Ausgabe 
12.11.1917
 
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einzige war, ben Gefühle und Vorurteile nicht in Fesseln legen konnten. 1 *

Reisner sprang in ein Auto und ließ sich in das.Ge- schäftsviertel fahren. Vor einen: der riesenhaften Kontor- Häuser ließ er halte::. Der Paternosteraufz-ug brachte ihn in das vierte Stockwerk. Dort läutete er an der Türe eines große:: Kontores.

Als er eintrat, ging eine Bewegung durch die Reihe der Angestellten. Reisner lächelte spöttisch, denn er sah, daß man ihn erkannte. Er wandte sich an einen "der Buchhalter mit d^r, Frage nach den: Geschäftsführer. Der Mann er­rötete stark, verbeugte sich ungeschickt und öffnete ihn: eine Türe.

Während Reisner die Schwelle überschritt, freute er sich in: voraus des Eindruckes, den sein unerwartetes Erscheinen Hervorrufen mußte. Niemand nämlich ahnte, daß ihm ein Jahr seiner Strafe im Gnadenwege erlassen worden war. Er mußte allen, die ihn so unvermutet sahen, wie ein vom Tode Auferstandener erscheinen.

Die Wirkung, die er erzielte, war in der Tat enorm: Sigmund Lantenbach, sein Geschäftsführer, starrte ihn wie einen Geist an, mit offenen: Mund, aufgerissenen Angen und unfähig, ein Wort zu sagen.

Nun," sagte Reisner, indem er in die Mitte des Zim­mers trat und so tat, als sei er kaum acht Tage vom Ge­schäft fern gewesen,hat es Ihnen den Atem verschlagen?"

Er lachte kurz auf, warf sich, die Arme über der Brust kreuzend, in einen Stuhl und sah sich flüchtig in dem Raum um, der früher jahrelang seine eigene Arbeitsstätte gewesen war.Ich will Sie heute nicht lange aufhalten," fuhr er fort, sich an der Bestürzung des arideren noch immer weidend.Ich bin nur gekomrnen, um Ihnen zu zeigen, daß ich wieder da bin: gesund, munter und ungebrochen. Und um Ihnen zugleich zu sagen, daß es trotzdem meine Absicht ist, sehr bald »nieder von hier wegzugehen, und zwar für immer."

Erst jetzt fing der Geschäftsführer an, sich allmählich in die Lage zu finden. Er stammelte eine Begrüßung, von der er freilich allzusehr fühlte, daß sie zu spät kam und daß sie zu gezwungen klang, als daß er es noch hätte wagen dürfen, dem Mann, der unter einem sein Chef und ein ent­lassener Sträfling war, die Haiid zu reichen.

> So half er sich damit, daß er nach einigen einleitenden Verlegenheitsworten sogleich daran ging, in knappen Um­rissen ein Bild vom Staude des Gejchäftes zu entwerfen. Und das gab ihm nach und nach seine Sicherheit zurück, denn er hatte nur Erfreuliches zu berichten. Das Vermögen Reisners hatte sich in den verflossenen vier Jahren wesent­lich vermehrt.

Reisner hörte ihm aufmerksam zu. Keine Geste, kein Zug m seinem Gesicht verriet, was in ihm vorgiug, was er dachte. Immer hörte er die Mahnung des Alten: Zeigen Sie nie, daß Sie leiden, zeigen Sie auch nie, daß Sie sich freuen: bleiben Sie unter allen llmständen kalt! Und er sah, daß es gar nicht so schwer war, sich zu beherrschen, sich v 1 r-3 n - e -k ßr Persönlichkeit eines anderen zu entziehen und s:ch auf diese Weise überlegen zu zeigen, wenn n:an nur an d:e Richtigkeit des Standpunktes, den man einnahm, innerlich fest glaubte. Und daß er diesen Glauben hatte diesen Glauben an sich selbst, das fühlte er jetzt.

machten mir," nahm Reisner, nachdem der Ge. schaftssuhrer nnt sein«n Bericht zu Ende mar, das Wort, Mer Jahren von hier Weggehen mußte, einen Borschlag .Sie spräche,/ damals, wenn ich mich nicht irre, davon, dag Sie die Mittel besäßen, mir mein Geschäft, von damals nicht annahmen, daß ich es würde weiter- ^wi- a = iU l au f e 3ch Zehnte damals ans Anraten über?" -'«»walte» ab ... Nnn, wie denken Sie heute dar-

^Estsführer war von dem Glücksfall. der sich

B ot ' a i f das höchste überrascht.Sie sollen... wirklich... verkaufen?" fragte er Ich trage mich mit dem Gedanken, jalvvhl"

Uilü Sic denken dabei... wirklich.. an mich?"

nahm den zitternden Unterton der Stimme heimliche Ton war ein demütiges Sichbenqen f0ln , n8e er äber Reichtümer verfügte, auch d°e -Kadjt dehreü, aridere von sich abhängig und sich dienstbar mt matten.Ich denke an Sie," sagte er ruhig, a«ade ^ Sie. Denn es ist mein Wunsch, an dem Geschäft als stiller

Teilhaber auich fternerhin beteiligt zju sein, mit größeren Kov:tal:en, die Ihnen, als einem Anfänger, wohl doppelt willkommen sein werden." Er sah den Geschäftsführer voll an.

