Ausgabe 
19.12.1917
 
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Die Rächer.

Womatt von Herm a n-n Wag ner.

(Fortsetzung.)

In Meran wurde er von Prokop erwartet, der für ifyrt im Hotel zwei Zimmer belegt hatte.

Reisner zog sich um und erschien im Abendanzug üu Saal In der Tür prallte er mit einem alten Herrn zu­sammen, der, als er ihn sah, einen leisen Pfiff von sich gab. nach seiner Hand haschte und diese schüttelte:Alle Wetter, Sie! Wissen Sie, daß ich schon seit Wochen an Sie beizte und immer die nebelhafte Hoffnung hege, Sie irgendwo zu treffen? . . . Kommen Sie! Kommen Sie mit! Gehen wir in den Garten, wo wir einen Winkel finden werden, in dem wir uns ungestört unterhalten können!"

Reisner starrte auf den Alten wie auf eine Erscheirmng. Es war der Justizrat Doktor Eberhard Lorm aus Hamburg, der seit Anfang dieses Jahres die Praxis niedergelegt hatte und der nun, wie er erzählte, auch hier in der Nähe von Meran ein Haus suchte, das recht abgelegen und anderen Menschen möglichst unzugänglich war. Freilich, es war ihm bisher nicht gelungen, ein solches Haus zu finden.

Sie fanden eine stille Ecke, und während ReiSner sein Abendbrot verzehrte, sog der Alte an seiner Zigarre und stellte immer neue Fragen, die Reisner, der seine Fassung wiedergcwonnen hatte, nur soweit beantwortete, als er es für angebracht hielt.

Dock) der Alte schien über alles, was Reisner betraf, vortrefflich unterrichtet zu sein, denn er gab mit einem bos­haften Kichern seiner Zufriedenheit darüber Ausdruck, daß es Reisner so gut verstanden habe, aus den Lehren, die er, der Justizrat, ihm vor einem Jahr gegeben habe, praktischen Ruhen zu ziehen.Oder leugnen Sie es, daß ich- es gewesen bin, der Sie auf die Bahn gewiesen hat, die Sie jetzt so er­folgreich beschreiten?" fragte er.

Dock) Reisner blieb einsilbig, denn die unerwartete Be­gegnung hatte alles das wieder in ihm aufgeweckt, das für einige Wochen zu vergessen er hierher gekommen war.

Allein der Alte gab ihn nicht frei. Er grub mit Behagen in der Vergangenheit des andern herum und förderte immer neue Einzelheiten zutage, die er sorglich ausbreitete, von denen er besondere Kraßheiten gleichsam aufspießte, um sie mit einem faunischen Grinsen Reisner hinzuhalten, der nur schwer jenen kühlen Ton fand, der den Alter: abwehren sollte.

Ich) kenne jetzt auch Ihren Freund," sagte der Alte, jerzssn, von dem Sie mir damals sagten, daß er Ihr einziger sei/. . . und ich kenne auch dessen . . . Ofott, wie soll ich sie nennen? . . . also, ich kenne auch dessen Freundin s."

Reisner verfärbte sich und war unter einem maßlos ge­spannt.Wie?" fragte er.

Ack), Sie sind neugierig?" höhnte der Alte.Run, warum soll ich es Ihnen nicht sagen? Hören Sie! Jene, . . \ Jette Fremtdin Ihres Freundes. . . war sogar hier!"

Hier?!"

Hier! Vor drei Tagen ttoch, ja, . . nachdem sie zwei Jahre lang vom Erdboden wie verschlungen war, . . . hier in Meran, drüben in der Pension Paulich, ... in Gesell^ schüft eines Mannes, der . . . hehe! ... es nicht vergeblich zu versuchen schien, sie zu trösten!"

Was behaupten Sie da?" fragte Reisner mit erstickter Stimme.

Rur, ivas ich gesehen habe, mein Guter, nicht mehr. Ein junger Mann war um sie, einer, der recht nett war in einem Äeußeren, das muß man chm lassen. Ich kenne sogar einen Namen,von Weoenau" stellte er sich vor, immer ächelnd, denn «er war ein liebenswürdiger junger Mann, der wußte, daß es ihm aut stand, tvenn er lächelte... Im übrigen halte ich ihn für sehr harmlos und mute ihm sogar ehrliche Absichten zu. Er war sterblich in sie verlrebt, das konnte jeder sehen, der es sehet: wollte."

Und sie?"

Me? Gott, tvaS wollte sie tun? Sie sah nicht so auS, als ob sie böse darüber wäre, daß er sie liebte. . Sie ist auch adaeretst mit ihm..

Mit ihm?"

Nicht direkt m i t ihm, nein... aber doch in seiner

Gesellschaft... oder, richtiger: sie benutzten beide den­selben Zug."

Wohin sind sie gereist ?" fragte Reisner tonlos.

Der Alte betrachtete ihn mtt sichtlicher Genugtuung. Das Ziel ihrer Reise kenne ich natürlich nicht," saate er und blinzelte listig,aber Sie werdet! wohl leicht er­fahren können, wem: Sie sich drüben erkundigen, wo sie gewohnt haben . . . Wollen Sie es denn erfahren?"

Ja/' antwortete Reisner- finster'.

Wozu?"

Weil ich ihnen nachreisen tverde."

Ah! Sie wollen ihre Bekanntschaft machen?"

Ja."

Der Alte hob sein Glas, besah prüfend den roten Wein und nahm vorsichtig einen Schluck.Ich kann eS mir denken, weshalb Sie das wollen," sagte er ln plötzlich verändertem Don.Wenn eS einen Zweck hätte, würde ich Ihnen das ausreden. Ja, dringend würde rch Ihnen roten, Ihre Finger von der Sache zu lassen! Aber es hat keinen Zweck, denn! Sie werden doch tun, was Sie wollen... Und trotzdem sage ich Ihnen: .Hüten Sie sich, sich in diese Angelegenheit m mischen! Dun Sie eS, dann werden Sie es fern, der dt« Folgen zu tragen hat, Die allein!"

Sie verstehen das nicht," sagte Reisner frostig,Sie verstehen von alledem nicht das geringste!"

Meinen Sie?" Der Alte war nicht tm mindesten bt leidigt und zwinkerte belustigt mit den Augen.Mein«: Sie wirklich? Habe ich vielleicht damals auch Sie nicht ver­standen, als Sre haltlos und schwäch.'ich aus dem Gefängnis zu mir karnen? Und war ich es nicht, der Sie damals vlieS? Oder wer war eS, der Ihnen damals die Kraft ein-