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jbtdjiett ©ifttten nur m atmen. Me Romantik steht mit
einem Fuß schon rm Grab."
Me als Beweis, daß die neue Zeit mrt rhrem hergen Atem auch diesen stillen Ort anhcmchle, ertoarteke dre Herden ans dem Geleis des Bahnhofes schon die schwersalltg atmende, riesenhafte Lokomotive der Tauernbahn, ©te troff von Schweiß, ihre Nerven zitterten vor Erregung darüber, daß man sie festhielt, und rußige Männer mußten ihren glühenden Rmchen stopfen. Endlich löste man rhce Mein, und sie schickte sich an, sich in Bewegung zu letzerr. Sie tat es mit keuchender Anstrengung, knurrend und Nnmapen vorr Dampf und Rauch ausfpeiend, wobei aus rhren schnaubenden Nüstern rote Funken stoben. ,,, . ,
„Alles Reisen kitzelt die Nerven," tagte Lucre, „mm versetzt sie in einen Zustand von Spannung, nach dem ich manchmal geradezu hungere. Nahezu zwei Jahre war ich auf Reisen."
„Nud bist doch nicht müde geworden?" fragte Reisner.
„Nicht, müde, doch eines stillen Winkels bedürftig, m dem ich mit. Ruhe abwarten kann, was .noch kommt - - - Denn immer denke ich, daß mir das Leben noch viel bringen Mvß."
„Roch vieles," stimmte er ihr bei, „wir '.missen nur
wollen." M ^
Sie hatte üeschlossen, diesen ernen Lag, der sich schon anließ, noch zu einer Darnpserfahrt über den Wörther,ee zu benutzen. In Beides stiegen sie aus und aßen in einem Garten zu Mittag. „Ein jedes hält uns für Mann und Frau," sagte er, ihr Wem emgießend. „Vor vierzehn Tagen noch wäre mir das Misaßbar gewesen. Jetzt erscheint mrr altes natürlich. Es ist erstaunlich, wie wenig Nebergänge das Leben nötig hat." 4 , ., . ...
„Bub doch bleiben ttrtr immer dre, bte wrr waren, sagte sie. „Wir verändern Ws nicht." , .
„Aber wir finden, uns, nachdem wir Jahre damit zuge- bracht haben, uns zu suchen, lieber Rocht finden wir uns. Gmrz unerwartet kommt eine Stunde, die uns sagt: Jetzt hast du dich, — der bist du, nur dieser eine!" .
Sie saßen noch bei« Nachtisch, als am westlicheil Horizont schwarze Wolken aufzogen, die sich drohend znsammen- ballten, entschlosseii, gegen die Sonne vorzurücken, du ziv nächst nicht willens schien, sich vertreiben zu.Lassen. Nach einer halben <Stenbe jedoch hatte das Gewölk dre Oberhand, Mtzlich war der Tag in eine schwüle Dunkelheit getaucht. Ein prasselnder Regen stürzte nieder.
Eie erreichten gerade noch die LsndiwgsstetN, um den. Dampfer zu besteigen. Das Deck war mit Planen überdacht, auf denen der ungestüme Platzregen klatschend herumtanzte, Blitze zucktM auf, gellende Schläge schossen nieder oder dumpfer Donner zog sich- lang und grollend hin. In der Richtung aus KlagenfurL war es noch hell. Der Dampfer steuerte durch das gischende Wasser dieser Helle zu.
Während das Gewitter langsam abebbte und der Regen Mir rwch in dünnen Schnürchen herabfiel, saßen sie, die ("imwmntönM bis an den Hals hinauf geschlossen, an Deck und sogen die Luft ein, die . mit einemmal eine prickelnde Würze hatte. Der Dumpfer fuhr gleichsam nur für sie allein. Das halbe Dutzend der übrigen Fahrgäste war in die Wirtschaft hinunter geflohen.
Die Landschaft glitt rmt stummer und wre verwunderter Langsamkeit an ihnen vorüber. Reisner rauchte. Sucre hingegen gab einen ausführlichen Bericht über ihre Reisen, die Wochen der verflossenen zwei Jahre mit Zärtlichkeit ftst- haltend. denn es war.keine einzige unter ihnen, die nicht wenigstens etwas dankbarer Erinnerung Wertes gebracht hatte.
Sie;' hatte, nachdem ihr Prvßeß entschieden war, ferne Woche« mehr in ihrer Baterstadt verwelkt. Für ihre Angehörigen war sie die, die einen Namen von Klang unmöglich
r lacht Hatte, wcB alte diese Lerrte indessen nicht hinderte, materiell in Anspruchs zu nehmen.
Ueber diesen Punkt glitt sie mit kühlem Spott hinweg. Sie begriff nicht, wieso man Menschen dieserhakb hassen bannte, die doch nur beschränkt waren und die man, wenn. «S einen rricht langweilte, sogar komisch finden und belachen konnte
m überreicher Weise die Möglichkeit gaben, das luxuriöse Leben einer unabhängigen Dame der oberen Zehntausend zst führen. Es litt sie in Deutschland nicht länger einen Tag,
sammengestMt hatte. Sie wollte henke da sein, ohne wissen, oder darüber nachzredenken, wohin sie der nächste Tag führ erc würde.