Ter sprang auf und streckte Reisner zögernd die.Hand entgegen, so, als fürchte er, dieser könne sie zurückweisem _ Und Rersner schien sie in der Tat nicht zu bemerken, so dag jenen: nichts anderes übrig blieb, als sie schüchtern wieder zurückzuziehen, wobei er, beschämt und unsicher, murmelte:Ich danke Ihnen! Ich danke Änen sehr!"

^och Reisner schüttelte den Kopf.Es ist nrcht nötig, daß S:e m:r danken, denn das, was ich Ihnen Vorschläge, ist e:n nüchternes Geschäft, bei dem ich vor allem meinen eigenen Vorteil in: Auge habe."

Und er entwickelte dem anderer: die Grundzüge, nach denen er einen Vertrag mit ihm zu schließen gewillt war.

-^Bedingungen, die er stellte, waren hart und gingen b:s an d:e äußerste Grenze dessen,.was ein Gesellschafter s:ch bieten lassen tonnte.

Wollen Sie?" fragte er, nachdem er seine Erklärungen mit einem kalten Raffinement abgegeben hatte, das vem Partner d:e künftige Abhängigkeit offenbar bis ins letzte Detail zum Bewußtsein zu bringen wünschte.Wollen Sie oder wollen Sie nicht?"

Zum ersten Male in seinem Leben kostete er de:: Genuß aus, aus ernem Menschen, der sich nicht wehren komtte, das Letzte herausznpressen.

k p 6.^ang, hintertieß ein prickeln-

^...^bsnhl der Besrredrgnng :n ihm. Er war gleichsam ein Prufste:n für d:e Kraft fernes Willens, die, wenn er sie nur der Kälte seines Herzens stählte, noch wachsen würde

Nochern der gleichen Stunde wurde der Vertrag auf- ge,etzt in zlve: Exen^laren ausgeferttgt und von beiden unterschrieben. *

(Fortsetzung folgt.)

ycmr EY0M6 ttttd m deutsche Krieg.

iefempfunbeite Worte der Altersweisheit zu den Ereignissen die heute dre S^cle des Deuchchssn bewegen, scheibt Hans Thoma, dessen Lebenswerk soeben durch die Verleihung des Ordens Ponr le mertte die verdiente Ehrung fand, in einem kleinen ''Bucke das er unter dem TitelDie zwilchm Zeit und Ewigkeit unsicher 'siatternds Seele" bei Eugen Drederichs m Jena veröffentlicht. Der Altmeister kennzeichuet du T^rrcuchtuüiglen, die er in 12 Kapiteln niederlegt, zum Schlüsse selbst mit folgenden Worten:Möge man diese Aeuße- rungen ansehen und gütiglt aufnehmen, als wie von einem den Unbefugten gemacht denen der Eintritt verboten ist, der neu-! gierig vor dem Bretterverschlag ß,eht, hinter welchem A,bbruch und Neuerrichtung eines Rübenbaues vor sich zu gchm scheint von dem er den sürchderlick-en Lärm hört, aber nicht weiß was er' davon denken ,oll: der aoer alles Vertrauen hat, daß gute SW meiller das Werk letten, du da wissen, daß sie nicht anders bauen können, als nach den Geietzen der Ordnung, welche der ewige Bau­herr der Welt von Anbeginn bestimmt hat, - nach dem Sinn der Ordnung, dein alle Volker sich sägen müssen, der O.dnung. die er ,elbst dem Menschengeschlecht gesetzt hat, Mp die Menschen folget {?*£?/ Ä&fSM* n s f,t beibehen können. . . Viellßzch.t wird man ragen. Wer ist ^rm der,Zaungast, der dies geschrieben hat? Und wenn ein geistiges Po!i-eiamt nach der Berechtigung hierzu fragen sollte, ,0 ist voin Notariat der Seele beglaubigt und in ihr Wander-, buch, eingetragen, was die Seele hierüber zu sagen weiß:

^Jich. komme aus der Ewigkeit. rVrühling war s, dann heiße Sommerzeit'

Der Herbst bracht' Famcht und Blätterfall Und wilder Stürme Widerhall.

Nun i|t still der kalte Winternebel da,

^ Er hüllt in Eins, was fern und nah;

Mich deckt das Schneeetuch der Vergessenheit.

So fahr' zurück ich wieder in die Ewigkeit.

Und von diesem unbeirrbaren Glauben aim den tieferen Sinn des uns so grausam erscheinenden Schicksals, das das heutige Geschlecht erleben muß, tzeugt Zeile in Hans Thoinas' schttchtem Büchlein Oon s ^ c der Menschenseele nach ihrer himmlischen

Heimat und von dem Gewissen, von dem Rätsel des Seins von der lauternden Kratt des Leidens oder von der Erhebung im Gebe» sprechen Alle diese Gedanken aber werden auf den Krieg bezogen

Erlebens steht. Ueber die Not px er so tief empstndet und so ergreifend ^sdruckt, erhebt sich Thoma in seiner Betrachtung zu höherer« vmr der er den Krieg als eine Prüfung ansieht, aus dev

S" f1 Ä r SS r9e M urtb P l seiner vollen Notwendigkeit für den Bestand des Menscheligeichlechts enoeisen muß. In diesem

> legt er, der deutscheste der heutigen Künstler, ein wundervolles Bekenntnis für sem Deutschtum ab. Er schildert,