Ausgabe 
3.10.1917
 
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sprang ab. Ein Lehrling mußte den Braunen langsam auf mrd ab führen.

Eure Frau sagt, Ihr wärt 'n ollen Esel, Riezler," lachte Dans Joachim.

Dat seggt sie immer, Jungherr! Aber se schme-erl mir deswegen doch de bicfffcen Butterb röte!"

Na, denn hat's ja nichts zu sagen!"

Gar nischt, Jungherr! Dat sin so Ehekomplementer!" Alle drei lachten ^rzlich.

Dann zog Hans Joachim den Schmied in das Innere der Werkstatt.

Sind wir hier allein, Riezler?"

Jo, wie de Müs in de Kirchen!"

Hans Joachim dämpfte trotzdem seine Stimme, als er -srtftchr:

Riezler, es geht was vor!"

Wat denn?"

Hie wollen uns an den Kragen, mir wenigstens, und wenn mich nicht alles täuscht, auch der Aebtissin in Hohen­bergen!"

Wat?" In den Augen Niezlers sprühte es auf, wie Funken vom alühenden Eisen sprühen.Wat? De ollen Dan? woll'n se an oen Kragen?!"

Etwas Sicheres weiß ich noch nicht, Riezler, aber es scheint so!"

In kurzen Worten erzählte er von der Sendung Wel­lingerodes nach Hohenbergen.

Ah," sagte Riezler, als der Jungherr geendet,dat sin de, wo hüt hier durchkommen sin! Jo jo, fünfzig Reiter un een Reisewagen!"

Stimmt, stimmt!"

Unfrei Reiter sin wedder zu rückgetrabt, auf der Straße nach Magdeburg zu"

Hans Joachim horchte auf.

Zurückgellabt? Nach Magdeburg zu?"

Jo, jo, Jungherr! Se möten eenen besonderen Befehl kreegen un uttoführen Han"

So ?'

Io, denn se sin in Hellem Galopp davongejagt!" Hm, hm!"

r Hans Joachim schwieg einen Augenblick. Ihm war kein ifel, daß die Zurücksendung der drei Reiter, von der Schmied erzählte, irgendwie mit seiner eigenen Person und dem Gespräche mit Wellingerode in Verbindung stehe.

Riezler," sagte er dann,wir müssen die Augen offen und uns parat hatten! Sie wollen uns was!"

Wir sin immer parat, Jungherr! Laten Se se man kommen! De Linauschen un de Litzbuersckien un de HoHeu­berger un all de anneren ringsum da könnt' se alt- märtsche Dickköpp kennen lernen!"

Habt offene Augen, Riezler! Wenn ihr Don irgend­welchem Sturm läuten hört, so faßt ihr jeden Franzosen, dessen ihr habhaft werden könnt, und setzt ihn fest! Ver­meidet alles Blutvergießen, weun's sein kann, aber laßt keinen entschlüpfen, denn wir brauchen sie als Geiseln! Und" eine starre Entschlossenheit klang aus Haus Joachims Stimmewenn sie einem von uns ein Haar krümmen, so fallen die Gefangenen bis auf den letzten Mann! Habt Ihr mich verstanden, Riezler?"

.Jo, jo, Jungherr? Det Kroppzeug soll uns nich ent­wischen!"

Und habt scharf Obacht auf Hoheilbergen! Wenn man es wagen sollte, sich an der Aebtissin zu vergreifen, dann"

Denn marschieren wir nach Magdeburg, un keen Steen blunvt do rrp den anneren!"

Und krachend fuhr der schwere Schmiedehammer auf den Amboß nieder, daß der Boden dröhnte.

Ruhig Blut, Riezler! Nach Magdeburg können wir nicht marschieren, dazu sirrd tvir nicht stark genug, und es wurde uns gehen, >vie dem Oberst von Kalle twr drei Jahren! Aber die Aebtissin darf auf keinen Fall in den Händen der Franzosen bleiben, sie muß befreit und über die vreuß siche Grenze in Sicherheit gebracht tverden'"

Dat soll woll sin, Jungherr! Die Domina kreeqen sie mch!" ^

Ich reite jetzt selbst hinüber nach Hohenbergen, um zu erfahren, was eigentlich los ist! Ich komme auf dem Rück­wege wieder vorbei und. sage Euch Bescheid."

^ a"fs Pferd. Dann drückten sich die

beiden Männer die Hand. ' }

tur

Adjüs, Jung Herr!"

Kopp oben!"

Kopp oben!"

In schlankem Trabe, nachdem er noch einen Gruß Ln

der am Fenster stehender! jungen Frau hinaürfgesendet, ritt Hans Joachim davon.

Mezler aber legte schleunigst das Schurzfell ab, wusch sich, zog eine Jacke an und ging eilenden Schrilles dem' Dorfe zu. Auf die Frage seiner Kau, wcns er denn habe, gab er nur die kurze Antwort:

De Wiwer möten nich allons wedoenY' ttnfc schon war er auf und davon, nachdem er der schnrolleiiden Frau einen herzhaften Kuß aus die roten

Lippen gedrückt hatte.-

(Fortsetzung folgt.)

