Menehould?" unterbrach eine btt cklten Damsn die Vorleserin. „Ste Menchould? Das ist dach «vohl der Geburtsort Unserer Urgroßmutter. Ich habe meine Mutter öfters davon er- -ählen Hüven, und der merkwürdige Ncune Hot sich meinem Gedächtnis qtngeprägt. Und wenn mir recht ist, hieß sie auch Milet. Bs muß 'sich da um euren Verwandten vo« dieser Seite handeln."
Mckftig! Daß inan nicht ehter daran gedacht hotte. Nun. begann inan sich erst den Ata bl tisch genauer anzusehen. Im Em-> vires!il aevlNr^kerbe L^rbeergirlanden schmückten daS große Brnst- dild des Marschalls Milet, ckoähreird zu beiden Zeiten die mit Empireranken umrandeten Medaillen die Rettung -und Heimkehr eines von Mördern, bedrohten jungen Mädch<ens zeigten. Matthe Übersetzte Weiler:
Plötzlich hörte er Hilferufe und eilte als unerschrockener Militär, der er war, zu Hilfe. Mer tejie groß Ivar 'sein. Erstaunen, rrlS er ein junges Mädchen von achtzehn lcks zwanzig Jah'-en von zwei Schurren an einen Baumstamm gefesselt sah, ein Opfer ihrer Brntalität. Bei diesem entsetzlichen Anblick zaudert der tapfere Marschall keinen Augenblick; er reißt den Säbel aus der Scheid-e, schlägt bannt dem einen Wegelagerer die rechte Wange ab, jagt ihn in die flucht und schlägt dem zloeiten den Revolver aus der Hand, den dieser auf ihn abzüschießen im Begriffe stand. Nachdem er die beiden noch etwa sechzig Schritte verfolgt hat, kehrt er zu dem unglücklichen jungen Mädchen zurück, befreit es von seinen Banden und führt es den dankbaren Eltern yn, die ihm gerührt die Hand nÄ-rer_ Tochter als Geschenk aubieten. Aber der tapfere! Marschall ifr auch darin tapfer. Er erwidert, daß ihm leichter gewesen sei, das junge Mädchen aus den Händen der Bösewichter zu befreien, als es ihm.sein würde, es im Alter von 77 Jahren, in dem er sich befinde, glücklich zu machen. Der Vater, von Dankbarkeit durchdrungen. . .
Hier hörte die Möglichkeit, weiter zu lesen, aus. Ein großer, bräunlicher Stockfleck hatte sich misgebreitet und die blasse Schrift fast! gänzlich verwischt oder wenigstens unleserlich gemacht.
Schade! Man hätte so gerne noch den Schluß gehört. Mer schließlich die Hauptsache weiß man. Dieser alte Verwandte war ein Marschall Frankreichs — war ein Held und Ehrenmann, auf den man alle Ursache hatte stolz zu sein! Wahrscheinlich einer jener tapferen Krieger, wie Ney und Lesebre, die sich von der Pike heraus zu den höchsten Würdenstetten emporgearbeüet hatten! Marschall \ Milet! Wahrhaftig, niemand hätte geahnt, daß solch ein Glanz ! von der Urahne ausgchen würde. Welch mertwürdiger .Zufall, daß der Heimgang von Tant' Louis, dieser letzten Repräsentantin einer stolzen Vergangenheit, die Veranlassung zu dieser Entdeckung war!
Alle Landrhs fühlten sich beglückt. Der Registrator machte aus dep Orden .rnsmertsam, der die Brust deö Marsckalls schmückte. Wahrscheinlich der „Pour le m erste". Nein, lächelte von oben, herao der Vezirlslommandeur, das sei ein preußischer Orden. Ties hier sei unzwttbstaft das Kreuz der Eh.enlegio-n. Der Kanzlcirat zuckte die Achseln; er war auf dem Gwitte von Kunst und Altertümern Autorität; die französisch? Sprache und Sitten waren au ß ihm ziemlich terra ine-ogniio geblieben. Man erging sich also in Beunrnderung des tapchwer:. Ahnherrn. Es war Goch Dine Kleinigkeit für einerc Mann von siebenundsiebzig Jahren, de r Kampf mir solchen ruchlosen Schn Am aufznneh neu, die vermutlich jung und tranig und gesöhriich' Gegner waren. Und daß er die Hand des blühenden Mädchens ansschlug, dessen Jugend und Schönheit ferne alten Tage hätten warm rrnd behaglich machen tonnen, das war doch auch ein .Beweis pon Edelmut ^und Charakterstärke.
