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Me sah ihm bestürzt itod). Er war in eine Vorübeck Mrende Droschke gesprungen und winkte ihr noch aus der 8erne zu.
Er ist ein Räuber, dachte sie, aber er ist doch entzückend! Und sie beschloß, sogleich einen Besuch abzudepeschieren, der sich für den nächsten Tag bei ihr angesagt hatte. —
Dem Besuch, den er ihr am nächsten Tag inachte, folgte ein zweiter und dem zweiten folgte ein dritter, und doch war es nicht mehr die Lust am Getändel, die ihn zu ihr hinrrreb, sondern ihr Geld war es, ihr Millionen vermögen, das m Irgendwelchen todsicheren Papieren bei irgendeiner Bank angelegt war intb das doch, von dem besckieidenen Prozentsatz an Zinseil abgesehen, nicht das brachte, ivas es bringen konnte.
Er hatte es bald heraus, daß er sie fest in seiner Hand hielt, und ■ eit zögerte nicht länger, ihr von dem zu reden, was ihm im Kopf spukte. .. . •
Es war ein Unternehmen, das such in iirchts von dem unterschied, die er bisher mit bestem Erfolg durchgeführt hatte, nur das; es seinem Umfang nach größer war, wie auch zu seiner Durchführung Kapitalien gehörten, die er zurzeit bei sich nicht flüssig machen konnte, weil er in seiner Fabrik, die ständig wuchs, allzusehr in Anspruch genommen war.
Es handelte sich um die Gesellschaft, von deren Aktien Frau von Marisch einen Teil in ihrem Besitz hatte, Die zur Zeit freilich bankerott war, deren Patente — sie verwertete ein neues Verfahren, Metallfädenlampen herzustellen aber gerade deshalb für eineil Pappenstiel zu haben waren.
Reisner hatte sich. im Handumdrehen die nötigen Unterlagen und Belege verschafft und die Lage und die etwaigen Z uk un ft s >nö glichkeiteil der Gesellschaft genau studiert. Die Sache war, wie er n re inte, gut, und sie hatte sich nur deshalb nicht durchsetzen können, weil sie, die im großen Stil begonnen worden war, doch mit zu geringen Mitteln unter- nommeii war, so daß man schließlich auf halbem Wege hatte stehen bleiben müssen.
M-isner sprach überzeugend, weil er an die wemttat mrd an -eilt Prosperieren des Unternehmens glaubte. Er gewann auch Frau von Marisch für die Sache, deren scheinbares Sichstränben nur ein Spiel war, das ihn nicht Mischte. . „ ..
„Warum gehen Sie nicht Ihre Frau nrn das Geld an, das Sie brauchen?" fragte sie. „Ihre Frau ist reich."
„Weil ich mit meiner Frau grundsätzlich nicht in Geschäfte verwickelt werden möchte," antwortete er der Wahrheit gemäß. „Es ist eine Marotte von mir, sonst nichts."
„Und Ihr Glaube, daß Ihnen die Frauen bei Geschäften Unglück bringen müsse,!, — >vo bleibt der?"
„Das ist vorbei," sagte er ernst. „Die eine Frau, die ich gewonnen habe, hat mich mit allen anderen versöhnt, an dt« ich. nun glaube."
„Es ist bitter, ivas Sie mir da sagen, und recht wenig galant..." ....
„Aber es ist die Wahrheit, und ich will Sie nicht belügen." (Fortsetzung folgt.)
Erwin von Aeinbach.
Zum 6M. Todestag des Meisters der Straßburger Tom bau Hütte am 17. Januar.
Von Tr. Fritz Hveber (im Felde).
