vasiertheit, krrr^ nub gut: ich hcrtte trichts zu tuchen!
-ßcib-er nZnrde ich, als nach Verlauf van mehreren Monaten wein krankhafter Zustand sich bereits etwas gemildert hatte, von einem heftigen Ri'icksall heimgesucht. Ms ich einnral arglos ineine Wohnung betrat, berichtete inan mir, ein Kriminalbeamter sei da gewesen und habe verlangt, daß ich niich sofort zur Polizei begebe. Ties tat ich imgern, aber doch — )rnd der Polizeikbm^ inissar überraschte inich durch die Erklärung, baß ich aar nicht ich, sondern ein flüchtiger Russe sei. Man wollte inir nicht glauben, das; ich nicht der andere wäre, imb ich wiederum konnte doch nicht ^rraus verzichten, ich zu sein. Ter Russe hatte nämlich eine Etage über mir gewohitt, im Polizeiregister aber nxrr ihm der erste Stock und mir der zweite eingeränmt uwrden. Ms man mir endlich bescheinigt hatte, daß ich unschuldig und ich selbst wäre, bestand weine erste weise Tat darin, meine Wohnung zu kündigen. Sie war nur gründlich verleidet, und außerdem hatte ich plötzlich einen Abscheu davor, einsam zu Hauser:. Ich zog also zu Beginn des ersten Knegssommcrs in eine Pension, die von einer Dame Müller ge- leitet^wurde.
Schon am ersten Vormittag wurde in mir der Verdacht rege, daß es in der Pension nicht nnt rechten Tingen zugehe. Ir: den: Gang vor meinem Zimmer befaird sich- der F.nrspccchapparat, und ich hörte die Stimme der wirtlichen Frau Müller, die iraend- clrvas von einer' „Salome" sprach. Jedermann nstrd zugeüen, daß dies verdächtig war, denn das Opernhaus hatte seine Ferien begonnen, und eine nichtkom powerte Salome konnte nur feindliche Ausländerin sein! . . . .
Aber das menschliche Gemüt ist ja im allgemeinen geneigt, mit einigem Leichtsinn über Zweifel hinwegzngehen, rmd so hatte ich bald den kleinen Zwischenfall vergessen.
Um so deutlicher rvird n:an sich die Empfindung vorstellen, dre ich am nächster: Morgen hatte, als wieder vor ineine:' Tür d:e Ltimm? ^der Frau Müller' am Fernsprecher erklang. „Ich habe das bei ^alomc eravartet," sagte sie, „bei ihr muß nurn immer nnt einer geimssen Unzuverlässigkeit :m entscheid enden Auge;ck>lick rechnen. Tagegen Hab? lsch von Lord Blackpool das Allerbeste gehört. Was meinen Sie, soll man sich diesmal ihm anvertrauen?"
Lord ^Blackpeol! . . . Anvertrauens ... Großer .Gott! Mir trat der Schweiß aus die Stirn. Zugleich aber wurden mir die ganzen geheimnisvollen Zusammenhänge in ihrer erschreckenden Wahrheit klar. Tie ehrenwerte Pieusionsinhaberin Müller, zu der rch mich ans meiuen Wirren gerettet hatte, war eine Spionii: Ansgerechnet n:ir mußte das zustoßen!
Zuerst dachte gch daran, mich allen Weiternilgen durch sofortige Kündlgnng zu entziehen. Tann aber sagte ich mir, daß dies höchst unmännlich und anßerden: nichts anderes als uupatriotisch iväre. Tenn wen,: hier wirklich die verbrecherischen Fäden der Spionage gesponnen würden und ich ,var ihner: ans der Spur, so durfte :ch nicht den glänzende^ Beobacksterpoften raumen. Es war meine verdammte Pflicht Und Schuldigkeit, auszuharren i:ud zu ergründen, welche Verschwörung eigentlich in: Gange war.
Nun also: ich blieb.
Am nächsten Nöorgen wartete ich nickst, bis die Ereignisse nnch überraschen würden. Ich wachte schon nach sechs Uhr ans, bedrängt von einer Unruhe, die — ich null es gestehen — auch incht ganz frei von dem Laster der Neugierde war. Ich zog mich an, ruckte euren 'Ltuhl ganz dicht an die Türe und lauschte. Eine halbe stunde verging; eine zweite; eine dritte. Noch immer nichtch was :n: vaterländischen Juteresse der ernsthaften Beobachtung wert war ^ Um neun Uhr eridlich Vernahn: ich auf dem Gaiig schlürfende ^chrttte. Tas Geräusch war meinen mittlerweile detektivisch gut geschulten Ohren lvo hl bekannt. Es waren die Morgenpantoffel der Lpionin Müller.
