Ausgabe 
31.10.1917
 
Einzelbild herunterladen

Die Rächer.

Roman von Hermann Magnet / (Fortsetzung.)

Für Hennami Reisner wurde sie der Mensch, dessen lÄnsluß so stark und so zauberh-Ht auf ihn lvur, da st er nichts sehnlicher wünschte, als ihm zu nnterliv-en.

Er bot sich ihr vorbehaltlos an.Wollen Ske mich?" sagte er zu ihr.Nehmen Sie mich. Ich bin Ihr Sklave. Ich tue. was immer Sie von mir verlangen."

Alles?" fragte sie.

Alles," antwortete er in einer heißen Zlufwallung seines Mutes, das zum ersten Male einen gebieterischen Avang auf ihn ans übte, das schwer und wie gebunden in seinen 'Adern kochte und bereit lvar, alle G-esüße Mi sprengen.

Er erlag widerstand^os ihrem Bann. Er ging in einer süß-schweren Trsuer umher, glücklicher als je zuvor in seinem Leben und sich doch des Unheils dumpf bewußt, in das sie ihn allmählich ein spann.

Er litt, aber liebte sein Leiden. Es bereitete ihm Qua­len, wenn er sah, tvie andere sich cm ihr entzündeten, aber er hatte doch nicht leben mögen, wenn sie nicht die gewesen w-äre, die die Männer brauchte, um froh zu werden, weim ie litten. Die Eifersucht war der Atem, der seine Leidens­chaft zu immer heftigeren Flammen entfachte.

Es quält Sie, wenn ich andere liebe," sagte sie zu ihm, mit einem Lächeln, das sich hingab,andere, allenur Sie nicht?"

Es quält mich, ja/'

Warum dulden Sie es?"

Was kann ich tun?" fragte er bestürzt.

Sie sah ihn eine Weile stumm an, so, daß er es begriff, wenn andere, wie es hieß, sich um sie ruiniert hatten.Was Sie tun sollen? Sie sind kein Mann, weim Sie so fragen. Etwas, das niir zeigt, daß Sie meiner wert sind. Nicht nur- meiner: überhaupt einer Frau! Bisher tvaren Sie das nicht." '

Wie?"

Nein. Damit man eine Frau erringe, muß man zeigen, daß sie einem alles gilt .. . Wieviel gelte ich Ihnen?"

Alles."

Beweisen Sie es mir . . . Schlagen Sie, schlagen Sie Ihren Nebenbuhler aus dem Felde. Ihn. Ten einen..." v

Sie sprach das Wortschlagen" leise aus, zog es hin und gab ihm einen Don, der in seiner Grausamkeit etwas Liebkosendes hatte. Er sah Blut, aber es schien ihm, als ob es zwischen jungen Blnnien rönne. Gar nichts Abschreckendes hatte das, dafür viel, das ihn reizte, sich um seine Sinne wie ein süßer Duft legte.

Bon diesem Tag an haßte er sie, weil er wußte, daß er sie würde lieben müssen, was inuner sie ihm auch antät-e. Und von dieser Stunde an wurde es ihm zur Gewißheit, daß

jener Mann, jener andere, Kener eine, den sie? meinte und vs-n dem er wußte, daß sie ihn liebte, ihm verfallen war. Und von diesem Augenblick an, da er sich über dies im klaren war, blühte ein seltsames Gefühl in ihm auf, ein Gefi'ihk des Mitleids mit diesem Fremden, so, als bedauerte er es, daß er ihn, der von ihr verurteilt und der ahnungslos war. Men nrußte . . .

ES fonitrt Tage, cm denen sein Blut so ungestüm nach ihr verlangte, in so weher, blinder Glitt, daß er das Gefühl l)atte, jedes Herbrechens, auch des abscheulichsten, fähig zu sein. Dann ivurde es dun-el vor seinen Augen und eine Stimme schrie ihm heiser zu:Elle, eile, denn du hast kerne Zeit?"

Unablässig «grübelte er darüber nach, wie er zu seinein Ziel gelangen fbmrte, mit einem Schlag, über Nacht.

Mitten in der Arbeit konnte ihn dieser dunkle Drang anfallen, so daß er stöhn«ck> aufsah und stund enlairg ab­wesend vor sich hinftarrte.Wie?" jagten unablässig die Gedanken in ihm.Wie?"

Er ersann die unmöglichsten Gelegenheiten und Situa- ttonen, Duelle, lieber fülle, heimtückische Morde.

Und er ttat zitternd vor sie hin, vor sie, die ihn zum Busen trieb, und suchte in ihren Augen. Diese sprachen, indem sie schwiegen. Und, sie schenkten sich ihm ganz, ganz und gar, in all ihrer rätselvoll lockenden Tiefe.Tue es," schmeichelten sie,du ttrst es für mich!"

Da überraschte den Schwankenden ein Zufall, als wäre er eine Schickung. Unvermutet stand er dem Mann, der Mn im Wege war, gegenüber, nachts, in der helldunklen Be­leuchtung des Flurs in der Wohnung Lenas.

Er erstarrte, als er ihn sah.

Sein Ateln stand still, urid vor seinen Augen kreisten rote Rüder. Altes Blut stteg ihm zu Kvpf und machte ihn trunken.

Drinnen wartete sie. . .

Er sah ihr Lächeln, fühlte chr Locken und sehnte sich namenlos nach den Armen, die ihn umfangen-sollten, unf «ihn für immer zu binden.

Da hob er mit einem Lachen, das voll hallender Freude war, voll Befriedigung und Voll Befreiung, oie Waffe, die er ständig bei sich trug, und richtete sie auf den Mann, bcr zurückwich, in Todesangst, schreiend, die Anne vor das Ant­litz haltend, um dem Anblick des scheinbar Wahnsinnigen zu entgehen.

Und plötzlich krachten die Schüsse, rasch hintereinander, hart, das Hell-Dunkel mit metallener Schärfe durch- jchneidend . . .

Aber die Schüsse weckten ihn auf.

Wo war er ? Was hatte er getan?

Er stand sich selbst plötzlich w-ie einem Unbekauuren gegenüber, besah sich bestaimte sich und gelvann dock keine Klarheit über sich

Er starrte auch aus sie, die aus dem Zunmer stürzte.