Dar Automobil.

Skizze von I. Mawitsch. Deutsch von Marie Beßmertny.

Wassili Sisojewitsch Toporkow, Angestellter im Galanterie- Warengeschäft der FirmaStrumpfband & Co.", ging nach dem Pfingstbazar, der im Moskauer Ajdelsklub abgehalten wurde und lnahni, wie viele andere Leute, ein Lotterielos für fünfundzwanzig Kopeken. Ihm sollte der Hauptgewinn Zufällen, der in einem Automobil bestand. Toporkow glaubte im ersten Augenblick, vor Glückseligkeit den Verstand verlieren z!u müssen.

Sem Los hoch inj^er Hand haltend, stürmte er durch den großen Saal, llopfte sich mit der anderen Haird auf die Brust und rief laut, daß niemand es überhören konnte:

Ich bin es, der das Automobil gewonnen hat, bitte lassen Sw mich durch!" Den ganzen Vorschuß, den ec für die Festtage genommen hatte, verwendete «er nun, um eine Garage zn '.nieten, Benzin für den Motor zu kaufen und dem Chauffeur eure An­zahlung zu machen, der sich verpflichtete, die Maschine bis Pfingsten tadellos nt Gang zw bringen.

Die Tage vergingen dem Autoinobilbcsitzer wie im Traum, und sehnsttchtig erwartete ec stets den.Mrend. Sofort nach Schluß der Magazme eilte er nach der Garage, besichtigte seinen Schatz von all«! Zeiten, setzte sich ins C»oup6 mW verbrachte dort manche vcacht schlafend, ohne seine Wohnung aufsuchen zn loollen

In aller Herrgottsfrühe wachte er aus, warf den Rock ab, weg ans und begann mit einem Lappe« icbtn Griff und jede Lchranbe sorgfältig ech-znuciben. ddach Vereinbarung kam der Chauffeur jeden Abend, um den Näotor untersuchen und um Antwort zu. gelben auf all dis unzäUigen Fragen, die an ihn gc* richtet wurden.

Müde und erschöpft stellte sich Toporkow nach der Morgen-- arbert m seinem Laden ein und knüpLe mit jedem Menschen etn^ Gespräch über das Automobil mt. Wollte jemand Gummiband kaufen, dann hieß es: »

Gummiband? O, recht gern! . . . Wissen Sie, Gummi ist setzt außerordeicklich ^gestiegen. Ich kann es Jhiwn als Spezialist sagen, denn ,ehen Lst, ich besitze ja selbst ein Automobil. Die Eunumeeneu ,md von der FabrikKlaus'", aber was sind das auch für Reisen!"

Lassen Sic sich gnädige FraU, von der matten Farbe der Perlenborde nicht abschrecken, ans meinem eigenen Automobil ist die Politur auch .in diesem gedeckten Don, und 'dabei ist es doch eut Kraftwagen erster Güte!" . . .

Je, näher das Fest rückte, desto imgeldutdigere Blicke warf Herr Lllumpfband aus Dop0lloto>, bis er ihm eines Tages sagte- orLo Äien Sie doch die Käufer nicht andcnterud mist Ihrem Nuto mobil Mi. ^ ) rann es nicht wehr anhören. Entweder tut nimi ferne Berufspfticht oder etw'as anderes."

M» imx Er verlieb seinen Platz Unter der

Donbank, trat vor den CUf, legte den Damnen der linken Hand Unter den Westmarmel und sprach mit lebhafter Gestikulation der rechten Hand:

Wer über einen kapitalen Besitz verfügt, darf sich auch er­lauben, darüber Bemerkungen zu machen. Im übrigen hatten: 'Lie es, wie Sie wollen."

. c; ^ fort? Ta muß ich Ihnen doch erklären

daß Lie das ei-st übermorgen tun können, wenn das Magazin vor gehm " O^^ssen wird. Daun inögen Sie zu allen Teufeln

Warum denn erst übernwrgen? Wir leisten es nirs auch beute scholr, wenn es iiNs beliebt, und pfeifen auf alle Rechte."

< - «W JNen Nicht M, mch Sie dürfen bei dem leb-

yafien^-estbetrieb Jhreli Posten lischt verkasseii."

ü l re ? rF'cffi VH weidlich -sorgen und ich nicht! Er- Ä 5F e zum Abschied drücke . . "

^ . M^^^ostwrtsch reckte nlft Würde bat Hals, drehte sich wif dem Absatz um und umschrieb mit der Hand graziös einen Valbireis m der Luft.

Der Chef ergriff seine Hand wid hiell sie fest.

Aber Maisch, Toporkow' so stellen Z^ sich doch nicht an! Ich rede doch ganz gelassen mit Ihnen. Fetzt gerade, ,vv