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Tie setzten Worte des Pwfeff^s verklangen unverstandxn an Marthes Ohr. J-Hr schauderte. Wie gebamit haftete ihr Buck an der figürlichen Tarstellmw, die allen so rätselhast geschienen hatte. Sie hatte laut auflachen können. . ckDas also ivar der Kern der ^ache! Ein alter Unteroffizier, der von dem erfreuten Vater zum Tanke für die Kettung seiner Tochter eine Börse oder vielmehr einen reichlich gwßen Beirtel mit Geld annehmen soll!
Aufgeregt goß sie die Tasse Mokka hinunter und spielte mit gezwungenem Lachen die Unterhaltung ans ein anderes JÄebiet; cs sollte ihr niemand die Enttäusch ing ansel-en. Ter Minister war galant genug, weder die verstellte Heiterkeit seiner schönen Wirtin, noch den feuchten Glanz ihrer Angen zu bemerken. Es war ihm außerordentlich peinlich, daß er durch das Herbeirufen des Professors Ursache dieser Niederlage gewesen. Ohne das wäre der — hm — etwas lächerliche Irrtum wohl zeitlebens unentdeckt geblieben. Nun, was in seiner Hand lag, sollte geschehen, um seine freundlichen Wirte, vor allem die liebenswürdige Frau neben ihm, für dieses demütigende Erlebnis zn entschädigen.
Einstweilen versenkte er sich in Bewunderung ihres lebensgroßen Porträts und Wichte ressen Vorzüge w feinsinnig und in so schmeichelhafter Würdigung des Originals hervorz^lyeben, daß Frau Marthe Fassung und Laune wiederfand und sich in guter Haltung von ihren Gästen, sogar von ihren besten Frenndttmon verabschieden konnte.
Nur der Professor blieb Lust für sie. Und was dein marechal des l-ogis anbelangt, so fristet er in echtem-Mahagonirahmen mit Auslagen von Silbervxyd ein rühmloses Tasein im Hinterstübchen.
vermnchtes.
* Tie schwarze Liste der Schundliteratur. Die /eit einigen Monaten regelmäßig vom Berliner Polizeipräsidium im Preußischen Zentral-Piolizei-Blatt veröffentlichte Liste der vom „Feilbieten im Umher ziehen/' ausgeschlossenen Sch mdlitcratur l>at' jetzt insofern erheblich au Bedeutung gewonnen, als das Benäuss'- vcrbot weiter ausgcdehit wurde. Seit kurzem dürfen die betreffenden „Werke" auch im stehenden Ge-verbe nicht mehr verbreitet, das heißt also auch in Buchläden nicht mehr seilgeboten tverden. Ta es noch immer vielen Kreisen nndetnnnt ist, mit w-elchen Mitteln die jugendlichen Menschen zu den verschiedensten Verbrechen verführt werden, entnehmen wir einem iüuszng der in der Deutschen. Strafre<e.to-ZeiUmg veröffontkicksten schwarzen Liste der Schundliteratur !'ie iolgenden Titel, die für sich selbst sprechen. Die noch immer ür - ich: BerherrlichAng des mehr oder weniger romantischen Räu.be.henp-tmann hat erdichtete, jetzt endlich verbotene „Berühmt feiten" hervorgebrackst wie: Arno Kraft, genannt der Go- liath; Arthur Robnr, der Anführer der schwarzem Bmrde; Arthur Vogelfang, genannt der Nebelreiter; Eartvüche, der Schrecken der Tyrannen und Abgott der Frauen; Fra Tiavolo: Jack, der Ans - schlitzer: Ernst Adolf Schilling, genannt die Blntdogge: Schinder- bannes; Georg Petermann, der Zigeimerhauvtmann. Tiefen herrlichen Erscheinungen wird durch die Tetektive die größte Konkurrenz gemacht. die sich nicht gerade mit Bescheidenheit als „Welt- detrl'tive", „Tetektivkönige" us.v. bezeichnen. Auch hier können die Titel gewissermaßen Bände sprechen. Von dem jüngsten Verbot wurde z. B.'John Spuriock getroffen, trotzdem er'wirklich über ganz ungewöhnliche Fähigkeiten verfügen muß, da er den Beinamen „der Mann mit den tausend Gesichtern" trägt. Ein anderer verbotener .Held ist Gerhard Rotenberg, der Fürst ^der Geheim Polizisten, auch die anglo-amerikanischen Perlen Jack Franklin und Nat Pakerten sind ?.n nennen, die übrigens auch ans eine weibliche Kollegin namens Ethel King mit Stolz blicken können. Auch zur Kenntnis des sogenannten „Milinns", in dem die Ereig-'.isie sich abspielen, liefert die neueste Liste charakteristische Titel. Es genügt wohl, wenn man den „Sumpf der Großstadt" erwähnt, die „Beichte der Entehrten", die „Lewen des schönen Fabrilmädchens", die Galeere und das Irrenhaus.