Seit dm großartigen Worten des jungen Goethe von 1772,
Straßburger Studenten, von Pckkstnn! und VolksgenM, des Sturm- und Trangdichters, des vaterländischen L-chan,piels vom „RtM. Gottfried von Berlichingen mit der eisernen Hand", lebt der sagenumwobene Name Erwins von Steinbach als leuchtendest Wahrzeichen alter deutsch>er Baukunst! iir unser aller persönlichster Grrnnerinrg. Ten Mannen Evrvins von Steinbach ist dieser ran- kchelwo Lobgesang Jung-Goethes geweiht, das begeisterte Bekennt- NW M dem Geftihlsüberschwang eines romantisch erlebten, natto-, müen Mittelalters, zugleich aber auch der kraftvolle Protest gegen die Mode des französischen Klassizismus jener Tage: „Was brwucht's dir Denkmal! diu hast dir das herrlichste errichtet; und kümmert die Ameisen, die drum krabbeln, dein Name nichts, hast Kr Deiches Schicksal mit denk Baumeister, der Berge austürmte
in me Wolken." ® .. . >. • m.
In solchen prometheischen Bildern redet der Mige Goethe femen „heiligen Erwin" an. Wenigen ivard es gegeben, einen, «vbclgWanken in der Seele zu .zeugen, ganz, groß und bis in den kleinsten Dell notwendig schön, wie Bäume Gottes; wenigen, auf tausend betende Hchche zu treffen, Felsengrrwd zu graben, fteS« Höhen drauf zu' zaubern und dann sterbend ihren Söhnen -- ; „Ich bleibe bei euch, in den Wecken meines Geistes,
das RegvmvenL m di« M-Mi." Und mm das Werk, das
Straßburger Münster selbst, im Spiegel dieser glühenden Siffig*
heilen bestand, ich wohl schmecken und genießen, keinestvegs aber erkeiMeil und erklären konnte. Sie sagen, daß es also mit den Freit!« den des Himmels sei, und wie oft bin ich zurückgekehrt,. diese hünm-, lisch-irdische Freude zu genießen, den Riesengerst unserer älteren Brüder in ihren Werren zu umfassen! Wie oft bin ich zu rückgekehrt, von allen Seiten, aus allen Entsernnngen. in jedem Lichte des' Tags, zu schauen seine Würde und.Herrlichkeit!" —
Wie dem Sturm mtb Drang, so galt auch der aus ihm her-, vorgegangenen PoMde der Romantik Meister Erwin von Stein back als die wahre Personifikation altdeutscher Baukunst^ So lebt er in der Gedankentvelt Wäckenroders pnd E. T. A. Hoss'.nanns weiter, in diesem Sinne ist das Bild des liebenswerten Malers Moritz von Schwind entworfen, das ims den jungen Erwin im Traume durch die vollendet«..! Gewölbeschifse des Straßburger Münsters schwebend zeigt, von einem Engel Gottes geleitet. ^—. Wie bei den Geschichten Homers, so war es auch bei diesen ersten Studien vaterländischer Bangeschichte für alle Forscher selbstverständliche Voraussetzung, daß diese Werte künstlerisch: Einheiten seien, daß sie — zum mindesten — auf einem einheitlich voraus-, bedachten Plan beruhten. Ken noch an spätromanische Formen anklingenden Osttsil des Straßburger Münsters, Chornische und Querschiff, das im Verhältnis zur Fassade noch srühzotijche Langhaus, die Fassade in ihren auf verschiedene! Meister sich verteilenden Einzelpartieen selbst, der durchaus spätgotisch: hohe Turm nut seiner barocke bereicherten Helmspitze — alles das fassen der junge Goethe und jene dichterischen Mmantiker als planvoll erdacht« imd wlgerichiig gestaltet« Werkeinheit auf. die sie mit der mpthen* umwvbenen Persönlichkeit Erwin von Steinbachs in schöpferisch« Beziehung bringen.
