Ausgabe 
3.10.1917
 
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hrtr eine jo -eiße Bett haben mib bie Käufer eilig süü>, kommen Die jederu mit Ihrem Aulomobll! Ich habe doch nicht beiin Kragen gepackt amö he raus,setzen, sondern Gve mir auf» Merksam machen Mollen, daß Sie sich mtb andere nicht aufhalten mochten." ^

Wenn Sie so sprechen, sv ist schon rvas anderes! Sie müssen sich aber dennoch mertÄr, daß jeder Eigner ein Unab* ^rgi-giertsgesM besitzt. Ebenso wie Ihre Heoanren sich an baä Geschäft heften, sind mehre beim Autoinobil. Jedem ist das Ssürige Heuer, aber ich will dennoch Ihre Bitte berücksichtigeir."

Ter erste Psingsttag sollte den Triumph.Toporßows besiegeln. Es wor acht Uhr morgens, atZ er mit dem Automobil nach der TwerMrja sauste. Zu dieser uuaeloöhnlich frühen Stunde war noch kern anderes Auto zu seherr. Tie Kircheirglocken erklangen. Auf der Twerskaja bewegte sich viel buntes Volk, Männer mit roten Heiriden, Frauen mit gelben Tüchern. Alle schauten nach dem Automobil hin. Einige Polizisten salutierten ehrerbietig'. Dopor'ftow war trunken von all den Huldigungen und machte feinen Empfin­dungen Luft durch die Hupe.

Gegen zehn Uhr moraens jagte er an das Haus seines Chefs heran. Er verließ das AuLonwibil, beguckte es von allen Seiten, befaßte die Reifen, und ohne den Gruß der Leute zu erwidern, die sich um seinen Krafttvagen gruppierten, ging er stolz »rach der Wohnung des Herrn Strumpfband.

t die ganze neunLüpfige Familie an der Festtafel

wrid frühstückle. WassUi begrüßte alle und zuletzt die älteste Tochter des Hauses, Aglaja, die sich mit einem hell rosa Kleid ansgeputzt hatte. Ter Gast folgte der .Auffordermrg, am Tische Platz zu nehmen, und sagte:

Ich kam natürlich in meinemeigenen" her (er hielt es fih- überflüssig, noch das Wort Antomobil hinzuzu fügen, das er bei allen als selbstverständlich voranssetzte).Ja, sch muß mich selbst rühmen, daß der Motor ganz hervorragend funktioniert, und darin steckt ja bei jedem Auto der Haup-twevt!" . . .

Sie sind wirklich ein Glückspilz! Solch ein junger Mann imb kann schon im eigenen Automobil eücherstioltzier-en. Jetzt fehlt Ihnen nur noch erne Braut mit ansehnlicher Mitgift!" bemerkte der Hausherr.

Daran habe ich auch schon gedacht." erwiderte Doportow wld schielte nach Aglaja hm.Ich darf sogar behaupten, den Gegenstand meiner Wahl gesunden. zu haben."

Ei, sieh mal eener an! W-er wiär' denn das?" rief der Fa« Milieu vatec aus.

Das ist noch ein Geheimnis. Zrmack)st wollte ich Sie imd Ihre geehrte Familie in .meinemeigenen." spazieren sichren, und baim entschleiert sich Ihnen vielleicht manches, denn' der etwühnte »,Gegmftmrd" steht Ihnen nicht ganz fern."

Emen Blick aus die Ädeste Tochter richtend, strich Herr Strumpfband sich gedankenvoll den Bart und lenkte, wie über-i Legend, leidst sein Haupt.

Warum nicht," sprach er gedehnt,Sie sind ein achtens- tverter ftmger VLarru, und verniinftige Eltern ivecden Ihnen mit jvergnüigien ihr Kmd Mivertvauen."

