiner Frau, „von den Menschen verachtet oder gefürchtet zu werden. Ich ziehe das letztere vor."
..Mas tust du nur," versetzte sie, „weil du selbst die Menscheil entweder verachtest oder fürchtest."
„Was würdest du an meiner Steile tun?"
„Mein Fall zwingt mir selbst einen Standpunkt auf. Er ist der: .mir sind die Menschen gleichgültig geworden."
„Aber es gibt auch gute Menschen," wandte er ein, „wie soll man sich ihnen gegenüber verhalten?"
„Ich weiß nicht," anttvortete sie, „ich habe Menschen, die nur gut, das heißt: selbstlos waren, noch nie kenneil gelernt, — und ick) faim sagen, daß mir viele 'Meirscheil bekannt geworden sind!" „ „ . . . t ,
In jener Zeit pochte, zuerst zögernd, danii immer heftiger, in Reisners Blut wieder jener bnnfte Trieb, der ihn zum Weibe hin drängte. . „ . _ , .
Sonderbar war, daß er dabei ]cme Frau nach wie vor liebte, ja, aribetete.
Verstohlen und ohne es sich ansaiigs emzugestehen- gedachte er der vorjährigen Zeit in Südtirol, erinnerte sich Klaras und Doras und all der anderen. Sein Herz sprach nicht mit, das war klar, es war nur, als ob es iiach leidenschaftlichem Begehren, nach Kampf und Sieg ausruhen »volle.
Dock) sein Blut wurde heiß und verlangend und machte dm Schlaf in bcu warmen Nächten unruhig und schlvül.
Immer häufiger und immer interessierter betrachtete er aus den Straßen die Frauen. Seine Augen wanderteu von einer zur anderen, sie schätzten sie ab, suchten ihre Geheiuw nisse zu erspähen, und seine Gedanken itnb Vorstellungen trieben mit ihnen ein Spiel, das voll leichter Zärtlichkeit und beherrder Leidenschaftlichkeit war. ^ ,
Er schob es auf seine Nerven uub dachte: Es ist Zeit, daß ich ausspanne! ,
Allein es kam wieder unb wieder, verließ ihn nicht, hielt ihn fest und verwirrte in solchem Grade feinen Willen, daß er wütend wurde und sich, um der Sache, die lächerlich war, zu beenden, zu Handlungen entschloß, die, wie er dachte, ihm dartun inußten, welch jämmerlichen Nichtigkeiten er da nachjagte.
Er knüpfte ein Verhältnis an und löste es zwar wieder ebmso schnell, als er es begonnen hatte, wandte sich aber doch einem zweiten zu, dem gern ein drittes folgte.
.Bin ich ein Narr? fragte er sich und war sehr erstaunt Wer sich, wie über eine Entdeckung, die ihm zuvor unmöglich erschiene): war. ., .
Er riß sich gewaltsam los und tvandte sich mit doppelter Zärtlichkeit wieder seiner Frau zu, die ihm indessen --fei ek, daß sie feilte Wandlung ahnte, sei es, daß das Kind ihre
ganze Liebe in Anspruch! nahm — kühler begegnete, als sie es je getan hatte.
„Liebst du mich nicht mehr?" fragte er. verzweifelt.
„Doch," lächelte sie, „warum sollte ich dich nicht mehr lieben'?" .
„Ich finde, daß bu kalt bist!" sagte er sehr scharf, bereute freilich sofort feinen Ton und bat sie um Verzeihung, der Treulosigkeiten eingedenk, die er sich ihr gegenüber hatte zuschulden kommen lassen. , ......
Er verbannte jetzt ernstlich diese Nich 1igierten ans ferner Phantasie, die überhitzt w«;r, weil sie allzu lange hatte hungern müssen, und beschloß, seine geplante Reise ins Riesengebirge jetzt endlich zu verwirklichen.
In irgendeinem stillen Waldwinkel dort wollte er ausruhen. Schon lange war er geistigen Dingen fremd ge- worden. Er wollte sich Lektüre milnehmen, gute Bücher, me seiner Phantasie gesunde Nahrung und feilten Nerven Ruhe geben rvürdeu.
