Ausgabe 
24.10.1917
 
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Sn Sturm und Sfiile.

Roman von MaxTreu.

(Fortsetzung.)

Von draußen her hörte man Schritte, und in die Tür trat eilt französischer Offizier, eine hohe, schlanke, vornehme Gestalt mit geistvollen, feinen G-esichtszügen. Er trug die reich mit Gold gestickte Uniform der französischen Marschälle. Hinter ihm kam sein Gefolge, eine große Anzahl von Ossi- z-iereic aller Waffengattungen. An seinein Arm aber führte er eine junge Dame Fräulein Beate von Hassotv, die noch blaß und bleich anssah, aber ihre äußere Rrihe wieder ge- Wonnen hatte.

Als der Marschall den ihm gerade gegenüberstehenden Wellingerode erblickte, sagte er kurz:

Sie warten hier auf meine Befehle, Herr Graf!"

Der Graf verneigte sich. Und dann flog sein Blick voll Triumph zur Aebtissin herüber.

Diese hatte sich erhoben. Sie und ebenfalls Hans Joachim von Sormitz gingen-dein Marschall entgegen.

.-Seien Sie willkommen in Stift .Hohenbergen, Herr Herzog/' sagte die Aebtissin.

Der Marschall Maedonald, Herzog von Tarent, führte respektvoll die Hand der Domina an seine Lippen und reichte dann feine Hand Hans Joachim.

Siehe da, Herr Baron von Sormitz."

Sie kannten sich schon. Vor einigen Jahren war das Korps des Marschalls Macdonald hier durchmarschiert, und letzterer selbst hatte während mehrerer Tage im Stifte Quar­tier genommen. Der Marschall, einer der edelsten Charaktere jener tiefbewegten Zeit, der nichts an sich hatte von dein hochfahrendGN Wesen und der prälorianischen Härte der Soult, Vandamme, Sachet, zum Teil auch Davoust und an­derer, hatte sich damals durch fein freundliches, entgegen­kommendes Verhalten allerorts Sympathien erworben, und besonders Hans Joachim hatte zu jener Zeit als Beauftrag­ter der Landschaft über die Verpflegung und Einquartierung der Truppen vielfache Verhandlungen mit ihm. zu führen ge­habt, die der Marfchall stets in vornehmster Weise zu erledi­gen gewußt hatte. So war es kein Wunder, wenn er hier in guter Erinnerung stand, und man sich des Wiedersehens aufrichtig freute.

Die Herrschaften sind überrascht, mich hier zu sehen," sagte er mit tiefer, wohllautender Stimme.Das Rätsel wird sich bald lösen. Zuvörderst aber erlauben Sie mit, gnädigste Frau Aebtissin, daß ich Ihnen diese junge Dame zurückführe und Ihren mütterlichen Armen übergebe, die, wie ich bereits unterrichtet bin, durch den Gewaltstreich eines Schurken Ihrer Obhut entführt worden ist."

Damit führte er Beate der Domin- zu, die sie in ihre Arme schloß. Dann aber hielt das junge Mädchen nicht mehr an sich: mit einem Jubelrufe fiel sie Haus Joachim um den Hals.

Ach," sagte der Marschall lächelnd,also ein doppel­tes Band, das ich aufs neue knüpfen zu helfen so glücklich war! Darf ich den jungen Herrschaften meinen herzlichsten Glückwunsch allssprechen?"

Und herzhaft schüttelte er die Hände der beiden jungen Leute.

Vielen, vielen Dank Ihnen, Herr Herzog!" stammelte Beate.

Wofür? Daß ich eine selbstverständliche Ritterpflicht ausübte und Sie aus den Händen von Wegelagerern und Räubern befreite? Kein Wort mehr darüber, bitte! Aber," er ließ seine erstaunten Blicke durch den Saal fliegenich scheine hier in eine etwas ungewöhnliche Situation geraten zu sein, wie ein Gericht oder eine Kirche sieht es hier ans"

Es war Gericht, Herr Herzog," sagte die Domina feierlich.

Und über wen?"

Ueber den Entführer eines Mädchens."

Ach, ich verstehe! Jawohl, ich entsinne mich des alten Privilegs des Stiftes, Sie erzählten mir damals davon, gnädigste Frau Aebtissin, und lasen mir die alte Urkunde darüber vor. Und wie lautete das Urteil?"

Unseren Gesetzen entsprechend auf Tod durch den Strick. Und allsofort soll das Urteil vollzogen werden."

Eineil Augenblick stutzte der Marschall. Er überlegte. Ertauben Sie mir, gnädigste Frau Aebtissin, eine kllrze Be­merkung. Sie wissen, daß wir Marschälle in den Orten, wo wir uns während des Krieges aushalten- und wir sind im Kriege mit Rußland - Stellvertreter des Kaisers sind und in seinem Namen zu befehlen und zu verfügen die Vollmacht haben. Und so hebe ich als Stellvertreter des Kaisers kraft dieser Vollmacht das Urteil auf, das der Stiftskonvent über den Grafen Wellingerode gesprochen hat."

In den Augen der Domina blitzte es.

Herr Herzog!"

Gnädigste Aebtissin?"

Wollen Sie in unsere Rechte eingreisen?"

Drohend klang die Frage. Aber der Marschalt blieb ruhig.

Ich muß es, gnädigste Frau. Denn einmal glaube ich es der Würde und dem Ansehen meines Kaisers, an dessen Stelle ich hier stehe, schuldig ztt sein, daß nicht ein Offizier der Armee von einem anderen Gerichte verurteilt wird, als von dem Kriegsgericht, und sodann" - hier verneigte er sich vor den sämtlichen Konventualinnenmöchte ich vermei­den, daß das Stift Hohenbergen, weil es mir lieb und wert ist, sich mit dem Blut eines Elenden bestecke, der jedenfalls die Folgen nicht wert wäre, die durch eine Vollstreckung des Urteils möglicherweise ich sage möglicherweise über dieses Haus und seine Insassinnen herausbeschworen werden könnten."

Und tuet wird uns Genugtuung schassen'?" fragte die Domina, und noch immer klang tiefes Grollen durch ihre Stimme.Wer bürgt uns überhaupt dafür, daß jener