den Kampf Mann gegen Mamr — den schrecklichem, grimmigen, mörderischen.
Mer anderes! . . ^ ~ n~
Das Warten, das bange, zitternde Warten, Tag für Tag, (sfctnbe für Stimme. Das hoffnungsvolle Warten, das — vergebliche.
Er sieht irr alle die Augen, die ihnr entgegenschanen, Tag für Dag, Stunde für Stunde, junge Augen und alte. Rotgeweinte, halbblmoe — blitzende, erwartungsvolle, unruhige, sehnsüchtig brennende. _ „
Er sieht die Hände, die sich ihm entgegenstrecken, braune arbeitsbarte, verrunzelte alte, weiche junge. Zitternde Hände, dis Laum die Karte fassen und kaum den Brief halten, begierige, dre ihm schon entreißen wollerr, was er bringt, zögernd ausgestreckte, die doch leer bleiben müssen. Er geht durch die langsam heller werdenden Gassen rmd aus ejnem Hanse in das andere, und weiß, was er in jedes hineinträgt. Weiß auch, in welchem fte z-chs-n lange warten, allzulange, und wo sie nickst mehr warten.
Ans einem Hanse ins andere! ,
Tenn da ist kaum eins, aus dem keiner fort ist. Männer, Söhne, Brüder, Väter. In dem kleinen Häuschen, aut' das 'er jetzt zufchreitet, da hat die alte Frau, die allein drinnen wohnt, drn Jungen im Krieg und acht Enkelsöhrre. Er ist nicht sehr weichherzig, der alte Briefträger, aber wenn er hierher Nachricht' bringt, das freut ihn doch selber. Und er rechnet sich ans: vom Lorenz ewe Karte, und gestern hat der Pitter geschrieben, und am Montag der Hern Ter eine ans Rußland, der andere ans der Schampann, und der dritte aus Flandern Ja, nun hat sie doch wieder ein paar Tage Mten Mut, die alte Frau.
Gilten Mut! ., x „ .
Ten haben sie eigentlich alle, wenn das nicht wäre, dann . wäre es ja auch stürm anszuhalben. rjr .
Gut, daß iie Jungen immer wieder ganz mobil schreiben und ihren Lieben daheim das Herz nicht schwer maclstn. Ern schweres Herz foomen sie nicht brauchen, die Frauen im Tors. Denn sie haben viel zu schaffen, viel zu sorgen. Hans und Hof. Achr und Vieh wollen ihr Recht. Und die Kinder lwtteit auch versorgt sein Mid noch dazu gezogen, die großen Jungen sind ganz unbändig, Me spielen sie Krieg, den ganzen Tag. das Lernen wird ihnen noch schwerer als sonst, und der Mutter Hand müssen sie numchmal tüchtig spüreii, sonst gerät's rricht mit ihnen. Es ist eigentlich merkwürdig, daß die Frauen alle so gut zurechtkvmmen. Vorher, da tvar doch manche, die nicht immer auf dem Posten war. Die fünf lieber grad sein ließ und sich gern einen guten Tag machte. Aber jetzt! Ter Briefträger macht eine niedrige Tür aus, die in ein armes Taglöhnerhäuschen führt. Wenn er früher hier vorberkam, . ha war noch alles still — der Mann war schon, ftüh. fort, und die jmige Frau, die schlief noch. Jetzt schläft sie nicht mehr^ Sie hat schon die Geis und das Schweinchen versorgt und die Stube aufgewischt, und der Herd brennt schon hell. Sie streckt die Hand mrs nach dem Brief, und die junge, kräftige Hand zittert. .Ha, die weiß mich jetzt erst, was sie an ihrem Mann hatte", denkt der Briefträger. ^^ ^
Er denkt so allerlei, wre er wertergeht. Nun kommt das Hans, m die alte Frau am Fenster steht; schon seit aller Herrgottsfrühe. Sie steht und wartet auf ihn. Sieben Monate nun schon. Sieben Monate lang ist ihr Leben mrr Warten. Nichts als Warten, vom Morgen an, wenn er vovbeigeht, ans den NackMittag, wo er wieder- kommt, und darm die lange Nacht hrndurch wieder auf den Morgen.
Ans den Einigen wartet sie, auf Nachricht von ihm, aus ein« Gewißheit, auf irgend eine. ^
Ja, eine Mutter! Dre hofft noch, tvenn larrge, lange nrchtS mehr zu hoffen ist.
Er faßt die Tasche fester, als er bordergeht. Er hat wahrhaftig auch nicht allzuviel überflüssig, aber er gäbe etwas darum, wenn er dieser Mutter jetzt etwas aus ihr hevausholen konnte.
Ja, die Tasche!
Aus der ist schon allerhand heransgeÄmrmen m dressn achtzehn Kriegsmonaten. . .
Er rechnet nach. Bierzehnmal schon ist es gewesen, daß Briefe oder Karten znrückgekommen srrrd mit der Aufschrift „Adressat gefallen" oder „Adressat vermißt". Oder einer der Briefe, dis man nun schon beinahe kennt — Nachricht von der Kompagnie an die daheim — schlimme Nachricht.