Ich hielt den Atem zurück vor lauter Aufmerksamkeit.
Jetzt: der Hörer wurde abgenommen; die Micke Nummer ivurde verlangt. „Wie," flötete Frau Müller, „ Feld:,:arsw all memei: Lre? Einen Augenblick, da muß ich erst fragen" Sic rief etueu Herrn Hansen, einen dänischen Gast der Pension. Ick' hörte ,me die beiden sich halblaut beriete,:, dann flötete Frau Müller Meder in den Apparat: „Also gut, Feldmarschall! der: üblichen Latz!"
Feldmarschall! Bion denke Feldmarschall! Vorgestern ward von einem Enlenteweib, ge,rern von einem Lord gesprochen heute von emem „Felduiarschall"! Und der dänische Herr Hansen war 5 Lprel O, o, ich sah klar, ganz furchtbar klar: Frau Müller war nickst erne gewöhnliche Solo-Spion in, wenn ich so sagen dar;: ne:n, sie leitete en: ganzes S p io nag euch! An dieseni Tage bewnd ich wich schon emnral auf den: Wege zun: Polizeipräsidium erst in: letzten Augenblick machte ich wieder tehrt. Ich hielt es nach reiflicher Ueberleguug doch für besser, noch einige Tage mit der Auze:ge zu warten. .Hatte ich iuuerk)alb 24 Stunden die Beteiliauua des Herrn Hausen eittdeckt, so konnte ich di:rch weiteres Sehnungen und Horchen vwlleicht iwch anderen Mtschuldigen auf die Spur konimen.
Ich bezog also wieder ineinen Posten, und meine Ausdauer wurde rachftch belohnt. Innerhalb eurer Woche hatte ich zwei Tratte! der Pensionär? auf meiner schwarzen Liste • i
m aber hielt ich nicht rnchr aus. Währe,ch des nachnen '
GesprachkL erichreu .ch plötzlich aus dem Gang und fragte. „Frau Mutter, ira Zütl das peißer:?" ' ,üiOU
.... ^ tc in Mütter luutb-iQic m:ch teajicc Mrüvort, so-nderic
t l U>tte ri il >ig das Gespräch tzu Ende, ivtoba die Namen Kluck, Jvvnn« und Gibraltar fielen.
Tar:n erst warrdte sie sich zu rnir rrnd meinte strahlend:
„Nun, ,nein Herr, wollen 'Die sich nicht auch einmal beteilige,:- Ich habe dw glänzeichsten Tips."
, „Beteilige,:? .Tips?" rief ich zurück. „Wie, . . was . . . ,v« meruen Lre . . . ."
„Na, wir setzen im Wettbureau „U:nou" aus die Sommer-, rermen. Ter Geschäftsführer hat fn'iher bei n:ir gewohnt und nennt nttv immer dre besten Pferde . . "
Allerlei Notgeld in früherer Zeit.
Kaiser .Friedrich II. ließ im Jahre 1241 bei der Belagerung von tfcciii« Geld aus Leder Hersteller:. Kleine Lederstückchen wurden gestempelt und dienten als Zahlungsmittel. Tie von der deutschen Rerchsdruckere, vor etwa zwanzig Jahrei: aus dem Nachlaß eines inftftciIcu» Ludwig Clericus errvorbeue Papiergeldsamnrlung enthält zwei russische Lederrrckel, die als Notgeld gedient haben, {£$ eure unter dem Zaren Alexei Michailowitsch im Krieg mit Polen lbob, das lürrgere für die russischen Truppen während der Belagerung von Riga, die am 4. Juli 1710 mit der Eroberung der ^tadt epdigte. - Nach einer alten, in der Heidelberger Biblio- rhek aufvewahrteu Handschrift über die Eroberung Granadas vom Jahre 1487 berichitet Antonio Llgapida, daß der Graf Tendilla bei der Belagerung der Feste Mhama im Jahre 1484 kein Geld mehr hatte, uni seinen Käuegsleuten den Sold zu zahlen, so daß diese zu inurren begannen. Ta schrieb der Graf verschiedene Sumn:en auf kleme Stücke Papier, setzte seinen Namen darnnter und gab sie semeu Leuten an Geldes Statt; an die Bevölkerimg aber erließ er die Wnsung, dies Papiergeld, für dessen Ernlösung e:' mit semeu, ritterlichen Worte hafte, unweigerlich als Zahlung an- zunchmen; iver dies unterlasse, solle mit schtverer Leibeszüchtiguna bestraft werden. ?lgapida aber fügt hinzu, daß der Graf „rMich und chrrjtlich" das Geld nach und nach eingelöst habe. — Als Mainz, das seit den: 21. Oktober 1792 durch Custtne urch seine > 2 ansculottes eingeiwmu:en und besetzt worden war, im folgenden Jahre von den ztzoalitionstnrppen unter General von Kalchreuth belagert wurde, gab nurn ht der Stadt, als der Geldmangel immer dr:ugeuder wurde, ein „Belagerungs-Papiergeld" aus. Tre Scheine ttugen folgende frmrzösisiche Aufschrift: „Vöonnage de Sisge.
