Ausgabe 
24.12.1917
 
Einzelbild herunterladen

Momag, den 24. Dezember

^ 0 B ^ M ^-v - ^ ^ ^ ö

t El>*

jL J

0> WlrrhaljuNZsbiaL M IGie^eNerAryeiZer {Qfrm

Die Rächer.

Roman von Herm ann Wagner.

(Fortsetzung.)

Dent anderen war, als träume er. Er suchte nach schar­fen Worten, um diesem Menscl-en, der so tat, als könne er Liber ihn vsrfngeu, zu antworten. Alleür er fand keine Worte, obgleich nichts von Furcht mehr in ihm war. Ein gooßos Staunen hielt seine Sinne umfangen.Sie reden »0 sonderbar mit mir/' sagte er nact) einer Weile,so k»iZderbar, wie noch nie ein Mensch mit mir ges prochen hat. Meine (Gedanken suid verworren, und ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll. Mles, was Sie mir scheinbar erheiben wollen, wird doch nur um so dunkler... Sie er-

Reisner senkte die Augenlider und schien doch seinen Partner fest anzustnrren.Nein," sagte er,ich war es nicht!"

Wer war es?"

Ein anderer, der noch im Gefängnis sitzt, noch zehn larbge Jahre ...""

Uick wer war jene Frau?"

Jene Frau, auf die der GefanHsu-e inm wartet? Die der Antrieb zu seinem Verbrechen tnar? Die er verfluchen müßte, verfluch»l und hassen, und die er dennoch liebt, oie er liebt und auf die er .vartet, in Hoffnung und Augst,, noch zehn lange Jahre?'"

Ja."

Reisner schrie ihn ivild arr:Sie kerrnsn sie, junger Mann!"

Herr von Webenau ließ das Steuer fahren. Er zitterte am ganzen Leibe.Ist... sie... es?'" fragte er leise.

Sie,"" brüllte Ä-sisiver,ja!"

Es gab eine lange Pause zwischen ihnen, in deren Ver­laufe Herrn von Webenau alles klar wurde: der Haß und der Schmerz dieses Mannes, in dessen Augen Tränen standen, Tränen, die er weinte, ohne es zu wissen, die über seine Wan­ken kollerten und auf den Boden des Bootes fielen, mit dessen Schmutz sie sich vermischten.

Bitte/" wandte er sch weich an Reisner,wollen Sie die Güte haben, nun an Land zu rudern?"

,^a," sagte Reisner abwesend und griff mechanisch nach den Rudern,gern."

Er holte aus, und das Boot schnellte, das Wasser lautlos durchschnerdend, dem Millstätter Ufer zu.

Sie stiegen aus, und Herr von Webenau kettete das Boot an, während Reisner wieder in seinen Rock fuhr. Dann schrit­ten sie neberreinander dein Seehof zu.

Aber noch che sie ihn erreicht hatten, machte Herr von Webenau Reisner em Zeichen, sich mit zu setzen. Eine Bank

stand an der Straße. 'Gegenüber auf einer Wiese mähte ei» Mann Heu.

Sind Sie der Freund jenes Mannes, von dem Sie sprachen?"" fragte Herr von Webenau.

Reisner nickte.Ja, der einzige, der ihm geblieben ist."

Ulnd ist das, was Sic mir gesagt haben, die reine Wahrheit?"

Es ist die reine Wahrheit, ja."

Ich, . . . ich bin erschüttert," sagte Herr von Webenau, und uh, . ich fürchte mich. Ja, ich habe Furcht. Und ich mochte sie nicht mehr sehen . . ."

Reisner ergriff seine Hand und drückte sie so stark, als wollte er sie zerquetschen.Ich danke Ihnen," sagte er mit erstickter stimme,ich danke Ihnen im Namen des an* deren!""

Sie schwiegen wieder.

Nack» einer längeren Pause fragte dann Reisner:Was werden Sie tun?"

Jck> werde abreisen/" antwortete Herr von Webenau, nock) heute, und ohne ihr etwas zu sagen ... Sie bleiben noch hier?"

Ja."

Wissen Sie," sagte Herr von Webenau und blickte dem anderen ins Gesicht,manchmal will es mir fast scheinen, als ob S 1 e sie liebten!"

In Reisners Antlitz benregte sich keine Muskel.Ich? Wie kommen Sie daraus?"

Die Art, wie Sie mich haßten . .

. , % ei ? n f c tonlos.Ick) gebe Ihnen mein Wort,

oatz ch diese ^-rau noch nie in nreinem Leben gesehen habe. lLrst vor Tagen, als ich hierher kam, sah ich sie

5 H m a brst.n Male . . . Und da war ich mir sofort über eines klar!""

Worüber waren Sie sch klar?"

Darüber, daß ich sie haßte/" antwortet Reisner,für ihn haßte, den anderen, der für sie büßt!"

Sie ist sehr schön/" sagte Herr von Webenau wie im Traume.Und ncht nur das. Sie hat etwas, das . . <- "$L a '" rie f ^isner aus,und dieses ist es, das ich hasse, meses Etwas, das uns Männer verdirbt!"" Er stützte den Köpf in die Hände und brütete vor sch hin.Auch mich har es ja verdorben," fügte er, wie zu sch selber sprechend, hinzu,mich und viele andere. . ."

Sie haben sehr Schweres erlebt?" fragte Herr von Webenau leise.

,Lch war im Gefängnis," antwortete Reisner,vier ^ahre. .

"Wegen versuchten Totschlages. sagten Sie nicht so?"

Dafür, daß ch die Hand gegen einen erhob, den eine andere erschlagen wollte!" Er schwieg plötzlich und schüttelte Mit einer einzigen Bewegung alle finsteren Erinnerungen von sch ob. Er stand auf:Wir wollen gehen, es loirb Zeit!"

Wir ivolten uns verabschieden," versetzte Herr von Webenau,ia."

O