Es war nicht leicht, die ganze FamilieSlrunrpfband L Co." iru Automobil uuterzubrinaeu. Zwei Pförtner, zivei Troschieir- Lctscher, die Köchin, d«'- Stube,unädchur nrnßten dabei behilflich kein. Mehr als zehn Meusel-en Üairn. das Ktto mobil nicht ausi- vehmen, mid so mußte der jlingste Solnr m Hause bleiben. W der Kraftwageu sich in Besvegjuug setzte, glich er einer Äemüsefuhve mit allerlei buntem Kohl. .Wassili ließ die H,npe ertönen, daß es weit hinaus dröhnte. Alle Leute sahen sich auf dar Straße nach dem Auto nur, und das Herz Tvportlows sprang dabei vor Freude'. Er kam sich als der Glücklichste, Beneidenswerteste in ganz Moskau vor. Aber das Glück ist ja so laimisch! Bald wußte der arme Doporkow selbst nicht, was sich eigentlich zugetragen hatte.

Erst war ein^ entsetzlicher Stoß zu spüren, der ihn vorn Aittv- mobil in den SchUtutz hinansgeworfen hatte. Aus den. auiae-- fchwüllenen Augen konnte er nur noch einen flüchtigen Blick auf die heoausflregende zahlreiche Familie Strumpfband L Co. werfen.

Fünf Tage nach Pfingsten saß er in seinem bescheidenen. Zimmer mit einern Verband am Halse wird am Arnr. Alis dem Tisch lag eine Aufforderung von seinem Polizeirevier. Er stöhnte, aber nicht so sehr über die Schmerzen der Glieder, als über- die tiefe innere Enttäuschung.

An einer Anschlagsäule hatte sein Automobil den verhänguis- vollen Stoß erlitten, mtb jetzt starrd es auf dem Hof der Feuer­wehr. Der Chauffeur kommt zweimal am Tag nach seinen: Lohn und macht auch noch Skairdal, beim das Auto sollte iiach einer Garage überführt werden, wo für einen Monat Miete im voraus zu bezahlen wäre.

Für die Reparatur deS .Autos würde sodann eine Summe verlangt, dw durch das halbjährige Gehalt Doporkolvs noch nicht gedeckt Wurde.

Bald :rach der Katastrophe hatte er schon-versucht, bei seinem Chef um dre Hand Aglajas anzuhalten, wodurch er auch in den Besch eines Vermögens zu gelangen hoffte, daS khm die Instand- sttzung und Werterbemchurm des Autonwbils ermöglichen Knute Er erlitt aber eine gründliche Abfuhr.

OT> , . 0 <?? ä haben Sie uns blamiert, ich danke

^»hiien sur Ihre Autofahrt und für Ihren schmeichelhaften An-

boag. Lehen Sie mal in den Spiegel, ob jomanD in solch einem Zu­stande, mit aufgedunfenen.Augen, mit verlnmdei^n GlLedecn, je­mals als Freier in ein ehrbares Mrgerhaus getreten ist!"

Das lvar die Antwort seines Ehess. Ihm selbst blieb nichts anderes übrig, als das Automobil zu peröaufen. Ben^iwer stellten sich zwar vielfach ein, aber ihr Angebot versetzte Topor- vow rat Helle EntrüsiMg.

_ lvollen Sie geben, 2000 Rubel, während der Motor

allem /OOO tdstet! Das ist ja Raub!"

Tie Leute -varen aber eigensinnig. Und als sich endlich einer 1 der oOÜO Ntubol zahlen wollte, machte Doporkow eine Geste des Bedauerns, seufzte und willigte feuchten Auges eiu.

Er mochte über das Antonrobll gar nicht nrckhlr sprechen^ svagte phn aber jemand teiluahmsvioll danach, dann antw^teLe er ächzend:

Ties Automobil lviar mein Ruin. Es .kostete mich 4000 Rubel."

Der EinschrSnkunsr-Aalender.

Bon Alfred Bratt.