Zum Pastor hat er solche Briefe getragen — der hat's dann denen be'gebracht, die's angeht — wenn sie's itiodj nicht wußten. Tenn meist ist schon die Kunde davon voransgeflogen — irgendwie hat man's schon geahrtt, gewußt. Bös« Nachricht reist schnell, mich im Krieg. >
Aber manchmal lvar doch die »böse Nachricht fälsch. Eine Zeitlang war's wie eine SmA im Dorfe, alle Tage hatte man einen andern jojgesagt — geschrieben haben sie's gar aus dem Felde, nachher war's, Gottlob, doch nicht wahr. — Er hatte bann dre Priese der Iotgesagten gebracht, er hat manchen Schrei
gehört dabei — Herrgott, können die Weibslente schreien.-
freien und weinerr! Bittere Jammer tränen, aber auch Freuden» träum! Wenn er früher was gelesen i-at von Freudenttänen, dann hat er imurer gÄxrcht, das ist so ein dummes Geschreibsel-
ja, jetzt weiß er, daß t» FrsrchsntxLrmr gibt, icke es Frerkdenfthootze gibt.
Urrd. er nimmt die Karte fürs nächste Haus in die Hand, da gibt's auch Freude! Das Kreuz hat der Junge gekriegt, und in Urlaub Kommt der Junge auch Wie der Vater iwt£> die Mutter stolz mrd froh sein werden!
Und noch eine! Eine, die auch Ijeiite eine Karte kriegt. Der Alte schnrmrzelt. Ten zwei Mten war's nicht ganz recht, wenn! sie davon wüßten. Sie haben was arideres fttr ihren Jungen, Wer 's wird ihnen rricht viel nützen. Die zwei kriegen sich doch. In .Friedenszeiten wär's vielleicht nicht so ffeftwmttien» Da hätten'- die Alterr nicht gelitten.. Mer jetzt, jetzt werden sie doch nichts wachen körmerr. Die zwei, halten fester als je aneinander.
Ja, der Krieg, denkt der Alte. Des einen Not, des andern Freude! Terr einen macht er tot, den andern rot. Schrvere Zeit ist's, aber auch große Zeit.
Es ist jetzt heller Tag und die Schnkglocke läutet. Aus allen Häusern Lommts, laut, lustig, rotbackig. Schneeballt sich, pufft und knufft und überkugelt sich im Schnee. Da — da gibt's eine Schlacht! „Engelänner — Engelänner — haut se!" — Das ist die Losung!
.Haut rmr drauf", denkt der Briefträger, „gebt's ihnen, den Kerlen, Kloppe müssen sie kriegen, daß alle Schwarten krachen."
Und dann muß er doch lachen. Beinahe hätte er da selber einen Augenblick Lust gekriegt zum Dveinhanen.
Krieg! ist Krieg !
vöchertisch.
— In Reelams Universal-Biblivtbek (Leipzig) erschien: Nr. 5951—5953. Johannes Scherr, Michel. Geschichte eures Terrtschen unserer Zeit. 2. Barrd. (330 S.) Geh 75 Pf., geb. 1.20 Mark und 20 %> Teuerrrngszuschlag. — Nr. 5954. Karl Bröger, Ter unbekannte Soldat. Kriegstaten und Schicksal« des lleuren Mannes. — Nr. 5955. Winfried Lüdecke. S. M. S. „Trestmr". Nach Mitteilungen von Offizieren und Mannschaften. Mit drei Abbildungen. — Nr. 5956. Albert Kehm und Ntartin Frehsee. Ms ich noch im Flngelkleide. Ein fröhliches Spiel in vier Aufzügen. — Nr. 59ä7—5960. Kriegsgesetze des Tentjch:» Reiches. Mstes Ergänzmrgsheft. Mgeschlosien am 1. Juli 1917. TextanSgabe mit kurzen Anmerkungen und Sachregister. Herausgegeben von Karl P a n n i e r.
— Nummer 3886 der Leipziger „I llustrierten Zeitung" präsentiert sich wieder als reichhaltige Kriegschronik. Sie enthält aber auch zaljlreickst Bilder und Texte niclstkriegerischent Charakters, darunter die doppelseitig wiedevgegebene Zeichnung Felix Schwormsbädts von einer hübschen Syene aus dem Weih», nackstsleben in emeni Kinderhentt, ferner n. a. den reich illnstrierren fesselirden Artikel „Kaffeehäuser und Kafseegärten" vom Tr. Val, Tornius sowie eine Wnrdigmrg des Dresdner Malers Rtcdolf Otto aus der Feder von H ofrat Do enges, der die bisherigen Hauptwerke des aussichtsreichen jungen Künstlers in Wbildicngen bei- gegeben sind. Im akttrellen Teil des vorliegenden Heftes steht die bildliche Berichterstattung iiber die erfolgr-eiche Offensive gegen Italien im Vordergründe.
— T ie Weltliteratur. Heft 52 enthält: A. Tfchschosft Des schwedische Zmrdholz. Wolodja.
Vexierbild.
Dort ist ja die Frau vom Gutsbol, die wird davonlaufen, wenn der Schuß kracht.
. (Auflösung in nächster Nummer.)
Auslösung des Merkrätsels in voriger Nummer. Knecht Ruprecht.
Schrcktlemmg: W. Meyer. — Zwrllmgsrunddruck der Brüh l'schen Umv.-Bnch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


