Mied, bau her Vtc jetzt (eben unb bie IYne-n baü> «nrsgehen totrd, tvenn Sie mir nicht fotzen?"
„Schweigen Die!" schrie Reisner ihn wütend an.
Der Alte kicherte. „Wir wollen abwarten. Denn Ulm Warten habe ich viel Zeit, und ich habe es »u warten. Nick» a::ch äas Zuschauen habe ich gelenrt, ja, daraus verstehe ich mich wie kein zwetter! Wenn ich auch scheinoar immer fern von Ihnen weilen werde, so werde :ch in Wirklichkeit dock) immer in Ihrer Nähe sein. Und im lnerde Ihnen über die Achsel blicken mrd mich dessen, was Sie tun werden, freuen! . . . Denn wer sind Sie? Mein Rächer sind Die! Hehe!"
„Sie sind ein Narr!" fauchte Reisner ihn an, rnoem er gleickMitig den KeLlner herbeirief, um zu zahlen.
„Ja, ein Narr, der aichere zu Narren macht, und der diese Narren daun auf die Menschheit losläßt, die auch nichts anderes ist als ein einziger großer Narr!"
Reisner würdigte ihn keines tu eiteren Blickes mrd begab sich auf sein Zimmer. Er schickte Prokop sofort in die Pension Paulich hinüber, damit er dorr erfrage, ivohtn Frau Lncie Blttmner und der .Herr in ihrer Gesellschaft abgereist seien.
Nach kaum zehn Minuten hatte er die Botschaft: die Herrschaften seien mit der Bahn über den Bremver nach Toblach gesalxren.
„Packe sofort?" sagte Reisner daraus zn Prokop. „Wrr reisen morgen früh wieder ab!"
Er verbrachte eine schlaflose Nacht-
Ihm war, als habe die Vergangenheit, die er fliehen ivollte, sich gerade diese Wochen ausgesucht, nur ihn zn überfallen.
Und auch eine dunkle Zukunft lockte ihn seltsam, iu der er, wie er meinte, dazu ausersehen war, handelnd sÜr einen einzugreisen, der noch im Gefängnis schmachtete, — noch zehn qualvolle Jahre!
Ein düsterer Ingrimm packte ihn.
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12. Kapitel.
Es tvar Abend geworden, als Reisner in Toblach an-
fam.
Er stieg im Südbahrchotel ab und erkundigte sich beim Portier, ob Frau Lucic Blüinner und Herr von Weben au iykx abgestiegen seien.
Der Portier verneinte, ztvei Herrschaften dieses Namens seien Ur seinen! Hause nicht abgestiegen.
Reisner beschrieb ihm das Aussehen der Gesilchten, denn, es schien ihm unwahrscheinlich, daß sie ein anderes Hotel gewählt habe:: sollten. Ta er sic selber nicht kannte, konnte er nur jene KermLeichen anführen, die er von dem Alten in Meran erfahren hatte.
Jetzt erumcrte sich, der Mann, daß ztvei, cmf die die Be> schreibwlg ungefähr paßte, doch hier gewesen waren: eine Dame und ein Herr, im Fremdenbuch emgetragen als ,Fred von Helbig mit Schivester'.
Es loar Reisner peinlich, daß er, als er das vernahm, rot wurde, aber er konnte es nicht verhindern. „Aohnteü die zwei," fragte er, „ge —' — ?"
„Getrennt," antwortete der Portier schnell :md verständnisvoll, „jawohl."
Reisner biß sich aus die Lichen. „Und sie sind beide schon wieder fort'?"
„Abgereist, Herr Baron, heute morgen."
„Wohin?"
Der Portier grinste unverschämt und zuckte mit den Schultern. „Wrr pflegen die Herrschaften nnht zu fragen," sagte er und wurde erst geschmeidig, als U>m Reisner ein erhebliches Trinkgeld in die Hand drückte.
Dock) Prokop zeigte sich airch in diesenr Falle als der Laae geumchsen. Dmch geschicktes Fragen bei den Beamten ^lang es ihm, zu erfahren, daß das Paar enr Billett erster Klasse zn dem Schnellzug nach Spittal an der Drau gelost hatte und mit diesen: Zuge auch tatsächlich abgefahren tvar. ' ; '
ging kein Zug mehr in der gleicher: Richtung, Ur:d Reisner mußte iii Toblach übernachten. Am nächsten Mor- 6en,benrrtzte er den erster: Zug der Pustertalbahn. Gegen zwei Uhr traf er rn Spittal ein.
^L^brfahven, ob die zwei hier wären, schickte er Pro- J“ Sf beide« Hotels, die allein in Betracht Fa»
Doch sein Diener rnhtete diesmal rrichts aus. Nieimnch
ymifite ctiuaä tum bem Ihre Spur verlor sich oE
der» zu dieser Zeit schon verkehrsreichen Bahnhof Spittal.
