Ausgabe 
31.10.1917
 
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wie auf eine fremde, verwundert, feindfeli-g, aber jetzt völlig ohne Haß und ohne Liebe.

Sie war blaß, jedoch ihre Augen leuchteten.Sie," rief sie laut nick) kalt nach so grausam, daß er vor ihr erschrak, Sie, was haben. Sie getan?"

Getötet," sagte er müde, wie erschöpft von einer An­strengung, die Jahre gewährt hatte.

Nein," höhnte sie ihn,er lebt!"

Er lebt?"

In ihrer Stimme war derselbe Jubel wie in der Geste, mit der sie jetzt der: Geretteten umfinq.Stümper!" schrie sie.Narr! Mörder!"

Die Worte trafen ihn, als kämen sie aus weiter Ferne, sein ganzes bisheribes Leben winkte ihm arrs dieser Ferne zu, vor ihm enteilend, während er 'zurlickblieb, in einem neuen Leben, das er noch nicht kannte, dessen Schrecklichkeit er aber ahnte, unter Menschen, die ihr: nun hielten, fesselten, mit sich fortschleppten. . .

*

Der Direktor legte das Manuskript weg und sah den Pastor an.

Dieser schien geniert und unschlüssig, wie er sich zu ver­halten habe. Wieder rieb ec seine gepflegten Hände.Fa," sagte er schließlich und dehnte die Worte,so, wie Sie das lesen, ist es ein Roman . .

Es ist die Wahrheit," entgegnete der Direktor,nur Nlit mehr Wärme gesehen, als ein Gerichtshof sie auf­bringt."

_ Dtzr Pastor wischte diese Worte mit einer frommen Geste gleichsam aus.Sie haben recht," sagte er fried­fertig und machte doch zugleich ein unnahbares Gesicht,der Mann^war kein Charakter, er verdiente seine Strafe."

Fünf Jahre, die er als ein Bereuender und Gebroche­ner entgegennahm, um sich bald darauf mit seinem Schicksal zu versöhnen."

Der Direktor zündete sich eine neue Zigarre au und gab smueu Stimme etwas Lässiges, als verachte er den Mann, über den er sprach.Wie jedem Einfluß, so-unterlag Her­mann Reisner sehr schnell auch dem des Gefängnisses. Das Gefängnis modelte ihn um, wie ihn jenes Weib umgemodelt hatte: aus einen: Mörder wurde ein Büßer. Er,' der nie eii: starkes Ich besessen hatte, besaß auch hier keines Und nahm gern jenes Ich an, das man hier von ihm verlangte. Deshalb wurde er ein Mustergefangener. Und so geht er ubernwrgen in die Freiheit, um dort von den:, den: er zuerst m d:e Hände fällt, wieder ein neues Ich zu erhalten."

Wobei wir hoffen wollen, daß es ein gutes Ich sein w:rd," sagte der Pastor n:it Nachdruck.Aber Sie sprachen noch von einem zweiten Fall dem Fall-"

Behrens," nickte gelassen der Direktor, sog nachdenk­lich an ,eurer Zigarre, griff nach, dem zweiten Manuskript und t.as:

3. Kapitel.

An einem heißen Augustnachmittag des Jahres 1898 harten zioe: Boote, die auf der Hamburger Außenalster fuhren, euren aufregender: Anblick.

Etlva einen halben Kilometer von ihnen entfernt schwamm ein drittes Boot, dessen Insassen zwei Männer waren, derer: heftige Gesten darauf schließen ließen, daß sie erregt miteinander stritten. '

_ J> em einen der zwei zuschauenden Boote saß ein ? in ..Handlur:gsgehilfe, der seinen freien benutzt hatte, mit seinem Freilich und dessen Biarck, d:e sich m dem anderen Boot befanden, auf der Alster zu ruoern.

... ^eser junge Mann ließ nun die Ruder sinken, richtete

b:e :n der Ferne Streitenden und sagte tausend.Was d:e nur haben l"

Schr«"" Oleickien Augenblick aber stieß er einen lauten

® lc 6e $ in fernen Boot waren plötzlich aus- einander ^ atten W' O^packt und rangen wütend mit-

^aum einige Sekunden. In demselben Mo- wem, oa d»,r lunge Mann ,einen Schrei ausstiest batte den Ifl der ringenden Männer den Gegner fes umschlunaen Weile W und schleuderte ihn sodann ^ erner furchtbaren Kraft aus dem Boot, um sich gleich daraus

EÄgKteS&K ***** «d

! s. Der Hmausbeworfene schien entleer kein Schwimmer oder durch den Schreck gelähmt zu sein. Man sah nur eine >Äpaiiue Zeit ferne Arme aus dem Wasser austauchen. Dann verstmk er in der Tiefe.