^n Marche stand cs fest; sie mußten ches Marschalls Bild haben. Ihres Gatten Ehrgeiz stand noch dem Kommerzienrat. Musste es ih;n nicht ein besonderes Relief verleben, och; sich in seiner Familie Freiherren \nw Mar schälte besu irden hatten?
Er mutzte einen Preis bieten, der jeden Wettbewerb aus dem Felde schlug. Gern übernahmt jie die Bervsliclpstmg dazu, den iiiiciTHantelt Stich für jeden Erben vervielfältigen zu lassen Nun -nur es eine Haupt-und Steatt-aläion, einenpassenden Rahmen ztt finden. Man war überglücklich, als der Zufall bei einem Altertum.!: Händler gleich das Gesuchte in die Hand spielte: echtes Mahagoni mit Auflagen von Silbe, oxvd.
™ Ä^?ga.:rten.Enrpire-Salon der jungen Frait fand „der Mar sch all fernen Platz neben dem Kamin, gerade so, daß die Blrcre der Besucher aus ihn fallen mußten.
Matthe veranstaltete einige intime Tees, um die Geschichte des alten Bckoes erzählen zu können, und weidete sich <rn ihrem ^rrumvhe, den nicht alle .Zuhörerinnen ihr neidlos gönnten. Auch Leo Land'.",? freute sich aus den Tag des großen Tiners das alljährlich mit großem Prunk gegeben tvurde und die ersten Kreile der Stadt vereinigte. Man wartete nur ttoch die Ankunft des. Ministers ab, dessen rechte Hand Leo bei der Gründung eures Blindenheims gelösten wird für das er große Sumnrcn ge- qebc'.i hatte. Aber die Schneeglöckchen hoben sck>on ihre zarten Vanpter aus der winterlichen Erde, als der schmerzlich Herbei ^sehnte eintraf und Landrys ertdlich die Eilckadungen zu dem Winterfeste erlassen konnten, das diesmal an Pracht alles über- trefsen sollte, tvas das reiche Haus jemals geboten hall»
Der teifer führte Näarthe m einem Feengewand von nixen- arun ver,chlttetter Goldstickerei zu Tische und war in bester LZanne, die Me schöne Frau jum Teil auf ihre Uiiteryaltwiq--
^mfii Mrückrühcen konnte. Der sicher durch Hoffeste Verwöhnte bewunderte alles, die geschmackvoll dekorierten Mrmue, das prachtvolle .Kristall, das altertümliche Silber „aus der Famtkke". Äe
I guten .Freundinnen blinzelten sich zu: „Jetzt kommt der Mar- lchall!" Aber Frau Marche war llüger. Sie wartete den Augenblick ab, wo der Mi.Ester, von Wein und Gesellschaft angenehm erregt, ihr den Arm vor. um im Booudoir eine Tasse Mokka zu trinken. Graziös lehnte sie ihre zierliche Gestalt wider den Kamin und lenkte ihren Partner dadirrch so glücklich, daß sein Blick aus das eigentümliche Bild fallen urußte und er gehorsam die Frage stellte, die sie so gerne beantworten wollte.
IM erst stieg der Urahn ans dem Dunkel der Vergau.genheit glorreich hervor. Ter hohe Gast war vielleicht von der hübsch hervorgebrachten Erzählung mehr interessiert, als von der Sache selbst, hörte aber höstich und aufmerksam zu, als Marthe nun in flüssigem Deutsch die Heldentat des alten Militärs zu übersetzen begann. Und als Martbe an den bräunlichen S West lech 1 gelangte, der allen Bl ei chv er suchen zum Trotz nicht hatte weichen j sollen und nun achselzuckend anfhörcn mußte, ivar auch seine I Teilnahme an dem Geschick des alten Verwandten seiner schöner i Wirtin so lebhaft erregt, daß er ihr das Bild aus der Hand nahm j und nun seinerseits die verblaßte Schrift unter dem Fleck ZN enH- j rätseln versuchte. „Le pßre . . . penötrs de vscpnnaissance . begann er in näselndem Französisch, gelangte aber nicht weiter, so nahe er auch an die elicktrische Lichtslamme trat. Ter größte Teil der Gäste sammelte sich um die beiden, und die Gescküchte des Landryschen Urahns, eines Marschalls von Frankreich, ging von Mund zu' Mund.