Indern mm die Kunstgeschichte geleimt hat, Stile zu unter-, scheiden und aus ihnen di« verschiedenen Zeiträume eines so gewaltigen Bauwerkes, wie es das Straßburger Münster darstellt, abzugrenzen, verliert die Persönlichkeit Erwin von stembachs ;e länger je nrehr an historischem Nnifang und an wmantichMN Zauber: ans dem halbmMfchen Urmeister altdeutscher Baukunst wird ein biederer, tüchtiger Steinmetz, wie noch viele andere am Werk des Straßburger Münsters tätig gewesen waren. — Das, was wir von Erwin bestimmt wissen, ist sein durch den Grabstein überlieferter Todestag : Anno domini 1318. XVL Kal. Febr. vbiit Magister Ervftms, Gubernator Fabricae Ecelesiae ArgentinenW. Sein Beinanre „von Steinbach" ist bereits nur sagenhaft, ebenso seine Tochter Sabine, die dem Vater als Geselle am Bauwerk gcbvlsen haben soll, und die dem Besucher der crzählungslustige Sakrifttm gern in einer Franengestalt der Münsterplastik noch zeigen möchte. Ja, die Stelle einer Urkunde von 1284, in der Erwin bereits als Münsterbamrieister genannt wird, ist als eine nachträgliche Verbesserung erkannt worden. — Von dein ganzen Münsterbau.-- werk konunt Erwin nur ein Bruchteil der allerdings großartigen Westfassade zu, das Untergesckjvß mit den drei von Wimpergen gekrönten Fassade und der berühmten Rose des mittleren Ober- geschosses. Ebenso sind die Dekoration der tvestilichm Innenwand und di«, die Turmgeschosse tragenden Freipfeiler des Innern auf ihn zurückzusühren. Und diese Arbeiten erscheinen weder tit de« Ausführung noch gar im Entwurf als sein unbeschränktes künsk lerisches Eigentum. — Von der ursprünglichen Innenausstattung stammt von Ertvin eine 1316 ansgesührte Tribüne für^fürAuhe Besucher, deren Untergeschoß eine Marienkapelle barg. Sie schloß sich an den bereits am Ende des 13. Jahrhunderts errichteten Lettner an. Wenige Reste von ihr birgt die Tvmbanhütte des Frauen- Hauses. Unter Erwins starkem Ernstuß und der Mitarbeit serncs glerchnaniigen Sohnes wurde die gotische Stiftskirche ikneder- haslach, im Unterelsässischen Kreis Molsheim, int ersten drittel des 14. Jahrhunderts errichtet.
Wenn die Straßburger Münsterbauhütte im Lauf des 14. Jahrhunderts in künstlerischer Hinsicht für viele Kirchenneubauten Süddeutschlands ernflnß- und maßgebend erscheint, s», liegt das also nicht an der überragenden geistigen Persönlichkeit Meplw Erwins, als vielmehr an zwei andern, allgemein wrchngen Faktoren: einmal an der Art des mittelalterlichen Baubetriebes, der feine Baurisse von Werkplatz zu Werkplatz auslich, und sodann daran, daß hier in Straßbnrg zuerst jener Stil in voll-, endeter Ausprägung erschien, der das künstlerische^ und geistig« Bedürfnis seiner Zeit darstellt: die französische Hochzotrt.
von Hans Kunze (Sonderschnft 1911) und ein Aussatz des Tvmbau- meisters Johannes Knanth im „Münsterblatt" genannt semr, ihren?! zeitlichen Hintereinander entsprechend Mit den Bnaistaben A, B mid C gekennzeichnet. — Ter Riß .B ivar int ganzen das Vorbild des Erwin'schen Fassadenteils: irr Komposition tute Em- zelheit setzt er die Kenntnis der 'klassischen französischen Kirchen-, safsäden zmische.n 1250 und 1270 voraus. Individuelle Bezrehnn-» gen verrat er vor allem zu den Fassaden wn st. Nmuse in Reims und des OureftchiM von Notre-Danw in Paris. Dre.eur E.z imbekannten Meister des Risses B folgt di« Missühnmg des seit


