Ausgabe 
22.10.1917
 
Einzelbild herunterladen

466

Aber tit an sagt, baß Sie in die Geheimnisse des Hofes

ein geweiht seien."

Davon weiß ich nichts."

Die Domina klingelte wieder.

Sind die Konveutualinuen der Ansicht, daß ein edler, ein sittlicher Zweck vorliegen kann bei einer Entführung wie diese? jOder sind die Damen der Ansicht, daß dabei mir ver­werfliche Zwecke in Betracht fontinen?"

Eine der Damen erhob sich.

Ich bin der Ansicht, daß eine Entführung wie diese nur zu den schlechtesteil. Zwecken ins Werk gesetzt worden ist. Zu edlen Zwecken bedarf es keiner Gewalt, und niemals wird, sofern es sich um edle Zwecke handelt, solche angewandt wer­den, wenn die Person selbst sich diesen Zwecken verweigert. Ich bin der Ansicht, daß auch dieser Punkt genügend auf­geklärt ist."

Sie setzte sich.

Die übrigen Damen stinnnten ihr zu.

Darm habe ich den Jnkulpateu zu fragen," fuhr die Domiua fort,ob er noch etwas zu. seiner Verteidigung zu sagen habe?"

m 'Man stelle mich vor ein ordentliches Gericht!" rief Wellingerode zornig.

Bo'x dem stehen Sie, und dieses Gericht wird seinen Spruch ab geben."

Wieder schlug sie das Buch auf und las:

So aber jemand eine Insassin des Stiftes oder eine rzrauenspersorl, die in seinen Mauern wohnt, gewaltsam entführt, um sie an Leib- oder Seele zu schädigen, der sol^ mrt dem Dode bestraft werden. Und ist .selbiges Urteil all- fofort durch den Strick zu vollziehen."

Der Graf verfärbte sich. Leichenblaß wurde sein Gesicht.

Das ist nicht das ^Gesetz des code penal!" rief er laut.

. "Wir haben unser Hausgc'etz. Der code penal gilt in | dreien Mauern nicht." J

Wieder gab die Domina ein Glockenzeichen.

^Also kommen wir zum Spruch. Das Gericht des Stiftes Hoyeubergeu erkennt zu Recht: Der Graf Wellingerode aus ^aiiei wird, wer! er eure Frauensperson, die in den Mauern des Stiftes Hohenbergen wohnte, gewaltsam critführt bat.

stln Lerb und Seele zu schädigen, mit dem Dode be- straft. Und ist jelbrges Urteil allsofort durch den Strick zu vollziehen." 0

, ?!u en Augenblick das tiefe Schweigen, das vor etwas Furchtbarem emtntt.

Wellingerode taumelte einen Schritt zurück.

Das ist Mord!" rief er.

Lhuc jede Bewegung in der Stimme nahm die Domina aufs neue das Wort:

^ 'r®$ rjaBe ^l )ie ^onveirtualinnen zu fragen,, ob sie das * HS?* c r und billig und geniäß den Gesetzen des Stiftes Hohenbergen halten?"

Gtistes^.hohenbevgen." ^ ^ 9em * 8«»« des

Wieder wandte sich die Aebtissm an den Grafen üer blerch und verstört anssah ' '

Wohlan, so bringt ihn dem Spruche oemäß vom Leben Dode cairch den Strick, wie geHrieb«, sieht." Wellmgerode schwreg. Wortlos ließ er sich von den Bauern ab fuhren. Wenn es denn nicht anders war, wollt« er wenigstens als Mann zu sterben wissen.

Aber es kam anders.

*

£ er seelischen Sp«nnnng Mld Er- «Sder letzten Minuten drer Pfiffe nberhü-rt, die draußen "r^ 01 ^ Wat J\ U,tb da die Fenster des großen Ä, ^ nach der Vorderseite des Stiftes, nicht

nach dem Emgangstore zu lagen, sondern nach der Rückseite

e l 5^ mrf)t b«nerken Wunen, was sich im Vorderhoft rnzwischen zugetragen hatte.

dem ^-genblick in dem die beiden Wachen mit

^^arteilten zur Ture schritten, wurde diese voii außeir ^afsnet, und schreckensbleich stürzte der alte Diener Jakob

äSJÜ A°lte doch! Ach Jotte doch! Jungherr! Jungherr!" Sexuell tiut Hans Joachim ans ihn zu.

Was ist los

Das ganze Feld ist voll von Franzosen, alle Wege niiü ArtttiMi?'-" ^h«r kann -- Infanterie, Kavallerie,

deni Fuß, und er äingk- - b jT ® enerat ^ «'s

Schrill tönte die Glocke der Aebtissin.