Vüchertlsch.
— Geschichte Alexandcrs des Großen von Joh. Gustav Dropsen, mit einem Vorloort von Sven Hebin und einer Einleitung von Tr. Artur Roscnberg. Neue billige Volksausgabe. In Pappband 4 Mark. R. v. Deckers Verlag, G. Schenck, Kgl. 5>oibnchhändler, Berlin »SW 1.9, Jerusalemer Straße 6ii. — Tropfens Buch üWr Alexander den Großen gehört unstreitig zu den klassischen Werken der deutschen historischen Prosa. Hat aber auch für den Leser von 1917 die Geschichte Alexanders einen unmittelbaren Reiz, abgesehen von der Belehrung über eine wichtige Epock)cko er Vergangenheit? Man wird diese Frage wohl bejahen dürfen, und zwar wegen des hervorragenden kriegsgeschichtlichen. Interesses, das die Feldzüge der makedonischen Könige erw^kem Man kann wohl sagen, daß wir bei der Eroberung des Perser- reiches durch Alexander zum erstenmal in der Weltgeschichte die systematische Arbeit eines denkenden Generalstabes verfolgen können. Größere Truppenbewegungen sind natürlich auch schon in der Epoche mir Alexander erdacht und geleitet worden. Als König Darms seinen sogenan nten Skpthenzug vorbereitete, hatte er eine
GkchriirE-luna: Fr. R. Zeaz. — Zivilliligsrnnddruck und Verlag der B
Armee eüva auS der Gebend »des heutiges Bagdad im die Dvdrudschü M versetzen, eine Leistung-, die auch im Zeitalter der Eisenbahnen und Automobile recht achtbar wäre, uin so mehr im Altertum mit seiner primitiven Technik. Noch vor einigen Jafocn wäre es undenkbar erscknenen, daß aus den Schlachtfeldern der Antike, den Schlachtfeldern des großhellenischen Weltreiches, in Makedonien, Aeghpten und Mesopotamien neue Schlachten gesckstagen werden könnten und daß der Name Alexanders des Großen in Verbindung mit der Gegewvart wieder aus dem Schitt der Jahrtausende auftauchen würde. — Inzwischen sind historische Tatsachen entstanden, und Mesopotamien, der mptlstsche Schauplah paradiesischer Idyllen, l^rs Land zwilchen Euphrat und Tigris, unsere äußerste östliche Front fft «uns fast ebenso geläufig geworden lvic Mazedonien uuÄ der Suez. So darf es nicht wuuderneh.Nen, wenn dem Ingend-- lvere Dropseus'eirre verdiente und fast selbstverständliche Wieder- aiiferstel-nug bereitet wird, um aus Herr Spuren Alexmiders jene Stätten wieder^aufzusuchen, die durch ihn eine fast legendäre und bis aus unsere Tage unbestreitbare Berühmtheit erhielten und urbew bei der i inst liehen K'nlttirlvelk damals überhaupt zum erster m^äl er- sechlossen wurden. In dieser Geschichte erscheint Mexander ivahrl-aft groß und beniniderungswürdig, und nichts vermag diesen erstaun- 1ick>eir Nimbus zu mindern, so daß auch unsere moderne Forschung, die -stber Dropsen, von rvonigen abgesehen, fast zroch nicht hinaus- gekommen ist, heute noch auf sein Werk als grundlegend.stir die Alexander-Forsclprug angewiesen ist. Tie Anschafffcng dieses über 60.) Seiten in Groß-Oftav starken Buches, fesselnd von der ersten bis zur letzten Sette, form mit empsvl-len iverdeu.