Sie fuhr nach Paris, reifte ln den sianzösischen M hinunter und durchquerte das ganze Land dorr neuem, da sie plötzlich die Lust verspürte, die Normandie kenne» zu lernen. Sie überschiffte den Kanal, lebte wochenlang i« London wie eine Einheimische, tauchte dann für Tage in Schottland aus und begab sich sodann ans einem Schiff nach Norwegen, Mn! hier in Mbdkannten Orten wie eine Einsiedlerin zu le&en, bis ffe wieder aufs neue die Sehnsucht, packte, in einem dichten Merrfchenstrom unterMtcülchen, woraus sie kurz, entschlossen auf einem der großen deutschen Schnelldampfer nach Amerika fahr. ^ >
In Amerika akkeiu verlebte sie dreiviertel Jahre. Hmt- derke von Hotels und Kenfwuen lernte sie kennen, bald in der, bald in jener Stadt, ungezählte Beziehungen zu den ver- fchiedeuftsu Menschen knüpfte sie an, die ihr alle irgend! etwas boten, düs sie reizte, das aber doch' nicht stark genug war, sie länger als ans Tage zu fesseln.
Eine tvcchre Mer war in ihr, aus altem, was ihr begegnete, zu lernen, in jener passiven, abwartenden Art, die Erhört, ohne je eine Meinung zu äußern, die mnmtt, ohne je daran zn denken, auch zu geben.
Ihr inneres Wachstum in jener Zeit glich der üppigen Vegetation südlicher Länder. Sie war weit über ihre Jahre hinaus erfahren, mrd alle ihre Erfahrungen lehrten sie immer wieder nur das eine: gelassen, kühl zu sein und sich über nichts zu wundern, da es ja in der Tat nichts gab, das. ein Erstaunen rechtfertigte, denn alles, was in dieser Stmide neu und unerhört schien, wurde in den nächsten Stunden von einem Zweiten Überboten, das noch neuer und noch unerhörter war.
Nach reichlich zwei Jahren kehrte sie nach Europa zurück nild ging nun bannt, ihre Eindrücke zu sammeln und zu ordnen. Uno da entdeckte sie, daß von alledem, was sie gesehen hatte, hübsche und zärtliche Erinnerungen cur ihr vasten geblieben waren, von Landschaften, Orten und Menschen, daß aber doch! nichts darunter war, von öem sie sagen konnte, daß es ihr fehlen würde, wenn sie es rächt besessen hätte.
(Fortsetzung folgt.)
Var Grötzte.")
Bon Alfred Bock.
Der Schuhnracherrmerfter Waldig saß, die Brauen sufamme«* gezogen, auf seinem Dreifuß und grübelte vor sich hin. Da tag sein Werkzeug, und er hatte nichts zu tun. Das bißchpu WcPrbekh das ihm verblieben, war nicht Gr rechnen. Krch dafür fehlte ihm das nötige Leder. Oie Leute selbst.trugen ihm mit ihren Mrisseneri Trittlingen wunderliche Sachsen Ul. Die sollte er verwenden. Gestern hatte das Fräulein Hübner ihren alten SchulrarMu gebracht ! Ttie Zeit war vorbei, da die Herren vom Alpenverein bet ihm die schweren Gebirgsschnhe bestellten. Darin war er Spezialist und hätte ein schönes Stück MD verdient. Das Verdienen war'A freilich nicht allein gewesen. Es war eine Lust, in der Werkstatt die jungen, lebensfrischen MwUM nur sich M sehen, llnd wie sis erzählten! Von Gratmr und Gletschern, von lichter Schnee Pr acht und senkrechten Wänden, von zacke ngeschmückten, wilden Hängen, vorr silbrigen Rebeln und »Mißen Wolken, die der Sturm in wllews Wirbel jagte, von halsbrecherischen Metschertonren, da an ttef- geb-ohttem PiM einer den anderen in Pie Höhe Zstctz vion griArenj Matten und Herdengeläut, von blauen Nächten und Sterngesimkek. „Wenn unsere Hütte eingeweiht wird", hatte der AWfor Hill- gärtner gesprochen, „müssen Sie mit, MeMier. Sie machen Ms die standfesten Schuhe und haben ein volles Anrecht darauf, droben! unser Gast m fern !" Vorgestern hatte in der Zeitung gestände«, der Assessor Hillgärtner war gefallen. Ter Aod hatte mtter den Herren vom Alpenverem eine schreckliche Ernte gehalten.
Ter Meister legte die Hand auf,die Stirn unb seufzte. Ter furchtbare Krieg! Es war ihm, als säß ihm ein Alp auf der Brust, daß er nicht frei atmen ilonnte. Zmch .JchrgM hatte er draußen int Feld. Draufgänger waren's, hatten Mut für zehn. Wer wollte sagen, ob er sie wiedersah! Hmt nacht hatte ihmj geträumt, seruf Aelrester, der Hernmnn, mn schwer verwundet ms Hans getrayeni worden. Er, der Meister, hatte so laut geschrien, daß ihn fern«
*) Der Kheffatz ist den vom iKriegsbnMMr des Uesthöban^ DireLormmS heransgsgcbenen RachriäMr für di« Koldarrkanst' stelle entnommen.


