Ausgabe 
1.10.1917
 
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dcrS mich als Mitglied des alten, landgesessenen Adels v>om Militärdienst befreit, Gebrauch zu machen.

Genehmigen Sie, Herr General, die Bersicherimg meiner Vollkommensten Hochachtung, nrit der ich zeichne

Hans Joachim voii Sormttz."

Er schloß und siegelte den Brief.

Töwt man!" sagte er dabei lachend. Dann klingelte er. Karl kam.

Der Brief wird heute noch durch einen reitenden Boten nach Magdeburg besorgt."

Jawohl, Jungherr."

Von der Straße her schallte Wagengeräusch.

Wer kommt da?" fragte Sormitz.

Karl horchte hinaus.

Vielleicht mein Freund, Herr von Litzbuer?"

Karl schüttelte den Kopf.

Nee, Jungherr! Dat sin nich de Lihbuerschen Gäul'! >e sin alt un pusten immer! Aber die, die kommen, lopern tvin 'n Hirsch nach dem Schuß, UN se pusten nich UN Menu se nich pusten, denn sin dat voch nich de Litz- buerschen"

,Sie halten vor dem Tore!" ries Hans Joachim auf­springend.Also doch Besruh!"

Jo, jo, aber nich de Litzbuerschen se pusten nich>." brummte Karl und ging hinunter.

Hans Joachim setzte sich wieder an den Schreibtisch. Aber rricht lange saß er da. Denn schon kam Karl wieder und machte ein ganz verdutztes Gesicht.

Jungherr, 's eener da!"

Na, wer denn?"

,,'n General!"

Was?"

,,'n General, jo! Un er möchte den Jungherrn sprechen! Soll ick 'n rinführen?"

Einen Augenblick überlegte Hans Joachim.Ja, führ' lhn herein," sagte er dann entschlossen.

Wenige Augenblicke später öffnete Karl die Tür und ließ einen französisck)en General eintreten, der die reichgestickte Uniform der Adjutanten des Königs von Westfalen trug. Es war ein großer, stattlich aewachsener Mann in den mitt­leren Jahren; das nicht unschöne Gesicht, in dem Augen unruhig flackerten, trug die Spuren vm schäften und Lmsschweifungen.

Er verneigte sich vor Hans Joachim, der kühl zuwartend chm gcgenuberstand.

"®*°f Wellingerode, Adjutant Sr. Majestät des Königs von Westfalen, aus Kasiel!"

Ah!"

Hans Joachim kannte den Namen. Er kannte auch die Laufbahn des ehemaligen Kapitäns Meysonnet, der es ver­standen hatte sich dem leichtserttgen Jerome in allen un­sauberen Geschäften unentbehrlich Au nrachen, und den der König zum Danke dafür zum Grafen von Wellingerode er­hoben hatte.

Ein Widerwillen erfaßte Hans Joachim, als er den: vielgenannten und vielgehaßten Manne gegenüberstand, von sprach ö^Ntchen schmutzigen Händeln das ganze Land

>Darf ich fragen, was Sie mir bringend fragte er rro,ng.

Etwas erstaunt er hatte doch wohl auf einen andern Edelmann^ ec ^ ne * ~ M Wellingerode den altmärkischen

srWf ?,bmme auf Befehl Sr. Majestät des Königs von Westfalen," sagte er.

Joachim rührte sich nicht.

~ Befehl Sr- Maiestät des Königs von Westfalen,

^orr^ Baron! wiederholte Wellingerode mit starker Be-

Hans Joachini blieb unbeweglich. Ein Blitz aus den schwarzen Augen fuhr zu ihm herüber.

- ^-Majestät der König," fuhr der Graf fort, befahl mir die Gelegenheit wahrzunehmen, die mich unter der Be- aieitnng einer starken militärisch^" A=a# "" - -

. Y .«- Eskorte" hier hob er

ne Stimme em wenigmit einem allerhöchsten Aus-

bes Stiftes Hobenbergen führt" nuJtaUa horchte ans, aber er blieb äußerlich re­

gungslos,und da mem Weg dabei am.Rittergut Linau vorübergeht, so befahl Se. Majestät, Sie, Herr Baron, aufzu- ,uchen und Ihnen den dringenden Wunsch Sr. Majestät aus-

zudrücken, daß Sie sich zur Nebernahme der Ihnen über­tragenen Adjutantenstelle ohne Verzug in Kassel bet rhrn vorstellen, um von da aus in das .Haupt­quartier Sr. Majestät des Kaisers geleitet zu werden. Sie sind vom Gouverneur der Festung Magdeburg bereits' be­nachrichtigt, und der Herr Gouverneur sagte mir heute mor- gen öei meiner Durchreise, daß er Ihnen nochmals in drin­gendster Werse geschrieben habe."

Wellingerode schwieg und schien auf Antwort zu warten. Aber Hans Joachim sprach kein Wort. Hochaufgerichlet stand er schweigend dem Grasen gegenüber.

