Ausgabe 
17.10.1917
 
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fdjtarheS und edles Ofrfo in den Offerten Ganten von Mvensiüerg sind ote MemEraüben reif gÄttorden, und in den Wäldern wächst eine ^eonnurt. Zrmreift aber sind Oesels Wälder Tannenwälder und rhr rrasliger Hauch belebt und würzet die Luft. Man schreibt diesen Waldenr einen Anteil an ben günst igen Gest mdheits v er l ü i is sen der ^nsel zu, die sich z. B>. darin bekundet haben, das; die großaii wyolerfahre des 19. Jahrhiuiderts an Oesel x-orübergegangen Hn©, ahne Opfer verlangt zu haben.

. . Ctu gesundes, cksarakter volles, friedliches Stück Welt ist es, dies iLeJel, und friedlich schaut oder schaute toenigstens bisher die ^muptstadt und einzige Stadt der Insel über den Sund int 7^'^- Tas ist Areusbnrg, ein Städtchen von nicht mehr als trn ^H^Muern, dem es doch an Regsamkeit und Leben nicht leylte Teim solange die Schiffahrt im Betriebe war, legten die u.ampler, die nach Riga, Reval und Petersburg fuhren, hier an, und überdies hatte die Stadt im Sommer zahlrcickie Badegäste, die Irch des vortrefflichen Sandstrandes erfreuten. Hier in Arens- onrg wird der Blick auf die Geschichte OeseE gelenkt, an die das massige, von niedrigen, schweren Turmbauten überhöhte Bischofs- ßfiyJP cI rod > letzt erinnert. Das war im Mittelalter der Sitz des Eil schoss tarn 'Lesel, dessen Sprengel sich Mich aufs estnische Fest­land hrrrüber erstreckte. Leicht ist es dem Christentume nicht ge- wEn, die ^nsel sich zu unterwerseu. Tie Oesclauer, die Sera- f r^^eiuen besonders kräftigen und iittelligcnten Men-

schenschlag denifchcr Zunge nennt, waren in grauer Vorzeit ge­fürchtete ^Seeräuber und kühne Seefahrer, die sich nur widerwillig dem ^oaw von Schwert und Kreuz beugten. 1227 wurde Oesel unter persönlicher Führung des Bischofs Mett von den Deut­schen erobert die aber freilich den zähesten Widersstand der JNsn- zu Sechen hatten. Von dir ab teilte die Insel in ihrer Weise £>16 Geschicke Livlands, und ihre Geschichte verlief in den bekannten fischen den verschiedenen geistlichen und weltlichen Machtfaktoren Gin anderes aber kam zeitweise noch dazu: war der Widerstand der besiegten Urbevölkerung. Er

sulwte 1343 zu lenem blutigen Jahre, das in Oesels Geschichte unvergessen ist. Damals erhoben sich nach stillen, sorgfältigen Vor- berettimgen tue Esthen der Jüscl, veraustalttteu einen Massenmord der Deutschen, zerstörten,die Kircl-en und Klöster u,id eigntten sich V* e Herrschaft an. die sie dreiviertel Jahr lang

inne^rtten. Erst rm Februar 1344 gelang cs den deutschen Rittern m, er dem Ordensmetcr Burckmrd von Trcilöwen. die starke Volzburs der Whcu bm Kerns zu erstüriuen, und mm nahmen di« Rache - 9000 Esthen sollen außer denen.

Mh. im Kampfe gefallen waren, damals getötet worden sein

Solche Wendungen sind in Oesels Geschichte seither nicht mehr ^sekommen Sw ward dänisch und dann schwedisch und genoßt besonders unter dänischer Herrschaft gute, stille Zeilen, bis Peters des Großen Feldherr Scheremeftew mit seinen Russen 1710 iiber gefrorenen Sund rückte und nach echt russischer WIeise alles verorannte und vernillstete. Auch Arensbürg ging damals in Flammen auf und seine alte ToErche mit; vcrsckMlt blieben nur schloß Md Festung, und das sind noch heute die stimmungsvollsten und geschichtlichsteu^Statteu dieser friedlichen Landstadt; beson- oers an oen alten Festungswällen finden sich viele voetisckie und malerische Winkel. Oesels Schicksal aber war seit jenen Tagen des Rilssenschret^ns entschieden; es siel dem Moskowiterreiche zu und ist jei&em 200 Jahre nistrsch geblieben. In diesen beiden Jahr- buiiderten konnte es cm fräblicfog Idyll leben, bis der Oktober 1917 Oesel einen neuen Dag, eine neue Zukunft eröffnet hat

! ,u aIte Mlrrhaus mW das schimucktds beick^idens

Go eshaus findet der Besuck>er honte nicl^nei^W^ü emcr ganzen Reihe von Jahren wurden bewe niedergeleqt und öarüber errichtet. Aber noch steht die w'.iuderlich- .^^khe mit den m g ben ncfrfvm

&at und des Pfarrers ymrüt-ich« Utsch« oJTMS Ä f Ä Ä *>!lig miß.