Lrvres a exchanger du uumeraire"; darunter den Stemel: „^:eg? de Mayence, Mm "1793 2e de la Rep. Franc." Ms die Franzosen :m Jahre 1807 die so tapfer verteidigte Festung Kolbe rg belagerten, entstand m der S>tadt e:n sehr e:up7indlicher Man-- gc, au Kleingeld, was 'uameittlich 7ür die ärmeren Leute schwer erträglich war. Ta vict Joachim Nettelbeck zur Ausgabe von Not- papiergeld, dcrs er aus seinen. Reisen als Schiffskapitän bei den Pslanzern in Holländisch-Mnercka als Aushilfsmittel für den flamm Verkehr kennen gelernt httte. Ter Kaufmann Dresow ent- wars dann den Plan der Ausgabe, welcher folgendernmßeu ins Werk, gesetzt wurde. Ein Buchbinder schnitt Stücke Pappdeckel in längliche Forn: und liberklebte sie mit weißen: Papier, das dann, we:l es in der Stadt keine Buchdruckerei gab, von Schüler:: deS Lyzeums entsprechend beschrieblen wurde. Es gab drei Wertstufen' „Zwei Groschen", nnt schwarzer Tinte; „Vier Groschen", mit hellblauer Tmte und „Acht Groschen" mit roter Tiitte Alle trugen, den Vermerk: „Unter königlicher Garantie" und waren fortlau seich genummert. Aus der Rückseite trugen sie in Schvarz- oruck den Stempel „Mnigliches Gouvernauent pon Colberg". Unterschrieben wurden diese Stücke von dazu beorderten Magi- strats^Mftgl-'edern, Bürgervertcete'.n uz.d Aecke' e.i des S g'arhaufeö einer Vereinigung von Schiffsreederu und lkauflei'teu. Sluch noch nach Aufhebung der B.lagcrung blieb dies Papiergeld in der < 2 tadt und ihrem Weichbilde bei Zwangsstand in: Unckaich und erst am l* ^bptember 1808 wird es außer Verkehr gesetzt. Im ganzen war für 5209 Taler davon hergestellt worden.
veeinrfehtes.
Moritz, Prinz von Oranien. (Zur 350. Wiederkehr des Geburtstages des Oraniers, 14. November. Bor nun 350 Jahren, am 14. November 1567, ist Moritz, Prinz von Oranien Graf von Nasian geboren, der in der Geschichte der Niederlande eure bedeuisame Rolle gespielt hat und unzweifelhaft einer der größten Feldherren aller Zeiten ist Prinz Moritz, ein Sohn Annas von wachsen, der miglücklichen z,o?iten Gemahlin des Pri,:zen WiU-elm I. von Oranien, hatte eine sehr unruhige Jugend ver
lebt. Er wurde zu Tillenbnrg in der Verbcunumg unter den Wirren geboren, die die Seinigeu aus den Niederlanden vertrieben hatten und bl:cb auch nach der Rückkehr seines Vaters in die Niederlande 1572, mit seinen Sch-vestern auf dem Stamnlschloß zurück, unter der Obhut seines Oheims, des Grafen Johann, der bei den Michern semes, in den Niederlanden ränipfenden Bruders jetzt Vaterstelle vertrat. Sehr jung noch hatte er die Universität Heidelberg bezogen. Seipe ^tiesnrntter, Charlotte vor: Bourbon, ließ ihn: eü:e weitere sorgfältige Erziehiup; Urteil werdül. bis er im Jahre 1582 aiu Mutsch der Provinzen Holland, Zeelmch and Utreck»: :uch


