Ausgabe 
14.11.1917
 
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Gesetze verstößt, liegt in der Welt, liegt irr jedem. ein&Tnert ffJlenfcfyen barin! Niemand tut etwas, lvas auch, nicht ebenso­gut eilt anderer tun könnte! Und doch kehren srch alle immer gegen den einen, der der zufällige Tjälter ist, in blinden?, ewigen? Haß!"

Mit einem Seitenblick auf die Tür, die sich geöffnet hatte, unterbrach er sich plötzlich. Sein Gesicht verzog sich zu einem häßlichen Lachen. Er stteß seinen Begleiter heftig an.Sehen Sie! Kennen Sie die beiden?"

Der Geschäftsführer hatte nicht Zeit, zn antiv-orten, beim die beiden, die soeben eingetreten waren, ein Mann und eine junge Frau, rräherten sich jetzt der Mitte (des Lokales. s

Der Geschäftsführer war rot geioordeu., machte den Versuch, sich ab zu wen den, erhob sich aber dann doch Und grüßte.

Beide dankten, der Mann n?rt erneut Lächeln, die junge Frau mit einem leichten Neigen des Kopfes, bis... bis sie mit einem Mab' beide in ein verzerrtes Antlitz sahen, das sie regungslos anstarrte...

Me junge Frau stieß ciueu leisen Schrei aus.

Ihr Mann stützte sie schnell und wollte sie lächelnd be­ruhigen.Aber Erna ..."

Doch sie klammerte sich zu Tode erschreckt mit beiden. Händen an ibn und drängte ihn nach dem Ausgang zu, wo ein Kellner, oer den Vorgang beobachtet hatte, ihnen rasch die Tür öffnete und sie -diskret wieder hinter ihnen schloß.

Reisner warf den Kopf hoch, lachte hart und sagte so karrt, daß mau es au den benachbarten Tischen hören konnte: Ja, das war einmal meine Braut!"

Schweigen Sie!" raunte ihm der Geschäftsführer zu. noch immer bemüht, einen Auftritt zu vermeiden.Schlnei­gen Sie, inan ist ans uns aluftnerksäin geworden!"

Ist man das- Mir gleich!"

Ich bitte Sie../'

Reisner schlug nlit der geballten Faust auf bejt Tisch. Wollen Sie schweigen," schrie er,Sie Feigling

Der Geschäftsführer pochte nttt einem Geldstück auf den Tisch und ries angstvoll:Zahlen!"

Man hörte das Rücker? von Stühlen, einige Gäste er­hoben sich und rerfbcii die Köpfe, andere lachterr, aus einer Ecke kam der Ruf:Unverschämtheit!"

Drei Kellner waren an den Tisch Herageeilt, umstanden ihn und zeigten eine drohende Mene.Zahlen?" fragte wrmig liebenswürdig der eine.

Reisner warf ein Goldstück ans den Tisch, stand aus, schob mit dem Fuß den Stuhl heftig zurück und zischte Haiti- lcnttGesindel" vor sich. hin.

Draußen in der frischen Luft entblößte er den Kopf m?d fuhr sich mit der Hand über' die feuchten Haare. Ein Gefühl der Schum und Verachtung würgte ihn. Sein Wunsch war es, dre Welt zu vergiften, und doch lähmte ihn eine dumpfe Angst vor dieser Welt.

Der Geschäftsführer schritt neben ihn? einher und ver­nichte es, chn zu trösten. Der Unterton seiner Worte war Freude. Lchndenfteude über die Niederlage de-- anderen der srch damit gebrüstet hatte, der Welt überlegen zu sein.

Nein, niemand war der Welt überlegen, in der Welt hmg der eme vom andern ab, ein jeder brauchte den Nach­bar, der ?a mt Grunde gar nicht so böse und rachsüchtig war, mu . ^^te, daß man sich der Allgemeinheit fügte! Dre Allgemernhett! Sie war es, die man bei allem was man tat, vor Augen haben mußte. Man mußte immer )UNerh und Glied marschieren, durfte nie so arnnaßend sein, frch abseits zu begeben Und gar gegen den Strom konnte niemand schwimmen ...

Reisner verglich die Worte, die er da hörte, mit denen, die der alte Jnstrzrat zn ihm gesagt hatte, und lachte laut ' x allmählich, ruhiger zu werde?!, und er

schämte f?ch nur noch ein wenig. Wie dninm war es von ihn? aewesen, zu zeigen, was er fühlte, nud lvie dumm war es überhaupt, so zn suhlen, me er fühlte, ja überhaupt zu suhlev! Was gingen ihn die Menschen an, da er nichts nichr mit ihnen gemein haben > >nte? Nein, er marschierte- nicht m Rech und Glied, er ging abseits, und er lvürde es doch erleben, daß die aubeivu, die ihn heute iwch ver­achteten imd die glaubten, ihn ducken zu können, ihm nackr- iiefen!

Er schämü' sich mit einem Male aruch deiierr, daß er diese-n Manne da. der künftig doch auch nur ein gefügiges

Werkzeug iu feinen HSiiden sein sollte, so offen «ezeigb

hatte, w?e er über ihn dachte.

Immer aufs neue drängte sich if)^ die Ueberzeugunz nitj, vast ö?e Lüge, in die nrau sich, der Welt gegeiiüber hüllte, nicht notwendig Schwäche sein Niußte, daß sie im Gegenteil eine stärke sein konnte, gegei? die die Menschen machtlos lvaren.