Den ZuAauern l)atU das Entsetzen zunächst beit Atem verschlagen. L>:e erhöhten sich nur langsam urrd sahen ein- ander ratlos an. Das juuae Mädchen brach in ein hysteri- »ckiev Schluchzen aus und barg das Gesicht in den Händen. Ben Jungen Männern, bk schwach unb furchtsam waren, ftandeil ^Schweißperlen auf der Stirn.

dNan müßte doch," stammelte eiidlich der Handlungs­gehilfe,man müßte. .

Er vollendete riicht, sondern ergriff die Ruder und ru­derte, von den beiden anderen gefolgt, auf jene Stelle zu, an der der unbekannte Marin unterg eg äugen war.

Inzwischen war der Mörder mit seinem Boot schon bis an^ Ufer gelangt, wo er an Land sprang und, sein Boot inr Sttch lassend, rasch laufend im Gebüsch verschwand.

Die Verfolger, die noch imnrer eine wahnsinnige Angst lahmte, setzten ihm zaghaft n»ch, so, als fürchteten sie, das User früher zu betreten, ehe er weit von ihnen weg war.

Dieser Fall trat auch ein. Als ihre Füße den fester: Bo- oeu berührten, war von dem Entflohenen längst nichts mehr zu sehen. Er war verschwunden.

Erst jetzt kam ein fieberhaftes Leben in "bie kleine Gruppe.

Sie fdjrie, lief planlos umher und tat nichts vou-dem, was nong gewesen wäre. Bis schließlich der.Handlungs- gehllfe doch auf den Gedanken kanr, Hilfe herbeizuholen.

hinein diese kam viel zu spät. Der Ertrunkene war nicht ^vur re ^ e * l bon dem Entflohenen hatte man keine

Erft am nächsten Tag gelang es, die Leiche des Ertrun­kenen zu bergen.

, Und das Erstaunen war groß, als die Papiere, die mau Toteii sand, ergaben, daß er ein angesehener Bürger der Stadr war, der Acakler Justus B'.ümner, ein vierzigjähri­ger Mann, der seit fünf Jahren mit einer jungen, schönen Frau u: kinderloser Ehe lebte. 1 -

< . ^ Nachdem die Staatsanwaltschaft - am Ort des Ber- b^cchcnv denn ein solches nahm man ohne weiteres an - Den Tatbestand ausgenommen hatte, gab sie den Toten frei und man schaffte ihn in die Wohnung Blümneä, in der ^ innge Frau verstört und doch zugleich gefaßt, schon wartete. fie{ Eie Blümner war m der Tat eine Schönheit, die auf-

Sie war noch nicht vierundzwanzig Jahre alt Ihr saaar zcrgte lenes berückende Rotblond, das fu flammen scheint wenn die Sonne darauf scheint, ihre grossen grauen Augen Müdigkeit aus, Müdigkeit und Melancholie, und um chrc kippen lag ein ^ug, der, gleichsam erstarrt, non einem Schmerz erzählte, der es aufgegeben hatte, zu hoffen Sie b d^ ^Er verarmten Adelsfamilie und war nur L halb die Fiau Blumncrs geworden, weil ihre Eltern es wünschten. Das war kein Geheimnis. umt

(Fortsetzung folgt.)

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Zu ASerseelen.

Eme kulturgeschichtliche Betroctstmig.

Bo-n Dr. I. Stanj e k.

(Rachbrnck verboten.) - üLteN auf-den Tisch die dustendei: Reseden.

- ^ Die letzten roten Astern trag herbei"

. J?'o hebt das bdkmiute AllerseelengMcht des größter: und ae-, feiert,-«! Luvt« Tzchlers Hermann Gilln an, da? schnätl it luciiajiLt aller a.autichen geworden. ist. Kennt die vrotarai' r.i rf

Gosche.. Verse inä M %£«

Eüßreche des Gedichts:Wie einst im .Na: , dre langst zum geflngMen Wort geworden ist Ander',- . aber hat der genui^eiche Don leider gar bald L che Italnren Mm ^Traveslreren verleitet' den Reim Reseden rei-m durch L>cherzreinie zu ersetzen, ist geradezu zum Gescllsckaüe- ^ Nebenbei sei ertoälmt, U

o^A^uenei: zwecken Bande seines autvbiographischer:

^E^uermigen" ähnlich berichtet, er habe mit Otto Crrch Hartlebm taten ganzen Abend damit verbracht, inrmer neue

m Minden. Man mag dies irre i)elt ntensMtcl^vehnrütigcn Gedaitker: des GrdichteS