-intrcim. möchte «n ü- Goethes

Fkarrer Brrons AmtsnacAolgcr haben in ihr« betühntten n°d di- "'cht ungestört leben könne», denn

äl der Forscher. Frager und Harm.

W!! ist kaum |u ialyten gaxfen. Eine förmliche Wall-

tP-sce*^ äW /°dte nach dem Kriegsjahr 1871 ein, als die cllass,scheu Schlachtfelder viel besucht wurden und die meisten auch die , Lrsenheimer Idylle" schauen wollten, ' ^

diesen Ansturm literaturli-bcnd« Gemüt« wußte Pastor LucruS, der m Pfarrer Bri-ms Pfarrei 1871 amtierte keine als die, baü er seinen ganzen Wifsensbor'n iiber Leben ln einem Gartenlauben- chNfsatz erschöpfte, Ueber diefe Note des geistlichen Herrn versteht

ßW+ftr r *V 't ei» treuer Hüter vieler

S% IlS Friederike-Andenken, mit pfiffigem Lächeln zu er-

ri! ow V l&m trug der viel heimgesnchte Pfarr« Lucius mnt ? IC lckeraturschwärmvnden Herrschaften v vtt KMnglos über die Schwelle und m

hLr? 11 ' 1 - r ?5 ate »i u l n ihre Fragenliste zu erösstrear,

dann verneigte sich oer pansherr mit Lächeln und legte mit

fS^I£ >en L - e ^/senlanbe vor:Bitte, meine Htrr-

schasten, hier finden rote alles, was ich über Friederike zu sagen weig; der Grnsachhert wegen habe ich alles ausgeschrieben. Bedrenm sie sich gefälligst ..."

Die Auszeichnungen des Pfarrers bildeweinen ioertvollen Bei- Literaturgeschichte und erzähieil dem Gvethefreund § .-interessante, ^n munteren Bilvarn schildert ec die Fa- zirnachst den Würdigen Seelsorger, den schenkfreutnaen gnttnütigen Mann, der schier mehr ansteilte, als er einnahm, so daß k^k^mem Dode an rrdr,chent Gift seinen Kindern wenig hinter- L A:^UÄL°brtg rst -r rm Jahre 1786 gestorbeu, Goethe

Ein Besuch in Sesenheim.

Von R. Kaulitz-Piedeck.

^Nachdruck verboten.)

Von frohe,r Blumen- und Obstgärten eingeschlossen liegt das Tors Lresenh-eim. Beim Klang des 9tamens iveckt die Erinneruna ein reizvoll^ Stück Lebens., und Liebesgeschichte des Straßbu^e? Studenten Goethe und der lieblichen PfarrerStochter Tie blumen- haite und bildschöne Friederike, die Eltern und Geschwister so wrglich vor alleii Lebensrauheilen bewähren wollten, mußte ihren Lebenslenz zu früh schon begraben.

Mft solckien wehmutzitternden Gefühlen dnrchpilgcrn sie alle

IS I1l « ?' rt S tni ' Jünglinge und Mädchen, die

nach^Goethenv imd Friederckens EriMierungsstätte suchen

Ihr BUd hat uns' der Tickfter in belebten Worten entivorfen, Sr * r Ä folgendermaßen schrieb: ,/Anjs hstitern blauen. Angen blickte sre, sehr deutlich umher, und das artige ^Dttlmpf- naschei^ forschte so sver in die Lust, als wenn es in der Welt keine sorgen geben könnte . . . Schlank und leicht, als wenn, Lfan sich zu tvEir -.hätte, schritt sie, und beinahe schien ftir die gewaltigen blonden Zöpse des niedlichen Köpfchens der

* 8}r * avt - . ,q> hEe ich das Vergnügen, sie beim

»usthen^ etnm-al m ihrer ganzen Anmut und Lieblichkeit

Er selbst stellte sich im Sesenheimer Pfarrhaus in der Ver- kle,dun^ eures armen Theologiestndenten vor und ließ sich durch fernen freund Weyland dort einführen. Tas alte lmufällige Pfarr­haus, unter brertästrgen Bäumen vergraben, machte eineir trauten Eindruck ans ihn, und als er ein. erstes Mal über die Schwelle trat m den Kreis lieber froher Menschen, t^Ue er daß er unt^ diesem ^«rlr manche feierlichen Stunden verleben'wÄrde.

