Die Rächer.

Roman von Verwarnt Wagne«,

(Fortsetzung.)

Die Mutter ruhte erschöpft auf ihrem Lager, aber ihre Warmen glühten, rmd eine ruhige Freude verklärte rhr jlSesicht.

Reisner beugte fick über sie und küßte sie auf die Stirn, die feucht vom Schwelst war.

Die Hebammr bemühte sich um das Kind.

Erst jetzt wandte sich Reisner auch diesem frii. Es lag in den Betten wie verloren, ein Nichts, das schon wieder schlief, kaurn daß es den Dag gesehen hatte. Es hatte die dunkel gelbe Farbe eines Chinesen, und fein Haar !var wie unend­lich zarte Seide.

Reisner frchr über das Gesicht des Kindes hin und er­schrak vor dein Seidigen und Weichen, das er fühlte. Ein armes Tierchen, dachte er. Und er steckte den Kopf in die Betten und versuchte, das Geschöpfchen zu küssen. Aber die Hebamme sagte mißbilligend:Nicht wecken!"

Da trat er wieder zuDeiner Frau uud setzte sich auf den Rand ihres Bettes. Er nahm ihre Hand, die fast durchsichtig war.War es sehr schlimm?" fragte er zärtlich.

Ich weiß nicht... es war wie ein Traum..."

Du bist erschöpft, du mußt schlafen!"

Ja, schlafen..." und sie schloß schon die Ltugen, lväh- rend er auf den Fußspitzen zurücktrat und lautlos die Tür hrnter sich zufallen ließ.

Sie nährte ihr Töchterchen selbst, und soviel Schönes lag in dieser Handlung, daß Reisner erschauerte.

Das Kind schlief, ttank und schlief tvieder. Manchnral schlug es in dem Bettchen die Augen auf, die schönen Augen feiner Mutter, und sein Blick schien verwundert zu suchen, was es nicht fand. Zuweilen schrie es auch, mit einer kräf­tigen Stimme, die krähte, anhaltend und eigensinnig, so daß die Hebamme lachte und sagte:Ja, die Lunge, die ist gut!"

Reisner sah das Kind in der Wanne, wenn es gebadet wurde, er sah es im Steckkissen liegen, sah, kaum daß es er­wacht war, sein unablässig suchendes Sich-wenden des Köpf­chens und die triebhaften Saugbewegungen des kleinen Mundes, der immer bereit war, Nahrung zu fordern.

Bist du glücklich?" fragte er seine Frau.

Ich bin anders," antwortete sie,ich glaube wohl, daß es das Glück ist..

Lucie durfte das Bett verlassen Nnd hatte bei den ersten Dritten eine sonderbare Empfindung. Sre war einer Bürde Arg, die süß gewesen war, und sie nahm nun eine neue wurde aus sich, die noch süßer war, weil sie Leben hatte, ihr eigenes Leben, dessen Bewußtsein sich in ihr unendlich tzestemert hatte.

Sie trug das Kind und sang leise Sieder dabei, sie be­

trachte tees in sich versunken, wenn es schlief, und ertrug die Unruhe ihrer Nächte mit geduldiger Freude.

Nie hätte ich das gedacht," sagte ihr Mann zu ihr. Immer sah ich dich als reife Frau, aber nie hätte ich eine Mutter in dir vermutet f"

Ich bin es," entgegnete sie stolz,ich bin nur Mutter."

Und ich? Bist du nicht mehr auch meine Geliebtes

Ich bin die Mutter deines Ändes..." Und sie blickte zur Seite, währerid sie das sagte.

Nachdem einige Wochen vorüber ivaren, verlor sich allmählich das Neuartige des Eriegnisses und der Alltag kehrte wieder in das .Haus zurück. Der Hausstand war um ein Kindermädchen erhöht worden. Reisner war wieder ben vollen Tag über in der Fabrik, um abends todmüde und

Das Kind wurde ihm zu einem gelegentlichen Spielzeug. Er kitzelte es gern am Kinn, und es machte ihm großen Spaß, nienn er hörte, wie es krähte.Es lacht schont rief er aus, um sich daraus sogleich wieder anderen Dingen zu- zuwenden.

Das Kirtd erhielt bei der Taufe den NamenÖiicie", Reisner hatte darauf bestanden. Es gab auch diesmal keine Feier, außer bei den Dienstboten, die Geschenke erhalte« hatten.

Du," rief Reisner eines Tages aus,wo bleibt unsere Reise?"

Ja, wo bleibt unsere Reise..sagte guch Lueie, aber während in seiner Sttmme bei allem Scherz ein gewisser Mißmut durchdrang, empfand sie selbst eine große Zu­friedenheit darüber, daß sie nicht reisen mußte.

Du selbst mußt fort," sagte sie ehrlich zu ihm,du brauchst sehr nötig einige Wochen Erholung."

Wo denkst du hin!" widersprach er ihr empört.

Allein es kam doch dahin, daß er sich die Sache über­legte ltub schließlich geneigt war, eine Reise zu machen!. Eine ganz kleine Reise, etwa ins Riesengebrrge."

Er hatte sich diese Reise verdient, denn das, was er in seiner Fabrik geleistet hatte, ging hart bis an die Grenze dessen, hinter der dann ein jeder Mensch versagt.

Trotz der ungeheuren Ausgaben, die besonders zu An­fang hatten gemacht werden müssen und die viele Hundert­tausende betrugen, mußte das laufende Geschäftsjahr schon, wie ans den Büchern zu ersehen war, mit einem anfehn- lichen Gewinn abschließen.

Selbst Leute, die Reisner feind waren, und alle waren ihm feind, bewunderten die Zähigkeit, mit der er sich durchgesetzt hatte. Sein Betrieb war nahe daran, sich in die Reihe der erstell der Branche zu stellen. Was das hieß, konnte nur der ermessen, der die Schwierigkeiten kannte, die sich jedem, der Neuling war auf diesem Gebiete, entgegen­stellten. Von mcnrcher Seite war ihm ein Fehlschlager prophezeit worden. Jetzt glarrbte ein jeder an den Erfolg.

Ich kann mich jetzt entlasten," sagte Reisner ohne jede Ueberhebrrng,der Karren läuft allein. Das, was zu machen