P? r re die Feierlichkeit der Sitzung nicht!" rief sie ,"^ r Strsts-Kouvent bleibt bis zur Voll- zrehuug des Urteils gier beyammen nachher ist genügend Bert für andere Angelegenheiten-" J ü

"ltn a r.Ä^ sagte Hans Joachim.

r t*i Geerchdotag des Strftes .Hohenbergen bar uickcks' Ä kl f? r anb J u Iwreu," eutgegnete die Domina würdevoll. ,,Man führe den Verurteilten ab. Der Diener Jakob hat -ich tofort zu entfernen, bis er gerufen wird." ' ^

< o-ortfcyinij folgt.)

für d'wse/Leben?"' Spmä }- § a6en Sie noch einen Wunsch

Dieser Spruch ist ein Unrecht!"

toir öot j' nii f unserem Gewissen und Byrrm König abzumachen, nicht init Ihnen"

berichke? *!* mir ***' ** *« den König

entgegnete^ die Züge der Llebtissin, als sie

* au * et iUnd ist selbiges Urteil allsofort durch den strick zu vollziehen." Allsofort' Wir können nicht wchen das Gesetz. Und an Ihren König !vc tbe ich sewst Z-

Sffeit °u^".hrlich darauf dürfen Sie sich ver-

^ ® n |. St'ft Hohenbergen hat nichts zu verheimlichen Und das Liche der ^>onne haben wir nie qescheick Machen Sre sÄi bereit zu Ihrem letzten Wege." W '

vJtein König wird mich rächen."

Stolz entgegnete die Domina:

Wir werden uns der Verantwortung nicht entziehen Wir l-aiidebi nach Recht und Gesetz." * n

Sie lvinkte den Bauern.

gehört?"^ *** verurteilten ab! Ihr habt den Spruch Die Bauern nickten.

Nsnarchenbegegmmg.

Bo n S e l m a Lagerlöf.

(Ailtonsiertc lckebertragung aus dein Schwedischen von Marie Franzos.)

('^achdrilck verboten.)

der achtziger Jahre in einer Eisenbahn^ stkrtion in Warmlaiid, an der der Körrig vorbelsah.nm solüe

ckll^ war mir Grün und Bümren geschnlückt, Fahnen ire'iren

herÄigeAtchit^ ^ mt ^ bec ganzen Gegend waren

. ^ die Menschen sio dastmrden und darauf warteten, daß

der Komgs-ug eunahre, \vaxm .sie fröhlich unb guter Tinge Een sich E, .ww U e Seme Ma^stät mtfaSwi Ä ^ würden Lmrra rufen, uni) jie würden ihn: Blumei: neuen uud ft- wurden ,mgm Ich hier in der B,Äm WS würde L müubc^^ 17 ^ 1 daß er es all sein Lebtag nicht vergessen

cs. v i m d^r.Zug hermibrauste, entstand fürs erste eilte

vT 1 Ä? ]ld) ^drängen im Uten, damit sie in ^uglichm Wagens kamen. Vinn Hütten sie ja Hurra tuen Wen, aber das hatten ste rein vergessen, aus lauter Angst i suy.nicht m emem flirten Platz hinbügsieren zu können ®'

! ,iirr da, der weder lief n-och drängte, sondern ganz

.tick Kimi) lnib ,^en Ltock mrt dem großen silbernen Kuo^i etbcki tl L,e Jl, ^ ait 3 li schlagen, und der so Harra rief daß e- von allen Mauern widerhallte. Es war ein kleines Mämichen das eme hohe, grime Kappe auf dem Kopse trug, und seine aai^ Bru t war mit Sternen was, Gold- und SUberplchier bW

:r-,u J C L ,l/ ^ nu König und denen, die init

u-m waren, aufsiel, daß da unter der ganzen Menschenmenge doch ,-^wi war, der lich ruhig verhielt und sich richtig benahm wahreild all die andern sich ivie toll gebärdeten " '

s . Aus dem leimig wurde nichts, denn seht, die Schulkinder die imgen sollten, drei raren in dem Gedränge nach allen Seiten verstreut' unb auch keine Blumen^ hekam der Köwg

mrt L-traußeil m den Händen da?tmiden, wvren vor Schon >o verileiner., daN sie es nicht wagten, auf ihn zuzugehen ' verlor die Besimumg nicht, und gerade in dem

mrd^ vor dM'stationshMselLckl'^lif"re# SfmSteeifa? 5 SLFZS decket hatte. JJi

Gruß Gott, mein lieber König Oskar!" saute der

^TerH^nchH'üÄ und streckte die Hand aus'

xei Ko.ug wh sehr besriedigt aus'. Er freute sich daß es Jjl e £ ^tatVii .Kils doch einen gab, der nicht so blöde war

taJafiÄ ÖerforCTt me lo ^ tm !t * t6te ' ltri « « sich