Glücklicherweise kam Reisner diesmal der Zufall zu Hilfe. Ms er sich nämlich, durch die langen nutzlosen Nach>- forschnngen unwirsch und n:üde geworden, vmn Bahnhof in das Städtchen znriickbe geben wollte, uindrängten ihn vor den: Portal' Fiakerkutscher, die ihn: ihre Wagen zur Fahrt nach dem nahen Sommerknrort Millstatt am See an- boten. Im gleickMi: Augenblick fiel es ihn: ein, daß die zwei von einen: gleiche!: Angebot Gebrauch gemacht habe:: und! cm den Millstätter See gefahren sein kormtcn.
Seiire Bermittung erwies sich als richttg. Ein Fuhrmann, der lauteste, bestätigte ihm, daß er gestern eine Deine rmd eine:: Herrn, ans die Rcisners Beschreibung paßte, nach Millstatt gesahren habe, mtd zioar in den .Srehos', wo. die beiden Wohnung genonunen ltzitten.
„Gut, fahren Sie in ich in de:: ,'Seehost," sagte Reisner, iitbem er Prokop gleichzeitig anwies, mit oen: Gepäck nachzukonnnen.
Der Kutscher knallte mit der Peitsche und sichr los.
Der Waget: ließ die kleine Stadt rechts liegen, fuhr eine Anleihe hinab und bog sodmrn rr: eine breite Fahrstraße ein, die, rechts und links von bewaldeten Höhen eingefaßt, einen wild schäumende:: grillten Bach entlang führte, die Lieser.
Die Lieser schäuutte und brauste und ivarf stellenweise einen weißen Gischt empor, der Nachmittag aber war voll majestätischer Ruhe .Die Sonne bohrte sich in den grellen Straßenstaub ein, die braunen Felswände links der Straße dagegen troffen vor Nässe. Der Himmel war von einem blassen Blau, auf dein flüchtige Wölkchen dünn träumten. Uebcr die Licser hin schossen Schwalben.
Nach halbstündiger Fahrt verließ der Wagen die Straße und fuhr über eine Holzbrücke nach rechts. Die ersten Häuser eines Dorfes tauchten auf, weiter hinten der schmale Turm einer Kirche. „Seeboden," sagte der Kutscher, „und dort drtl den ist der See!"
Die Straße verließ das Dorf, wurde schmäl und holprig :md sckstängclte sich nun das Secufcr entlang. Das Wasser des Seks war zart gewellr uick) schimmerte ii: einen» opalisierenden Grün. Auch an» jenseitigen Ufer sah man einen schmalen Weg. Das weiße Segel eines Bootes hob sich ruhig über das Wasser, von einem linden Wind sanft gebläht. Sonst war kein Leben wahrzunehmen. Die Millstätter Saison hatte noch nicht begonnen.
Und plötzlich lag vor Reisners Augen das kleine Millstatt. Die roten Zwiebeltürme feiircr uralten Klosterkirche drückten ihm den Eharalter auf. Tie Häuser waren an das Seeuser angepappt, krochen dann mühsam links die Hänge hinauf und äugten, glücklich oben angelangt, voll Zufriedenheit durch das Laub alter Bäume in das Tal hinab.
Der Kutscher hieb kräftiger in die Pferde ein und hielt dann, die Tiere mit einer bravourösen Bewegung zurückreißend. vor einem in uwdernem Stil erbauten Gebäude jäh an. „Gnädiger Herr, der Seehos!" sagte er.
Währeird Reisner den Kutscher eutlohuLe, wackelte ein schläfriger Hausdiener die brntc Freitreppe herab, um überrascht nachzusehen, wer kam.
Mai: sab es den: Hotel an, daß es rwch unbesetzt war. An nahezu allen Fenster:: waren die grünen Rolläden herab- gelassen.
Reisner hielt es diesmal nicht für angebracht, sich sogleich nach denen, die er verfolgte, zn erkundigen. In der Halle wurde er von einen: jungen Stubennrädchen und dem W:rl empfangen. Er bestellte für sich und seinen Diener drei Znnmer. Der Wirt geleitete ihn selbst hinauf, war sehr ge- M)me:d:g und wies ihln einen Salon mit angrenzendem Schlasgemach an. Es sei das Beste, was er habe.
Die Zimmer waren in der Tat prächtig. Der Salon hatte nach der Seeseite eine:: Balkon, der sehr geräumig und u:u Efeu und Blume,: gcichmückt war. Der See lag schlank und geschmerdig in seinen: Bett, und seine Farbe schien mit emen: Mate tiefblau. In der Ferne stiegen kahl und schroff d,e Felsen des Karawanker: auf, deren Schnee einen leis violetten Ton hatten. "
^ ^ Reisner ging in den Garten hinunter, und ein junger Kr! ln er deckte :hn: den Tisch. Die Speiseukarte loies nur wenige Gerichte auf.
.. ^ baben um diese Zeit iluch keine Gäste," entschnk- d:gte sich der Kelliler. „Das Hotel wird offiziell erst am ersten Inn: geössrrct."