Haben Sie auf diesen Befehl Sr. Majestät mir nichts mitzuteilen, Herr Baron?" fragte der letztere.

Hans Joachim warf das Haupt in den Nacken, c Allerdings, Herr Graf. Zunächst das, daß dieser Be- feylSr. Majestät, wie Sie es zu nennen belieben, mich aufs 'höchste verwundert."

Darf ich um eine Erklärung bitten?"

Noch" Hans Joachim betonte das Wort sehr stört ,noch, Herr Graf, habe ich das mir angebotene Offizierspatent überhaupt nicht angenommen"

Aber, mein Gott, Herr Baron, das steht ja doch wohl außer aller Frage."

sVerzeihen Sie, Herr Graf, doch nicht so ganz! Ich bm ein freier Edelmann und zu keinem Militärdienst ver­pflichtet"

Verpflichtet, Herr Baron! Wer redet von Verpflich­tungen! Hier -handelt cs sich um eine Gnade eines Kaisers und eines Königs"

c fr? Hnns Joachim ein,mit einem gehör- ,

wmjten Dank ablehnen muß, wie ich dem Gouverneur zu ^o^oeburg bereits vor.einer halben Stunde geschrieben

(Fortseirung folgt.)

Aus dem Leben des Generaifeldmar^challs von hindenburg.

. Dem Generalfeldmarfchall von Hindenburg jubelt morgen an serneui 70. Geburtstage das ganze deutsche Volk aus tiefstem und dankbar,tem Herzen zu. DerErretter der Ostmark, der 1914 mit vernichtenden Schlägen den Ikussen aus deri gesegneten Flirren Ost- preiltzens Mgte, ist zum deutschen Nationalyevos geworden. Wohl ward zu allen Zeiten genialen Kriegs selben die höchste Bsvimde- rung von Freimd und Feind zuteil, aber kaum jemals in der ganzen Weltgeschichte hat ein Heerführer sich derart auf das un- vedingte, unerschütterliche, greiizenlose Vertrauen nach Million^ zahlender Volkergrnppeii stützen können, wie es Hindenburg vernrav Zuversicht, ia der Wttge des endgültigen Sieges für Deutschland imd seine Bundesgeiwsseii.

Nicht allein seine zum Teil schon geschichtlich gewordenen Lei- Lsugm als Heerführer und als Hirn der gewaltigen Kriegsmaschine der Mittelmächte wi Kaurps gegen eine ungel^euerliche Uebermacht haben ihm dieses Verträum gesichert. Ter eiserne Vtarschall wur- ' Volksseele. Seine markige Persönlichkeit die schlichte Große sem^Wesens, die liebenswürdige Bescheideiiheit des mahrhast großen Mannes, habm ihn volkstümlich gemacht Ob rnr Palast, oo ur der armseligsten .Hütte ein jeder Deutsch siihlt mnig und stolz: dieser Miann, der so Gewaltiges im Weld- Odllbracht hat, ist Blut von meinem Blut, tausend Fädcii r Wesensverwvndtschast verbinden ihn und mich, er ist unser Nicht altern der natimralen Zugehörigkeit wegen, sondern auch mit Ieher Fiber fernes Wesens und Denkens. 9

Freuch allem Fremden und Eitlm, streng gegen sich selbst gläubig, loyal und selbstbewußt, hat Hindenburg sich selbst zu dein erzogen, was heute das Vaterland in der Sttmde der größten Not

ist nichts Augeftogenes, nichts be­gnadet Selbstverständliches In schwerer Arbeit an sich selbst biat ^ sich durchgerungm. durch eine harte Schule hat er gehen müssen.

ausgewachsen. Wieviel er dieser strengen Pflanzstätte altpreußgcher Zucht verdankt, hat der Feldmarschall in emeUi Briese Mi der: jetzigen Kommandeur seiner trüberen An- 5 ^ucmutWenn, ich m meiner militärischen Laufbahn," so hnßt cs m dem Briefe,viel erreicht habe, so bin ich mir stets gcrvesen, daß die Grundlage zn diesen Erfotgeir in meiner ö" Mm ift. War sckM, in S ^^rnhause Begeisterung für Meinen 'künfttgeir Beruf, die Liebe tu König und Vaterland in mein Kiiiderherz gesenkt' worden so

imd Jüngling im Kadetten- korps Kaur^adschast, Selbstüberwindung und Manneszucht neben der wissenschaftlicheii Fortbildung anerzvgen." Ein lustiges Ge- stlnchtlerrl Mis der Kadctteuzeit des MarschallZ-sei hier eingeschE *^ rü1öteTt harmlosen Jtigendstreich sah sich dessen Erziehiing er damals anvertraui war, zu der Aeußerung veranlaßt:Aus Dir wird Tein Leben nichts'" Jener