Seit wir im ^ßriege leben es ist zwar nicht mchr besonders originell, eine Betvachtunv so zu beginnen, aber was soll man machen- «also-: sett lvir im Kriege leben, hält sich aus uner­klärlichen Gründen lederma-nn für berechtigt, irgendeineEr-, ftndung" zu machen und zum besten zu geben. Aus allen Gebietet Wut, in allen Ländern, seit Jahr und Tag drauflos ersuildan,

6 gelangen vom kleinsten Pnlverchen zur Herstellung einer Zr- miahlzeit bis zur größten und grausigsten Kriegsmaschine. Ta dieser Erftudeüivut häufig nur das Fleisch willig, der Geist aber schwach ift* gibt es darunter natürlich nicht nur Einfälle, ftrndern auch Rernfälle. Zum geistigen nicht zum moralischen Lobe der Menschheit muß jedoch gesagt werden, daß in den letzten drei wahren Vieles tatsächicherfunden" wurde, uird wenn man die Lunime all dieser mehr oder weurgsr nchrdALtc^n Ideen zu denen auch mancherErsatz" gehört für -virklich ersprießliche Zwecke gebraucht hätte, wäre die Welt zu loben und zu bene^en. Nach dieser tleinen Vorrede nstrv mau mix hossenllich verzeihen. jenK ich zum Zweck der Uedung komme uno in aller schüchternen ErgebMcheit verrate, daß auch ich man höre und siauue eine Ftem« Erfindung gemacht habe. -

Eine ganz kleine, ganz bescheidene Erfindung allerdings so- gp ?mr ein Erfindungchen, das in keiner Weise mtt' einem Kajen'ürssl, echter Helfferich-Toppvl-Holz--K,-regA-Sckmh!-Sohle ob« «m platzsudeu Geschop in Wettbewerb treten könnte Aber audercstittz unnMhiu eine Erftindwig. deren Id« vielleicht dock: wert^rh, fünf DttnuZe« -ans angehört zu w««den.

Ich habe mir nanllich vorgenmnmeu, den Kalender \u ver­bessern !

M»n weiche nicht Popcälig ein. daß erstens unser bisher und ^ute iwck) Mlendershstevi ganz gptt, praktisch und

zUsnedenstelleiid Pt, imd daß zivetteus auch aus diesem Gebiete in jetzt« Zeit rnancherlei angeve«t wurde. Ich weiß all dieses Wlbst Qm BeiouderS die Franzosen, die ja immer die

Zelt Mlf rrg«ch.erne Weise glücklich -imchen urüssen, haben in den Usben Adonatcn Kal eich erresormen vorgeschlagen, ein würdiges Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften ivollte sogar E radikalen Kalenderzorn alle Mmate. Wock-en und Sonntage ad schaffen, was rnimerhin eine stieuheit gewesen ivare. Ich aber Ml büs Kalendersystem sübst iinberührt lassen mrd nur den liierarlsckMv'issenschaftlichen.Lchinuck umgestalten.

Ich denke dabei an jene in allen Familien, Hotels, Bureaus usw. belreotcr: Bliocr-Kalender, bei denen jeder einzelne Tag sich Mrs eurem besonderen großen Blatt breit inachen darf, daS dann rrgeudernc historische Erinnern mg, einen weisen Spruch, am häusrg- sten aber ein Mcheurezept als kostenlose Beigabe enthÄt.

Tiese Kaleikder also, die ja die Überwiegende Mehrzahl inuer- haw der Kaleirüerschpe darstellen, waren bisher eittiveder lang­weilig oder dumm oder unmoralisch.

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d- B. btc patagomstlLn Weiber einen zwei dHeter Meter hohen, turinförmißeir Mopsschmuck tragen, sind aber, Ivic gesagt, dre rickstiggehend urrmoral

i .<-*v wii. tL.ritUt/talllchen Kalender-

bcnteuungcu, bic eine schltmmere Wirkung au'-zuübeu vermögen arö man gei^cinhin d-enken darf.

M«; bandet slck> z. B. in einer Ncincn Aemme, wirft cina

i UU541, kuk eiverp,l.mrung ernzugeyeil,

unnro ralrsch und geivöh-ftich ontf) verderbt ich ist, da die Wech unangenehme Eigensctiaft strben. an einem anderen Tag emgelöst werden zu müssen, an dem der Kalender dan. kein: aiis der VerlegenhAl weiß. Geradezu verbrecherisch sind me häusigsben Kalender, nürnlick! die mit ^stochrez. letzt noch gibt cs ihrer unzeitgemäßerrmüsc eine ganze - die erzählen, daß ein lwscheidenes Mitiagsmabl am Diei- n. aus Lpargelsuppe, einem EhuinpignonzKischeiigericht, Hammelkeule ntit