.Doch da traf er eines Tages unter den Linden Frau von Mansch, die, als er sie grüßte, ans ihn zukam. ihm dre Hände entgegenstreckte und ihn in einer Weise ansah, dre ihm verraten sollte, daß sie ihm verziehen hatte und daß es sie nach wie Vor zu ihm hiinog.
Er war zunächst unwirsch und fast unhöflich zu ihr, widerstand aber schließlich ooch nicht den) Charme, mit dem! sie seine geflissentliche Kälte übersah. , .
„Sind Sre so sehr Ehemann und Vater, daß Sie kerne schöne Frau mehr anzublickeu wagen?" ries sie lachend ans.
Seine schnell wiedererwachte Sinnlichkeit streifte sie und entzündete sich im Nu an ihr, zu einen) Gtrohfeuer, das er lustig aufprasseln ließ, da es ihm doch so leicht >var, es sofort wieder zu löschen. .... „
x Blitzartig aber überfiel ihn zugleich eiu Gedanke, eme Idee, nrit der zu spielen ihn in diesem Augenblick ungemern reizte. „Haben Sie noch die Papiere, die ich Ihnen verkauft habe?" fragte er sie. . . , , r „
,,Es waren hunderttausend Mark, dre ich verloren habe," anttvortete sie spöttisch, „ich habe sie so leicht nicht vergessen, trotz der Millionen, über die Sie vor Jahr und Tag so trefflich unterrichtet Ware))//
„Haben Sie sie noch?!'
„Ich habe sie noch, ba kein Zweiter mehr so verliebt tvar, sie zu kaufen." . . ,
„Sie glauben natürlich, daß ich Sw damals betrogen habe?" fragte er. > ^^
Sie neigte belustigt der) Kopf zur Sette. „Ich denke mir, daß es nur Ihren) Wunsch entspricht, itsenn ich das glaube!"
„Sie täuschen sich," sagte er ernst. „Ich gebe zu, daß jene Papiere nahezu wertlos waren, als ich sie kaufte, — aber Sie dürfen es n)ir glauben, daß ihr Wert wieder steigen wird und daß Sie ))vch aus Ihre Rechnung kommen werden."
„Sie spaßer) doch," meinte sie betroffen. „Jene Gesellschaft, von der Sie reoen, ist bankerott."
Er lächelte. „Meine Mission ist es, bankerotter) Gesellschaften neues Leben einzuhauchen... Wie, rvern) ich es auch bei dieser versuchte? Trauen Sie mit* einen Erfolg nicht zu?"
Sie zollte ihm mit einer weichen Handbewegung ihre Bewunderung. „Man spricht viel von Ihnen, nur ich hatte mit Ihnen kein Glück."
„Sie werden es noch haben, haben Sie Geduld! Und hehalter) Sie die Papiere!"
„Sollten Sie wirklich — ?"
Er nickte, unb die Idee nahm in ihn) immer festere Formen an. „Ja. Mein Mort darauf. Und ich werde Sie diesmal ))icht täuschen." _ .
Damit nahm ihr Gespräch eine andere Wendung, jene, die sie wünschte ))nd auf die er bereitwillig einging.
„Sie sind hübscher als je," schmeichelte er ihr. „Erlauben Sie mir, daß ich es Ihne)) sage?"
„Ich bin erstaunt, daß Sie es tun!"
Er suchte ihre Hand, drückte sie lässig und ließ sie Meder fahren. „Wolle)) wir uns wieder einmal sprechen?" fragte er.
„Wo?" fragte sie verblüfft.
„Nicht bei mir," sagte er lachend, „dafür ber Ihnen
Sie erschrak imd errötete vor Freude. „Einversta))den! ging sie auf seinen Ton ein. „Wann?"
„Morgen," sagte er schnell, „morgen gege)r sechs. Werden Sie mick) erwarten?"
„Ja," versprach sie und überließ ihn) neuerdings ihre Land, die er küßte.
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