Ausgabe 
22.10.1917
 
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3n Sturm und Stille.

Roman voll MaxTreu.

(Fortsetzung.)

Die Domina gab ein Klingelzeichen. ^ ^

,.7Vdj eröffne den Gerichtstag des Stiftes Hohenbergen, sagte sie dann.Hat jenrand unter den Konventualmnen etwas dagegen einzuwenden?".

Alle Damen schüttelten den Kopf. . .

Jetzt wandte sich die Domina an den Grafen, der immer erstaunter das megesehme Schauspiel betrachtete.

Da<- Stift Hohenbergen," sprach sie,hat seit uralten Zeilen das Vorrecht, selbst Gericht zu halten über alle Ver- Lrechen, die gegen eine Insassin oder gegen eine zum Stift gehörige Person begangen werden. Dieses Recht ist von der Königlich Westfälischen Negierung ausdrücklich bestätigt wor- de,i. Zwar haben wir seit langen Jahren von diesem Rechte keinen Gebrauch mehr genlacht, einmal, weil - Gott sei Dank! derartige Verbrechen fast nie Vorkommen, und dann um deswillen, weil wir der Ansicht sind, daß das Schwert der Justiz in der Hand voll Frauen leicht stumpf werden kann. Es kann aber Fälle geben, wo es zu unserer. Pflicht wird, selbst Gerechtigkeit zu üben, und ein solcher Fall liegt heute

Sie schwieg einen Augenblick, ehe sie fortfuhr:

, Ein schweres Verbrechen ist begangen worden. Am hellen Tage, vor ilnferen Augen, ist ein junges Mädchen, ein adliges Fräulein, mit Gewalt entführt worden, -- wohin, hat sich noch nicht ermitteln lassen. Der Täter dieses Ver­brechens ist der Graf von Wellingerode, den wir daher zur Verantwortung vor uns beschieden haben. Ich habe den Jn- kulpaten zu fragen, ob er seine Tat zugibt."

-Ich habe," entgegnen der Graf,zunacyst zu erklären, daß ch dieses Gericht nicht als zuständig anerkenne. Ich bin französischer Offizier und kann nur von einem Kriegsgericht abgeurteilt werden."

Die Domina nahm langsam eine Prise.

Davon steht in unseren, uns von der Koniglicheli Re­gierung in Kassel bestätigten Privilegien nichts, sondern da .heißt es" sie schlug das vor ihr liegende Buch auf und las :Unterwerfer der Gerichtsbarkeit des Stiftes ist jedermann, der eines der genannten Verbrechen begeht.^ Da­mit der Jnkulpat sich überzeuge, lege ich ichn Schrift, Unter­schrift und Siegel zum Augenschein vor." ,

Sie schob dem Grafen das Buch zu, in welches dieser einen Blick hineinwarf.

Das ist unmöglich!" rief er.

Ich wüßte nicht, warum," entaegnetc die Aebtissm frostig.Für unmöglich hätte ich es gehalten, daß das Gast­recht in so frevler Weise verletzt würde, wie es Jnknlpat uns gegenüber getan hat. Ich frage daher wiederholt: gibt der Jnkulpat feine verabscheuungswerte Handlung »u? Oder wünscht der Jnknlpat, das; wir alle diejenigen als Zeugen

vernehmen, die den Vorfall beobachtet haben? Oder^will Jn- Efulpat etwa behaupten, daß die ihm unterstellten Soldaten eigenmächtig, ohne seinen Befehl, in dieser Sache gehandelt hätten? Oder will der Jnkulpat endlich uns überhaupt kerne Antwort geben?"

Ich verweigere jede Antwort, bis ich vor meinem zu­ständigen Richter stehe."

Die Domina klingelte. ^

Dann rufe ich den Baron Hcms Joachim von Sormrtz als ersten Zeugen auf."

Hans Joachim von Sormitz trat vor den Tisch.

Sämtliche Damen erhoben sich von ihren Plätzen. _

Hebe deine Schwurfinger hoch, Hans Joachim, ;agte die Domina,und schwöre, daß du uns nichts als die reine Wahrheit sagen willst."

Ich schwöre es."

Die Damen setzten sich wieder.

So erzähle, was du gesehen hast."

Hans Joachim erzählte kurz uird schlicht, was er heute morgen, nachdem Beate ihn verlassen, beobachtet habe.

.Hat der Jnkulpat auf diese Zeugenaussage etwas zu erwidern?"

Nichts." , x t

Will der Jnkulpat ich frage nochmals etwa be­haupten, daß die Soldaten, die das Fräulein von Hassow überwältigten und in best Wagen rissen, eigenmächtig, ohne seinen Befehl, gehandelt haben?"

Jetzt hob der Graf doch den Kops.

Sie haben auf meineil Befehl gehandelt/

Ah," machte die Domina.Danach steht fest, daß der Jnkulpat der Urheber der Entführung einer zum Stift ge­hörigen Dame gewesen ist. Wünschen die Konventualmnen über diesen Punkt noch weitere Beweise oder nicht?

Kopfschütteln ringsum. . x ^ r

.Dann habe ich," fuhr die Domina fort,den ^nkul- paten zu fragen, zu welchem Zweck er diese Entführung vor­genommen hat?" t

Der drohende Ernst, der aus den Zügen der Domma sprach, löste die Zunge des Grasen.

Ich handelte in höherem Aufträge.

In wessen Auftrag?" . -

Darüber verweigere ich die Auskunft.

Zu welchem Zweck war dieser Auftrag gegeben?

Das Fräulein von Hassow sollte Hofdame nt Kassel

werden." . r ,, .

Wider ihren Willen? Sonderbar, l-ochst sonderbar. Und was ist die Aufgabe der Hofdamen in Kassel?"

Ein Räuspern entstand unter den Konventualmnen, und manche vvil ihnen sahen eifrig vor sich nieder.

Aber die Domina ließ sich nicht beirren. ^ Welches ist der Zweck der Hofdamen am Hofe zu

Kassel?" fragte sie aufs neue. . . .

Da müssen die Frau Aebtissm schon den König selber fragen," war die Antwort.Ich bin nicht der König."