Plötzlich schstig sich der Minister vor die Stirn. „Wie ist mir deikn! Ich halw ja einen Experten bei mir, Professor Seliger aus Straßburg, der -oird uns auch diese „dunkle" Stelle lösen rönnen."
T-er Stab des Ministers, der ihn auf dieser Berufs reise begleitet hatte, war mtt erngeladen, und so !var der Professor, der sich tritt einigen Herren bei enter Zigarre sestgeseh- hatte, l'ald zur Stelle. Auf die Frage, ob er seine Lupe bei sich Hab«, kam die lächelnde Anttvort: „die verläßt ntich keine Sekunde." Man reichte ihm das Bild herüber. Mit scharfem Blick überflog das Auge des Getchtten Zeichnung und Inschrift. Halblattt las er die französischen Worte und begann die versleckte Stelle zu en'tzissern: Le pstre pänäträ de reoonnaissance le ptte . . . ^ d'accevter au moins . . . une bottrse . . . pour prix . . . d'ime si belle aetron. Le genäreux militaire lui ossure . . c\\t€ la recom= pev.se eft . . . da ns son co eur.
Mühsam hatte der Professor die fehlenden Worte herausgefunden. Aber die Lupe und sein geülckes Auge hatten Mnai Zweifel gelassen. Aussckanend traf er aus den empörten und ungläubigen Blick seiner scl'.ö.ten Wirtin, auf ein Erstaunen im Auge des Mtni- siers, auf 'halbsvisttischc Gesichter der Umstehenden. AhuungsloH, um was cs ]ici} handle, daß seine Worte den Stolz einer Familie verleiten würden, übersetzte er inS Deutsche:
„Durchdrungen von Dankbarkeit U>t der Vater ihm eine gesü-lte Börse zum Danke für seine schöne Handlungsweise an."
Mit zitternder Hand unterbricht Mapthe ihn: „Unmöglich! Das muß ein Irrtum sein. Wie hätte der Vater es gewaot, ihm Geld anzubirten?''
„Warum nicht! In solchen.Kriegszeiten . . . Und einem alten Korporal ..."
,.Kor'.oral? Haben Sie nicht die Inschrift gelesen? Es handelt siclr um einen Marschall Milet, einen Marschall von Frankreich."
Um des Professors Mund zuckte ein gutmütig-spötrisches Lackeln. „Verze-h-n Sie. meine Gnädigste. Das ist ein Irrtum zu dem die hochtrabende Bezeichnung verleiten kann. Marächnl des lvgis ist der französische Name für einen fimpfen Quarlieruieister."
„Des logis? Wer stricht denn von mareckwl des logis ?"
„Darf ich bitten, gnädige Frau?"
Höflich bringt Professor Seliger die Litpe über die unleserliche Stelle, mit deren Entzifferung sich bisher als unittesenttich kein wtensch bemüht hatte. Tie Lolossaie Vergrößerung der wivstgen, aber deutttchen Lettern bringt ihr daS aufttärende „!>'s !vgw"'wie mit Flammenzeichen vor die Augen. Mar Aha l des locho - die Bezeichnung ist ihr fremd; aber daß sie den Titel eines M-arschalls
we,evtltch beeinträchtigt, ist begreiflich
dva> lerne Korporalsunisvrm. Schars wendet sich sich zum Professor.
„Tlber die Uniform, die Orden!" . . .
„Orden mag der fiebert und siebz igj ährige Krieger in jenen unruhigen Zeiten leicht viele eingeheiinst haben; denn seine Tavfer- keil ist offenbar. Tie Uniform, die der Zeichner allerdings mit sehr viel.Liebe behardelt hat, ist aber keineswegs die ... höher» vMMrS. Hier, ,ehen Sie" — mitleidslos in seiner SaackeunrniL Hwiirgt der Gelehrte die junge Frau, sich vollständig von ihrem Jrrttrm zu überzeuaen — „auf der untereit Dlanlette n» der Va er l>em Ret^'r seiner Tochter die Gelbbörse anbiete, ist die gonze Gestatt douttich fidy&ar, die Gestatt einos allen llrcl«* offiziers. AußerdE cfct maröchal des logiS mochte allein den "Sey durch die uwvirtlichen Vogesen antrctcn. ein mar6<l>ll de Frauee Ware sicher nicht ohne kkemes Gefolge gereist.