— „Unter englisch-französischen Truppen an der Front." Von ... im englisch-ßranMischeu Hanptgnar- tier. 10 Bogen stark. Ladenpreis 1,50 Mark. Verlag Rud. Schick & Go., Leipzig.
— Leipziger „I llustrierte Z e i t u n g". Ter deutsche Durchbruch der russischen Front bei Riga findet in der soeben er- • schic neuen Nummer 3872 der Leipziger „Illustrierten Zeitung" eingehende Berücksichtigung. Von bert verschiedenen großen illustrierten Betträgen ans dieser Nummer sei namentlich aus den Artikel von Dr. Rvtt „Tie gesundheitlich" Fürsorge für Deutschlands Nachwuchs" hingewiesen, dessen graphisch-statistische Bilder in packender Weise vorführen, ivelche Bedeutung der Säuglingsfürsorge in dem jetzt so viel besprochenen Bevölkerungsproblem zukvmmt.
Gietzener Hansfr-reen-Berein. Kochnnweisungen.
Gurken mit Tomatenfüllung. 8 dicke Gurken schält man, schneidet sie der Länge nach durch, entfernt nnt nnem Löffel die Kerne, ttäuseli etwas Essig auf die Gurken, salzt sie und läßt sie eine Weile stehen. Jiizwisä-en .nacht man die Füllung; eilte geweichtes, ausgedrücktes Brot, V* Pfund etwas gehackte Tomaten, fein geschnittene Zwiebel, 1 Ei, Salz, Pfeffer und walnußgroß Butter, brennt man auf dem Feuer abc bis es dick ist. Mau tut noch 2—3 Lössel Gries dazu, doch darf die Füllung nicht stüssig sein und muß pikant abgeschmeckt werden. Dann trocknet man die Gurke von außen ab, füllt sie, bindet sie zu und brät sie ringsum in etwas Fett in der Bratpfanne bräunlich: dann füllt man Wasser auf und läßt sie bis Kum Garwerden etwa \ > Stunde kochen. Man bindet die Soße vor dem Anrichten mit Mehl und gibt das Gericht mit Salzkartoffeln zu Tisch
Kartoffel-Auflauf. Mau schält ebte beliebige Anzahl großer Kartoffeln, reibt sie uud drückt die Masse in einem Mullbeutel gut aus. Solck-e legt man in eine tiefe Schüssel, gießt l U Liter siedendes Waffer -"besser Magermilch' darüber, fügt 1 Ei oder Eiersatz und 3—3 l /s Lössel Mehl oder Gries und 2—3 geschälte, in feine Schnitzel geschnittene, gezuckerte Aepfel dazu und verarbeitet alles gut. Ich eine gefettete.feuerfeste Form füllen und schön gelbbraun backen. Man kann 1 / 2 Backpulver beifügen.
Geschmorter Fisch mit Ge m ü s e. Ein Pfund belie- biaer Fisch wird geputzt, enthäutet, entgrätet und in Stücke zerpflückt. Man salzt ihn und streut etwas Pfeffer darüber. Jegliches Gemüse, also Kartoffeln, Karotten, grüne Bohnen und Kohlrabi, auch eUvas Blumenkohl, wenn man ihn hat, schneidet man klein, am kiesten in Würfel, und läßt das Gemüse in- Salzwasser 10N-i- nuten überwallen. In eine Schmorpfanne gibt man lagenweise Fisch und das Gemüse, übergießt dos Ganze mit etwas Gemüse- wasser, daß es nicht über der Masse steht^ gibt einen Löffel Fett dazu und stellt das Gericht nach 10 Minuten Ankochen in die Kochkiste.
Gleichung.
(a— 7 a b) + c + d — (e—f) — x a Fanggerät, b Nahrungsmittel, c Fluß in Asien, d Teil de« Baumes, e farbenprächtige Blumen, f Himmelskörper, x unwillkommene Gabe des Herbstes.
(Auslösung in nächster Nummer.)
Auslösung des Buchstabenrätsels in voriger dtummer:
Trost, Rost, Ost, st.
ibl'schen UniversitütS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießens


