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stens in einem Jahr, wenn unsere Nerven wieder nach liefen Menschen schreien werden, die, wenn sie uns bestehlen, uns immerhin ein Vergnügen machen, das beruhigt, wer!, e» belustigt."

Reisner führte Lucie in ihr Zimmer.

eine

war darin. ^^ ,

Die Vorhänge ließen das Licht nur gedampft herem. Mer auch das künstliche Licht konnte man dermaßen ab­schwächen, daß das Zimmer nur von einem fahlen Schim­mer überhaucht war, denn es gab einen Leuchtrorper, deZen Kirne, versteckt und wie gefangen, von dickem blauen Glas umgeben war.

Dieses Licht schalteten sie jetzt ein.

Lucie streckte sich auf der Ottomane aus, stützte den Kops in die Hand uno hieß ihren Mann sich neben sie setzen: Komm, erkläre mir jetzt deine Liebe."

Es schien, als ob ihni dieser Ton zu dieser Stunde nicht recht gefalle, und er antwortete mit einem nervösen Beben in der Stimme:Dein Sinn ist auch jetztnoch so...

leicht?" . .

Sie nickte.Leicht und heiter, und soll er es nicht st> bleiben?"

Er umfaßte sie und flüsterte ihr Worte zu, dre erkennen ließen, welch geheime Bangigkeit in ihm war:Liebst du mich? Wirst du mich jemals lieben?"

Sich mich an!" sagte sie einfach. ^ r

Er versuchte es, in ihren Augen zu lesen, deren Ruhe so groß und fest war, daß sie nicht erschüttert werben konnte,. nie und durch nichts, dachte er m ircy.Ich bewundere

dich," sagte er. . ,

Dettkst dtt an die Vergangenhell'?" Mgre ste ryn.

Ich muß an sie denken, sie verfolgt mich, manch­mal, und gerade jetzt,... wo ich am Ziel bin!"

Am Anfang," verbesserte sie ihn, ,chenn nur am An­fang bist du, und du mußt bewerfen, daß du stark genug bist, auch an das Ziel zu kommen."

Was ist das Ziel?" .

Wir haben ein gleiches Ziel: das, was wrr ichuldrg ge­worden sind, zu bezahlen ... Das ist unser Ziel!"

Was wir schuldig geworden sind ?"

Sie streichelte ihn mit einem zärtlichen Ernst.Dav, was du die Vergangenheit nennst, ist nichts anderes als der Wechsel, der: wir auf die Zukunft gezogen haben und den wir einlösen müssen... Wir haben Böses getan, ja, jetzt müssen wir beweisen, daß wir das Recht hatten, dieses Böse zu tttn!"

Welches Recht?" fragte er.

Das der SelbfterHaltung," antlvortete fie,denn der, der tüchtig ist, darf leben!"

Auch auf Kosten der anderen?"

Wir leben immer und alle auf Kosten der anderen, wrr leben immer gegen die anderen,- t die auch niemals zögern, gegen uns zu leben, wenn sie die Stärkeren sind... Ja, darauf kommt es an: starr zu sein!"

Reisner schwieg und versuchte es, sich an den Pfahl, den sie vor ihn hin in die Erde gerammt hatte, anzulehnen, ihn zu umfassen, ihn, der stark Und groß war und der für alle Ewigkeit gemacht f chien.

Sich so anlehnerrd, fühlte er mit einem Mal, wie ruhig er wurde, wie eine weiche Zuversicht in sein leeres Herz ein- mq, die es warm und hell machte, sehnsüchtig und glücklich, ja, auch glücklich!

Du findest Worte," sagte er,die ich nie gefunden hätte, in dir ist alles klar, was in mir nur dumpf liegt, ja, das schon immer in mir gelegen hat... Ich danke dir!"

Kennst du jetzt dein Ziel?" fragte sie ihn.

Mein Ziel ist deine Liebe," antwortete er leise,die ich erringen werde, wenn du siehst, daß ich der geworden bin, zu dem du mich machen möchtest?"

Ja," stimmte sie freudig zu.

Du, du bist meine Hilfe!"

Sagte ich dir das nicht schon einmal?" fragte sie.

Ja, ja..."

Meine Liebe zu dir ist da, sie ist eine junge Pflanze, die wachsen will, und die nur wachsen kann und blühen wird, wenn, wenn... du sie pflegst!"