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^ te /s! CtJTe f?- re ^ eu ttl>cken, doch glücklicherweise nicht allzu lang msunden. Tie Pfarrerm war ihrem Gatten ein Jahr in den Tod vorausgegangen.

.^ach, des Paters Tod schied Friederike aus .ihrenr Jugend- ^ud und der statte ihres ^Liebesglücks und Liebesleids. Sie Ktttt n ui Lvesenheim kemen liebeir Menschen mehr. Tie beidery ^chwesteru, eine von ihnen hatte sich verhttratet, waren in an­dere Gegenden gezögert, und auch der jüngere Bruder, den Goethe Mofts nannte, hatte fern von der Heimat, in Nothau im Stein- XZ' Sekunden Zu chm zog Fwiederike. Um sich

euieu tlemen Verdienst zu schäften, eröffuete sie erneu Porzellan^ und Töpserhandel, -zugleich gab sie der: jungen Mädchen Unterrichl Kunstzfattigkeiten Einige Jahre später siedelte sie Lahr über zu .ihren:- Schlvager, dem c- ^ ^ Obgleich sie selbst, nicht viel zu schenken hatte, war sie den Armen und Kranken eine Wohltäterin h: Mhsi'.m ihrer Jugendtage hatte sie sich nichts

m ihr späteres Leben hmubergerettet. Ihre Be'Ürnnten sahen sie still und traurig. Von Goethe, (über den sie viel ausg.efraäli wmde. sprach ftc wenig, das wenige jedoch immer mft Milde wid ucachftchl Ihre mnsttgen seligen Beziehungen zu ihm cw- wahrfte fte rue den größten .Teil seiner Briefe, Lieder und be-

Ttnil bi l L r "M einst als lustiger Sttaßburger

< hielt fte ängstlich verborgen, und ans

Ihren Wünsch lourde der Rest nach ihrem Tode verbrannt. Im FrMahr 1813 bescyboß fte chr Leben. Ter Grabstein mit der bcruhmoen Wwmung: >Ein Strahl der Tichtersonne fiel auf sie, so reich, daß er, Unsterblichkeit chr lieh", wurde mehrere Jahre dar- auf durch züvel rheinische Dichter ausgericktet.

An Friederikes Lieblichkeit und an die sonnigen Sesenheimer ^cige hat Goethe noch, als alter Mann mit tiefer Rührung g-e- oa.tw. ^n seiner ^ebensgeschichte wird das Sesenheimer Liebesglück immer wie ein Dotenbild wirken, um das sich blühende Rosen schlingen . . Wie lange.haben doch die Literaturfrenude daran

herumgeratm und -geforscht? Was haften die Goet hev er ehr eri n neu «n diesem o lebest raum alles eittschlttern 1 vollen ? Ter alte Wirt rmOchsen^ irtshaus" ist von den Besucherinnen oft gefragt worden ob Friederike ein Kind gehabt habe? Er zuckt-noch l>eute stumm die Achseln, ^.as alte Pfarrhans I>at sein Geheimnis gekxibl, das me gelüftet werden wird, da svichtige Papiere und kirchliche Vermerke verloren gingen. .

p , r 'Deute Flgern viele Feldgraue durchs schmucke Tors -und J. lt I^d'acht Witter den Mächtigen Linden, deren HefeS ffeast die Graberreste am kleinen KckrcUein küssen. Viele unter ihnen haben die Goetyeschen Dichtungen erst wädrend ihrer &k-- nesungszeit tn den Lazaretten kennen gelernt, und sie komuien Tu? u^tt empfanglickMii, daükbarem, Sinn und schreiben nwhl ihre ^Eube,mer Eindrücke .ins dritte Fremdenbuch, das viele rühmte Namen birgt und manchen Tichterspruck von bekannter