® a f lu l Ö, u ^stltand, daß die Menschen bös ?u?d rach­süchtig waren, gelangte seine Natur leicht dahin, z?l glauben, daß es eine Dummheit lväre, sich, gegei? sie mit Güte zur ^hr zu setzen. Womit nrau sie am erfolgreichsten knebelte, waren vielmehr dieselbe Nachsucht und dieselbe Tücke, die sie selber gegen einen zur Anwendung brachten. Nur nutßte nrau, ) e sie, heucheln und so tun, als ivolle inan ihr Gutes, welche Heuchele? dann den Genuß, sie zu beherrschen, noch erhöhte.

wurde Reisner nun mit einen? Male zu den? Geschäfts­führer freundlich und entschuldigte sich bei ihm Wege?? der heftigen Szer?e in? Nestanrant.

Als einer, der noch allziisehr unter den? Eii?druck der verflossenen vier Jahre stehe, sei er außerordentlich reizbar und seiner neuen Mitwelt gegenüber ungerecht: und so be- da?lere er vor allen? seine ehemalige Brau?, der er durch sein Benehmen nuverdienterweise einen solche,? Schrecken cin- geiagt habe.

Das nahm der Geschäftsführer sofort zum Anlaß, sich des näheren über die Verhältnisse dieser Dame auszulassei?. öic l)a&e eine vortreffliche Partie gemacht. Ihr Mann sei ein Architekt, der trotz seiner Jugend schoi? sehr beiannt und mit Aufträgen überhäuft sei. Und das Ehepaar erfreue sich a??ch schon zweier reizender Kinder.

Ja," sagte Reisner wie bereuend,wenn ich dara?? denke, welche Wendung vielleicht mein Lebei? ge??on?men hatte, wenn sie meine Frau geworden wäre . .

.... tröstete ihn völlig befriedigt der Geschäfts­

führer, ,,S?e dürfen trotzdem ben Mut nicht verlieren!"

Reisner gab ihm die Hand und trennte sich von ihm.

Er ging allein durch die nächtliche Stadt, voller Ge­danke?? und Pläne.

?Lr nahm es wahr, wie es klarer und rußiger in ihm löU£- uub er litt nicht dar?n?1er, daß er allein rvar, denn er fühlte srch. plötzlich wieder stark.

der Häuser vor? Uhlenhorst duftete der Flieder. Em iinrges Paar hatte sich an einen Zaun gedrückt Rersner fpürte eine süße Bangigkeit in sich.

(Fortievung toiat.;

Das Zpionagenest.

Von Alfred Bratt.

Wenn ich jetzt, nach drei Kriegsjahren, die Bilanz uleincr nngeir-ohnlickien Erlebnis,e wäl/reuö dieser- Zeit ziehe, so muß ich eingeslehen, daß das Ergebnis eigeritlich beschämend gering ist Ich meine natürlich die rein äußerlickienErlebnisse", die aus der Krregszeit geborenen Verwicklungen, die uns unter Umständen anslanern rönnen.

Eigentlich fällt nrir^nnr ein einziges richtiges Abenteuer ein. das ,ich übrigens zum Lchli,.ß bloß als eine Blamage oder als ein Rem fall, wie man verdi-ntscht sagen mnß - entpuppte. .Immer- hin genoß ich kürze Zeit die Schauer eines Mannes, der sich ganz plötzlich und ganz gegen seinen Willen in dir dämonischen Tnutelh. iten eines Spionagen estes verstrickt sieht.

Gleich zn Kriegsbeginn ich wckl es ehrlich gestehen fuhr nur emo unnatürlich gesteigerte Nervosität in die Knochen, wie \k L c #' 1 u l r 3 e $ c A 11 zahllosen Fällen alsKriegspsychose" regi- strieit^ haben. Nachdem ich an einer Litsaß-Sänle die Erklärung des Kriegsstcwdrcchls ?md seine gesamten Paragraphen gelesen hatte, Mhlte ich in ich als geschlagener Mann. Ich trug zivarO»veder eine Lchuß- noch eme Stichwaffe bei mir, ein winziges Taschen- me,,er ausgenommen, ich verkehrte nicht mit verdächtigen Ele- menten, ich war mir auch nicht beivußt, einen Anslauf zu büden ii,lv. Trotzdem hielt ich es nichr für unmöglich, eines schimpflichen Todev zu ,ierbea, da ich mir nichr alle die verschiedenen Piurtte merken konnte, bei denen die Erklärun? mit der Strafe des Er­schießens drohte.

Dieser Gemütszustand, dessen ich mich l>eute schäme, läßt es begreiflich erscheinen, daß ich in den folgenden Wochen, die ja bekanntlich von heftiger Bewegung getragen waren, aus einer Klemme iii die andere geriet.

., Getreu den fortwährend veröffentlichten Bevordnungen, hütete ich ui ich, vor einem Museum stehe,! zu bleiben., statt dessen geriet ich immer wieder in die Nähe von Brücken und Kaserlien, und das geiade tvarrn ja dieKunstibauten", vor dene?i gelvarut wurde ^n der^ Untergrundbahn erregte ich unliebsames Aufsehen, .oell meine <cUm epu" a.nertkanisch Form hatten, in bu Friedrick>° Itmiic voarg wo hüten übereifrige Leute meineenglts/-e" Glart»