Ja," sagte er glücklich.

Kannst du nun an meine Lrebe grauben?"

Ja, ja," ries er leise aus.

Darm kannst du auch an dich glauben, und das gerade ist es, was ich will!"

Das blaue Licht im Zimmer verwischte die Umrisse aller Gegenstände, verwischte ihre Formen und machte sie zu einem Toten, in das ein Traum, ein stiller Traum, ein verlangen­des Leben gehaucht hatte.

Irgendwo tickte dünn eine Uhr, und das hob die große Stille, die um si^ war, noch mehr hervor, machte sie zu einem tiefen Wasser, das sie süß anzog und dessen grundloser Tiefe sie sich verlangend Hingaben, bereit, in ihr den beben­den Schlaf des Glücks zu tun.

Er nahm sie in seine Arme:Ich! liebe dich, und ich fürchte nichts... nichts mehr!"

Was hast du gefürchtet?"' fragte sie zärtlich.

Den anderen," sagte er leise,den, den... in der Ferne!"

Behrens ?"

Ja..."

Gerade heute, gerade jetzt?"

Gerade heute, ja, gerade jetzt."

Er lachte leise, und die Stille um sie nahm dies Lachen auf, und der Schimmer der blassen Dämmerung legte sich darum, so daß es starb, so leise, so kaum merkliche, wie es gekommen war.

Und er erzählte ihr von dem Brief, den er am Morgen erhalten hatte.

Wird er sich rächen ?' fragte er.

Kann er es überhaupt, und wann?"

Ja, noch neun Jahre trennen uns von ihm, noch neun Jahre..."

Das war eine Zeit, die so endlos schien, daß es wie eine Unmöglichkeit anmutete, daß sie überhaupt jemals kommen könnte!

Und wenn," sagte sie,was kann er tun?"

Ja, was könnte er tun?!

Er fand dann die Dir:ge, wie andere Menschen sie auch finden: grausam, hart, und er hatte sich mit ihnen abzu­finden, wie sich alle Menschen mit ihnen absurden mußten: in Resignation..., denn er war der Schwächere!

Hassest du ihn?" fragte er.

Nein, im Gegenteil, er lockt mich... Ja, irgend etwas in ihm lockt mich an, ich weiß nicht, was es ist, nrtb wieso es kommt, vielleicht so, wie einen der Schmerz, den man einem andern bereiten muß, ja, muß!... immer irgendwie süß reizt und lockt..."

Ihre Worte erstarben in einem Seufzer, denn sie spürte seine Küsse, sie spürte sein Verlangen urrd seine Demut...

Neun Jahre, ging es ihm noch einmal durch den Kopf, neun lange Jahre...!

Ich liebe dich," sagte er, mit bebenden Fingern ihr Haar auflöse ud,du bist meine Frau!"

Sie lächelte schmachtend.Ja, deine Frau..."

17. Kapitel.

Im Jahre darauf, im Mai, wurde Reisner ein Mädchen geboren.

In den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft war mit Lucie eine auffallende Veränderung vor sich gegangen. Sie, die körperlich aufgeblüht war, schien seelisch unter Aengsten zu leiden, war tief niedergeschlagen und konnte oft tagelang m ihrem Zimmer sitzen, Gedanken hingogeben, die sie quäl­ten oder tief niederdrückten.

Der Arzt, den Reisner zu Rate zog, machte eine Geste, die die Bedeutungslosigkeit aller Befürchtungen dartun sollte, und sagte:Unsinn! Das ist das Kind!"

Wer viele macht doch gerade das zu erwartende Kind froh!" wandte Reisner ein.

Es macht sie froh und traurig, je nach dem, immer ver­ändert es sie, wie sich ja jede Frau in einem solchen Zustand, immer verändert."

Es kamen aber auch Tage, wo Lucie das Bedürfnis empfand, sich an ihren Ma.un anznschmiegen, wie um bei ihnr eine Hilfe gegen etwas zu suchen, das ihr drohte. ,

Was war es?

Ich fürchte mich jetzt zuweilen," sagte sie,ach, ich fürchte mich so schrecklich!"

Und als ihr Mann meinte, daß es die bevorstehende Entbindung sei, vor der sie sich ängstigte, schüttelte sie den Kopf.Das ist es nicht, das läßt mich kalt, darauf freue ich mich vielmehr, denn es wird die Erlösung sein, denke ich!...